Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Audi A8 4.2 quattro

Ober-Geschoss

Audi A8 4.2 quattro 10 Bilder

100 000 km im Audi A8 4.2: ein Dauerlauf mit viel Kraft, Lust und einigen elektronischen Tücken.

12.03.2006 Alexander Bloch

Er hat etwas an Frische verloren, aber an Klasse gewonnen. Nach 100 000 Kilometern liegt über den Sitzen des Audi A8 4.2 eine Patina wie früher bei alten Jaguar -Modellen.
Schon im Neuzustand verschonte der große Ringträger seine Passagiere von aufgesetztem Pathos oder technokratischer Kühle. Als geschickter Grenzgänger zwischen neuer und alter Automobilwelt trägt er zwar viel Elektronik unter seinem Alu-Kleid, aber eingebettet in klassisch-sportive Eleganz, die sich weder dem Betrachter noch dem Fahrer aufdrängen. So wurde er zum Langstrecken- Liebling beider Seiten in der Redaktion: sowohl der Anhänger klassischer Limousinen, die er mit leichter Bedienung, wohlgeformten Rundinstrumenten sowie perfekt eingepassten HolzundChromeinlagen zu begeistern wusste, als auch der High-Tech-Fraktion, die sich an den Segnungen der mobilen DVD-Bluetooth-TV-Surround-Sound- Kommunikationswelt erfreute.
Das mag auch daran liegen, dass den Dauertest-A8 nicht die volle Breitseite der Elektronikprobleme erwischte, wie sie so mancher Leser in den zahlreichen Zuschriften schildert. Andreas Claußnitzer beschreibt sie resignierend sogar als „offensichtlichen Stand der Technik in der Oberklasse“.

Erstaunlicherweise streikte beim Testwagen sogar das Motorola-Autotelefon mit Bluetooth-Hörer nicht ein einziges Mal. Viele andere A8-Fahrer mussten sich in der gleichen Zeit mit diversen Software-Updates plagen. Als kleine Sorgenkinder erwiesen sich vielmehr das Navigationssystem mit seinen sporadischen Hängern, das Soundsystem mit gelegentlichen Verzerrungen und die bei Xenonlicht vorgeschriebene automatische Leuchtweitenregulierung. So musste Redakteur Jörn Thomas eines Nachts den Heimweg mit auf volle Zuladung eingestellten Scheinwerfern antreten, obwohl der 70-Kilo-Mann alleine im Auto saß. Die Straße erleuchteten die ansonsten hervorragenden Bi-Xenonscheinwerfer mit adaptivem Kurvenlicht dann nur wenige Meter voraus. Dieser Fehler zwang die Redakteure gleich zwei Mal im Dauertest zu besonders langsamer Fahrt in der Dunkelheit.

Wie man bei Audi die Zuverlässigkeit der verschiedenen Elektronikkomponenten bewertet, lässt sich auch daran ersehen, dass die im Falle des A8 rund 900 Euro teure Garantie-Erweiterung auf vier Jahre fast alles umfasst – bis auf die Infotainment-Elektronik. Der komplette Tausch allein der Navigationseinheit kostet über 3000 Euro.
Doch zurück zu den angenehmen Seiten des Audi. Die bequemen Sitze und das gute Platzangebot sowohl auf den vorderen wie den hinteren Sitzplätzen ließen auf vielen Reisen den Kilometer nur halb so lang wirken. Die schnell ansprechende und feinfühlig regelbare Sitzheizung ist mit ihrer Menüsteuerung zwar kein Muster an Ergonomie, aber selbst bei minus 15 Grad Einstiegstemperatur in den österreichischen Bergen stellte sich zügig Wohlfühltemperatur ein.

