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Audi A6 2.5 TDI V6

Wo waren wir stehen geblieben?

Audi A6 2.5 TDI V6

100 000 Kilometer mit dem Audi A6 2.5 TDI V6 offenbarten statt Vorsprung durch Technik Rückschritt durch Stillstand. Der Dauertestwagen blieb mehrfach liegen und enttäuschte mit vielen Qualitätsmängeln.

22.05.2000 Thomas Fischer

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Wenn 50 Mitarbeiter von auto motor und sport im Rahmen eines 100 000-KilometerDauertests mit einem Auto auf Reisen gehen, dann sprechen diese Erfahrungen Bände. Vor allem über die Zuverlässigkeit. Am Audi A6 2.5 TDI V6 war das Zuverlässigste die Unzuverlässigkeit. , Der Dauertestwagen ließ seine Passagiere im wahren Sinne des Wortes mehrfach im Regen stehen: Jedes Mal, wenn der Motor streikte, goss es wie aus Kübeln, oder es herrschte M dichtes Schneetreiben.
Zuerst erwischt es Michael Mehlin. Im Bayerischen Wald bei Bodenmais flackert am 27. Oktober 1998 bei Kilometerstand 28 492 plötzlich die Motorwarnlampe im Cockpit. Mehlin stellt sofort das Triebwerk ab. Nach dem Neustart bleibt die Lampe zunächst aus, flammt dann wieder auf, und der V6-Diesel verliert sukzessive an Leistung, bis er schließlich stehen bleibt.
Per Autotelefon (in der Mittelarmlehne unpraktisch zu bedienen) wird der Audi-Notdienst verständigt. Eine halbe Stunde später geht's per Abschleppwagen in eine Audi-Werkstatt nach Zwiesel. Diagnose: Defekt der in den Tank integrierten Kraftstoff-Vorförderpumpe. Da sie mitsamt dem Tank ausgetauscht werden muss, die Ersatzteile aber nicht vorrätig sind, muss Mehlin seine Fahrt mit dem Auto von Bekannten fortsetzen. Einen Ersatzwagen kann der Audi-Händler nicht stellen.
Der ursprüngliche Grund für den Ausfall liegt tiefer und lässt auch tief in die unzulängliche Qualitätsabsicherung bei Audi blicken. Die Kraftstoffpumpe hatte sich nämlich mit Gewebeteilen einer so genannten Anti-Schwapp-Matte zugesetzt. Mit solch einer Tank-Innenverkleidung war der A6 anfangs gar nicht ausgerüstet. Weil aber nach Serienanlauf vereinzelt Reklamationen über Schwappgeräusche beim Abbremsen und Beschleunigen mit halbvollem Tank laut geworden waren, kam sie zum Einsatz- ohne jedoch vorher zu untersuchen, ob ihr Material resistent gegen Dieselöl ist.

