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Ford Fiesta 1.25

Kein Reinfall

Ford Fiesta 1.25

Der in Köln am Rhein beheimatete Autohersteller Ford befindet sich im Aufwind – zumindest was die Qualität der Modellpalette angeht. Ob auch der Fiesta von diesem Trend profitiert, zeigt der Dauertest über 100 000 Kilometer.

19.02.1998 Birgit Priemer

Kleinwagen zeigen immer mehr Größe. Eine Feststellung, die keiner besonderen Erwähnung bedarf, solange sie sich nur auf den Zuwachs in den Abmessungen bezieht. Größere Autos kann schließlich jeder bauen.
Aber nicht bessere. Und so liegt der wahre Fortschritt in dieser Klasse in der Entwicklung innerer Größe, jenem Maßstab, der preiswerte Autos von billigen unterscheidet. Zu den Kleinwagen, die mittlerweile einen bemerkenswerten Reifegrad an den Tag legen, zählt der Fiesta – davon konnte sich auto motor und sport im Zuge des Dauertests, den der Ford im Mai 1996 als roter Viertürer in der Flair-Ausführung (nun Style genannt) antrat, selbst überzeugen. Die 100 000 Kilometer zogen an der Karosserie fast spurlos vorüber. Klapper- und Quietschgeräusche sind dem Fiesta auch nach Testende fremd, und die Oberflächenmaterialien im Innenraum überzeugen immer noch mit einer Hochwertigkeit, die andere Minis gar nicht erst mitbringen. Selbst etablierte Konkurrenten wie der VW Polo und der Opel Corsa können mit der hier gebotenen Solidität nicht mithalten. Im Hinblick auf die Qualität setzt der Fiesta in seiner Klasse zur Zeit zweifellos den Maßstab.
Von seinen Vorzügen zeugt auch das Tempo, mit dem die 100 000 Kilometer lange Distanz von der Redaktion im Zuge von Dienstreisen, Urlaubsfahrten, Kurzstrecken oder Autobahntouren absolviert wurde. Niemand scheute sich, den Fiesta als Langstrecken-Begleiter zu wählen, und so zeigte der Kilometerzähler schon nach eineinhalb Jahren die 100 000 auf. Zum Vergleich: Der Renault Twingo , in der Redaktion ebenfalls sehr beliebt, benötigte über zwei Jahre für die gleiche Distanz. Unbequeme Sitze und ein schwacher Motor wiesen ihn mehr als Kurzstreckenkandidaten aus.

Von diesem Stigma blieb der Fiesta allein durch den temperamentvollen 75 PS-Motor aus der Zetec-SE-Familie verschont. Mit Hilfe des durchzugsstarken, kultivierten Triebwerks lief der Ford zu großer Form auf. „Ganz schön flott, der Kleine“, heißt es so auch in den gelben Karten, in denen die Fahrer neben den Tankungen alle Auffälligkeiten festhalten. Redakteur Frank Warrings, der sich am Wochenende von Stuttgart aus oft auf den Weg in seine Heimatstadt Jever macht, notierte nach insgesamt über 6000 Kilometern mit dem Fiesta: „Kaum ein Kleinwagen, den wir bislang im Dauertest hatten, fährt sich so erwachsen. Besonders auf Langstrecken.“ Die Vorzüge des Vierventil- Triebwerks haben sich auch in der Kundschaft herumgesprochen: Rund 25 Prozent wählen diesen Motor, der in der Anschaffung 1000 Mark teurer ist als der 60 PS-Vierzylinder. Es kostet natürlich auch mehr Benzin. Ein Testverbrauch von 8,2 Liter pro 100 Kilometer ist für ein Auto dieser Größenordnung zu viel, zumal sich der Fiesta auf schnell gefahrenen Autobahnabschnitten bisweilen zwischen elf und zwölf Liter genehmigte.
Viele Stopps an der Tankstelle waren auch notwendig, weil der Kraftstoffbehälter angesichts des hohen Verbrauchs mit 42 Liter nicht sehr viel Fassungsvermögen bietet und eine ungenaue Anzeige die Piloten stets im unklaren ließ, wieviel Sprit noch zur Verfügung steht. Vor allem wenn der Vorrat zur Neige geht, wird es kritisch, denn allen Ausstattungsvarianten außer dem Ghia fehlt eine serienmäßige Tankwarnanzeige. Hier hat Ford eindeutig an der falschen Stelle gespart. Gewisse Einschränkungen müssen auch im Hinblick auf die Sitze gemacht werden. Sie sind zwar solide gebaut, bieten aber im Bereich der unteren Rückenpartie zu wenig Unterstützung. Trotz elektrischer Höhenverstellung, in dieser Variante aufpreispflichtig, suchte mancher auch vergeblich nach der idealen Sitzposition – Folge der langen, etwas zu stark geneigten Sitzfläche, die besonders kleinere Fahrer stört.