Ein starkes Winterauto ist der A8 ohnehin.
Mit seinem Quattro-Antrieb klettert er nicht nur steile Schneepassagen behände hoch, er bleibt auch allzeit gut beherrschbar – wenn der Fahrer einmal verinnerlicht, dass der schwere Bug des Audi gerne gen Kurvenaußenrand drängt. So fuhren sich auch die Vorderreifen auf den Außenschultern relativ schnell ab. Trotzdem wirkt der Zweitonner beim Fahren viel handli cher und kleiner, als es seine Abmessungen vermuten lassen.
Die präzise Lenkung und das in Automatikstellung der Luftfederung sowohl komfortable wie sportliche Fahrwerk beglückten auf kurvigen Straßen auch eilige Redaktionsmitglieder. Nur die Schlagstärke der „dynamic“-Einstellung des elektronisch geregelten Fahrwerks wollte auch Kollegen mit stabilem Kreuz nicht so recht gefallen. Wenn sie das Luxusschiff dann noch rückwärts in eine schmale Parkbucht zwängen mussten, hatte der Spaß trotz hektisch piepsender elektronischer Parkhilfe ein Ende. Zu wuchtig und unübersichtlich ist das Heck.

Dort lief auch technisch nicht alles optimal:

Das rechte Kofferdeckelscharnier brach schon nach 45 000 Kilometern. Ein neuralgischer Punkt, den Audi im Rahmen von Modellpflege-Maßnahmen inzwischen verbessert hat. Nicht optimierbar ist die Differenz zwischen dem tatsächlichen Leergewicht (2000 kg) und der Angabe im Fahrzeugschein (1855). Anstatt 525 kg darf das große Alu-Auto so nur 380 Kilo tragen – eine viel zu geringe Zuladung.
Noch ärgerlicher war die Reparatur der beiden Nockenwellensteller, die aber glücklicherweise in den Rahmen der zweijährigen Garantiezeit fiel. Schon nach rund 27 000 Kilometern rasselte der 4,2-Liter-V8 beim Kaltstart fröhlich aus dem Motorraum. Mit der Zeit legten diese Geräusche an Intensität deutlich zu. Schuld daran war ein fehlerhaftes Rückhalteventil, worauf bei abgestelltem Motor die Ölversorgung der Nockenwellensteller leer lief.
Gleichzeitig wurde auch noch eine weitere Geräuschquelle ruhig gestellt: Bei langsamer Fahrt durch sehr enge Kurven, unter anderem das ureigene Terrain der auto motor und sport-Tiefgarage, knisterte es aus den Radhäusern beharrlich wie brennende Holzstämme. Ein Radlagertausch brachte akustische Besserung. Insgesamt zwei Wochen verbrachte der A8 außerplan mäßig in der Werkstatt. Das reicht nur zu Rang zwei im Mängelindex hinter dem BMW 740d. Dafür zauberte das potente Röhren des Achtzylinders ein Funkeln in die Augen von Motor-Gourmets. Der sportlich- herbe Beschleunigungsruf des kurz bauenden und bärig antretenden 4,2-Liter-Aggregats ist die Entschädigung dafür, dass er zwar leise ist, es aber in dieser Klasse noch etwas kultiviertere Motoren gibt.
Zum großen Säufer mutierte das Audi-Dickschiff trotz seiner sportlichen Attitüde nicht: 13 bis 14 Liter bei normaler Fahrt sind seiner Leistung und dem Fahrzeuggewicht angemessen. Wer konsequent den automatischen Abstandstempomaten (ACC, adaptive cruise control) nutzt, kann diesen Wert auch ohne Mühe unter zwölf Liter drücken. Wie überhaupt ACC bei normalem Autobahnverkehr das Fahren erheblich entspannter macht. Auch wenn das Radarsystem im Gegensatz zur neuesten Generation noch etwas verzögert auf einscherende Autos reagiert.
Bei Kilometer 72 341 leuchtete dann wieder einmal die Airbag-Warnleuchte auf: eine auf einer Widerstandsmessung basierende Fehlermeldung, die nicht unbedingt bedeuten muss, dass wirklich ein Defekt vorliegt. Aus Sicherheitsgründen wurde das Airbagmodul hinten rechts jedoch gewechselt.

