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Honda Accord 1.8i LS

Haste Töne?

Honda Accord 1.8i LS

100 000 Kilometer nichts als Wohlklang - während der gesamten Dauertest-Distanz war dem Honda Accord 1.81 LS kein wirklich falscher Ton zu entlocken. Auf Dauer kann zu viel Harmonie aber auch langweilig werden.

02.12.2000 Johannes Riegsinger

Die Zielflagge im 100 000 Kilometer währenden Dauertest-Marathon fiel für den Honda Accord 1.8i LS fern der Heimat. Irgendwo bei Guadix im äußersten Süden der Iberischen Halbinsel sprang die Null vor fünf fleißig mitzählenden Ziffern um auf Eins, der Eintrag in der letzten von 14 gelben Dauertest-Bordkarten lautet: „Getankt 40,03 Liter; Öl stand o.k." Im freien Feld dahinter herrscht gähnende Leere. Und diese Beschreibung ist durchaus bezeichnend für den seit April 1999 den auto motor und Sport-Fuhrpark bereichernden silbernen Honda Accord mit dem 136 PS starken 1,8 Liter-Vierzylinder. Die Fahrer hatten sprichwörtlich nicht mehr zu tun, als zu tanken und den Ölstand zu kontrollieren.
Größere Probleme bereiteten lediglich die bei 27 246 Kilometer rubbelnden Bremsen. Mit abgedrehten vorderen Bremsscheiben und neuen Belägen wurde der Accord wieder auf Tour geschickt. Erst bei Kilometerstand 44 510 musste der Honda zum ersten außerplanmäßigen Stopp in die Werkstatt , diesmal allerdings nicht wegen eines aufgetretenen Mangels, sondern um im Zuge einer offiziellen Rückruf-Aktion das Drosselklappen-Gehäuse und die Lambda-Sonde zu tauschen.

In den Zeiträumen dazwischen und bis zum Erreichen der 100 000-Kilometer-Marke bereitete die Elektronik Sorgen, einige Male mussten Glühlampen, Sicherungen und Verschleißteile gewechselt werden, bei Kilometer 90 515 wurden die Vorderräder wegen eines schüttelnden Lenkrads ausgewuchtet, und - ein offensichtlicher Verarbeitungsmangel - die lose Abdeckung der Fensterheber-Schaltkonsole an der Fahrerseite musste befestigt, einmal sogar erneuert werden. Eine Mängelbilanz, die sich in ihrer Kürze und auch angesichts der durchschnittlich 190 pro Tag gefahrenen Kilometer trotzdem sehen lassen kann.
Allerdings erfüllt der Honda Accord 1.8i neben der mittlerweile von japanischen Automobilen erwarteten Zuverlässigkeit auch ein anderes Vorurteil, das den Pannenstatistik-Helden aus Fernost gerne anhängt: Er verbreitet keinerlei Begeisterung. So notierte Mitarbeiter Klaus Herder ein schlichtes „funktioniert einfach, ist aber grottenlangweilig`; dem Kollegen Eckhard Eybl war zum tristen Plastik-Look mit Kunststoffholz-Verzierungen nur ein „Null Charme, das triste Interieur hat Ostblock-Niveau" abzuringen.
Keine Geschmacksache sind die zwar komfortablen Sitze mit guter Unterstützung im Lendenwirbelbereich, an denen aber die kurze Sitzfläche, der mäßige Seitenhalt sowie die schnell verschmutzenden und überaus schweißtreibenden Bezüge zu kritisieren sind. Auf die Dauer erwiesen sich die Sitze auch nicht als besonders verschleißresistent, an der Wange des Fahrersitzes war der Stoff gegen Testende abgewetzt und der Sitz-Kern deutlich durchgesessen.
Abseits aller geschmacklichen und funktionalen Fragen war die Gleichmütigkeit auffällig, mit der viele Fahrer dem klaglos seinen Dienst verrichtenden Honda begegneten. Statt schmissige Kommentare loszuwerden, die sich an der lustvollen Beschäftigung mit einem Automobil entzünden, wurde der silberne Dauerläufer nahezu ohne jede emotionale Bewegung - negativer oder positiver Artgefahren.

