Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows

Jaguar F-Type R, Subaru WRX STi im Dauertest

Leere Autobahn und Schnee gesucht

Jaguar F-Type, Subaru WRX STi, Frontansicht Foto: Achim Hartmann 19 Bilder

Die Rallye-Fraktion ist wieder glücklich, und die Topspeed-Fetischisten haben ein neues Spielzeug: Wir begrüßen bei sport auto zwei neue Dauertester, Jaguar F-Type R und Subaru WRX STI. Jetzt bräuchten wir nur leere Autobahnen - oder Schnee.

09.02.2016 Marcus Schurig Powered by

Wir sind ein ziemlich divergenter Haufen bei sport auto. Unter den Redaktionsmitarbeitern gibt es abseits aller sportlichen Radikalität auch Gleiter, Längsdynamiker und Luxusjünger, die Würdekrönchen für nobles Interieur vergeben. Oder ganz profan Platzbedürftige, die Höhe und Breite schätzen, dazu Rallye-Freaks - und Feinschmecker, die am liebsten von allem hin und wieder gerne naschen.

Stil-Ikone F-Type, radikaler WRX STi

So ist unsere Dauertest-Brigade sehr weit gestreut, denn nur glückliche Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter. Mit Audi S3, Nissan 370Z Nismo und BMW M235i, der uns erst kürzlich nach 80.000 Kilometern verließ, ist das sportliche Standardrepertoire bereits zünftig bedient, was fehlte, war der Pfiff, der kribbelt. Bitte schön: mit dem Jaguar F-Type R und dem Subaru WRX STI kann man jetzt auch im Alltag mal sauber über die Stränge schlagen.

Im herzhaften optischen Auftritt sind sich beide einig, die Akzentsetzung ist unterschiedlich. Hier der schleichige Jaguar F-Type, der schon heute fraglos eine Stil-Ikone des Automobilbaus ist, Männern wie Frauen den Kopf verdreht und Mercedes-Fahrern diesen fragenden Gesichtsausdruck verleiht: Warum ist bloß mein Benz nicht so schön?

Der Subaru punktet mit Radikalität: Der riesige Heckspoiler, die steil gereckte Lufthutze, alles getunkt in herzhaftes Blau - die Kinder vor den Schulen lieben ihn, weil er sich nicht schamvoll zurückhält. Ob sie wirklich wissen, dass sie vor einem (ehemaligen) Rallye-Gott stehen? Vermutlich nicht.

Jag keilt auch gerne mal aus

Von gänzlich unterschiedlichem Schrot sind auch ihre Charaktere: Mit 550 PS hat der Jaguar alle Trümpfe unter der langen Haube gebündelt, für den Kompressor-V8 sind die brockigen 1.823 Kilo nur ein Spielzeugchen, die Längs-Agilität ist erhaben und bei Bedarf auch brutal. Man sollte meinen, dass der Allradantrieb der Beschleunigung nur eine Richtung geben kann, doch Obacht: Bei wechselhaften Gripverhältnissen und kalten Temperaturen keilt der Jag gerne mal kiebig mit dem breitschultrigen Hinterteil aus.

Während es auf der Rennstrecke vielleicht an der letzten Präzision mangelt, ist der Jaguar F-Type R im Alltagstrott die fahrende Vorhersehung: Er trampelt leere Autobahnen nieder wie ein brünftiger Elefant und posaunt dabei aus vier Heckrüsseln den Anspruch auf die Hochgeschwindigkeitsherrschaft heraus, die erst bei 300 km/h endet. Die freie Wildbahn ist genau sein Ding. Sparfüchse lassen es bei 200 km/h im achten Gang bewenden, dann muss man bei knapp 20 Litern Verbrauch nur alle 350 Kilometer zum Boxenstopp. Von nichts kommt eben nichts. Die Big-Block-Räder im 20-Zoll-Format werden dabei mit zunehmender Rotation in ganz unheimlicher Weise immer sauberer - der Felgenputzlumpen ist tot, endlich!

Ein Würdekrönchen wert?

Hinter den titangrauen Felgen buhlen schreiend gelbe Bremssättel um Aufmerksamkeit für ihr hartes Presswerk mit den Carbonscheiben - und manchmal schreien sie wirklich laut los, eher bei langsamem Tempo und vermutlich deshalb, weil ihnen dann langweilig ist.

Haben wir schon Würdekrönchen fürs Interieur vergeben? Fast. Die Sessel sind britisch gediegen und bequem, wenngleich mit wenig Schenkelauflage. Ein Raumwunder hat Jaguar nicht erfunden: Zwei flexible Menschen und zwei noch flexiblere Gepäckstücke, die sich im Heckabteil unter die lange C-Säule schmusen können sollten - mehr ist hier nicht drin.

Das Navi-System weiß nicht immer, wo es ist, der fixe deutsche Straßenbau hat die lahme britische Kartografie klar abgehängt, oder so ähnlich. Sonst ist aber alles gut, die Musik jodelt, die Lenkung lenkt, die Schalter schalten, nur der Dichtgummi am Fahrertürschweller wollte flüchten, was wir jedoch mit Panzer-Tape provisorisch verhindern konnten. Außer Waschen-Föhnen-Tanken will die rote Raubkatze nur rasen und gasen.

