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Ford Mondeo 2.0 TDCI Turnier

Ein Mann, ein Ford

Ford Mondeo 2.0 TDCI Turnier

Kein einziges Mal liegen geblieben, nur ein außerplanmäßiger Aufenthalt in der Werkstatt: Der Ford Mondeo 2.0 TDCI Turnier absolvierte zuverlässig die 100 000 Kilometer.

20.05.2004 Eckhard Eybl

Wären alle Ehepartner so zuverlässig wie der Ford Mondeo 2.0 TDCI Turnier Ghia im Dauertest, gäbe es deutlich weniger Scheidungen. Nur ein einziges Mal in 100 324 Kilometer leistete sich der dunkelblaue Kombi einen Aussetzer in Form eines außerplanmäßigen Werkstattaufenthaltes. Bei Kilometerstand 28 506 musste die Verkabelung der Sitzheizung repariert werden.

Jetzt hat der 130 PS starke Mittelklasse-Kombi mehr als 105 000 Kilometer auf dem Tacho, und er hätte – als Würdigung seines knapp zweijährigen Einsatzes – durchaus Anspruch auf eine Verdienstmedaille zum Abschied. Auf jeden Fall hinterlässt er eine Lücke im Dauertest- Fuhrpark, denn abgesehen von einer defekten Fahrersitzheizung entpuppte sich der Mondeo Turnier nicht nur als problemloser Lasten-, sondern auch unprätentiöser Sympathieträger. Bequeme Sitze, die sich ihre 100 000-Kilometer-Patina hart erarbeitet haben, samt angenehmer Sitzposition, ein sprintstarker und drehfreudiger Dieselmotor, ein ebenso langstreckenwie kurvenfreundliches Fahrwerk und dieser veritable Laderaum ergeben in Summe ein Fortbewegungsmittel, das erste Wahl war, wenn es von Stuttgart aus fort ging in die große, weite Welt, ob nach Eurodisney Paris oder Maranello.

Sieben Punkte im auto motor und sport-Mängelindex (neues Untergestell für den Fahrersitz, Lenksäule gefettet, Motorlager erneuert, Abdichtfolie Beifahrertür neu verklebt, Sitzheizung, Software-Update nach Motorruckeln) ergeben in der ewigen Zuverlässigkeits liste dieser Klasse einen sehr achtbaren vierten Platz, ausgerechnet einen Rang vor dem elitären Schwestermodell Jaguar X-Type mit V6-Motor. Damit wird belegt, dass Ford in der Mittelklasse den besseren Jaguar baut, zumindest wenn es über die automobile Marathon-Distanz von 100 000 Kilometer geht. Das ist tröstlich für eine Klientel, die das dezente Image von Ford in Form eines geringen Überholprestiges jeden Tag auf der Autobahn erlebt.

Dort fühlt sich jeder kleine 1,9-Liter-TDI dazu berufen, dem Mondeo mit seinem deut lich muskulöseren Zweiliter- Common-Rail-Diesel quasi vor der Wagenschnauze herumzutanzen. Einmal in Fahrt, wollte sich der Mondeo dann als unverwüstlicher Kilometerfresser austoben, wie auch der durchschnittliche Treibstoffverbrauch belegt: 8,2 Liter auf 100 Kilometer sind für ein Automobil dieses Kalibers nicht so günstig, wie man es von Ford eigentlich erwarten könnte.
Unangenehmer als das eine oder andere Malheur (siehe Tabelle Störungen und Reparaturen ) waren jene Kleinigkeiten, die nur dann als unwichtig empfunden werden, wenn man nicht rund 100 000 Kilometer lang in 21 Monaten damit konfrontiert wird. Die elektrische Sitzverstellung, außen und unten am Sitzgestell angebracht, war bei geschlossener Tür nur mühsam zu bedienen, weil das Staufach in der Türverkleidung weit nach innen ragt und die raue Hartplastikoberfläche nicht hautfreundlich ist. Und bei eingelegtem ersten, dritten und fünften Gang ließen sich die Schalter der Sitzheizung kaum noch drücken, weil der Schalthebel in diesen Positionen zu nah an die Knöpfe ragt.

Auch das kompliziert zu bedienende und schwer ablesbare CD-Navigationsgerät legte Zeugnis darüber ab, dass ein Mondeo des Baujahrs ’02 ergonomiemäßig durchaus Nachholbedarf hatte. Weil Ford beim Navigationssystem zu ähnlichen Erkenntnissen gelangte, wird inzwischen eine andere Navi-Generation angeboten. Die träge reagierende und nur schwer auf exakte Temperatur einstellbare Heizungs/ Klimaanlage-Einheit verlangt spitze Finger und abgestumpfte Geduld. Wenn 20 Grad Celsius als zu kalt empfunden wurden, konnte es passieren, dass bei einem halben Grad mehr Saunahitze entstand. Leichter fällt es, sich mit den konzeptbedingten Nachteilen zu arrangieren. Gegen die Anfahrschwäche bei niedriger Drehzahl helfen ein Schuss mehr Gas und eine schleifende Kupplung.

