Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Fiat Punto 75 ELX

Auf den Punto gebracht

Fiat Punto 75 ELX

Während des 100 000 Kilometer-Marathons gefiel der Fiat Punto 75 ELX mit seinem großen Raumangebot. Doch chronische Getriebeprobleme,  Detailmängel und neun außerplanmäßige Werkstattbesuche trüben die Abschlußbilanz.

26.01.1997

Wenn ein gewöhnlicher Autotest als kurze, dennoch intensive Begegnung zwischen Mensch und Maschine gelten darf, ist der 100 000 Kilometer- Dauertest bei auto motor und sport eine Bindung auf Jahre. Beim Fiat Punto 75 ELX brauchte die Redaktion 28 Monate, um den Kilometer-Marathon abzuspulen. Dabei trat der Punto im Mai 1994 bereits als Sieger an: Nach langer Zeit hatte mit ihm zum ersten Mal wieder ein Fiat-Modell – der 60 SX – einen Vergleichstest in auto motor und sport gewonnen (Heft 1/94).
Seitdem hat der Punto in Deutschland eine steile Karriere gemacht: Mit mehr als 60 000 Neuzulassungen lieferte sich der Fiat 1996 ein spannendes Duell mit dem Renault Mégane um den Titel des Importautos Nummer eins.
Für den Dauertest wählte auto motor sport den Punto 75 ELX mit Vier-Sensoren-ABS, Fahrer- und Beifahrer-Airbag, Diebstahlwarnanlage, Höhenverstellung für Fahrersitz und Lenkrad, Klimaanlage und Metallic- Lackierung. Diese Extras verteuerten den Grundpreis um 5630 Mark auf 27 940 Mark. Im Redaktions-Fuhrpark etablierte sich der metallic-grüne Testwagen vom ersten Kilometer an als Platzhirsch im besten Sinne. Mit seinen 3,77 Metern fällt der Punto zwar nur neun Zentimeter länger aus als das Vorgänger-Modell Uno, im Innenraum aber bietet er fast soviel Platz wie eine Mittelklasse- Limousine.
Eine große Klappe zeigte der Dauertest-Kandidat auch beim Kofferraum, der sich mit 275 Liter Ladevolumen selbst der sperrigen Ausrüstung der auto motor und sport-Fotografen oder dem Wochenend-Gepäck einer vierköpfigen Familie gewachsen zeigte. Mit umgeklappter Rücksitzlehne erhöht sich das Platzangebot sogar auf 1080 Liter – Raum, der sich im Redaktionsalltag für größere und kleinere Transporte sehr gut nutzen ließ, vor allem weil nach dem Vorklappen des Sitzteils ein ebener Boden zur Verfügung stand.

So großzügig sich der Dauertest-Kandidat einführte, so schnell sorgten aber auch kleine Auffälligkeiten und Mängel für Verdruß. Nach nicht einmal 1000 Kilometer Fahrt zeigte beispielsweise die in den Wagenschlüssel integrierte Fernbedienung erste Ausfallerscheinungen. Der Empfänger im Wagenhimmel mußte in der Werkstatt auf einen neuen Code programmiert werden, damit Zentralverriegelung und Alarmanlage wieder einwandfrei funktionierten. Wieder war es die Fernbedienung, die bei Kilometerstand 29 376 für Ärger sorgte. Diesmal ließ sich der Fiat wegen eines Elektronik-Defekts nicht mehr starten und mußte in die Werkstatt geschleppt werden. Dort wechselten die Mechaniker vorsorglich den gesamten Infrarot-Empfänger aus. Kostenpunkt: 554,35 Mark. Einziger Trost bei dieser Panne: Die Reparatur ging auf Garantie.
Schuld an einem außerplanmäßigen Werkstatt-Termin hatte auch das Getriebe: Bereits nach knapp 900 Kilometern ließen sich die Gänge aufgrund ungenügender Synchronisation schlecht schalten. Im Laufe der Zeit gesellten sich zu diesem Symptom laute Geräusche unter Last. Außerdem ließ sich die Kupplung nur noch mit enormem Kraftaufwand betätigen. Bei Kilometerstand 3375 war daher eine Getriebe-Teilüberholung erforderlich, bei der diverse Lager und Synchronteile ausgetauscht wurden. Die Reparaturkosten von 967,10 Mark gingen auf Garantie. Das chronische Getriebeleiden, so sollte der Fortgang des Dauertests zeigen, war damit aber nicht behoben. Denn kurze Zeit nach dem Werkstattbesuch setzten die Schaltprobleme und Laufgeräusche wieder ein. Im Rahmen einer Inspektion wurde das Getriebe bei Kilometerstand 15 951 erneut geprüft, um dann nach weiteren 2000 Kilometern ganz ausgetauscht zu werden.
Die dafür anfallenden Kosten von mehr als 2700 Mark wurden im Rahmen der Garantie von Fiat übernommen, doch wirft der frühe Ausfall dieses wichtigen Bauteils ein schlechtes Licht auf die Qualitätsbemühungen von Fiat.
Selbst das neue Getriebe brachte nur kurzzeitig Besserung. Die Kratz- und Mahlgeräusche kehrten im Laufe der Zeit wieder zurück und begleiteten die Punto-Fahrer bis zum Ende des Dauertests. „Nicht nur das Kratzen ist schlimm, sondern auch die ungenaue Schaltkulisse“, trug Testfahrer Rainer Schubert deshalb ins Bordbuch ein.
Für noch mehr Enttäuschung als die Tücken des Getriebes und der Elektronik sorgte vom ersten Tag an der Motor: Die 1,25 Liter-Maschine zeigte sich während der gesamten 100 000 Kilometer schlapp und durchzugsschwach wie selten ein Fiat-Motor zuvor.

