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Fiat 500 1.2 im Dauertest

Der Kleinwagen im 50.000-km-Dauertest

Fiat 500 Foto: ams 18 Bilder

Fans würden dem Fiat 500 jeden Makel verzeihen. Im auto motor und sport-Dauertest über 50.000 Kilometer wollte der Cinquecento aber auch seinen Kritikern beweisen, dass er nicht nur hübsch, sondern auch zuverlässig ist.

10.04.2010 Sebastian Renz

Vor einiger Zeit in Rimini: Das Hotel betont die nationale Bedeutung der Mülltrennung, sogar gelhaarige Carabinieri stoppen am Zebrastreifen und selbst Spelunkenwirte kümmern sich penibel um die Einhaltung des Rauchverbots. Auf liebgewonnene Untugenden kann man sich südlich der Alpen mittlerweile überhaupt nicht mehr verlassen – ebenso wenig wie auf die Unzuverlässigkeit italienischer Autos.

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Dauertest: 50 000-Kilometer-Dauertest Fiat 500 1.2
auto motor und sport 08/2010
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Frühere Fiat-Dauertests mit vielen Werkstattstopps

Dabei mangelte es früher selten an Kurzweiligkeit, wenn ein Fiat zum Dauertest bei auto motor und sport antrat. Ende der neunziger Jahre verlangt der Punto I auf den ersten 50.000 Kilometern sieben außerplanmäßige Werkstattaufenthalte, deren Dramaturgie schon bei Kilometerstand 17.600 in einem Getriebeschaden gipfelt. So einer gelingt seinem Nachfolger ein paar Jahre später bereits nach 7.771 km, auch sonst lässt der Punto II mit vier Werkstattstopps auf 50.000 km nicht viel aus.

Dann kommt der Panda II, der sich ab 2004 auf der gleichen Distanz nur von einem Marder beißen lässt, sich sonst keine Ausfälle, kein süßes Nichtstun erlaubt. Was vielleicht auch daran liegt, dass er zwar ideell aus Italien stammt, aber in Tichy/Polen gebaut wird.

Der Fiat 500 weckt überall Sympathien

Dort purzelt auch Pandas Bruder, der 500, vom Band – beide Modelle teilen sich einen Großteil der Technik und Basisarchitektur, was für den 50.000-Kilometer-Dauertest eine ähnlich robuste Gesundheit erwarten lässt. Während sich der Panda profan-pragmatischer Mobilität verschrieben hat, möchte der Cinque in Schönheit streben. Sein Aussehen entzückt nicht nur alle, die auf Männer stehen – er kommt bei Frauen extrem gut an und gewann unter anderem den Titel „Gay Car of the Year“ -, sondern weckt überall Sympathien. Schon weil er ein Kleinwagen ist, in dem man nicht aussieht, als könne man sich nichts Größeres leisten, sondern als habe man nichts Größeres nötig. Der kleine Fiat ist ein wunderbares, fröhliches und völlig neidfreies Auto.

Das Platzangebot im Fiat 500 ist knapp

Allerdings hechelt die Funktion vielfach der Form hinterher. Den Tachometer umkreist der Drehzahlmesser, was hübsch anzusehen, aber umständlich abzulesen ist. Trotz minimal größerer Abmessungen bunkert der Cinque in seinem erstaunlich unübersichtlichen Kugelheck mit 185 bis 610 Litern weniger als der kastige Panda (190 bis 860 Liter). Zudem darf man die Hürden, die er trotz Easy Entry beim Einstieg in den Fond stellt, durchaus als Warnung verstehen – die Rückbank ist für Erwachsene zu schmal, die Decke niedrig und die Kniefreiheit strikt rationiert. Viersitzer erscheint da als recht optimistische Bezeichnung, aber die meisten nutzen ihn ohnehin als Zweisitzer und den Fond als Ablageraum.

Die Langstreckentauglichkeit ist eingeschränkt

Wir können uns hier die sonst so beliebte Lobhudelei sparen, wie erwachsen Kleinwagen geworden sind – der Fiat 500 fährt sich noch wie einer, was sich besonders beim Komfort zeigt. Die Federung federt wenig, holpert und stuckert aber umso ausführlicher. Mehr noch schränken die unbequemen Vordersitze die Langstreckentauglichkeit ein. Durch die dünne Polsterung drückt eine Querstrebe in den Rücken, und die primitive Höhenverstellung variiert nur die Position der Sitzfläche, so dass in der tiefsten Stellung ein Spalt zwischen ihr und der Lehne klafft. Zudem findet sich keine optimale Sitzposition, weil das Lenkrad nur in der Höhe verstellbar ist.

Mit 69 PS ist der Fiat 500 ausreichend motorisiert

All das stört niemand so richtig und bleibt ohne Auswirkung auf die Beliebtheit des Cinquecento, der seine kleinen Makel dick mit Charme übertüncht. Auf langen Dienstreisen erkundet er Europa – mit 69 PS. Und ja, das reicht. Was nicht nur daran liegt, dass sich der 2.000 Euro teurere 1,4-Liter-Benziner mit seinen 100 PS kaum stärker anfühlt, sondern auch am quirligen Temperament des Zwölfhunderters.

Der zieht den genau eine Tonne schweren Cinquecento munter den Brenner hoch,
beschleunigt ihn auf der Autobahn ohne Gejaule auf  Tempo 160 und macht seine schüttere Durchzugskraft mit ordentlicher Drehfreude wett. Dabei unterstützt ihn das gut abgestufte, aber gegen Testende zunehmend hakelige Fünfganggetriebe. Eine wirklich sparsame Kombination ergibt das nicht, obwohl sich der Durchschnitt von 6,8 L/100 km auch durch häufigen Kurzstrecken- und Stadteinsatz erklärt sowie damit, dass die Leistungsressourcen des kleinen Motors auf der Autobahn häufig voll ausgeschöpft werden. Das Sparpotenzial zeigt der Minimalverbrauch, der mit 4,9 L/100 km sogar den optimistischen ECE-Wert unterbietet.

An Reparaturen fallen nur Kleinigkeiten an

Beim Fahrspaß übertrifft der Fiat keineswegs die Erwartungen. In Biegungen bleibt er zwar neutral und fahrsicher, wirkt jedoch eher behäbig. Auch die Rückmeldung der Lenkung wird durch die übermotivierte Servounterstützung vernebelt. Dafür lässt sich der Fiat 500 im City-Modus der Lenkung mit einem Finger in Parklücken kurbeln.

An Reparaturen fallen nur Kleinigkeiten an: Nach knapp 21.000 Kilometern klappert eine Welle an der Lenksäule, deren Austausch einen der beiden ungeplanten Werkstattaufenthalte erzwingt. Die 190 Euro dafür gehen auf Garantie – ebenso wie die 505 Euro für ein neues Radio, weil das alte Gerät eine Taste verliert. Nach 34.000 Kilometern schließlich und mitten im Sommer zeigt das Außenthermometer Minusgrade an, auf die ein nordsibirischer Winter stolz wäre. Eigentlich egal, wenn nicht auch die Klimaautomatik durch den fehlerhaften Temperaturfühler irritiert wäre. Deswegen wechselt die Werkstatt beim zweiten ungeplanten Stopp den Außenspiegel – in dessen Gehäuse sitzt der Sensor. Hätte außerhalb der Garantiezeit heftige 182 Euro gekostet, soll aber nicht mehr vorkommen, weil es inzwischen ein Software-Update für den Sensor gibt.

Das liebevoll gestaltete, robuste Interieur bleibt lange schön

Klingt zu kompliziert für einen Kleinwagen – und zu teuer. Bei den Inspektionskosten liegt der 500 wieder auf Klassenniveau: Knapp 244 Euro kommen zusammen – allein 51 kosten die drei Liter Motoröl. Ansonsten knausert er damit. Nur ein viertel Liter muss über die gesamte Distanz zusätzlich nachgefüllt werden. Mit den Reifen geht der Cinque ebenfalls sorgsam um, auch damit erklären sich die niedrigen Gesamtaufwendungen von zehn Cent/km. Viel Pflegeaufwand fordern die gleichermaßen knallroten wie schmutzempfindlichen Sitzbezüge, wobei das liebevoll gestaltete, robuste Interieur nach zwei Jahren noch nicht verwohnt aussieht. In der Zeit hat man sich selbst an die etwas komplizierte Bedienung gewöhnt – und an die pessimistische Tankanzeige. Signalisiert sie Reserve, schwappen noch zehn Liter Sprit im Tank, was bei 35 Liter Gesamtvolumen oft schon nach 370 Kilometern zu einem Tankstopp nötigt.

Der Wertverlust fällt relativ gering aus

Ein Zwangsstopp droht dem 500 fast im zweiten Winter. Bei minus 14 Grad Celsius plagen ihn morgens Startprobleme, er orgelt und keucht sich mühsam in Fahrt. Zudem benötigt die eingefrorene Scheibenwaschanlage eine ganze Stunde, bis sie wieder enteist ist und Wasser fördert – ein Phänomen allerdings, das in diesem Winter auch bei mehreren erheblich teureren Dauertestautos auftritt. Denen steht er in der Ausstattung kaum nach, schon für die Basis Pop bietet Fiat eine Fülle an Extras. Einige davon genügen, um den Neupreis des Testwagens um 41 Prozent zu erhöhen. Während ESP, Klimaautomatik sowie der Bluetooth-/USB-Anschluss Blue & Me zu den empfehlenswerten Optionen zählen, kann man auf Parksensoren verzichten – an sich auch auf das Chrompaket und die 15-Zoll-Alus. Ein bisschen Schnickschnack gehört aber dazu, schadet beim Wiederverkauf nicht. Der Schätzpreis von 9.050 Euro liegt trotz der für die Klasse hohen Laufleistung nur knapp 40 Prozent unter dem Neupreis.

Bis hier 202 Zeilen über einen Fiat-Dauertest – wo bleibt das Drama? Es passiert erst beim Abschied. Der 500 verlässt uns an einem milchigen Februartag. Wir werden ihn vermissen – darauf kann er sich verlassen.

Vor- und Nachteile

  • ausgeprägte Handlichkeit
  • solide Verarbeitung
  • umfangreiche Crashvorsorge
  • hohe Zuverlässigkeit
  • temperamentvoller Motor
  • befriedigendes Raumangebot vorn
  • sichere Fahreigenschaften
  • gutes Abblendlicht
  • niedrige Unterhaltskosten, geringer Wertverlust
  • mäßiger Federungskomfort
  • erhöhter Verbrauch
  • hakelige Schaltung
  • unbequeme Vordersitze
  • unübersichtliche Instrumente
  • geringes Ladevolumen
Technische Daten
Fiat 500 1.2 8V
Grundpreis12.250 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3546 x 1627 x 1488 mm
KofferraumvolumenVDA185 bis 610 L
Hubraum / Motor1242 cm³ / 4-Zylinder
Leistung51 kW / 69 PS (102 Nm)
Höchstgeschwindigkeit160 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h12,9 s
Verbrauch5,1 L/100 km
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