Da der Common-Rail-Diesel ambitioniert hochdreht, wurde beim Reisen nicht im-mer in dieseltypisch niedrigen Tourenbereichen verharrt. Mit einem Sechsganggetriebe, seit Februar 2003 serienmäßig, wurde dieses Manko inzwischen behoben. Obwohl als Allerweltsauto ausgelegt, leistet sich der Mondeo Marotten. Die Motorhaube muss mittels Wagenschlüssel in der Ford-Pflaume am Kühlergrill entriegelt werden, der elektrische Schließmechanismus der Heckklappe geriet zum Geduldsspiel. Wird die Klappe nach dem Öffnen rasch wieder geschlossen, kann sie nicht einrasten, weil der Stellmotor noch nicht bereit zum Schließen ist.
Andererseits: Lang und hoch lebe der Laderaum. So tief, so breit und so flach, schluckte er mit Grandezza das Lieblingstransportgut der Redaktion: den Berner Sennhund Balou, veritable Kinderwagen und ein 100-Kubik-Mach 1-Kart. Zudem sorgte der Laderaum sogar für glückliche Kinderaugen im Fond. Schließlich steckte im Testwagen – gegen 2585 Euro Aufpreis in der aktuellen Liste Optionen Audio- und Kommunikationssysteme – in der Laderaumverkleidung links hinten das Multimedia-Paket.

Bei der Erstzulassung des Dauertestwagens am 27. Mai 2002 war darin noch ein VHS-Videorekorder verpackt, der längst von einem DVD-Spieler abgelöst ist. Doch egal welches System: Wenn in den Flachbildschirmen auf der Rückseite der vorderen Kopfstützen Rudolph mit der roten Nase, Bibi Blocksberg oder Thomas, die fantastische Lokomotive, flimmern und die Kinder über Kopfhörer am Ton hängen, herrscht eine derart himmlische Ruhe, die nicht einmal durch das typische Dieselnageln bei kaltem Triebwerk gestört werden kann.
Über allen Soll-und-Haben- Abwägungen schwebte eine Erkenntnis, die sich weder in Plus und Minus noch in Euro oder Cent umrechnen lässt. Der Mondeo macht Spaß. Das agile Handling, die exakte Lenkung, der dynamische Motor und der unaufdringliche Komfort verwandeln diesen unauffälligen und kräftig unterbewerteten Vernunftesel in ein geschätztes Familienmitglied, dem man sogar abblätternde Plastikhaut an den inneren Türgriffen der Vordertüren gern verzeiht.
Frei von Imagelasten und Premiumzwängen, ist der Mondeo ein reelles Angebot. Zwar musste man am 3. Juli 2002 für den Testwagen, einen Mondeo Ghia Turnier, 37 620 Euro hinblättern. Ohne zusätzliche Extras ist ein Zweiliter-Duratorq- TDCi Turnier Ghia aber heute für 27 300 Euro erhältlich, inklusive neuem Sechsganggetriebe und einer Schadstoffeinstufung nach Euro 4. Muss es kein Ghia sein, kostet der gleich motorisierte Einsteiger-Turnier dann moderate 24 600 Euro. Gleichwohl spiegelt ein Wertverlust von 55 Prozent, der in der ewigen Dauertest- Wertung dieser Klasse nur noch vom Jaguar X-Type übertroffen wird, die geringe Wertschätzung des Marktes für dieses Modell wider.

Bei den Betriebskosten wurde ein zwiespältiges Ergebnis errechnet: Treibstoffverbrauch, hohe Kosten bei den Bremsen und der durch den drehmomentstarken Motor und Frontantrieb verursachte Reifenverschleiß führten zu einem Kilometerpreis von 9,9 Cent. Doch der Mondeo Turnier lässt sich schön rechnen. Abzüglich Kraftstoff, Öl und Reifen pendeln sich die Betriebskosten bei moderaten 1,6 Cent pro Kilometer ein, fordsmäßig günstig in dieser Klasse. So gesehen entpuppt sich der Ford Mondeo Turnier als wirklicher Volkswagen. 

Vor- und Nachteile

  • Exakte Lenkung
  • Agiles Fahrverhalten
  • Guter Federungs- und Langstreckenkomfort
  • Durchzugsstarker Motor
  • Gutes Platzangebot
  • Großer Laderaum
  • Gute Übersicht
  • Gutes Abblend- und Fernlicht
  • Hakelige Schaltung
  • Beim Beschleunigen Antriebseinflüsse in der Lenkung
  • Eingeschränkte Traktion bei Nässe
  • Zu kleine Außenspiegel
  • Tempomat reagiert träge
  • Schlechter Radioempfang
  • Keine gute Verstaumöglichkeit für abnehmbare Anhängerkupplung
Technische Daten
Ford Mondeo 2.0 TDCi Turnier
Grundpreis26.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4804 x 1812 x 1441 mm
KofferraumvolumenVDA540 bis 1700 L
Hubraum / Motor1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung96 kW / 130 PS (330 Nm)
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,2 s
Verbrauch6,1 L/100 km
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