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Jeep Grand Cherokee 4.7 V8

Old Schotterhand. Der lange Ritt des durstigen V8-Helden

Jeep Grand Cherokee 4.7 V8 Ltd

Ein wenig Wildwest-Romantik fährt im Jeep Grand Cherokee 4.7 V8 immer mit: urige Büffel-Kraft, legendäre Planwagen-Robustheit und eine Schwäche für Feuerwasser. Ob die ach so ehrliche Haut aber doch mit gespaltener Zunge spricht, zeigt der 100 000-Kilometer-Dauertest.

21.04.2002

Das das Tempo den Papiertaschentüchern, ist der Jeep den Geländewagen - ein Markenname als Bezeichnung für eine ganze Autogattung. Und auch die Fahrer des luxuriösen Jeep Grand Cherokee suchen nicht in erster Linie einen Geländewagen, sondern vor allem eines - einen Jeep. Eine Muskelmaschine. Einen echten Amerikaner.
Ob der große Indianerhäuptling aber auch nach 100 000 Kilometer Marlboro-Country nicht reif fürs Reservat ist, soll eingehend im auto motor und sport-Dauertest geklärt werden. Bei der Wahl des Jeep Grand Cherokee V8 Limited gilt das Recht des Stärkeren: Zum Langzeittest rollt der Offroader in der 223 PS starken V8-Version. Die ist auch bei den Jeep-Fahrern beliebt, zumindest bis zur Einführung der Ökosteuer wurde mehr als die Hälfte aller in Deutschland verkauften Grand Cherokee mit V8 bestellt.

Auch die Wahl der luxuriösen Ausstattungsvariante Limited ist Standard, lediglich zehn Prozent der Jeep-Kunden wählen die freiwillige Stoffsitz- Armut der Laredo-Version. Dennoch ist dem imposanten Dauertest-Offroader seine Ausstattungsopulenz ebensowenig wie sein stattlicher Anschaffungspreis von 48 604 Euro (damals noch 98 060 Mark) anzumerken. Im Gegensatz zu den meisten Autos seiner Preis- und Imageklasse fehlt dem Jeep einiges. Kein Navigationssystem. Kein Telefon. Keine Einparkhilfe. Kein Regensensor. Null Infotainment.
Stattdessen die typisch amerikanische Cockpit-Landschaft aus speckigen Kunststoff- Flächen, anscheinend willkürlich verstreutem Holzzierrat, Cupholdern und Radio-Drehreglern, mit denen man Grizzlybären totwerfen könnte. Aber alles übersichtlich, funktional und robust. Low Tech eben, im besten Sinne. Typisch amerikanisch: fundamentaler Bass-Sound aus dem CD-Radio, ein oft gelobter Tempomat und die kinderleicht zu bedienende Klimaautomatik, die den Innenraum selbst bei Death Valley-Hitze auf angenehme Seattle-Frühlingstemperaturen kühlt.
Nicht ganz so cool ist der Lichtschalter im Lenkhebel, bei dessen Betätigung man gerne auch gleich die Nebelschlussleuchte anknipst, der große tote Winkel der Außenspiegel und die schlecht ansprechende Fernbedienung der Zentralverriegelung. Es tun sich aber auch andere Mängel auf: So klagen Fondpassagiere im Winter über schlechte Durchwärmung und Zug von den Seitenscheiben. An Tankstellen mit hoher Durchflussleistung ist das 78 Liter fassende Jeep-Spritfass nur mit viel Gefühl in der Zapfhand voll zu kriegen. Bei Erreichen der werksseitig festgelegten Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h regelt die Motorelektronik derart rigoros ab, dass die meisten Fahrer im ersten Moment einen Motorschaden vermuten.
Des Weiteren ist der billig wirkende Lenkradbezug bereits zur Hälfte des Dauertests so angenehm anzufassen wie eine Schokoladeneis-Kinderhand, und die knautschigen Leder-Fauteuils nehmen mit der Zeit die rustikale Patina einer Szenelokal-Sitzecke an. Trotzdem ist der Grand Cherokee in der Redaktion besonders als Reisewagen beliebt. Die schlechte Raumausnutzung kaschiert er durch schiere Größe, und bald ist der Jeep vollgepackt unterwegs in alle Himmelsrichtungen. Dem Grand Cherokee zugute kommen dabei sein kraftvoller V8, die kultivierte Automatik und vor allem die gemütlichen Sitze. Anfangs scheinen die butterweichen Sofas noch etwas unangenehm, mit zunehmender Kilometerzahl tritt allerdings bei vielen Fahrern ein beruhigender Lümmel-Effekt ein.

Der kann nur durch allzu optimistische Temperaturwahl an der zweistufigen Sitzheizung gestört werden: Besonders auf Stufe zwei läuft das Fahrer-Hinterteil Gefahr, regelrecht geröstet zu werden.
Für das ständige Schaukeln der Karosserie und das Trampeln der Hinterachse können sich die meisten Fahrer bei weitem nicht so schnell erwärmen. Auf Dauer führt der Gewöhnungseffekt allerdings zur Entdeckung einer ganz neuen Art von Fahrgefühl: Dem großen Wendekreis halten die neu gewonnenen Fans dann die gute Übersichtlichkeit entgegen, die nur mäßige Bremse - die übrigens schonend mit Bremsbelägen umgeht - wird über das hohe Gewicht relativiert, die kräftigen Geräusche aus dem Antrieb "gehören einfach dazu". Ist halt ein Ami.
Aber der Jeep hat durchaus echte Vorzüge. So erweist sich der permanente Allradantrieb als wahrer Segen auf schmierigen Mittelmeer-Sträßchen sowie im Schnee, der schwere Wagen geht sparsam mit den Reifen um, das weiche Fahrwerk schluckt selbst gröbste Schotterpisten mit unnachahmlicher Nonchalance. Im Gelände klettert der Jeep mit Macht, und als Zugmaschine ist er mit 3,3 Tonnen Anhängelast sowieso der Allergrößte. Und der Cherokee ist prinzipiell mechanisch zuverlässig. Geräusche von der Vorderachse und polternde Stoßdämpfer können als Einzelfehler gelten und werden auf Garantie beseitigt.

So ist es dann nicht etwa die antiquierte Technik, die Schwierigkeiten im Dauertest bereitet, sondern die Elektrik. 14 Tage verbringt der Cherokee außerplanmäßig mit Elektronikleiden in der Werkstatt. Hauptursache: eine nicht zu lokalisierende Störung an der Tankuhr. Durch deren ungenaue Anzeige samt ausbleibendem Warnlicht und -ton strandet beispielsweise Redakteur Peter Frey mit trockenem Tank, andere Fahrer planen die Tankstopps bewusst frühzeitig, um nicht dasselbe Schicksal zu erleiden.
Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die gelben Bordkarten und kann erst bei Kilometer 96 495 durch eine Komplettreparatur von Kombiinstrument, Motorrechner und Verkabelung abgestellt werden.
Weiterhin springt der V8 zeitweise schlecht an und verunsichert durch deftiges Motorschütteln im Leerlauf - dies wird erst gegen Ende des Dauertests durch ein Motormanagement- Update beseitigt. Im Endeffekt kann sich der Jeep aber trotzdem auf Platz zwei des Mängelindexes schieben. Hauptmanko des Amerikaners sind die exorbitant hohen Kosten: verursacht durch einen immensen Wertverlust, teure Wartungen, kurze Inspektionsintervalle, hohe Festkosten und vor allem mangelnde Zurückhaltung an der Zapfsäule. Im Schnitt verbraucht der Jeep 16,7 Liter Normalbenzin.
Die eingefleischten Verehrer des V8-Bullen schreckt das nicht: Ein Jeep ist und bleibt eben ein Jeep. 

Vor- und Nachteile

  • souveräner Antrieb
  • gutes Automatikgetriebe
  • großer Benzintank
  • hervorragende Traktion
  • Klimaanlage mit guter Kühlwirkung
  • komfortable Sitze
  • gute Übersichtlichkeit
  • umfangreiche Serienausstattung
  • gute Funktionalität
  • großer Laderaum mit ebener Ladefläche
  • gutes Zugfahrzeug
  • antiquiertes Fahrwerk (starkes Wanken, trampelnde Hinterachse)
  • großer Wendekreis
  • starke Nebengeräusche vom Antriebsstrang
  • mäßige Bremswirkung, stumpfes Pedalgefühl
  • empfindlich auf Seitenwind
  • hoher Kraftstoffverbrauch
  • Sitze mit wenig Seitenhalt
  • kurze Ölwechselintervalle
  • teure Wartungen
  • billiger Plastiklook im Innenraum
Technische Daten
Jeep Grand Cherokee 4.7
Grundpreis47.601 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4611 x 1858 x 1805 mm
KofferraumvolumenVDA1104 bis 2047 L
Hubraum / Motor4701 cm³ / 8-Zylinder
Leistung162 kW / 220 PS (390 Nm)
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,3 s
Verbrauch15,6 L/100 km
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