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Audi A3 1.6

Glanz-Kummer

Audi A3 1.6

Der Audi A3 zählt zu den Schmuckstücken der gehobenen Kompaktklasse. Doch mit dem Aufpreis, der im Vergleich zur Konkurrenz gezahlt werden muss, steigen die Erwartungen. Der A3 erfüllte sie auf 100 000 Kilometer Dauertestdistanz nicht ganz.

25.12.1999 Birgit Priemer

Wer in der von Golf und Astra geprägten Kompaktklasse Wert auf einen eigenen Stil legt, der muß etwas tiefer in die Tasche greifen. Zum Preis der Stangenware gibt es kein Designer-Outfit – wie in der Mode.
Doch daß die Kunden in diesem normalerweise preissensiblen Segment durchaus bereit sind, für ein etwas anderes Aussehen auf der Straße auch mehr zu zahlen, beweist die Erfolgsgeschichte des A3 , die im September 1996 begann. Die hohe Nachfrage führte zu langen Lieferzeiten und sorgte auch dafür, daß Karosserie-Varianten wie der Viertürer und die S3-Version erst 1999 nachgeschoben werden, um weitere Lieferengpässe zu vermeiden.
Bereits im Juli 1997 rollte ein kornblumenblauer A3 mit dem 101 PS-Basistriebwerk und in Ambition-Ausführung in die Redaktion, um zu beweisen, daß es wirklich etwas Besonderes ist, mit dem kompakten Audi unterwegs zu sein. Bei einem Aufpreis von rund 4200 Mark im Vergleich zu einem VW Golf darf man schließlich einiges erwarten.
Aber es wurden längst nicht alle Erwartungen erfüllt, wie auch aus dem kritischen Resümee der Leser hervorgeht: „Noch einmal werde ich mich nicht für einen Audi entscheiden“, schreibt Werner Kuhlmann aus Monheim, der bereits in den ersten fünf Monaten auf sechs außerplanmäßige Werkstattaufenthalte verweisen muß, während Marc Schwenn aus Hamburg nach 20 unfreiwilligen Besuchen in der Werkstatt im Laufe der ersten 20 000 Kilometer „gespannt ist, was mit meinem A3 noch alles so passiert“. auto motor und sport-Kollege Frank Warrings, mit dem Zweitürer oft Richtung Heimatstadt Jever unterwegs, bringt die Situation noch drastischer auf den Punkt: „Wenn das der Stand deutscher Qualität ist, dann holen ausländische Marken auf, ohne daß sie etwas dafür tun müssen.“

Dabei hatte alles so schön angefangen. Redakteur Wolfgang König bescheinigte dem Audi im ersten Test eine makellose Paßform sämtlicher Karosserieteile, unerschütterliche Steifigkeit und hochwertige Kunststoffe – ein Eindruck, den nach ihm noch viele Kollegen teilten und der den A3 zu einem beliebten Begleiter machte. Das Gefühl, mit diesem Auto auch durch das attraktive Styling immer gut angezogen zu sein, lockte auch die weibliche Klientel: Auf sie entfällt ein Verkaufsanteil von immerhin rund 20 Prozent. Doch die zu Beginn hochgelobten Materialien im Innenraum konnten in der Langzeiterprobung nicht überzeugen.
Zunächst staubten sie unappetitlich voll, dann löste sich nach 43 890 Kilometern der sogenannte Softlack an der linken Türverkleidung. Trotz Instandsetzungsmaßnahmen der Werkstatt wirkt die Innenausstattung im Bereich der Türen und des Cockpits nach Ende des Dauertests fleckig und verwohnt. Kleinigkeiten? Wohl kaum. Und schon gar nicht bei einem Auto, das in der 40 000 Mark- Liga spielt, zumal sich die Liste der kleinen Ärgernisse fortsetzt. Nach 20 715 Kilometern ließ sich der Aschenbecher nicht mehr einwandfrei schließen – ein Konstruktionsfehler, der immer noch besteht, wie sich an einem aktuellen Referenzfahrzeug feststellen ließ.
Die Fehlfunktion der Alarmanlage konnte behoben werden, nicht aber das Dröhngeräusch der Auspuffanlage im mittleren Drehzahlbereich – trotz der Reparaturversuche der Werkstatt . Auf das Konto mangelhafter Verarbeitung gehen von innen beschlagene Blinkergläser und Frontscheinwerfer, Defekte im Bereich der Außenspiegelheizung und des Türschlosses sowie ausgerissene Fußmattenhalterungen. Um technische Defizite handelt es sich dagegen bei den Getriebe- und Kupplungsproblemen des Dauertestautos. „Kupplung kommt viel zu spät“, notiert Kollege Henry Bernhard bei Kilometerstand 64 160 in das Fahrtenprotokoll, als er im Rahmen einer Dienstreise auf dem Weg nach London war. Ein Austausch war unvermeidbar, denn zuletzt trennte die Kupplung nur noch auf den letzten Millimetern. Kosten der Aktion: 927 Mark.
Teurer kam das neue Getriebe zu stehen, das kurz vor Ende des Dauertests eingebaut werden mußte, weil beim alten der Rückwärtsgang unter Last immer wieder heraussprang. Von der Rechnung in Höhe von 2545 Mark übernahm Audi im Rahmen der Kulanz immerhin 1105 Mark.
Totalausfälle gab es nie, und deshalb wählten viele Redaktionsmitglieder den A3 gerne auf Fahrten ins europäische Ausland. Formel 1-Reporter Michael Schmidt, der von Berufs wegen die flotte Gangart bevorzugt, zeigte sich dabei vom Dauertest-Audi rundherum überzeugt: „Das Auto fährt sich handlich und agil, und die Bremsen zeigen sich auch hoher Belastung gewachsen.“
Selbst nach einer langen Paßfahrt über die italienischen Alpen gab es keine Probleme. Fading ist dem Audi fremd, das haben auch die auto motor und sport-Messungen immer wieder ergeben: Kalt verzögert der A3 Ambition mit zehn m/s2, warm sogar mit 10,3 m/s2.
Bekannt ist dagegen der hohe Verbrauch von durchschnittlich 9,1 Liter pro 100 Kilometer. Der Grund liegt in der Drehmomentschwäche des Motors im unteren Drehzahlbereich. Wer in den Genuß der vollen Leistung kommen will, muß den Audi auf hohen Touren halten, und das kostet nicht nur Benzin, sondern auch Öl – viereinhalb Liter mußten über die Distanz von 100 000 Kilometer nachgekippt werden. Gleichwohl erfüllt der Vierzylinder seine Rolle als Basistriebwerk zufriedenstellend.

Auf langen Reisen störte eher das Auspuffröhren (Frank Warrings: „Klingt wie eine liebeskranke Alfa Giulia“) als das eingeschränkte Leistungspotential, und so wundert es nicht, daß knapp 50 Prozent der A3- Kunden sich für den 1,6 Liter- Motor entscheiden. Abzuraten ist auf jeden Fall vom Sportfahrwerk, das beim Ambition im Gegensatz zu den anderen Ausstattungsvarianten jedoch zum Serienumfang zählt. Der Federungskomfort wird durch die straffere Abstimmung empfindlich geschmälert. Vor allem beim Überrollen von Querfugen tut sich der A3 schwer und reagiert mit einer ausgeprägten Stuckerneigung der Vorderachse.
Dafür sitzt man sehr bequem. Selbst Christian Bangemann, mit über 1,90 Meter einer der Längsten in der Redaktion, zeigt sich mit Polsterung und Größe der Sitzflächen zufrieden. „Endlich ein Auto, in dem ich sitzen kann.“ Die lange Dauertestdistanz und die häufigen Fahrerwechsel haben der Bequemlichkeit nichts anhaben können: Die Sitze sind so kommod wie am Anfang des Tests.
93 Prozent derKunden wählen als Option zusätzlich das Sitzpaket, das für 293 Mark Aufpreis neben dem Umklappmechanismus der Rücksitzlehne auch die sogenannte Easy- Entry-Funktion der Vordersitze umfaßt. Dabei handelt es sich um einen speziellen Mechanismus zum Vorschwingen der Sitze, wodurch der Zugang zum Fond erleichtert wird – eine hervorragende Idee, die in der Praxis aber ihre Tücken hat. Beim Vorklappen können die Kopfstützen, wenn sie sehr hoch eingestellt sind, nämlich an den Dachhimmel anstoßen und sich dadurch immer wieder verstellen: „Man muß ständig daran denken, die Position zu kontrollieren, weil man sonst Gefahr läuft, mit falsch eingestellten Kopfstützen ein Sicherheitsrisiko einzugehen“, beklagt sich Dietmar Lipp aus Elsdorf im Namen vieler Leser (siehe Lesererfahrungen ). Wenig zu klagen gibt es dagegen über den Verschleiß. Bremsscheiben und -beläge mußten im Lauf des Dauertest nur einmal getauscht werden, und Sommer- und Winterreifen wiesen nach Laufleistungen von rund 30 000 Kilometern im Schnitt noch Restprofiltiefen von sechs Millimeter auf, bevor sie getauscht wurden.

Gleichwohl bringt es der Audi A3 auf einen beachtlichen Kilometer-Preis von 20,9 Pfennig, was nur zum Teil auf das Konto der hohen Kraftstoffkosten geht. Zieht man die zusammen mit den Öl- und Reifenkosten ab, bleiben nämlich immer noch 4,3 Pfennig pro Kilometer. Zum Vergleich: Ein Dreier Compact von BMW kostet nur 1,9 Pfennig. Schuld an diesen hohen Aufwendungen haben nicht die Inspektionskosten, denn die halten sich mit 190 bis 465 Mark durchaus im Rahmen. Die Ursache liegt vielmehr in den vielen kleinen und den zwei größeren Reparaturen, die im Laufe der 100 000 Kilometer- Distanz anfielen (siehe Störungsliste ).
Rang zwei im Mängelindex klingt nicht schlecht, relativiert sich aber, wenn man sieht, wie groß der Abstand zum führenden BMW Dreier Compact ist und wie klein der zum dahinterliegenden Fiat Brava, der bereits in der Anschaffung rund 10 000 Mark weniger kostet als der Audi. Da dürfte es A3-Kunden nur wenig trösten, daß der Wertverlust mit 47 Prozent vergleichsweise niedrig ausfällt.
Tatsache ist, daß viele andere Hersteller sich dem Audi- Premiumgedanken mittlerweile angeschlossen haben, aber für weniger Geld die gleiche oder sogar bessere Qualität bieten – allen voran der VW Golf IV, der dem A3 hinsichtlich Innenraum- Gestaltung, Platzangebot und Fahreigenschaften ebenbürtig ist. Der Audi A3 verhielt sich dagegen wie viele andere Mode- Schmuckstücke: Er verliert mit der Zeit an Glanz.

Vor- und Nachteile

  • angemessene Inspektionskosten
  • geringer Wertverlust
  • standfeste Bremsen
  • gutes Raumangebot
  • bequeme Sitze
  • großer Kofferraum
  • unpraktische Klappgriffe
  • Dröhngeräusche vom Auspuff
  • drehmomentschwacher Motor
  • Probleme mit Kupplung und Getriebe
  • eingeschränkter Abrollkomfort
  • stuckernde Vorderachse
  • hoher Verbrauch
  • mäßige Verarbeitung
  • schmutzempfindliche Oberflächenmaterialien
Technische Daten
Audi A3 1.6
Grundpreis18.151 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4152 x 1735 x 1427 mm
KofferraumvolumenVDA350 bis 1100 L
Hubraum / Motor1595 cm³ / 4-Zylinder
Leistung74 kW / 101 PS (145 Nm)
Höchstgeschwindigkeit188 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,0 s
Verbrauch7,6 L/100 km
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