Das Wohlbefinden der Passagiere steigert allerdings die Klimaanlage, wenngleich sie spürbaren Einfluß auf das Leistungsniveau des Motors hat und in den ersten Minuten nach dem Einschalten etwas unangenehme Ausdünstungen verströmt – Erfahrungen, die auch die Leser teilen (siehe Lesererfahrungen ), die sich ansonsten wie das auto motor und sport- Team mit dem Komfort des Kleinen überaus zufrieden zeigen. Bildarchivar Rainer Herrmann nach einer Tour durch die neuen Bundesländer: „Der Federungskomfort ist auch auf schlechten Straßen gut.“ Bemerkenswert für einen Kleinwagen erscheint aber nicht nur die Souveränität, mit der Bodenunebenheiten absorbiert werden. Besonders erwähnenswert ist vielmehr das agile Fahrverhalten, das den Fiesta vor allem auf kurvenreichen Strecken zu einem angenehmen Begleiter macht. Mit seinem schnörkellosen Einlenkverhalten vermittelt er einfach Freude am Fahren. Zu dem schon fast Go-Kart-ähnlichen Charakter trägt auch die präzise, zielgenaue Servolenkung bei, auf die niemand bei der Anschaffung des Fiesta verzichten sollte. Mittelmaß regiert dagegen beim Platzangebot. Obwohl der Fiesta mit einer Länge von 3,83 Meter zu den großen Kleinwagen gehört, ist er kein Raumwunder. Während vorne genügend Platz vorhanden ist, müssen Fondpassagiere mit einem begrenzteren Angebot leben. Wer den Fiesta mit kleiner Besatzung bewegt, kommt mit dem Kofferraumvolumen aus: 250 Liter reichen denjenigen, die zu zweit unterwegs sind und die die Rücksitzlehne umklappen können. Allerdings störte bisweilen der fehlende Umklappmechanismus der Bank.
Nur die Lehne läßt sich vorlegen, wodurch keine topfebene Fläche zustande kommt. Seine größten Schwächen aus technischer Sicht legte der Fiesta auf den ersten 30 000 Kilometern an den Tag: Drei von vier außerplanmäßigen Werkstattaufenthalten waren in diesem Abschnitt notwendig (siehe Störungstabelle ). Im Zuge der Gewährleistung im ersten Jahr wurden die unregelmäßig aufleuchten- den Warnlampen für das ABS und die Antriebsschlupfregelung TCS (Traction Control System, in Deutschland kurz ASR genannt) geprüft. 391 Mark hätte der Ersatz für Radsensor und Geberkabel an der Hinterachse ansonsten gekostet. Eine Maßnahme, die ein Fiesta-Fahrer wahrscheinlich aus eigener Tasche entrichtet hätte, weil er im Durchschnitt maximal 15 000 Kilometer pro Jahr fährt und damit schon nicht mehr im Garantie-Zeitraum gewesen wäre.
Wohl auch jene 100 Mark, die nach 21 981 Kilometern für das Prüfen des Drosselklappengehäuses und die neue Dichtung am Potentiometer fällig waren: Das Gas blieb im Leerlauf zeitweise zwischen 2000 und 4000/min hängen. Als Achillesferse erwiesen sich vor allem die Bremsen mit einem überdurchschnittlichen Verschleiß. Im Laufe des 100 000 Kilometer-Dauertests mußten dreimal die Bremsscheiben und viermal die Beläge gewechselt werden. Der erste Austausch war bereits nach 13 681 Kilometern fällig, der zweite erfolgte bei 45 455 und der dritte bei 75 141 Kilometern. Beschwerden über rubbelnde oder dröhnende Bremsen ziehen sich zudem wie ein roter Faden durch die gelben Karten.

Da paßt es nur ins Bild, daß Ford bislang zwei Rückrufaktionen wegen der Bremsen durchführen mußte. Weil die Gefahr einer Verunreinigung im hydraulischen Kupplungs- und Bremssystem bestand, ersetzte Ford bei Kilometerstand 27 076 die Dichtungsmanschetten im Hauptbremszylinder und den Druckschlauch am Kupplungszylinder. Im Rahmen der zweiten Rückrufaktion kurz nach Abschluß des Dauertests müssen in diesen Tagen nun 63 000 Modelle (zwischen Juli 1995 und Juni 1996 gebaut) in die Werkstatt, um sicherzustellen, daß der Bremsschlauch nicht am Federbein scheuert. Wenig Gefallen fand auto motor und sport auch an dem umständlichen Tankverschluß, der nur mit Hilfe des Fahrzeugschlüssels zu betätigen ist. Der Ärger stieg, als sich der Mechanismus auch noch als defektanfällig erwies. Weil ein Reparaturversuch mit Reinigen und Ölen nicht fruchtete, blieb nur der Austausch des Tankverschlusses – einen außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt und satte 105 Mark kostete diese Aktion.
Nicht die einzige Rechnung, die belegt, daß das Preisniveau sich bei Ford verändert hat. Inspektions- und Wartungskosten sind nicht mehr so günstig wie zum Beispiel bei Opel ; Ford nähert sich in diesem Punkt vielmehr dem teureren Konkurrenten VW an. Schließlich schlug die Sicherheitskontrolle mit Ölwechsel – fällig alle 15 000 Kilometer – mit über 200 Mark zu Buche, die große Inspektion (nach 45 000 Kilometern) mit rund 400 Mark – viel Geld für so ein kleines Auto.
Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten haben die Fiesta- Fahrer andere Probleme: Der Anschaffungspreis ihres Autos ist innerhalb der letzten zwei Jahre um rund 2000 Mark gesunken, weil viele Extras wie der Beifahrer-Airbag nun zum Serienumfang zählen. Diese für Neuwagenkunden erfreuliche Entwicklung verursacht einen hohen Wertverlust, beim Testwagen 59 Prozent.
Gleichwohl fällt die Dauertest- Bilanz positiv aus. Obwohl der Fiesta viermal außerplanmäßig in die Werkstatt mußte, zeigte er über die 100 000 Kilometer bis auf den hohen Bremsenverschleiß keine ernsthaften Probleme. Motor, Getriebe und Karosserie waren der Belastung gewachsen, und so erzielte der Ford den niedrigsten auto motor und sport-Mängelindex seiner Klasse.
Unter Abzug der hohen Kraftstoffkosten rangiert er mit 1,8 Pfennig pro gefahrenen Kilometer ebenfalls vor der Konkurrenz, was allerdings auch auf das gegenüber auto motor und sport sehr kulante Verhalten der Werkstatt zurückzuführen ist. Die eigentliche Stärke des Fiesta läßt sich aber nicht errechnen. Den großen Fahrspaß, der dieses kleine Auto auszeichnet, muß man einfach erleben.

Technische Daten
Ford Fiesta 1.25
Grundpreis12.266 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3828 x 1634 x 1320 mm
KofferraumvolumenVDA250 bis 625 L
Hubraum / Motor1242 cm³ / 4-Zylinder
Leistung55 kW / 75 PS (110 Nm)
Höchstgeschwindigkeit170 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h12,7 s
Verbrauch7,1 L/100 km
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