Citroen Xsara 1.8i 16 V: Citroen Xsara im 100.000 km Dauertest

Citroen Xsara 1.8i 16 V

Der kompakte Citroen Xsara 1.8i entpuppte sich im Dauertest als komfortabler Reisewagen. In nur 14 Monaten spulte er 80 000 Kilometre ab, bevor ein Unfall den Testmarathon vorzeitig beendete.

Den Wert vieler Dinge erkennt man oft erst dann, wenn sie nicht mehr da sind. So erging es der auto motor und sport-Redaktion auch mit dem Citroen Xsara-Dauertestwagen. Nie hatte sich jemand darum gerissen, mit dem französischen Golf -Konkurrenten auf die Reise zu gehen, aber als die Nachricht vom unfallbedingten vorzeitigen Abschied aus dem Dauertest-Fuhrpark die Runde machte, hörte man fast nur Gutes über den Xsara .
Das hatte aber nichts damit zu tun, dass im Rückblick nicht schlecht geredet werden soll, sondern damit, dass es während der rund 80 000 Kilometer tatsächlich kaum Anlass zur Kritik gegeben hatte. Grafikerin Sabina Vogel beispielsweise tat es um den Xsara sogar „echt leid". Sie hatte seine Vorzüge auf einer Tour in die Bretagne kennen gelernt, wo der Xsara produziert wird.
Wie auch andere Xsara-Fahrer lobte sie vor allem den guten, citroentypischen Federungskomfort, ohne dass das Fahrwerk deswegen als zu weich oder etwa schwammig empfunden wurde. Statt mit aufwändiger Hydropneumatik federt der kompakte Citroen aber mit einer herkömmlichen Stahlfederung. Viele Anhänger der Marke vermissen deshalb beim Xsara die individuelle Note, die seit jeher einen Citroen auszeichnet, zumal auch das Blechkleid eher konservativ gestaltet ist.
Grafik-Mitarbeiter Jürgen Decker, der als begeisterter Gleitschirm-Pilot oft durch die Lüfte gleitet und dementsprechend verwöhnt ist, lobte neben dem Komfort auch das großzügige Raumangebot des 4,17 Meter langen Viertürers. Er verstaute zusätzlich zum Urlaubsgepäck für zwei Personen noch zwei Mountainbikes und zwei komplette Gleitschirmausrüstungen im Xsara.
Auch die Rolle des Familienautos spielte der Xsara gekonnt, wie Redakteur Franz-Peter Hudek auf einer Reise mit Frau und zwei Kindern feststellte. Er hob besonders her vor, wie leicht die Kindersitze dank der großzügigen Platzverhältnisse im Fond auf der Rückbank zu installieren waren.

Die Größe des Innenraums rangiert eine ganze Stufe über dem üblicherweise in der Kornpaktklasse gebotenen Maß. Hudek gefiel besonders der französische Charme der Innenausstattung, die sich „wohltuend vom sterilen Techno-Look eines VW abhebt.
Als praktisch erwiesen sich die großen Staufächer in den vorderen Türen, die nach Hochklappen der Armauflage zugänglich werden. Ein ganzes Baguette passt zwar nicht hinein, aber sie bieten genug Platz für diverse Reiseutensilien.
Doch der Xsara hat auch Schwächen. Die langen hinteren Türen ermöglichen zwar einen bequemen Einstieg, sind in engen Parklücken aber unpraktisch. Auch die durch den hohen Heckabschluss eingeschränkte Übersicht nach hinten wird oft bemängelt.
Wer auf großer Fahrt öfter tanken muss, ärgert sich jedes Mal über den separat per Zündschlüssel zu öffnenden Tankdeckel. Und die Schalter für die elektrischen Fensterheber findet ein Xsara-Neuling erst im dritten Anlauf - in der Armaturentafel rechts neben dem Lenkrad.
Im Lenkrad sucht man vergeblich nach der Hupenbetätigung. Die befindet sich - typisch französisch und nicht eingedeutscht wie beim Renault Megane - im linken Lenkstockhebel. Dafür lässt sich das Radio bequem vom Lenkrad aus bedienen.
Überwiegend positiv beurteilen die Tester die Funktion des Regensensors, der Wischintervall und -geschwindigkeit selbsttätig der Intensität des Niederschlags anpasst. Als störend erweisen sich jedoch die Spiegelungen der metallisch schimmernden Armaturentafel in der Windschutzscheibe.
Zwiespältig sind die Meinungen über die Sitze, deren Polsterung unter Druck ebenso nachgibt wie ein reifer Camembert. Manch einer empfand das als bequem, während andere Einträge in den Bordkarten die mangelnde Unterstützung der Wirbelsäule für Verspannungen der Rückenmuskulatur auf langen Strecken verantwortlich machten.

Während die im Sommer schweißtreibenden Sitzbezüge ebenso wie die sonstige Innenausstattung kaum Verschleißspuren aufwiesen, hatte sich das Sitzkissen selbst allerdings kurz vor dem jähen Ende des Dauertests teilweise vom Gestell gelöst.
Weitere Punkte auf der kurzen Mängelliste waren ein von innen beschlagener Scheinwerfer, der auf Garantie erneuert wurde, und ein defekter Drucksensor. Dieser hatte die Motorregelung mit falschen Informationen versorgt, so dass starkes Ruckeln und Aussetzer den Xsara zu seinem einzigen unplanmäßigen Werkstattaufenthalt zwangen.
Rund 20 000 Kilometer später wurde wieder Motorruckeln festgestellt, diesmal aber nicht so ausgeprägt wie beim ersten Mal. Die Ursache dafür konnte jedoch wegen des Unfalls nicht mehr ermittelt werden.
Da der Xsara nur vier Fünftel der üblichen Distanz zurückgelegt hat, konnte der auto motor und sorgt-Mängelindex nicht ermittelt werden. Doch selbst wenn wegen des Ruckelns ein weiterer Werkstattbesuch erfolgt wäre, sieht die Mängel-Bilanz für den Xsara so rosig aus, dass sich sogar ein Spitzenplatz in der Kompaktklasse abzeichnete. Damit hätte er die Schlappe seines Vorgängers ZX wiedergutmachen können, der im Mängelindex seit Heft 11/94 die rote Laterne innehat.
Auch die Kilometerkosten lassen sich aufgrund der verkürzten Testdistanz nur eingeschränkt mit denen anderer Dauertestwagen vergleichen. Zur groben Orientierung können sie aber dennoch herangezogen werden. So rangiert der Xsara mit 19,9 Pfennig pro Kilometer knapp über seinem direkten Konkurrenten Renault Megane mit ebenfalls 90 PS (18,3 Pf/km).
Wie bei diesem verhindern vor allem die relativ hohen Werkstattkosten einen besseren Wert. Denn mit Kraftstoff ging der Citroen nicht allzu verschwenderisch um. Ein Testverbrauch von 8,7 Litern pro 100 Kilometer ist dann auch angesichts der Einsatzbedingungen mit oftmals hoher Zuladung und vielen schnellen Autobahnetappen akzeptabel.

Positiv auf den Verbrauch wirken sich dabei die lange Getriebeübersetzung und die Durchzugsstärke des 1,8-LiterZweiventilers aus, die Zurückschalten beispielsweise zum zügigen Überholen oftmals überflüssig macht. Hohe Drehzahlen sind sowieso nicht die Stärke des unauffällig agierenden Aggregats. So erreicht die Leistungskurve auch schon bei 5000/min ihren Scheitelpunkt.
Ebenfalls zum entspannten Reisen tragen neben dem guten Federungskomfort niedrige Fahrgeräusche bei. Weder der Antrieb noch der Fahrtwind machen sich akustisch störend bemerkbar. Im Sommer sorgt die Klimaanlage, die mittlerweile zur Serienausstattung des Xsara Exclusiv gehört, für einen kühlen Kopf.
Allerdings wurde im Winter gelegentlich über eine schlechte Heizleistung im Fußraum geklagt. Keinen Anlass zum Nörgeln boten dagegen die Fahreigenschaften im Winter. Auch auf Schnee zeigte der Xsara mit den montierten Goodyear Ultra Grip 5-Winterreifen die gewohnt gute Traktion. Erfreulich war außerdem, wie schonend der Xsara mit seinen Reifen umging.
Nicht nur im Vergleich zu seinem Vorgänger Citroen ZX absolvierte der Xsara die 80 000 Kilometer geradezu unauffällig. Denn größere Störungen hat es über die gesamte Distanz nicht gegeben. Unauffälligkeit kennzeichnet aber auch den Auftritt des kompakten Citroen, der auf optische und technische Extravaganzen verzichtet. Kein Auto also für Individualisten, sondern für Menschen, die ein zuverlässiges Alltagsauto suchen, das ein in seiner Klasse überdurchschnittliches Maß an Komfort und Platz bietet.

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Hermann-Josef Stappen

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