Vielleicht ist es aber auch gerade dieser unaufdringliche Charakter, der den Käufern des Accord zusagt. Immerhin gibt ein großer Prozentsatz der Leserbriefschreiber an, den Honda auch wegen seines Stylings gekauft zu haben und mit seinem zurückhaltenden Charakter sehr zufrieden zu sein.
Weitere Kaufgründe waren zumeist das gute Preis-Leistungs-Verhältnis und die erwiesenermaßen zu Recht erwartete Zuverlässigkeit. Dabei erfüllt der Honda Accord den Spar-Anspruch allerdings nur bedingt: Während der auto motor und sport-Dauertestwagen zum Preis von 40 788 Mark schon über eine umfangreiche Serienausstattung (Fahrer- und Beifahrer-Airbag, Seitenairbags, Klimaanlage) verfügt und in der Anschaffung alleine daher deutlich besser als viele Konkurrenten aussieht, relativiert sich sein Kostenvorteil angesichts nicht besonders günstiger Kilometerkosten von 21,7 Pf/km und eines hohen Wertverlustes von 48,64 Prozent.
Immerhin geht der Accord sehr sparsam mit den Reifen um. Die Sommerreifen Pirelli P 6000 und Uniroyal Rallye 540 können dabei ebenso als Empfehlung für den Honda gelten wie der Firestone-Winterreifen FW 930.
Ein großer Teil der laufenden Kosten bleibt an der Tankstelle zurück. Der Accord ver brauchte im Schnitt immerhin 9,7 Liter Superbenzin pro 100 Kilometer. Mit diesem Verbrauchswert rangiert er aber auf dem Niveau der Konkurrenz. Wenn sein Vierzylinder auf die vergleichbaren Triebwerke der Mitbewerber wirklich Boden verliert, dann eindeutig in Sachen Leistungscharakteristik. Trotz der variablen Ventilsteuerung VTEC schlägt sich der ansonsten laufruhig und leise arbeitende Motor mit einer ausgeprägten Anfahrschwäche sowie mangelnder Elastizität herum. Verstärkt wird das Phlegma des Triebwerks darüber hinaus durch ein schlecht abgestimmtes Getriebe.
Besonders zwischen dem zweiten und dritten Gang klafft ein deutliches Übersetzungs-Loch. Wer aus der niedertourig gequälten dritten Gangstufe sein Heil und Vortrieb im Herunterschalten sucht, sieht sich unversehens mit dem viel zu kurz übersetzten zweiten Gang und einem laut brüllenden Motor konfrontiert.
So ist der bei niedrigen Drehzahlen asthmatisch und angestrengt gegen das unpassend übersetzte Getriebe kämpfende Vierzylinder denn auch das Hauptthema der Dauertest-Kommentare und Leser-Erfahrungen: Fast alle Leser bemängelten den schwachen Durchzug, einige würden den Accord gar nur mit dem hubraumstärkeren Zweiliter-Motor (ab 2001 als 2,3-Liter-Vierzylinder) wieder kaufen.
Harte Kritik findet sich auch im Dauertest-Fahrtenbuch, nahezu jeder Fahrer prangert die fühlbar schlechte Elastizität an, Schlussredakteur Ulrich Schneider vermerkt nach einer Erzgebirgs-Fahrt: „Der Accord hat keinerlei Durchzugsvermögen. Mit vier Personen und Gepäck braucht es am Berg den zweiten Gang, ohne ständiges Zurückschalten geht gar nichts!"
Licht und Schatten sind auch in den übrigen Disziplinen zu vermerken. Während sowohl Lenkung wie auch Schaltung als leichtgängig und exakt gepriesen werden, finden die schwergängige Kupplungsbetätigung und die Traktionsschwäche auf nasser Fahrbahn verständlicherweise nicht viel Anklang.

Auf echte Gegenliebe stieß der Honda Accord bei seinen Dienstreisen zwischen Kiel und Portugal allerdings bei den Raum-Schiffern: Die viertürige Karosserie der Limousine bietet ein gutes Raumgefühl und wirkt solide verarbeitet. Besonders der Kofferraum stellt nahezu unendliche Weiten zur Verfügung. Dass der Kofferraumdeckel von außen nur per Schlüssel zu öffnen ist und die großen Bügelscharniere wertvollen Platz im Gepäckraum wegnehmen, störte da nur sehr wenige Accord-Reisende.
Dafür wurden von aufmerksamen Redakteuren zwei Schrulligkeiten des im englischen Swindon gebauten Honda vermerkt: Der Handbremshebel des für England und Japan als Rechtslenker konzipierten Accord ist im deutschen Linkslenker auf der Beifahrerseite montiert, und die Tanköffnung befindet sich - unangenehm eng beim Aussteigen an der Zapfsäule, praktisch beim Tanken - auf der Fahrerseite.
Je nach Tankstelle war der Honda übrigens unterschiedlich gut zu betanken. An Zapfsäulen mit hoher Pumpleistung schwappte der schäumende Treibstoff regelmäßig aus der Tanköffnung, die fehlende Restmenge musste dann durch gefühlvolles Zapfen eingefüllt werden.
Solche Unzulänglichkeiten sind jedoch reine Gewöhnungssache. Ganz anders verhält es sich mit der schwachen Leistung der Klimaanlage. Im Regen oder bei hoher Luftfeuchtigkeit war der Accord auf Grund der blitzartig und hartnäckig beschlagenen Scheiben sowieso nicht ohne die entfeuchtende Wirkung der Klimaanlage zu fahren.
In diesem Zusammenhang fiel es umso stärker auf, dass die manuelle Klimaanlage einzig mit voller Gebläseleistung Wirkung zeigen konnte. Auf heißen Sommer-Fahrten wurde es im Innenraum aber trotz maximaler Kühlleistung der Klimaanlage immer noch nicht wirklich angenehm.
Trotzdem macht es der Honda Accord 1.8i leicht, einen kühlen Kopf zu bewahren: Wer Autos mit sachlicher Zurückhaltung liebt, die nicht mehr vorgeben, als sie zu halten im Stande sind, der kann den zuverlässigen Accord ins Herz schließen. Sozusagen ganz pragmatisch.

Vor- und Nachteile

  • Hohe Zuverlässigkeit
  • Günstiger Preis
  • Gutes Raumangebot
  • Gutmütige Fahreigenschaften
  • Solide wirkende Verarbeitung
  • Großer Kofferraum
  • Sitze mit guter Lendenwirbel Unterstützung
  • Bei niedrigen Drehzahlen durchzugsschwacher Motor
  • Motorcharakteristik harmoniert nicht mit dem Getriebe
  • Schwergängige Kupplung
  • Kein hydraulischer Ventilspielausgleich
  • Traktionsschwäche
  • Schwache Klimaanlage
  • Schweißtreibende Sitzbezüge
  • Hohe Wartungskosten
Technische Daten
Honda Accord 1.8i
Grundpreis21.234 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4595 x 1750 x 1430 mm
KofferraumvolumenVDA427 L
Hubraum / Motor1850 cm³ / 4-Zylinder
Leistung100 kW / 136 PS (175 Nm)
Höchstgeschwindigkeit195 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,3 s
Verbrauch9,1 L/100 km
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