Als sich dann Pumpenprobleme häuften, kamen die Matten wieder raus. Das nennt man Materialerprobung in Kundenhand, und dafür gehört Audi selbst auf die Matte geschickt. Aber nicht nur dafür.
Den Dauertest-A6 begleiten auf seinem knapp zweijährigen Trip Pleiten, Pech und Pannen am laufenden Band. Neun Mal muss das Auto außerplanmäßig in die Werkstatt und ist deshalb fast vier Wochen (18 Arbeitstage) nicht einsatzbereit. Oft verzögern sich Reparaturen wegen fehlender Ersatzteile, oder die Werkstatt muss wegen ein- und desselben Problems mehrfach angesteuert werden. Solche Dauerbrenner sind beispielsweise die bei Nässe schlecht ansprechenden Bremsen oder die Probleme mit Luftmassenmesser und Luftfilter.
Das Einzige, was stets fehlerlos funktioniert, ist die Audi-Notrufnummer (0130/9900). Christian Bangemann kann sie als Zweiter testen. Am Samstag, dem B. Januar 1999, sackt bei Kilometerstand 36 680 auf der A3 bei Limburg im Nieselregen während eines Überholvorgangs plötzlich die Leistung ab. Der Audi schafft bergauf maximal noch 90 km/h, bergab läuft er nicht schneller als 130.
Der telefonische Hilferuf lässt nach einstündigem Warten einen Service-Sharan des Notdienstes heranrollen. Der kann vor Ort nicht weiterhelfen, lotst den havarierten, im Notprogramm dahinhumpelnden A6 aber in die nächste Fachwerkstatt. Hilfe gibt es dort in Form eines Ersatz-A6, der Fehler - defekter Luftmassenmesser der Einspritzung - kann erst in der Woche darauf behoben werden.
Das gleiche Problem bremst drei Monate später bei Kilometerstand 51273 Gert Hack auf der Fahrt zum Wiener Motorensymposium ein. Da er die Reise nicht unterbrechen kann, nimmt er den Leistungsverlust notgedrungen in Kauf und schnürt mit halber Kraft hin und retour.
Die folgende Reparatur ist nicht von Dauer. Kurz vor Weihnachten 1999 (Kilometer 92 045) wird Stefan Roser unfreiwillig auf Schleichfahrt gesetzt. Die Feuchtigkeit dichten Schneefalls rund um München lässt den Luftfiltereinsatz aufquellen - mit gebremstem Schaum wird der heimatliche Hafen angesteuert.

Eine blamable Bilanz für ein deutsches Spitzen-Automobil. Zwei Liegenbleiber, zwei Beinahe-Ausfälle, mehrfach defekte Instrumente (Öltemperaturanzeige, Tachometer), ein kaputtes Radlager, zwei Defekte an der Außenspiegelheizung (rechts und links), eine bei der Montage im Werk vergessene ASR-Kontrollleuchte sowie drei Rückruf-Aktionen wegen vorzeitigem Zahnriementausch, Spurstangengelenkwechsel und Bremsbelag-Erneuerung zur Verbesserung des Nassbremsverhaltens (ohne Erfolg) werfen kein gutes Licht auf die schöne VW-Tochter.
Man ist versucht zu behaupten: Made by Audi, da steckt der Wurm drin. Schließlich ist die Pannenserie des Dauertestwagens kein Einzelfall.
In teilweise seitenlangen Briefen schildern auto motor und sport-Leser ähnliche Schicksale mit ihrem V6-TDI, oft im Super-GAU - Motoroder Getriebeschaden (Tiptronic) - endend. Audi kennt die Probleme und ist seit Juli 1998 daran, sie abzustellen. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.
Die Schreckensbilanz mit dem inklusive diverser Extras (unter anderem ein nicht immer zielführendes Navigations-System mit quäkendem Mini-Lautsprecher) 87 100 Mark teuren A6 lässt wieder mal die Frage aufkommen, was die Qualitätsoffensive des VW-Konzerns für den zahlenden Kunden wirklich wert ist. Denn auf Dauer machen enge Spaltmaße allein nicht glücklich.
Brisanterweise versagten bei den jüngsten Dauertests von auto motor und sport ausgerechnet die teuren und vermeintlich besseren Modelle (Audi A3 , A6, VW Sharan und Passat Variant ), während sich die preisgünstigen Autos (Skoda Octavia , Seat Arosa ) wenig zu Schulden kommen ließen.
Wenigstens die Karosseriequalität des A6 konnte die Erwartungen erfüllen. Wer heute in den Dauertestwagen einsteigt, sieht ihm die 100 000 Kilometer, die drin stecken, nicht an. Der Lack ist noch gut, die Innenausstattung mitsamt den Ledersitzen hat bis auf die ausgerissenen Fußmatten wenig gelitten, und die Karosse wirkt selbst auf schlechtesten Straßen noch so steif, als habe sie eine Überdosis Viagra intus.
Die einzigen, aber bereits ab Werk eingebauten Schönheitsfehler: Das Leder sieht nicht tierisch, sondern künstlich aus. Und auch die Blenden aus Plastikholz in Türen und Cockpit passen nicht zu einem Auto der 80 000-Mark-Klasse.

Raumangebot und Fahrkomfort lassen wenig Wünsche offen. Fünf Erwachsene können im A6 kommod verreisen, und ihr Gepäck findet im Kofferraum bequem Platz. Praktisch obendrein: die umklappbaren Fondlehnen. Bemängelt werden von vielen Fahrern die nach hinten unübersichtliche Karosserie sowie das ohne Xenon-Scheinwerfer schwache Abblendlicht.
Das stärkste Stück am A6 ist der Motor, ein 2,5 Liter großer Sechszylinder-Diesel mit Direkteinspritzung und 150 PS. Die Begeisterung über den anfangs sehr gelobten V6-TDI schwand jedoch im Lauf des Dauertests immer mehr - nicht etwa, weil der Audi schwächelte, sondern weil die Konkurrenz mittlerweile überholt hat. Gegenüber den neuen Sechszylinder-Turbodieseln von BMW und Mercedes sieht der 2.5 TDI von Audi mittlerweile alt aus. Speziell die Laufkultur mit rustikalem Kaltstartnageln, lautem Lüftergeräusch und Diesel-Rasseln bei Teillast wirkt von gestern. Auch die Leistungscharakteristik mit dem abgrundtiefen Turboloch bei niedrigen Drehzahlen ist nicht mehr Stand der Technik. Beim Anfahren kommt der A6 trotz kurz übersetzten ersten Gangs kaum von der Stelle; erst wenn die Fuhre in Schwung ist, zieht der V6 richtig durch. Der neue 180PS-TDI ist in dieser Beziehung übrigens noch schlechter.
Das Sechsgang-Schaltgetriebe passt viel besser zur Motorcharakteristik als die nervös agierende Fünfgang-Tiptronic, die wegen ihres weich ausgelegten Drehmomentwandlers das Anfahrdilemma noch verschärft. Der Sechste ist als vollwertiger Fahrgang zu gebrauchen, in dem der A6 bei hohem Autobahntempo mit moderaten Drehzahlen dahinschnurrt.
Die Geräuschkulisse ist hier nicht der Rede wert, wohl aber der enorm günstige Durchschnittsverbrauch von nur 8,1 L/100 km, der in Kombination mit dem 72-Liter-Tank 850 Kilometer Reichweite ermöglicht. Und dies bei gutem Federungskomfort, der nur durch das Stuckern auf Querfugen beeinträchtigt wird. Sensible Naturen stören sich auch an der gefühllosen und schütteligen Servotronic-Lenkung sowie an der weichen Lagerung des Motors, dessen Bewegungen bei Lastwechseln bis in den Schalthebel hinein zu spüren sind.
Die Kontobewegungen hielten sich, weil die meisten Reparaturen auf Garantie oder Kulanz erledigt wurden und auch der Reifenverschleiß gering war, in Grenzen. Die um Kraftstoff, Öl und Reifen bereinigten Kilometerkosten liegen aber wegen der hohen Defektanfälligkeit weit über jenen eines Fünfer-BMW oder Mercedes E .
Bei Audi sollte man sich auf seine vier Buchstaben setzen und die Langzeitqualität dem Preisniveau anpassen. Zuverlässigkeit ist zwar nicht alles, aber ohne Zuverlässigkeit ist alles nichts.

Vor- und Nachteile

  • Sehr geräumige Karosserie
  • Bequeme Sitze
  • Strapazierfähige Innenausstattung
  • Gute Fahrleistungen
  • Niedriger Verbrauch
  • Große Reichweite
  • Mangelhafte Zuverlässigkeit
  • Schwaches Abblendlicht
  • Motor mit Turboloch bei niedrigen Drehzahlen
  • Stuckerige Vorderachse
  • Bei Nässe schlecht ansprechende Bremsen
Technische Daten
Audi A6 2.5 TDI
Grundpreis32.430 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4796 x 1810 x 1452 mm
KofferraumvolumenVDA551 L
Hubraum / Motor2496 cm³ / 6-Zylinder
Leistung110 kW / 150 PS (310 Nm)
Höchstgeschwindigkeit218 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,7 s
Verbrauch7,0 L/100 km
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