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Fiat Multipla JTD 105 ELX

Va bene

Fiat Multipla JTD 105 ELX
11 Bilder

Die Qualitäten eines Autos lernt man am besten beim Fahren kennen. Über 100 000 Kilometer konnte der skurrile Fiat Multipla JTD so manches Vorurteil entkräften. So etwa, dass italienische Autos unzuverlässig seien.

02.02.2002 Gert Hack 1 Kommentar

Der Fiat Multipla ist hier zu Lande nicht unbedingt ein Objekt der Begierde. Nur rund 16 000 Exemplare wurden seit seiner Einführung 1999 in Deutschland verkauft. Der weitaus größte Teil seiner bisherigen Gesamtprodukion (140 000) landete in Italien und Frankreich.

Die für einen Minivan innen wie außen ungewöhnliche Raumgestaltung des sechssitzigen Multipla polarisiert, wobei offenbar die Gegner weit in der Überzahl sind. Dabei reicht das Spektrum der Design- Kommentare von einem anerkennenden „voll die coole Kiste ay“ bis zu der sicher nicht aus Mitgefühl gestellten Frage: „Haben Sie einen Unfall Gehabt“?

Doch Multipla -Fahrer bleiben auch angesichts schlecht versteckter Häme cool. Sie sind von den Qualitäten ihres Autos überzeugt, viele lieben es, und nicht wenige finden es sogar schön. Die zahlreichen positiven Leserbriefe zum Multipla  dokumentieren dies. Denn wer erst einmal die formale Hemmschwelle zum Multipla überwunden hat, findet zunehmend Gefallen an ihm.

Auch in der Redaktion von auto motor und sport mutierte der etwas andere Van aus Italien im Laufe des rund zwei Jahre währenden Dauertests zu einem gern genutzten Testwagen. Im Fahrtenbuch wird er einmal als „Gute-Laune- Auto“ bezeichnet, was den Kern der Sache ziemlich trifft

Denn der Multipla macht, was ihm vom Aussehen her keiner so recht zutraut, Spaß beim Fahren, wofür sich viele Gründe aufzählen lassen: die hohe Sitzposition, der besonders bei Kindern beliebte Mittelsitz vorne, die ausgezeichnete Übersicht oder das gute und mühelose Handling in der Stadt und auf Landstraßen. Außerdem ist der im Testwagen installierte JTD-Diesel eine angenehme Antriebsquelle. Er überzeugt mit Durchzugskraft, guten Fahrleistungen und akzeptabler Laufkultur. Erst bei hoher Drehzahl übertönen Brummfrequenzen die leider schon ab 100 km/h gut hörbaren Windgeräusche. Mit der Modellpflege im Oktober 2000 (siehe Seite 58) änderte sich zwar an den Windgeräuschen wenig, aber der dank variabler Turbinengeometrie von 105 auf 110 PS erstarkte Motor zieht noch geschmeidiger durch und hat zudem das Brummen verlernt.

Freude macht auch die Schaltung, die sich mit dem aus dem Armaturenbrett sprießenden kurzen Schaltknauf exakt und spielerisch betätigen lässt. Einmal aber war das Spiel aus: Bei km-Stand 34 354 blockierte eine lose Schraube in der Übertragungsmechanik den ersten Gang und veranlasste einen von insgesamt vier außerplanmäßigen Werkstattbesuchen. Danach machte die ansonsten sehr zuverlässige Antriebseinheit nur noch einmal durch zunehmende Vibrationen auf sich aufmerksam. Ursache war ein defekter Schwingungsdämpfer

Als signifikanter Nachteil des JTD erwies sich jedoch die bei frostigen Außentemperaturen ungenügende Heizwirkung des Direkteinspritzers nach dem Kaltstart und im Kurzstreckenverkehr. Der von Fiat gegen Aufpreis (670 Euro) angebotene Zuheizer ist in unseren Breiten ein Muss. Unverständlich, dass er nicht serienmäßig vorhanden ist. Doch trotz des an den Kühlkreislauf des Motors angeschlossenen Heizaggregats, das bei etwa vier Grad Motorraum- Temperatur automatisch seine Tätigkeit aufnimmt, kommt auch nach längerer Fahrtstrecke Warmluft nicht immer dort an, wo man sie gerne hätte. Denn die Warmluftverteilung, vor allem im Fußraum, bleibt im Winter unbefriedigend. Neben der nicht überzeugenden Heizwirkung machte die Zusatzheizung zwei Mal durch polternde Geräusche aus dem Motorraum auf sich aufmerksam. Grund war jeweils die gelockerte Kraftstoffpumpe des Heizgerätes.

Von solchen Malaisen blieb die bei der Ausstattung ELX serienmäßige Klimaanlage verschont. Sie sorgt auch an heißen Tagen für erträgliche Innenraum-Temperaturen, wobei freilich die Grenzen der Leistungsfähigkeit gelegentlich fühlbar werden.

Dass ein Fiat trotz massiven Einsatzes von Hartplastik nicht klappert, nach mehr als 100 000 Kilometern noch steif und solide wirkt und keinerlei ernsthafte Verschleißerscheinnungen an Karosserie und Ausstattung erkennen lässt, ist überraschend. Hauptgrund dafür ist die verwindungssteife Spaceframe-Konstruktion aus verzinktem Stahl.

Sie ist auch die Basis für das präzise Handling und die fast sportlich zu nennenden Fahreigenschaften des Multipla. Leider sind die Bremsen einer forcierten Fahrweise nicht immer gewachsen und lassen bei harter Beanspruchung und hoher Zuladung nach. Damit soll ab Februar dieses Jahres Schluss sein: Im Rahmen einer weiteren Modellpflege erhält der Multipla dann auch hinten Scheibenbremsen. Der mäßige Reifenverschleiß (rund 50 000 km Laufleistung) ist ein weiteres Indiz für korrekte Radführung. Das bei km-Stand 47 584 auftretende Klappern der Vorderachse verursachten ausgeschlagene Stabilisator-Streben. Die Kunststoffteile sind mittlerweile in der Serie durch Metallstreben ersetzt, beim Testwagen eine Garantieleistung.

Auch wegen seiner praktischen Seite war der Multipla beliebt. Fast zwei Meter breit, aber nur vier Meter kurz, gibt es selten Parkprobleme. Der Ein- und Ausstieg in die fast 1,70 Meter hohe, kutschenförmige Karosse ist mühelos.

Praktische Ablagen erleichtern das Leben. Die drei Fondsitze lassen sich im Handumdrehen ausbauen, was einen beachtlichen, ebenen Laderaum ergibt. Die an sich komfortablen Sitze bieten allerdings wenig Seitenführung und werden von großen Personen wegen ihrer zu kurzen Sitzfläche gerügt. Der Bezugsstoff überstand den strapaziösen Testbetrieb gut.

Die Kosten? Abgesehen von häufigen (alle 20 000 km) und auch zu teuren Inspektionen ist der Multipla JTD ein preiswertes Vergnügen. Die Anschaffung ist günstig, der Verbrauch hält sich in Grenzen, und sogar der Wertverlust bereitet keine Schmerzen. Und wie Fritz B. Busch kürzlich treffend bemerkte, zählt der Multipla zu den formalen Raritäten, deren Anschaffung sich heute schon aus Sammlergründen lohnt. Vielleicht wird er ja später mal zum Kultipla. 

Vor- und Nachteile

  • Gutes, variables Raumangebot, sechs Sitze
  • Sehr gute Rundumsicht
  • Reichlich Ablagen und Fächer
  • Gute Sitzposition
  • Steife, klapperfreie Karosserie
  • Exakte, leichtgängige Lenkung
  • Agiles Handling, problemlose Fahreigenschaften
  • Durchzugsstarker Motor
  • Knackige Schaltung, gut gestuftes Getriebe
  • Auch mit Zuheizer schwache Heizwirkung
  • Motor im oberen Drehzahlbereich laut
  • Kurze Sitzflächen
  • Starke Windgeräusche bei hohem Tempo
  • Heckklappenschloss ungünstig platziert
  • Seitenfenster lassen sich nur teilweise absenken
  • Stuckerneigung auf Autobahn- Querfugen
  • Schwache Bremsen
  • Unbefriedigendes Radio
Technische Daten
Fiat Multipla JTD 105
Grundpreis20.196 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3994 x 1871 x 1695 mm
KofferraumvolumenVDA430 bis 1850 L
Hubraum / Motor1910 cm³ / 4-Zylinder
Leistung77 kW / 105 PS (200 Nm)
Höchstgeschwindigkeit170 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h12,4 s
Verbrauch6,4 L/100 km
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    Neuester Kommentar

    Man gewöhnt sich ja auch dran das ein vw gewinnt, die brauchen ja auch mal gute presse!

    tonto0815 10. Mai 2016, 14:23 Uhr
    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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