Im täglichen Fahrbetrieb zwang die schlechte Elastizität zu hohen Drehzahlen, was wiederum den Geräuschpegel im Punto-Innenraum und auch den Benzinverbrauch erhöhte. Mit einem durchschnittlichen Testverbrauch von 8,1 Liter auf 100 Kilometer ordnete sich der Punto zwar nicht zu den Sparsamsten seiner Klasse ein, doch geht der Spritkonsum angesichts eines Leergewichts von 980 Kilogramm in Ordnung. Dies gilt allerdings nicht für die Fahrleistungen – hier konnte der angeblich 75 PS starke Italiener nicht überzeugen. Bei der Beschleunigung verfehlte der Testwagen gar die Hersteller- Angaben: So verstrichen für den Sprint von null auf Tempo 100 zu Beginn des Dauertests 14,1 Sekunden, am Ende des Dauertests 13,6 Sekunden. Fiat hingegen gibt beim 75 ELX zwölf Sekunden an.
Besonders gravierend fiel die Durchzugsschwäche des Motors an Autobahn-Steigungen auf. Hier mußte früh zurückgeschaltet werden. Ähnlich war die Situation bei Fahrten mit eingeschalteter Klimaanlage. Dann forderte der Kühlkompressor seinen Tribut: Die Motorleistung sackte noch weiter in den Keller.
Dennoch bereitet der kompakte Fronttriebler Fahrspaß. Dafür sorgen schon seine leichtgängige Servolenkung, die spielerische Handlichkeit sowie die gute Übersichtlichkeit. Mit diesen Stärken war das Revier des Punto die Stadt. Aber auch auf Landstraßen und Autobahnen wußte er zu überzeugen. Hier störte allenfalls das unruhige Fahrwerk, das die Karosserie auch auf ebener Fahrbahn immer wieder in Bewegung versetzt. Einträge ins Fahrtenprotokoll brachte dem Punto das nervige Motorruckeln ein. Diese Unart legte der Dauertest-Kandidat vor allem nach Kaltstarts an den Tag. Mit einem ungewöhnlichen Phänomen konfrontierte der Dauertestwagen seinen Fahrer bei Kilometer 9225: Bei Vollast blieb das Gaspedal hängen und ließ sich erst nach mehrmaligen Versuchen wieder befreien. Eine Überprüfung von Gaszug und -gestänge ergab, daß sich eine Gummimanschette gelöst hatte. Nach weiteren 1500 Kilometern trat dieselbe Erscheinung wieder auf, diesmal hing das Gaspedal auch im Teillast- Betrieb. Als Grund für dieses Übel entpuppte sich erneut eine Gaszug-Manschette – sie wurde in Eigenleistung entfernt, und der Fehler war behoben.
Gleich zweimal zeigte der Punto eine andere Auffälligkeit: Bei Kilometerstand 7426 und bei km 24 829 monierten seine Fahrer ein Zittern der Tachonadel. Diese Erfahrung deckt sich mit jener anderer Punto-Fahrer, wie die auto motor und sport-Aktion Car Check belegt. Hier gaben 4,1 Prozent der Punto-Besitzer diesen Fehler an. Beim Dauertest-Punto brachte eine neue Tachometerwelle Abhilfe. Fiat reagierte einige Zeit später und änderte dieses Teil im Mai 1996 in der Serienproduktion.
Größeren Ärger als durch die Tachowelle reklamieren die Car Check-Teilnehmer beim Fiat Punto aufgrund von Klapper- und Quietschgeräuschen: Mit 8,3 Prozent aller Nennungen führt dieser Faktor die Liste der Probleme im ersten Jahr nach dem Kauf an. Defekte an den Fensterhebern gaben 4,1 Prozent, Lackprobleme 3,3 und Fehlfunktionen der Alarmanlage 2,9 Prozent aller Punto-Fahrer bei Car Check an.

