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BMW 535d

Reisekombi mit Zicken-Attitüde

Foto: Fischer, Hofmeyer, Peters, Schubert, Seufert 22 Bilder

Von Großbritannien bis nach Spanien spulte der BMW 535d Touring sein Pensum im Dauertest ab. Wenn er nicht gerade mal zickte, war der Diesel-Kombi ein exzellentes Reiseauto.

31.01.2008 Alexander Bloch

Zack, und das Ding hing schon wieder oben. Kaum zu glauben, aber eine unscheinbare dunkelgraue Stoffabdeckung über dem Kofferraum des Dauertest-Fünfers tyrannisierte über 100.000 Kilometer eine ganze Redaktion.

5er-Ritual: Laderaumabdeckung einklinken

Egal wer mit diesem perfiden kleinen Rollo in Berührung kam und ob es sanft oder eher gröber - was durchaus vorkam - wieder zurück in seine Halterung geklinkt wurde: Nach dem nächsten Öffnen der Heckklappe stand die Abdeckung wieder vollformatig im Rückspiegel. Das Problem war so einfach wie nervig: Sobald die Klappe aufschwenkte, schnellte auch die Abdeckung nach oben, nur leider beim Schließen nicht automatisch wieder runter. Anhalten und Abdeckung einklinken gehörte zum alltäglichen 5er-Ritual, das erst bei Autos ab März 2007 geändert wurde.

Auch die elektrisch öffnende Heckklappe schloss keine Freundschaften in der Redaktion. Zu störrisch stemmte sich das gewichtige Teil gegen gelegentliche manuelle Schließ-Versuche. Abhilfe? Der Käufer muss ja kein Kreuzchen in der Ausstattungsliste für diese eher zweifelhafte Unterstützung machen. Vor allem wenn man bedenkt, dass der schon nach rund 16.000 Kilometern defekte Öffnungsmechanismus unerfreuliche 935 Euro an Reparaturen kostete.

Zu diesem Zeitpunkt fiel der Schaden noch in die Garantiezeit, ein Defekt nach drei Jahren wäre aber teuer geworden. Kleine Ärgernisse, die das allgemeine Urteil über den 535d Touring als angenehmen Reisewagen nicht kippen konnten. Besonders die hohe Souveränität des Antriebs begeisterte. Kraft nicht zum Burnout-Protzen, sondern als beruhigende Reserve. Sein registeraufgeladener Dreiliter-Diesel mit 272 PS lässt Entfernungen eindrucksvoll zusammenschmelzen, Überholvorgänge erfolgen dank dem kultiviert und überragend durchzugsstarken Selbstzünder in wenigen Sekunden.

10,1 Liter Testverbrauch geht in Ordnung

Dabei gehört der Common-Rail-Diesel in seiner Leistungsklasse zu den gemäßigten Trinkern. Wer sich auf Autobahn-Strecken gemütlich treiben lässt, wird mit einem Durchschnittsverbrauch von unter neun Litern und einer Reichweite von über 700 Kilometern belohnt. Der gesamte Testverbrauch von 10,1 Liter pro 100 Kilometer geht für diese Gewichtsklasse in Ordnung. Beim Komfort teilten sich die Meinungen. Während ältere Redaktionsmitglieder "ziemlich unkomfortabel" in den gelben Dauertest-Karten notierten, kamen die Bandscheiben der jüngeren Kollegen besonders auf Autobahnen mit dem konsequent straffen, aber wenig nachwippenden Federungscharakter etwas besser zurecht.

Das aufgeregte Fahrwerksklopfen bei langsamer Fahrt störte aber alle Fahrer. Der Schuldspruch geht vor allem an die Runflat-Bereifung, die mit ihren harten Flanken relativ wenig Eigendämpfung bietet. Auch seine immense Kraft ließ der 560-Newtonmeter-Koloss manchmal überdeutlich spüren. So bemängelte Bernd Ostmann den allzu forschen Antritt aus dem Stand heraus. Gerade bei schlüpfriger Fahrbahn im Winter kämpften die Hinterreifen und die Traktionskontrolle zwar gemeinschaftlich, aber nicht immer erfolgreich um gleichmäßigen Vortrieb.

