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Alfa Romeo 166 2.4 JTD

Nagel-Probe: 100.000 km im Diesel-Alfa

Alfa Romeo 166

Die Erfahrung lehrt: ein Alfa im Dauertest ist immer für Überraschungen gut. Der Alfa Romeo 166 2.4 JTD zeigt, dass es auch dieses mal viel zu berichten gibt.

02.07.2001 Wolfgang König

Hier zu Lande sieht man ihn nicht oft, den Alfa 166. Das Auto ist rar wie Hühnerzähne. Pro Monat greifen im Schnitt nur etwa 200 Bürger zum großen Italiener, aber fast 30 Mal soviel zum Audi A6. Die E-Klasse von Mercedes erreicht Faktor 40. Das Leben ist ungerecht.
Ohne Zweifel hat der 166, speziell was seine Qualitäten als Reiselimousine angeht, mehr verdient. Nach zwei Jahren und 100 000 Kilometern musste fast jeder, der den knallroten Dauertest-Alfa - es handelt sich um die Dieselversion 2.4 JTD - auf seinem langen Weg begleitete, feststellen: Der 166 gehört zu den unterschätzten Autos.
Dem mochte nicht einmal Michael Schmidt widersprechen. Dabei traf es den rasenden und mit den Gebrechen der Alfa-Technik vertrauten Formel 1-Reporter von auto motor und sport wieder einmal besonders hart. Erst schien es, als wollte sich der Alfa bereits bei Kilometer 14 130 und zwar mitten im belgischen Malmedy in Rauch auflösen.

Schmidt: „Innerhalb von Sekunden hingen im Innern dichte Schwaden, das Auto verschwand in einer Rauchwolke." Anschließend bot ein in einem Straßencafe verweilender Alfa-Händler, der das Schauspiel aus nächster Nähe beobachtete, spontan Hilfe an.
Dann ereilte Schmidt das Schicksal erneut, diesmal auf dem Weg nach Monza. Kaum hatte er auf der A 81 Sulz erreicht, da wurde die Fahrt schlagartig beendet. Mit einem Knall verabschiedete sich der Vortrieb, und der Alfa konnte nur noch ausrollen. Kilometerstand: 69 607.
Was war passiert? Wie so häufig waren es Kleinigkeiten, die hier große Wirkung zeigten. Eine solche drang unmittelbar vor der ersten unfreiwilligen Dauertest-Unterbrechung in den Turbolader vor, wo der umherfliegende Festkörper sodann genug zertrümmerte, dass Schmieröl in die Brennräume gelangen konnte.
Das Dumme daran: Die Schuld traf nicht den Alfa, sondern seine Werkstatt. Nach der Reparatur eines beim Zusammenprall mit einem Dachs eingefangenen Schadens der Karosserie unterließen es die Experten der Alfa-Vertretung, den Ladeluftkühler von Schmutzrückständen zu befreien. Folge: zehn Tage Werkstattaufenthalt.
Weitere sechs Tage verschlang die zweite Panne. Ursache für die Unterbrechung des Kraftflusses war ein so simples Teil wie die Mitnehmerscheibe der Kupplung, die hier zu Bruch ging - nicht ganz unerwartet, wie sich herausstellte. Denn schon 10 000 Kilometer zuvor monierte auto motor und sport verdächtige Geräusche im Antrieb, doch die Werkstatt winkte nach Rückfrage im Werk ab. Als Übeltäter identifizierte man das Getriebe, was freilich kein Anlass zu sofortigen Maßnahmen war.
Ein fataler Fehler, der gravierende Kommunikationsprobleme zwischen Hersteller und Werkstatt auf Kosten des Kunden aufzeigt: Die Schwachstelle war zumindest im Werk offenbar bereits bekannt.
Dort flossen verstärkte Mitnehmerscheiben nämlich schon in die Serie ein, im Ersatzteillager waren sie dagegen immer noch nicht zu finden, was den langen Werkstattaufenthalt erklärt. Wenige Wochen später freilich, bei Kilometer 84 520, musste der Alfa erneut auf die Hebebühne, und wieder bedurfte es eines Abschlepphakens, um ihn in den Heimathafen zu befördern. Gestrandet war das Dauertestauto diesmal auf dem Rasthof Hockenheim, wo der Fahrer unter dem Wagen eine sich rasch ausbreitende KraftstoffLache bemerkte.
Erschrocken verzichtete er auf die Weiterfahrt-eine kluge Entscheidung, denn die undichte Hochdruckpumpe der Common-Rail-Einspritzung hätte den weiteren Verlauf der Reise zweifellos stark beeinträchtigt, wenn nichtjäh unterbrochen. Kosten der zweitägigen Reparatur inklusive Erneuerung von Zahnriemen und Riemenspanner: 2276 Mark.
Insgesamt sind es sechs außerplanmäßige Werkstattbesuche, welche die Dauertestbilanz des Alfa trüben. Endgültig verhagelt wird die Bilanz jedoch durch die Tatsache, dass drei davon die Folge von Totalausfällen waren.
Ansonsten waren es mal Rasselgeräusche am Schalthebel (Schaltzüge), mal Klappergeräusche von unten (Motorraumverkleidung), die einen Boxenstopp ratsam erscheinen ließen. Zum Schluss musste noch der Luftmassenmesser der Einspritzung erneuert werden - eine Störungsliste, die der des ebenfalls defektanfälligen Audi A6 TDI kaum nachsteht.

