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Hyundai Tucson 2.0 CRDi 4WD

Einer für alles

Hyundai Tucson 2.0 CRDi 4WD 13 Bilder

Zuverlässig, aber nicht problemlos bewältigte der Hyundai Tucson im Dauertest die vielfältigen Anforderungen des Redaktionsalltags

21.03.2007 Klaus-Ulrich Blumenstock

Der Allradantrieb allein kann es nicht sein – angesichts von 232 000 ausgebauten Straßenkilometern in Deutschland. Und auch die erhöhte Sitzposition ist wohl kein hinreichender Grund. Genauso wenig wie Variabilität und Lademöglichkeiten, wie sie auch ein Kombi bietet. Es ist wohl die einzigartige Kombination dieser Eigenschaften, die die moderne Gattung der SUV so populär macht. Und mit der steigenden Nachfrage wuchs zugleich das Angebot. Zwischen Range Rover und Suzuki Jimny spielen heute die kompakten, preisgünstigen Soft-Allradler die Hauptrolle, zu denen seit Herbst 2004 auch der Hyundai Tucson gehört.

Um seine Tauglichkeit im harten Alltagseinsatz zu untersuchen, musste er bei auto motor und sport seine Reifeprüfung ablegen. Dabei spulte die getestete Version 2.0 CRDi GLS AWD ihren Dauerlauf wie bei fast allen Nutzern zu 99 Prozent auf befestigten Straßen ab. Denn mit zuschaltbarem Allradantrieb, aber ohne Sperrdifferenziale und Reduktionsgetriebe ist das Unwegsame für den Tucson eher Nebenschauplatz. „Diese Fahrzeuge sind nicht für den Einsatz in schwierigem Gelände ausgelegt“, mahnt schon die Betriebsanleitung. Trotzdem fällt das Offroad-Fazit überwiegend positiv aus. Ausfahrten auf rutschigen Waldwegen zum Beispiel erledigte der Tucson problemlos – selbst mit Anhängerlast. Schon beim Überwinden kleiner Schneehügel allerdings brachte Redakteur Marcus Peters das 4x4-System mit durchdrehenden Rädern an seine Grenzen.

Doch das sind konzeptionelle Unzulänglichkeiten, die auf Qualität und Zuverlässigkeit insgesamt keinen Einfluss haben. Schon eher ins Gewicht fallen da die Gebrauchsspuren eines mitunter sehr strapaziösen 100 000-Kilometer- Dauerlaufs. Von kleineren Kratzern und Schrammen abgesehen, blieb das Blechkleid praktisch unbeschadet, und die Karosserie macht noch den nahezu gleich soliden Eindruck wie zu Beginn. Hinweise über störende Klappergeräusche aus dem Tür- und Heckklappenbereich ziehen sich allerdings schon ab Kilometerstand 18 600 wie ein roter Faden durch die Dauertest-Einträge .

Dazu strapazierte die Ohren der Testfahrer ab etwa Kilometer 65 000 ein weiteres akustisches Phänomen, das sich schließlich als das gravierendste Problem des Tucson herausstellen sollte: Beim Beschleunigen drangen beunruhigende Schlag- und Rasselgeräusche aus dem Antrieb. Schadhafte Motorlager, die zunächst von der Werkstatt vermutete Ursache, erwiesen sich nach ihrem Austausch als Fehldiagnose. Als wahrscheinliche Ursache wurde dann das Schaltgetriebe lokalisiert, und die Werkstatt empfahl zunächst die Verwendung eines Getriebeöls anderer Qualität. Der Tucson rasselte unbeeindruckt weiter. Schließlich war der Austausch des Getriebes samt Kupplung nicht mehr zu vermeiden.

Die eingehende Untersuchung des Getriebes förderte Materialausbruch an der Lagerschale der Eingangswelle zutage – mit Folgeschädigungen der Schrägrollenlager. Der von Hyundai auf Garantie vorgenommene Getriebetausch würde mit 4863 Euro zu Buche schlagen, während eine Reparatur des Schadens mit 476 Euro deutlich günstiger gekommen wäre. Trotzdem unerfreulich für Tucson-Fahrer, vor allem dann, wenn der Schaden, anders als beim Dauertestwagen, außerhalb der dreijährigen Garantiezeit eintritt.

Außerplanmäßig musste die Hyundai- Werkstatt lediglich noch einmal aufgesucht werden. Eine festsitzende Hinterradbremse machte die Erneuerung des Bremssattels nötig. Immerhin: Von einer echten Panne auf offener Strecke, die Urangst eines jeden Autofahrers, blieb der Tucson verschont. Im Mängelindex von auto motor und sport bringt ihn seine Zuverlässigkeit auf die Top-Position seiner Klasse.

Doch trotz eines vertretbaren Reparaturaufwands besteht zwischen Tucson und Werkstatt keine Entfremdungsgefahr. Inspektionsintervalle von 15 000 Kilometern sind heute kaum noch zeitgemäß und treiben die Wartungskosten über Gebühr nach oben. So zieht der preisgünstige koreanische Allradler in den verbrauchsunabhängigen Kilometerkosten locker mit Großkalibern wie Mercedes ML 270 CDI oder Range Rover V8 gleich, wie die Mängelindex- Tabelle zeigt.
Der kritische Blick auf dieses Zahlenwerk offenbart aber zugleich eine Schwäche des Allradlers, die als durchlaufender Posten in der Liste der Kritik auftaucht: der Verbrauch. Zwar sind, sehr verhalten gefahren, auch Werte unter sieben Liter auf 100 Kilometer möglich, doch sind die in der Alltagspraxis eher unrealistisch. Und bei höherem Reisetempo auf der Autobahn genehmigte sich der Hyundai schon mal mehr als zwölf Liter. So pendelte sich die Gesamtbilanz am Ende bei 9,7 Liter ein – für einen kompakten Diesel- SUV dieser Leistungsklasse ein eher ernüchternder Wert. Und das, obwohl überwiegend mit reinem Frontantrieb gefahren wurde.

Trinkfest und arbeitsscheu: So bringt einer der Tester die Sache auf einen ebenso ironischen wie drastischen Nenner. Damit angesprochen ist die Motorcharakteristik, durch die sich die Leistungsentfaltung ab etwa 130 km/h ausgesprochen zäh gestaltet. Auf eiligen Dienstfahrten bewegte sich der Zweiliter-Diesel daher häufig nahe dem Volllastbereich, mit der erwähnten Konsequenz für den Verbrauch – und auch für die Lautstärke. Zwar kam der Motor mit zunehmender Testdauer besser in Schwung, „ein Reißer ist er aber immer noch nicht“, findet Redakteur Hermann-Josef Stappen.

Dennoch hat er aber seine guten Seiten. Im Wirkungsbereich moderater Drehzahlen wurde ihm wiederholt akustische Kultiviertheit und eine harmonische Leistungsentfaltung bescheinigt. „Der Tucson ist eben eher ein Cruiser“, findet Test & Technik-Ressortleiter Christian Bangemann. Dazu passt auch das weiche Fahrwerk, das sich viel mehr dem Abrollkomfort auf der Straße verpflichtet fühlt als einer rauen Gangart abseits der Zivilisation. Und zu den unterm Strich lobenswerten Fahreigenschaften tragen auch die direkte Lenkung und die agilen Handling-Eigenschaften bei, was den Tucson auch im Dschungel der Städte nicht zum Außenseiter stempelt.

Anders als im äußeren Erscheinungsbild zeigte das Interieur schon zur Dauertest- Halbzeit deutliche Gebrauchsspuren. Das abgewetzte Leder der Sitze sieht längst aus wie Kunststoff-Folie und ist auch genauso rutschig. Das Gleiche gilt für das Lenkrad, das sich inzwischen abgegriffen anfühlt wie ein Madonnenbild am Jakobsweg. Selbst die Innenverkleidung aus Hartplastik hat den Beanspruchungen im Alltag wenig entgegenzusetzen. Unschöne Kratzer an der Armaturenfront und – gravierender noch – im Kofferraum offenbaren, dass hier spürbare Abstriche am Qualitätsanspruch gemacht wurden. Sie unterstreichen den oft als trist und wenig wohnlich empfundenen Charakter der Inneneinrichtung.

Käufer, die vor allem den günstigen Preis schätzen, werden sich mit solchen Unzulänglichkeiten arrangieren können. Gleiches gilt für den Wertverlust von moderaten 45 Prozent. Und diese Wertschätzung spiegelt sich auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt durchaus wider.

Dass sich der Neuwagenpreis allerdings im Verlauf des Dauertests um stramme 3450 Euro erhöhte, ist nicht allein Folge der allgemeinen Preisspirale. Mit zwischenzeitlichen Modellpflegemaßnahmen wurde dem Tucson 2.0 CRDi nicht nur ein auf 140 PS leistungsgesteigerter Motor verpasst, sondern auch eine Abgaskur, die auf das Einhalten der Euro 4-Abgaslimits zielte. Ein Partikelfilter rundet die Verbesserungen ab. Und schließlich verfügt der Tucson seit Februar 2005 serienmäßig über ESP. Beste Voraussetzungen also, um die zufriedenstellenden Ergebnisse im Dauertest auch künftig in einen Markterfolg umzusetzen. 

Vor- und Nachteile

  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Direkte Lenkung
  • Ordentlicher Federungskomfort
  • Guter Abrollkomfort
  • Kultivierter Motor bei niedrigen Drehzahlen
  • Keine spürbare Anfahrschwäche
  • Rundum übersichtliche Karosserie
  • Überwiegend gute Bedienbarkeit
  • Radio mit gutem Empfang
  • Lange, unpräzise Schaltwege
  • Sitzheizung nur eine Stufe
  • Sperrige Laderaumabdeckung
  • Sitzposition zu hoch
  • Zähe Leistungsentfaltung ab 130 km/h
  • Insgesamt zu hoher Verbrauch
  • Kurze Sitzflächen und wenig Seitenhalt bietend
  • Kratzempfindliches und zum Teil scharfkantiges Hartplastik
  • Deutliche Stuckerneigung
  • Keine axiale Lenkradverstellung
  • Kleiner Kofferraum, wenig Tiefe
Technische Daten
Hyundai Tucson 2.0 CRDi 4WD
Grundpreis24.290 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4325 x 1795 x 1730 mm
KofferraumvolumenVDA325 bis 1375 L
Hubraum / Motor1991 cm³ / 4-Zylinder
Leistung83 kW / 113 PS (245 Nm)
Höchstgeschwindigkeit168 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h13,8 s
Verbrauch7,1 L/100 km
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