Ungewollte Pannenhilfe

Als jedoch eines Morgens Eberhard Kittler kurz vor Kilometerstand 16.000 beim Kaltstart plötzlich aus den Lautsprechern die Stimme der BMW-Leitzentrale vernahm, lag der Grund nicht an übermäßiger Start-Energie. Die junge Dame aus der Notrufzentrale wähnte den auto motor und sport-Autor in einer Pannen- oder Unfall-Situation.

Davon konnte jedoch nicht die Rede sein. Vielmehr war über das undichte Schiebedach Wasser eingedrungen und auf den Notschalter getropft, der daraufhin ohne Not und Auftrag um Hilfe funkte. Die Bezeichnung Kombi scheut BMW beim 5er Touring wie der Teufel das Weihwasser.

Bescheidenes Gepäckraum-Volumen

Lifestyle-Marketing sagen die einen, purer Realismus die anderen. Das Platzangebot auf den fünf Sitzen genügt zwar trotz der recht steil stehenden Lehnen höheren Ansprüchen, doch mit dem eher bescheidenen Gepäckraum-Volumen können weder große Möbel- noch Urlaubs-Schlachten gewonnen werden. So manche normale Limousine schluckt da mehr. Zumindest vermerkten die Tester, dass sich die Ladefläche einfach von Schmutzspuren reinigen lässt. Schmutz, der sich dafür umso lieber heimtückisch in der Lücke der elektrischen Beinauflagen-Verstellung versteckte.

Überzeugende Aktivlenkung

Wenn die richtige Sitzposition gefunden war - was wegen der ungünstig liegenden Schalter neben den Sesseln schon mal länger dauerte -, wurde man aber vom richtig eingestellten, teuren Komfort-Ledergestühl rückenschonend über Tausende von Kilometern getragen. Die stabile Wangenpolsterung hielt die Besatzung auch dann in Position, wenn der 1,9-Tonner auf verschlungenen Bergpfaden überraschend handlich herumwirbelte. Dann überzeugte selbst die Aktiv-Lenkung, während sie im langsameren Verkehr einige Gewöhnung erfordert.

"i-Drive spinnt"


Die variable Lenkübersetzung spaltete die Gemüter ähnlich stark wie das i-Drive. Prinzipiell lässt sich ein Fünfer deutlich schneller und intuitiver bedienen als das ältere System im 7er . Nur die Radio-Bedienung (noch ohne Favoriten-Tasten) ist zu umständlich und die Navigationsführung zu langsam. Ärgerlicher war jedoch, dass der i-Drive hin und wieder in Elektronikstreik trat. Bei Kilometerstand 62.392 verweigerte er Christian Bangemann den Dienst, bei Kilometer 97.565 notierte Stefan Roser "i-Drive spinnt". So manchen Kollege nervten zudem die zu nahe beieinander liegenden Hebel für Blinker und Tempomat. Nichts Neues für BMW, weshalb beim nächsten 7er nur noch ein Hebel links vom Lenkrad positioniert wird. Fast über die Hälfte der Dauertest-Distanz (von 16.089 bis 61.098 km) zeigte sich der Fünfer nahezu mustergültig problemlos und wurde zum Star auf längeren Dienstfahrten.

Abgesehen davon, dass die hinteren Bremsbeläge schon bei knapp 30.000 Kilometern reichlich früh verschlissen waren und die praktische Serviceanzeige einen Austausch anmahnte. Doch dann offenbarte der 535d wieder sein Talent für kuriose Fehler.

Beim Motorstart sprang eines sonnigen Tages gleichzeitig die separat zu öffnende Heckscheibe auf. Ein Fehler des digitalen Zeitalters im Auto: Der Berührungstaster hatte das Zeitliche gesegnet und brachte das komplette CAN-Bus-System (Controller Area Network) durcheinander. Das beeinträchtigte Netzwerk zog bei längeren Standzeiten zugleich noch die korrekte Datums- und Zeitangabe in Mitleidenschaft. Immerhin gingen die 168 Euro Reparaturkosten auf Gewährleistung.

12.000 Kilometer Ruhe

Dann herrschte wieder 12.000 Kilometer Ruhe, bis sich die Bremsbeläge und -scheiben abermals zu Wort meldeten. Die Kombination aus hohem Gewicht und üppiger Leistung zerrt eben mächtig an den Verzögerungszangen. Apropos Gewicht: Während in den Fahrzeugpapieren offiziell 1.830 Kilogramm als Leergewicht eingetragen sind, brachte es der Dauertestwagen auf real gemessene 1.978 Kilogramm. Vor allem die üppig bestellten Sonderausstattungen an Bord sorgten für reichlich Zusatzspeck. Wer sich Extras wie das 1.700 Euro teure Panorama-Glasdach leistet, belastet nicht nur seinen Anschaffungs- und Spritetat, sondern auch das Auto um etliche Pfunde. Die effektive Zuladung schrumpfte deshalb auf gerade einmal 337 Kilogramm.

Marder mit Heißhunger auf Kühlerschlauch

Ein Scherz für einen großen Kombi, denn mit vier Personen à 75 Kilogramm und etwas Reisegepäck droht recht schnell die Überladung. Gleichzeitig lassen sich die Staufächer unter dem Laderaum nur schwer nutzen, und im Innenraum fehlt es an Ablagemöglichkeiten. Allzu oft wurde selbst die Fläche vor der Infotainment-Anzeige dafür missbraucht. Die letzten kleineren, aber nicht selbstverschuldeten Probleme traten dann etwa bei Kilometerstand 80.000 auf. Ein Marder hatte Geschmack an den Kühlwasserschläuchen gefunden und mit Bissen 161 Euro Schaden verursacht. Ansonsten kam der Fünfer ohne Komplettausfälle und mit nur drei außerplanmäßigen Werkstattbesuchen über die Runden und belegt trotz des gelegentlichen Elektronik-Ärgers einen respektablen zweiten Platz in der auto motor und sport-Dauerteststatistik seiner Klasse - zwar deutlich vor einem Audi A6 , aber noch hinter der Mercedes E-Klasse .

Kosten: Ein unerfreuliches Kapitel


Ein unerfreuliches Kapitel bleiben jedoch die Kosten, wenngleich der BMW hier auch nicht alleine in der gehobenen Mittelklasse steht. Der geschätzte Wertverlust nach knapp zwei Jahren liegt bei 38.180 Euro und damit bei fast 50 Prozent des einstigen Neupreises eines 535d Touring. Vor allem die über 25.000 Euro teuren Extras schlagen hier stark zu Buche, aber auch die mit 15 Cent pro Kilometer recht hohen laufenden Kosten. Viel Geld, für das der Käufer jedoch einen sehr dynamischen Reisewagen mit angenehmen Understatement fährt.

Vor- und Nachteile

  • sehr kräftiger, durchzugsstarker Motor
  • gut harmonierende Automatik
  • gute Reichweite
  • angemessener Verbrauch
  • gutes Handling
  • präzise, aber gewöhnungsbedürftige Aktivlenkung
  • angenehmer Reisewagen
  • sicheres Fahrverhalten
  • sehr komfortable Sitze mit gutem Seitenhalt
  • gutes Platzangebot für die Passagiere
  • einfach zu reinigender Gepäckraum
  • sehr geringe optische Ablenkung durch Headup- Display
  • exzellentes Soundsystem
  • relativ unkomfortabel
  • gewöhnungsbedürftige Bedienung
  • nervige Laderaumabdeckung
  • geringe Zuladung
  • zu wenige und zu kleine Ablagenunpraktische
  • elektrisch öffnende Heckklappe
  • nur mäßige Traktion im Winter
  • unharmonische Gasannahme
Technische Daten
BMW 535d Touring
Grundpreis58.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4843 x 1846 x 1491 mm
KofferraumvolumenVDA500 bis 1615 L
Hubraum / Motor2993 cm³ / 6-Zylinder
Leistung210 kW / 286 PS (580 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,5 s
Verbrauch6,9 L/100 km
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