Vierzylinder-Boxermotor im Subaru WRX STi

Stillstand ist eher die Sache des Subaru - aber das ist jetzt dezidiert freundlich gemeint! Wir bei sport auto lieben die japanischen Hersteller dafür, dass sie Autos bauen, die sich anfühlen wie ein herzhafter Handschlag: Toyota GT86, Nissan 370Z - und Subaru WRX STI.

Es ist irgendwie so, wie wenn man nach Hause kommt und erfreut feststellt, dass noch alles heil ist. Das Fahrgefühl hat sich seit dem ersten Dauertester, den wir noch Impreza GT riefen, nicht signifikant verändert. Der knorrige Sound - der gleiche. Die knackig-robuste Schaltung - lieb gewonnen. Das Turboloch ist hier nicht totelektronisiert, untenherum ist der Vierzylinder-Boxermotor mit 300 PS jetzt nicht mehr gar so muffelig wie früher. Er braucht aber immer noch Anlauf, um aufzuwachen, in der Mitte ist er dann schön füllig, nur um ganz oben wieder sanft einzudösen.

Die Federung ist stramm, so sind wir es gewohnt, ein Subaru ist ja kein in der Luft schwebender Raumgleiter, sondern ein Tast- und Spürgerät, ein Belag-Scanner, mit allen vier Rädern fest auf dem Boden der automobilen Sportgeschichte. Am liebsten verkrallen sich die 18-Zöller in weiße Pracht oder knietiefen Dreck. Letzteres haben wir mit Rücksicht auf Subaru bisher ausgelassen, aber wir holen es nach, versprochen, WRX STI; und Ersteres misslang gründlich, weil dieser Mistwinter keinen Schnee produziert. Das Entscheidende am Subaru besteht aber darin, dass einen mangelnder Dreck oder fehlender Schnee so richtig ärgert, während man in anderen Autos darüber gar nicht nachdenkt!

Der Subaru ist reines Gegengift

Das letzte Kapitel Zeitreise noch: Die Lenkung ist sehr kernig, so war das früher immer, heute nur noch bei Subaru frei Haus und ohne Aufpreis. "Das Auto hat Flair und ein ehrliches Feeling, da wirkt ein Audi S3 richtig steril", schrieb Kollege Stefan Helmreich ins Fahrtenbuch, wobei der Mann natürlich völlig voreingenommen ist, weil er in seiner raren Freizeit zum deutschen Rallye-WM-Lauf pilgert.

Der Subaru sieht nicht so aus, aber er ist der Philosoph in unserer Dauertest-Brigade: Er zeigt in wenigen Fällen auf, was moderne Autos besser können. Aber er mahnt zugleich, dass nicht alles besser geworden ist. Dabei ist auch er besser geworden: Der Handschuhfach- Deckel hat jetzt einen Dämpfer, jawohl! Beim Vorgänger riss die Deckelhalterung gerne aus, weil der Deckel doch etwas schwer geriet. Der Fortschritt ist manchmal ein Eichhörnchen!

Nein, der Fortschritt ist ein blinkendes Eichhörnchen, denn Subaru hat das Infotainment-System nach Jahren der Verweigerung jetzt voll integriert, keine Zubehör-Clarion-Reinschraubware mehr, Donderladdich! Und es gibt jetzt neumodernen Plunder wie Reifendruck-Kontrollsystem oder diagrammbestäubte Verbrauchsanzeigen. Es ist keine Überraschung, dass all das dem Subaru WRX STI überhaupt nicht schaden kann, da steht er drüber, denn im Kern ist er streng mechanisch und antimodernistisch - und damit ein starkes Gegengift.

Der Charmebolzen von Subaru hat eigentlich nur ein klitzekleines Problem: Sein Talent beim Bewahren hat ihn in Rückstand geraten lassen - nämlich bei der schieren Leistung. Heute hängt ihm jeder Frontantriebsrüpel im Genick, da muss noch nicht mal GTI draufstehen. Gut, dass der divergente Haufen bei sport auto wechseln darf: bei Schnee und Schotter Subaru, bei freier Bahn der Jaguar.

Technische Daten
Jaguar F-Type R CoupéSubaru WRX STI
Grundpreis107.200 €52.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4470 x 1884 x 1311 mm4415 x 1795 x 1470 mm
KofferraumvolumenVDA408 L301 bis 1216 L
Hubraum / Motor5000 cm³ / 8-Zylinder2457 cm³ / 4-Zylinder
Leistung405 kW / 550 PS (680 Nm)221 kW / 300 PS (407 Nm)
Höchstgeschwindigkeit300 km/h250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,2 s5,2 s
Verbrauch10,7 L/100 km10,5 L/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Login mit Ihrem Profil
    Anzeige
    Jaguar F.Type SVR  Cabrio Jaguar F-Type ab 658 € im Monat Jetzt Jaguar F-Type günstig leasen oder finanzieren Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    Jaguar F-Type Jaguar Bei Kauf bis zu 15,00% Rabatt Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    Kommentar schreiben

    Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
    Empfehlungen aus dem Netzwerk