Der Dauertest-Kandidat in Diensten von auto motor und sport zeigte sich in diesen Punkten allerdings als Musterschüler. Lack- und Karosseriequalität wirkten über die gesamte Testdistanz solide. Und Knarz- und Knarrgeräusche – sonst negatives Erkennungsmerkmal früherer Fiat-Modelle – traten selbst gegen Ende des Dauertests nicht auf. Auch im Innenraum zeigte der Dauertest-Punto bis auf den leicht durchgesessenen Fahrersitz kaum Spuren von Verschleiß. Keine Schraube lockerte sich, sämtliche Kunststoffteile blieben in ihren Passungen, und die Bezüge der Sitze und Türverkleidungen erwiesen sich trotz oftmals wenig schonender Behandlung als schmutzresistent.
Von den insgesamt fünf Reifensätzen, mit denen auto motor und sport beim Punto Erfahrungen sammeln konnte, hinterließen der Uniroyal Rallye 380 (Sommer) und der Pirelli Winter 180 Performance den harmonischsten Eindruck. Bei ihnen war der Verschleiß sehr gering.
Gleiches läßt sich indes von den Bremsen nicht sagen: So mußten die vorderen Beläge zweimal (nach km 45 044 und km 92 389) erneuert werden. Nach gut der Hälfte des Dauertests waren auch Scheiben für die Vorderbremse fällig. Dafür, daß der Punto 75 ELX in der Endabrechnung nicht gerade billig ist, sorgt allein die lange Mängelliste. Ohne die Kosten für Kraftstoff, Öl und Reifen bleiben 3,7 Pfennig pro Kilometer. Damit ist der Punto nach den Erfahrungen von auto motor und sport im Unterhalt deutlich teurer als ein Opel Corsa , der sich mit 2,2 Pfennig vergleichsweise billig aus der Affäre zieht.
Daß Punto-Fahrer im Unterhalt viel bezahlen müssen, liegt auch an den Werkstattkosten. Im Durchschnitt 500 Mark für eine große und 250 Mark für eine kleine Inspektion markieren das obere Ende der Preisskala.
Mit Enttäuschung müssen Punto-Fahrer auch beim Wiederverkauf rechnen: Auf 11 100 Mark taxierte die Dekra den Fiat nach seinem 100 000 Kilometer- Marathon. Das ist verblüffend niedrig für einen Import- Bestseller in der populären Kleinwagen-Klasse.
So bleiben nach dem Dauertest gemischte Gefühle: Mit dem Punto bietet Fiat einen pfiffigen Kleinwagen mit angemessenem Verbrauch und solider Karosserie. Der Fortschritt gegenüber früheren Fiat-Modellen steckt in einer wesentlich verbesserten Qualität und in vielen durchdachten Details. Was die Dauertest-Bilanz nachhaltig trübt, sind neun außerplanmäßige Werkstattaufenthalte mit einer Standzeit von insgesamt zwölf Tagen. Hier muß Fiat noch einiges auf den Punkt bringen.

Technische Daten
Fiat Punto 75
Grundpreis11.734 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3770 x 1625 x 1460 mm
KofferraumvolumenVDA275 bis 1080 L
Hubraum / Motor1242 cm³ / 4-Zylinder
Leistung54 kW / 74 PS (106 Nm)
Höchstgeschwindigkeit172 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h12,0 s
Verbrauch7,0 L/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Login mit Ihrem Profil
    Anzeige
    Fiat Punto 0,9 Twinair Start&Stopp Easy, Front, Kurve Fiat Punto ab 105 € im Monat Leasing & Vario-Finanzierung Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    Fiat Punto Fiat Bei Kauf bis zu 31,00% Rabatt Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    Kommentar schreiben

    Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

    Neues Heft
    Empfehlungen aus dem Netzwerk
    Gebrauchtwagen Angebote
    Whatsapp
    Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden