BMW Z3 2.8: Windjammer

BMW Z3 2.8

Die Erwartungen an den Roadster BMW Z3 2.8 sind mindestens so hoch wie der Preis. Doch der 100 000-km- Dauertest offenbart auch Schwachpunkte wie nachlässige Verarbeitung und lautes Windgeräusch.

Wer Wind sät, erntet Sturm – eine biblische Weisheit, zutreffend auch für große und kleine Fahrten im BMW Z3 . Ob mit ganz geschlossener Stoffkapuze über dem Kopf oder oben völlig ohne – im Sportzweisitzer von BMW ist der Wind als lärmiger Genosse immer mit im Boot. Das ist nun mal Tradition bei der offensten Version der offenen Autos, das gehört sich so für Roadster, kann aber auch lästig sein.
Roadster-Leid hatte aber im Z3 viele Facetten: beispielsweise, wenn beim Aussteigen der Kopf gegen die Spannrohre des ungefütterten Stoffdachs rumpelte. Oder wenn beim Verlassen des Z3 im Regen – in unseren Breiten eine doch häufige Erscheinung – ein kräftiger Extraguss Wasser vom Zeltdach auf den Passagier herniederprasselte. Wenn Fingernägel knickten bei dem Versuch, die bockelharte Persenning über das heruntergeklappte Verdeck zu zurren und auf den Halteknöpfen einzurasten.
Die textile Kuppel, in geöffnetem Zustand stramm gefaltet im Bergeschlitz hinter den Sitzen, schuf wirklich nur in einem Punkt Anlass zu Vergnügen: Sie ließ sich, obwohl manuell abklappbar, auch von Frauenpower gut versenken. Schneller übrigens als mit der serienmäßigen Elektrohydraulik, auf die man allerdings bei 1300 Mark Aufpreis auch verzichten kann.

Sonst fiel der faltbare Wetterschutz durch störende Ermüdungserscheinungen auf: Nach halber Dauertestdistanz musste das vorne und nahe der Heckscheibe angerissene, an den Lagerfalten ziemlich verschmutzte Verdeck erneuert werden. Die Plastik-Heckscheibe hatte sich überdies fast blind gescheuert im Staufach – eine echte Fallgrube für Straßenstaub.
Zu Testende schwächelt die Tuchhaube schon wieder und sollte ersetzt werden – eine teure Trockenhaube, falls die jeweils rund 3600 Mark für ein neues Verdeck nicht über BMW-Kulanz reguliert werden. Mit Roadster -Charakteristik ziemlich antiquierter Art und allerlei Knarzgeräuschen wartete über die Distanz auch das Gestühl im Z3 auf: Die Vielfalt mechanischer Gestänge ließ sich deutlich spüren unter ihrer Oberhaut und malträtierte jedes Steißbein. Nicht zuletzt, weil aus den Sitzflächen im Laufe der Zeit haltlose Sitzfladen geworden waren.
Auf ihren in amerikanischem Stil versiegelten Oregonleder- Oberflächen, merkwürdig eingefärbt und jeglicher Atmungsfähigkeit beraubt, kam kein transpirationsfreies Mikroklima auf. Nicht anders als im Rücken der Insassen: Die Sitzlehnen sind zwar gut konturiert, foltern auf längeren Distanzen aber mehr, als dass sie stützen. Auf einer Zweitages-Expressfahrt von Lissabon nach Stuttgart wurde das besonders schmerzlich spürbar. Wie manches andere auch, was bei gängiger Roadster-Routine, freizeitfreudiger Kurzstrecke nämlich, als weit weniger störend notiert wird.
Zur ehrlichen Freude an der auch bei iberischen Außentemperaturen von über 40 Grad hervorragend arbeitenden, zusammen mit dem optimalen Lüftungssystem bestens regelbaren Klimaanlage (2200 Mark Aufpreis) – nicht nur im Südsommer ein Muss – gesellte sich der Verdruss über den viel zu kleinen Tank. Bei zügiger Fahrt stand schon nach jeweils dreieinhalb Stunden (oder 350 bis 400 Kilometern) ein Tankstopp an. Wobei der Ordnung halber festgehalten werden soll, dass der Verbrauch von Superbenzin je nach Fahrweise um bis zu siebeneinhalb Liter auf 100 Kilometer variieren kann – von 8,3 bis zu 15,8 L/100 km.
Nicht unbedingt zu klein, wohl aber völlig überhitzt durch den darunter liegenden Auspuff zeigte sich der Kofferraum: Mit Kosmetik reisende Passagiere konnten ihre Goodies ausschließlich im Fußraum unter dem Auslass der Luftschächte platzieren. Nicht knitterfeste Garderobe landete logischerweise in einem wasserdichten Koffer auf der Gepäckbrücke über der Heckhaube: Da ist sie proper untergebracht, und der Container verpasst dem BMW noch eine Extra-Portion Roadster-Flair. Fahrverhalten und Verbrauch des Z3 veränderten sich auch bei außenbords gestauter Bagage nicht negativ. Mit dem Fahrverhalten des Z3 ist es übrigens keineswegs zum Modernsten bestellt. Es entstand, vor allem gegen Ende der Distanz, der Eindruck, als würde das Fahrwerk mit all der Leistung, die vom 2,8-Liter- Sechszylinder kommt, nicht fertig, als führte das Chassis ein recht freisinniges Eigenleben unter der Karosse.
Auf nicht ganz ebenen Straßen lief der Wagen widerwillig geradeaus, er sprang und hoppelte straßenübergreifend – mehr als selbst Roadstern verziehen wird. In schnell gefahrenen Autobahnkurven neigte das Stummelheck auf Bodenwellen zum Versetzen – kaum zur Freude der Piloten. Auf feuchter Strecke wischte die Heckpartie gerne unkontrolliert weg – ließ sich sogar bei Trockenheit dazu provozieren –, trotz der Traktionshilfe ASC und trotz der breiten 225er-Reifen auf 16-Zoll- Felgen.

Dieses Verhalten war sicherlich auch einer der Gründe für den kostspieligen Reifenverschleiß: Etwa alle 10 000 Kilometer mussten die Hinterreifen nach vorne montiert werden. Dabei machte es keinen Unterschied, ob nun Michelin HX MXM, Bridgestone Potenza S-02 oder Dunlop SP 9000 aufgezogen waren – der Gummischwund erfolgte bei allen Pneus in gleichem Maße.
Feststellen ließ sich allerdings, dass ein etwas weniger sportlich ausgelegter, weniger steifer Reifen dem Fahrverhalten des Z3 besser bekam. Dem Portemonnaie des Eigners bekommt sicher keine der häufig fälligen Neubereifungen. Spartanisch wie beim Fahrkomfort oder im Kofferraum- Volumen sollte es nicht zugehen in der Börse von Z3- Eignern: Inspektionen schlagen mit Preisen zwischen 650 und 850 Mark zu Buche, für die dazwischen liegenden Ölwechselintervalle sind auch jeweils 200 Mark zu entrichten. Wenn dann noch Lästigkeiten auftreten, die zu ungeplanten, ja wiederholten Werkstattaufenthalten führen oder zu Montageübungen des Besitzers ausarten, dann wird die Freude am Objekt der Begierde getrübt.
Hier nur die Beschreibung von zwei Störfällen, die zu nicht weniger als vier außerplanmäßigen Besuchen in der BMW-Dependance führten. Fall eins: der Fensterhebermotor. Trotz ihres angeblich selbstlernenden Motors lernte es diese E-Maschine viel zu lange nicht, die linke Seitenscheibe bis zum Verdeckabschluss hochzustemmen. Dreimalige Werkstattbesuche und der Wechsel des Fensterhebermotors samt Gleitstück brachten erst dann ein Ergebnis, als nach Demontage der gesamten Fahrertür noch zusätzlich das kleine Dreieckfenster ausgebaut und neu justiert wurde. Die wahre Ursache für das Zaudern des Hebermotors kam nie ans Licht.
Fall zwei: die Glühlampen. Zu häufig und natürlich stets bei Dunkelheit musste – wie schon beim Dauertest-523i – das Erlöschen von Glühlampen aller Art konstatiert werden, ohne dass sich konkrete Anhaltspunkte für den Exitus ergaben.
Nachdem auch die Werkstatt nichts herausmessen konnte, bleibt nur der Schluss, dass sich im Stromnetz des Z3 offenbar Spannungspitzen aufbauten, die tödlich waren für Rücklichter, Abblendlampen, Heizungsgebläseleuchten und andere Glühlampen. Dass nicht identifizierte Elektroviren auf Grund von Verarbeitungsmängeln auftreten, liegt in Anbetracht anderer, allerdings eher mechanischer Unpässlichkeiten nahe.

Da lösten sich unmotiviert die Auspuffzierblende und die Verschluss-Schraube des Auspuffkrümmers. Da gab es Zündaussetzer. Die Chromstopfen der Gepäckbrückenbefestigung zeigten mehr als Flugrost. Der Auspuff rummelte bei einigen Fahrzuständen gegen das Bodenblech und beruhigte sich erst nach der Montage aller Aufhängungsgummis der jüngsten Auspuffgeneration.
Ein Premium-Hersteller wie BMW dürfte sich derlei Ausreißer, wie auch den lausigen Filzteppich im Kofferraum, nicht einmal mit der Entschuldigung leisten, dass der Z3 ja der erste Bayer aus den USA sei, zudem aus Amerikas tiefem Süden. Roadster-Plaisir: Niemand konnte es melodischer hinausposaunen als der Doppelrohrauspuff, wenn der wunderschöne Sechszylinder abging. Erst der 2,8-Liter-Motor macht jenes Freizeit-Auto, das 1996 mit Vierzylinder-Treibsatz als Softie nach Europa kam, zu einer lustvollen Fahrmaschine.
100 000 Kilometer lang riss allein der Motor den Wagen raus. Mit minimalem Ölverbrauch wuchs er an seinen Aufgaben: Seine Elastizität nahm messbar zu, und am Ende seines langen Weges machte die Maschine den Probanden um zwei km/h schneller als zu Test beginn. Der Motor und das Getriebe sind es, die vieles vergessen lassen, auch die traurige Innengestaltung des Cockpits: Das hat eher das Flair eines Compact-Dreiers als die Ausstrahlung eines Sportwagens.
Obwohl zwischen der schlecht ablesbaren Uhr und den kaum tastbaren Schaltern für Zusatzlampen bisweilen ein bisschen Chrom aufblitzt.
Bisher haben fast 175 000 Käufer einen offenen BMW Z3 erworben. Es ist zu wünschen, dass es nicht ausgerechnet sie sind, die im Cockpit jammern, sondern nur der Wind.

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Yörn Pugmeister

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