Der Rest beschränkte sich auf kleinere Beanstandungen und die im Dauertestbetrieb üblichen Verschleißreparaturen, allesamt Mängel, die im Rahmen der vorgeschriebenen Inspektionen behoben wurden. Alle 20 000 Kilometer will Alfa den 166 in der Werkstatt sehen, ziemlich häufig also. Zum Trost fallen die Kosten der einzelnen Inspektionen relativ human aus.
Doch es gibt auch durchaus Positives zu berichten. So wirkt der Langläufer am Ende der Distanz erfreulich wenig verschlissen. Die Sitze, die sich durch ihre gute Passform auszeichnen, sind noch straff, das schöne Leder sieht noch frisch aus, und die Türen schließen noch satt.
Klapper- und Knistergeräusche sind allenfalls auf stark ondulierten Straßen ein Thema. Und auch der Lack hat sich gut gehalten.
Erfreulich aber auch das höchst angenehme Betragen des 166 im Alltag. Dazu gehört, dass groß gewachsene Fahrer ihre Beine nicht mehr froschartig spreizen müssen - an der Sitzposition gibt es beim 166 nichts auszusetzen.
Man genießt reichlich Platz, alle wichtigen Bedienungselemente sind auf An hieb zu finden, und sogar Details, die von Alfa in der Vergangenheit als eher unwichtig eingestuft wurden, sind nun wohl durchdacht. So etwa die Scheibenreinigungsanlage mit großem Wischerfeld und nicht weniger als sechs durchsatzkräftigen Waschwasserdüsen. Freilich bleibt auch beim 166 noch Raum für Verbesserungen. Das Fahrlicht ist so, wie es die kleinen Scheinwerfer vermuten lassen: schwach. Kofferraum-Entriegelung (im Handschuhfach) und Lenkradverstellung (im Fußraum) sind gut versteckt, die Klimaautomatik verursacht wegen zu hoher Luftgeschwindigkeiten Zugluft, der Wendekreis ist mit 12,5 Metern zu groß, und die Karosserie scheint den Schmutz magisch anzuziehen.

Dafür sieht sie blendend aus. Keine Frage: Im Vergleich zur eher schmerbäuchigen deutschen Konkurrenz kommt der große Alfa rank und rassig daher - genau so, wie man es vom Italiener erwartet. Umso leichter lässt sich darüber hinwegsehen, dass die Raumausnutzung nicht die Beste ist, was sich speziell im Fond bemerkbar macht. Ein Mercedes der E-Klasse etwa bietet mehr.
In seiner Art unterscheidet sich dieser Alfa hingegen deutlich von der gängigen Folklore. So sind es nicht Temperament und Spontanität, die ihn auszeichnen. Seine Stärken liegen im Komfort und in der nervenschonenden Gangart. Diesbezüglich darf man gerade die getestete Variante des 166 als Geheimtipp bezeichnen: Der Diesel muss es sein, mag das Traditionalistenherz auch noch so schmerzen.