Einen ungewöhnlichen Fehler für einen Oberklassewagen musste dann auch der stellvertretende Chefredakteur Peter Frey miterleben: Die Scheibenwischer weigerten sich eines Morgens zu arbeiten. Zum Glück behinderte nur leichter Nieselregen die Sicht, so dass der A8 keinen Ausfall-Malus hinnehmen musste.

Trotzdem passen durch Korrosion festgegangene Wellen des Wischergestänges nicht zu einer 100 000-Euro-Limousine. Wer dann nach einem Regenguss die Fenster öffnete und von der Dachkante her nassgespritzt wurde, musste den Eindruck gewinnen: In Ingolstadt scheint es selten zu regnen.
Weit ärgerlicher ist allerdings der rapide Wertverfall, dem der A8 unterliegt. Zwischen den 99 115 Euro Kaufpreis, in dem allein Extras für 26 000 Euro stecken, und dem Schätzwert von 44 138 Euro am Ende liegt eine Differenz von 55 000 Euro. Verteilt auf die 23-monatige Laufzeit macht das fast 2400 Euro pro Monat oder knapp 80 Euro pro Tag – wohlgemerkt ohne Kraftstoff und Wartung. Für viele wäre das ein respektabler Nettoverdienst. Da spielt es kaum noch eine Rolle, dass die Wartungskosten für ein Oberklasse-Auto erstaunlich niedrig ausfielen.
Immerhin legte sich der große Audi bei der Abschlussmessung der Fahrleistungen noch einmal mächtig ins Zeug und spurtete über eine halbe Sekunde schneller aus dem Stand auf Tempo 160 als zum Dauerteststart im September 2003. Leider stiegen im gleichen Zeitraum aber auch die Kohlenmonoxid- Werte kräftig an. Sie überschritten sogar die Grenzwerte der EU4-Norm.
Dennoch wird der A8 nicht nur in der Tiefgarage der Redaktion eine große Lücke hinterlassen. Sympathien verdiente sich die schnelle Reiselimousine schon alleine dadurch, dass sie trotz ihrer geballten Elektronik ein absolut unkompliziertes Auto geblieben ist. Wenn einzelne Redakteure auch an einigen Details wie den fehlenden Radio-Stationstasten oder unnötigen Displayeinblendungen berechtigte Kritik äußerten, so waren sie sich doch in einer Hinsicht einig: So wenig divenhaft im Umgang ist heutzutage kaum noch ein Luxusauto. 

Vor- und Nachteile

  • guter Fahrkomfort auch bei hohem Tempo
  • leiser und kräftiger Motor
  • sehr gutes Winterauto
  • gutes Platzangebot im Fond
  • hochwertige Materialien im Innenraum
  • sehr gute Verarbeitung
  • ansprechendes Design
  • bequeme Sitze
  • Sitzheizung spricht schnell und wirksam an
  • einfache Bedienung
  • gutes Navigationssystem
  • sehr unübersichtlich
  • breite Mittelkonsole engt Fußraum vorne ein
  • recht knappe Zuladung
  • diverse Elektrik- und Elektronikmängel
  • automatischer Abstandstempomat erkennt einscherende Autos spät
  • Bei Fensteröffnung nach Regen tropft Wasser in den Innenraum
Technische Daten
Audi A8 4.2 Quattro
Grundpreis74.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5051 x 1894 x 1444 mm
KofferraumvolumenVDA500 L
Hubraum / Motor4172 cm³ / 8-Zylinder
Leistung246 kW / 335 PS (430 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,3 s
Verbrauch11,9 L/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Login mit Ihrem Profil
    Anzeige
    Audi A8 Audi A8 ab 868 € im Monat Leasing & Vario-Finanzierung Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    Audi A8 Audi Bei Kauf bis zu 25,14% Rabatt Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    Kommentar schreiben

    Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
    Empfehlungen aus dem Netzwerk
    Autokredit berechnen
    Anzeige
    Gebrauchtwagen Angebote
    Whatsapp
    Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden