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Mercedes C 320 T

Eine lange Reise mit zwei Enden

Foto: Christian Bangemann, Hans-Dieter Seufert, Hans-Peter Seufert, Hermann-Josef Stappen 7 Bilder

Es war eine lange Reise mit zwei Enden: Der erste Dauertestwagen verunfallte, der zweite kam nach 100.000 Kilometern wohlbehalten ans Ziel und konnte mehr überzeugen als das Vor-Exemplar.

18.03.2005

Im Grunde ist es ein Trauerspiel. Ausgerechnet bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Detroit musste der neue Mercedes-Chef Eckhard Cordes der Welt versichern, dass seine vordringlichste Aufgabe die der Qualitätssicherung sei. Da wurde auch dem letzten schlagartig klar, dass tatsächlich Handlungsbedarf besteht. Doch was nach Tiefpunkt klingt, sieht in der Realität nach einer ernsthaften Wende zur Besserung aus. Der auto motor und sport-Dauertest mit zwei unterschiedlichen C-Klassen gibt ernsthaft Anlass zur Hoffnung, dass die Pleiten-, Pech- und Pannen-Serien vieler Leser abreißt.

Totalschaden nach 25.000 Kilometern

Das erste Auto, ein C 200 K , stand unter keinem guten Stern. Rund 25.000 Kilometer absolvierte die Redaktion mit diesem T-Modell bis zu einem unfallbedingten Totalschaden. Es war der fatale Schlusspunkt einer nicht enden wollenden Reihe von Problemen, davon viele im Elektrikund Elektronikbereich. Ein abstürzendes Navigationssystem, grundlos aufleuchtende Kontrolllämpchen, Scheibenwischer, die während der Fahrt bei Regen den Dienst quittieren und eine Außentemperaturanzeige, die bei Schneefall 85 Grad plus anzeigt, wurden in der Störungsliste protokolliert. Ein Liegenbleiber auf einer Dienstreise nach Barcelona mit defekter Benzinpumpe in Kombination mit einer spanischen Mercedes-Werkstatt , die sich über Tage nicht in der Lage sah, den Schaden zu beheben, setzte der Sache die Krone auf.

Zweite Chance

Auch das Vertrauen der Redaktion in die Qualität der Marke Mercedes war nachhaltig erschüttert. Doch das Nachfolge-Modell, ein C 320 T , machte ab 13. Dezember 2002 fast alles besser und bestätigt so einen Eindruck, den viele Mercedes- