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Chrysler Voyager 2.4 SE

Stabiler Chryslauf

Chrysler Voyager 2.4 SE

Im 100 000 Kilometer-Marathon prüfte die Redaktion den Chrysler Voyager sozusagen auf Herz und Nieren. Das Gesundheitsattest für den geräumigen Van fällt trotz kleiner Schwächezustände insgesamt positiv aus.

01.12.1998

Der wichtigste Dauertest des Chrysler Voyager läuft seit 1984. In jenem Jahr stellte der amerikanische Konzern mit dem Ur-Modell einer neuen Großraumlimousine jenes Auto auf die Räder, das sozusagen zum Großvater der aktuellen Van-Welle werden sollte. Auch 14 Jahre später gehört der Voyager, seit 1996 in der dritten Generation, noch zu den Paradepferden im Chrysler- Stall. 1997 wurden hierzulande 8282 Exemplare angemeldet, fast die Hälfte aller Neuzulassungen in Deutschland.
Der Dauertest-Kandidat mit dem 2,4 Liter-Vierzylinder und 150 PS unter der Haube trat seinen Dienst im Dezember 1996 an. Serienmäßig fließt die Kraft über ein Fünfganggetriebe an die Vorderräder. Als Extras wurden Klimaanlage, Einzelsitze in der zweiten Reihe und Metallic-Lack geordert. Sein Neupreis: 52 365 Mark. Die Verarbeitung des US-Vans wirkt ansprechend, besonders im Vergleich mit anderen, etwa in den USA gefertigten Chrysler-Modellen . Der Voyager stammt aus Steyr, und diese österreichische Dependance genießt in puncto Qualität den Ruf des besten Chrysler-Werks weltweit.
Nach zwei Wintern und zwei Sommern präsentiert sich der Voyager 2.4 SE immer noch sehr ansehnlich. Sein Lack steht rundherum in ausreichendem Glanz, und dies nicht nur auf der nachgespritzten rechten Flanke, die kurz vor Ende des Dauerlaufs einem entfesselten französischen Linienbus zum Opfer fiel. Auch für die Bodengruppe ist Rost noch ein Fremdwort und dies, obwohl der Unterbodenschutz nur sparsam auf Blech und Schraubenköpfe gekleistert wurde. Das Abschlußgutachten bescheinigt dem Siebensitzer einen Restwert von 29 250 Mark, was einem nur rund 44-prozentigen Verlust entspricht. Ein Grund dafür: Gebrauchte Voyager sind gesucht.

An einigen Ecken des Zweijährigen nagt der Zahn der Zeit jedoch sichtbar. Den Endschalldämpfer etwa plagt beginnende Durchrostung, und auch die hinteren Schiebetüren rollen nun mit härterem Geräusch und leichten Vibrationen in ihren Führungsschienen. Doch ihre Funktion hat über die Distanz nicht gelitten, und ihr Vorhandensein erfreute nicht nur die Fondpassagiere, sondern auch das Ladepersonal und die Park-Nachbarn: Wer auch immer was auch immer im Hinterzimmer des Voyager zu schaffen hatte, lobte die Zugänglichkeit des Gepäckraums und den geringen Platzbedarf beim Ein- und Aussteigen, zum Beispiel in engen Parklücken. Kein Licht jedoch ohne Schatten: Der Chrysler hat auch ein paar technische Angewohnheiten, an die sich seine Nutzer teils gewöhnten, teils bis zum Schluß nicht gewöhnen mochten. Daß der Anlasser seine Tätigkeit erst aufnimmt, wenn das Kupplungspedal bis zum Anschlag durchgetreten ist, mag man dem Van noch als amerikanisches Erbe durchgehen lassen. Daß die Fernentriegelung der Türen zweimal gedrückt werden muß, um rundum aufzusperren, ist lernbar.
Daß die Wegfahrsperre aber nach einer aberwitzig kurzen Zeitspanne das Anlassen schon wieder unterbindet, ist eine nervende Angewohnheit der Elektronik, mit der sich zwei Jahre lang kein Benutzer auch nur annähernd arrangieren konnte. Fahrertür aufsperren, ein zweites Mal drücken, Schiebetür schieben, den Mantel ausziehen und im Fond verstauen, einsteigen – schon geht nichts mehr. Erst nach fummeligem Drükken auf den „Unlock“-Button kriegt der Strom in der Bordelektrik wieder freie Fahrt.
Schön, daß zur Belohnung dann aber der Vierzylinder stets zuverlässig ansprang, auch bei tiefer Winterkälte. Der Motor läuft schnell warm und taut schon nach kurzer Fahrstrecke die Scheiben hinlänglich ab. Zwar wirkt der kernige Benziner im Verein mit den Resonanzen in der Ansauganlage mitunter etwas brummig, zum Beispiel, wenn die Drosselklappe bei 2000 bis 3000/min voll geöffnet wird. Doch die Charakteristik des Chrysler-Antriebs konnte in den Disziplinen Leistung und Drehmoment überzeugen.

Der mit einem Leergewicht von immerhin 1780 Kilogramm ausrückende Voyager erfreute mit gutem Durchzug in den ersten vier Gängen und ließ nur im sehr lang übersetzten fünften Gang das gewohnte Antrittsvermögen vermissen. Zu Testbeginn brachte es der Voyager auf 183 km/h Höchstgeschwindigkeit, am Ende zeigte das Meßgerät noch 181 km/h. Den Preis für das zügige Fortkommen zahlt der Fahrer an der Zapfsäule. Zwar begnügt sich der Motor mit Normalbenzin, doch saugt er davon bei voller Ausnutzung seiner Leistungsreserven bis zu 18,6 Liter auf 100 Kilometer in die Brennräume. Der fünfte Gang – er ist so lang übersetzt, daß der Motor kaum einmal über 4000/min dreht und die Höchstgeschwindigkeit im vierten erreicht wird – muß also aktive Hilfe beim Spritsparen leisten. Minimal genehmigte sich der Voyager 8,3 Liter pro 100 Kilometer. Das kam allerdings eher selten vor, so daß der Testverbrauch sich bei 13,1 Litern einpendelte – ein bißchen viel für einen modernen Motor, auch angesichts des hohen Leergewichts und der guten gebotenen Fahrleistungen ein nur mühsam vertretbares Maß. Positiv fiel der Motor durch geringen Ölverbrauch auf: Der äußerst sparsame Konsum von rund 0,1 Liter auf 1000 Kilometer stellt der präzisen Fertigung und den verwendeten Materialien ein gutes Zeugnis aus. Bis auf die Overdrive-Charakteristik der fünften Fahrstufe empfahl sich das Getriebe als zunächst etwas hakelig zu schaltendes, im Lauf der Zeit aber unauffällig dienendes Aggregat. Auch nach Ablauf der Testdistanz läßt es weder Mahlen noch Kratzen oder Knacken verlauten.
Nicht so tadellos die Bremsen. Nach jeweils rund 50 000 Kilometern tauschte der mit der Wartung des Testwagens befaßte Chrysler-Partner (MM-Automobile in Böblingen) nicht nur die Beläge, sondern unaufgefordert auch gleich die Scheiben. Diagnose: Rißbildung. Macht zweimal rund 700 Mark. Angesichts des Verschleißbildes liegt der Verdacht nahe, daß die serienmäßigen Bremsscheiben den Belastungen der vollbeladen immerhin fast 2,5 Tonnen schweren Fuhre nicht ganz gewachsen sind. Auch die maximale Bremswirkung liegt mit Verzögerungswerten von lediglich 7,4 m/s2 (kalt) und 6,5 m/s2 (warm) auf unterstem Niveau.
Die übrigen Komponenten des Fahrwerks boten im Gegensatz zur Bremse wenig Grund zur Klage. Der Voyager verwöhnt mit angenehmem Fahrkomfort, pumpt weder auf langen noch auf kurzen Bodenwellen und zeigt sich so leer wie bepackt gut gefedert und gedämpft – auch noch nach 100 000 Kilometern.
Im Winter boten die montierten Goodyear Eagle Ultra Grip-Reifen gute Zugkraft und Seitenführung, im Sommer rollte der Voyager auf Goodyear GT2 am besten. Die im Vergleich dazu gefahrenen Bridgestone Turanza im 225er-Format bremsten zwar im Trockenen eine Spur besser als die 215er Goodyear, zeigten aber etwas weniger Komfort und leichte Nachteile im Geradeauslauf bei Längsrillen sowie auf Nässe. Die Abstimmung des Voyager- Fahrwerks läßt sich eindeutig definieren: gelungen. Selbst bei voller Zuladung verschlechtert keine unangenehme Wankneigung das gute Bild, und auch die problemlose Servolenkung hat ihren Anteil daran, daß Fahrerin und Fahrer den Chrysler stets gut im Griff haben. Menschen ab 1,90 Meter Körpergröße vermissen zwar eine Längsverstellung des Volants, aber die in ihrem vorderen Teil nach oben und unten schwenkbare Lenksäule trägt für die meisten Chauffeure zum bequemen, ergonomisch richtigen Sitzen genauso bei wie das propere Gestühl des Vans. So hat der Fahrersessel noch lange nicht sein quietschendes, durchgesessenes Ende erreicht. Angenehm straff gepolstert, rechts mit Armlehne (warum eigentlich nicht auch links?) und rundherum mit einem strapazierfähigen Stoff bezogen, fehlte es ihm im Test nur ein wenig an Rückgrat. Die Lehne zeigte sich bei Kilometerstand 36 583 haltlos, kippte nach rechts weg und benötigte eine neue Arretierung. Diesen auch von Lesern monierten Defekt hat Chrysler im Zuge der Modellpflege inzwischen abgestellt. Alle Voyager werden nun mit verstärkten Sitzlehnen ausgeliefert. Die restlichen Sitzgelegenheiten teilen die Voyager-Passagiere in zwei Klassen: Die eine ist privilegiert und nimmt an der Reise teil als Beifahrer oder Passagier der mittleren Reihe. Die unbedingt empfehlenswerten Einzelsitze sind nicht nur bequem, sondern auch mit einem Griff leicht demontierbar.

Den Unterprivilegierten bleibt nur die Rückbank der dritten Reihe. Erwachsene sitzen auf ihr zu niedrig und mehr schlecht als recht, als Kinderkrippe taugt sie gerade noch.
Für den Ein- und Ausbau des sperrigen und gewichtigen Möbels sucht man sich aber am besten einen netten Nachbarn. Alleinreisende Damen sind klar im Nachteil, da sie es schwer haben, die theoretisch vorhandene Variabilität des Innenraums praktisch auch voll zu nutzen. Gähnt der Laderaum nach erfolgter Demontage leer wie Trainer Trapattonis Flasche, gilt es zunächst, den trübgrauen Teppichboden schonend abzudecken. Seine Millionen feinster Kunststoffhärchen klammern sich an jede Art von Schmutz wie unsereins an letzte Strohhalme.
Der dunkelste Fleck geriet jedoch nicht auf den Teppich, sondern bei Kilometer 54 428 auf des Chryslers bis dahin reine Weste: Der Voyager verweigerte bei Nacht und Regen auf der Autobahn nach einem metallischen Geräusch plötzlich die Weiterfahrt. Des Rätsels Lösung: Das Kugellager der Spannrolle für den Zahnriemen des Nockenwellen- Antriebs hatte sich aufgelöst und war nur noch Lager, aber nicht mehr Kugel. Die Reparatur kostet außerhalb der Garantie inklusive des Ersetzens der zerstörten Riemenscheibe rund 900 Mark.
Noch zwei weitere Komponenten mußten auf Kulanz getauscht werden. Der 76 Liter fassende Kunststofftank beulte sich von allein nach innen ein und war plötzlich nur noch ein 70 Liter-Tank. Große Verwunderung bei den Redaktionskollegen, die es bis dahin gewohnt waren, erst mit dem letzten Tropfen Sprit die Zapfsäule anzusteuern. Außerdem zeigten die Kunststoff-Streuscheiben der Scheinwerfer Haarrisse durch Wärmespannungen. Beide Schwachpunkte hat Chrysler inzwischen im Rahmen der Modellpflege ausgebügelt.
Letzter Kritikpunkt: Die Inspektionsintervalle fallen unzeitgemäß kurz aus, die Werkstattkosten dafür deftig. Die kleine Durchsicht kostet rund 350, die große 500 Mark, und alle 12 000 Kilometer wird im Wechsel ein Check fällig. Das Fazit wird dadurch alllerdings nicht erschüttert: Der Voyager ist ein großes Auto, dem die Redaktion kleine Schwächen im Dauertest nachsieht. Eigentlich hätte er zum nächsten Dauertest gleich dableiben können.  

Vor- und Nachteile

  • Sehr gutes Raumangebot
  • Zwei Schiebetüren
  • Hohe Zuladung
  • Gute Klimatisierung
  • Guter Komfort
  • Gutes Handling
  • Kräftiger Motor
  • Nervende Wegfahrsperre
  • Schwache Bremsen
  • Fünfter Gang zu lang übersetzt
  • Zu wenig Ablagen
  • Kurze Inspektionsintervalle
  • Unhandliche Rückbank
  • Zu hoher Verbrauch
Technische Daten
Chrysler Voyager 2.4
Grundpreis24.386 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4733 x 1950 x 1740 mm
KofferraumvolumenVDA450 bis 4140 L
Hubraum / Motor2429 cm³ / 4-Zylinder
Leistung110 kW / 150 PS (229 Nm)
Höchstgeschwindigkeit180 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h12,5 s
Verbrauch10,5 L/100 km
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