Mehr Crema als der weich laufende Ölmotor im JTD haben auch die V6-Espressos im Modellangebot nicht zu bieten, von den vielen Newtonmetern ganz zu schweigen. Hässliche Nagelgeräusche vernehmen höchstens die Passanten, drinnen ist vom Diesel bei normaler Fahrweise fast nichts zu hören.

Erhöhter Dieselgenuss stellt sich bei Drehzahlen von 2000/min bis 3500/min ein, wo der Direkteinspritzer in seiner Schmauchzone arbeitet und bis zu 304 Nm abgibt. Dank des passend abgestuften Sechsganggetriebes sind längere Aufenthalte in diesem Bereich kein Problem. Unter 2000 Touren lässt sich der Diesel viel Zeit beim Gasgeben, und auch der hochtourige Betrieb über 4000/min bringt wenig.
Das Resultat dieser Charakteristik ist eine gelassene, durchaus zügige Fahrweise. Typisch sind die Kommentare im Fahrtenbuch: „optimales Langstreckenauto", „idealer Autobahnmotor", „angenehmer Reisewagen". Gelobt wurden auch die Qualitäten des Fahrwerks. Der Fronttriebler wirkt handlich, folgt Lenkmanövern präzise und willig und bietet obendrein einen angenehmen Federungskomfort. Selbst das berüchtigte Alfa-Stuckern beim Überfahren von Querwellen durchzuckt den 166-Piloten nur noch in gemilderter Form.

Von seiner besten Seite zeigte sich der Dauertestwagen aber erst beim Blick auf die Tankuhr. Ungeachtet des vorherrschenden Eiltempos ermahnte deren Zeiger verblüffend selten zum Auffüllen des 72-Liter-Tanks. Am Ende errechnete sich ein Verbrauch von durchschnittlich nur acht L/100 km. Gemächlichere Urlaubsreisen erledigte der Alfa sogar mit weniger als sieben Liter- eine reife Leistung für ein Auto dieses Kalibers.
Die Aufwendungen für Kraftstoff sind aber bekanntlich nur ein Posten in der Kostenbilanz. Ein anderer, nicht minder schwer wiegender ist der Wertverlust, und genau hier schlägt es beim Alfa schwer ins Kontor. Das Auto, das mit allen Extras 73 170 Mark kostete, sollte laut Schätzung zum Schluss gerade mal 33 050 Mark wert sein - ein Nachteil, der übrigens auch Leasingkunden trifft. Die Angebote sind beim 166 entsprechend kostspielig.
Wer Schönheit will, muss also mitunter leiden - im Falle des großen Alfa nicht so viel wie beim unzuverlässigeren 156, aber weit mehr, als es eine glückliche Beziehung auf Dauer zulässt.


Vor- und Nachteile

  • angenehmer, kultivierter Dieselmotor
  • passend abgestuftes Sechsganggetriebe
  • geringer Verbrauch
  • große Reichweite (etwa )00 Kilometer)
  • bequeme Sitze
  • guter Fahrkomfort
  • präzise Lenkung
  • großer Kofferraum
  • ordentliche Verarbeitungsqualität
  • geringer Reifenverschleiß
  • attraktiver Preis
  • Stuckern des Vorderwagens beim Überfahren von Querfugen
  • schmaler nutzbarer Drehzahlbereich
  • lautes Leerlaufgeräusch
  • geringe Kopffreiheit im Fond
  • großer Wendekreis
  • schwaches Abblendlicht
  • Schwache Heizung
  • Klimaautomatik neigt zu Zugluft
  • unpräzises Navigationsgerät
Technische Daten
Alfa Romeo 166 2.4 JTD
Grundpreis29.911 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4720 x 1815 x 1416 mm
KofferraumvolumenVDA490 L
Hubraum / Motor2387 cm³ / 5-Zylinder
Leistung100 kW / 136 PS (304 Nm)
Höchstgeschwindigkeit202 km/h
Verbrauch7,2 L/100 km
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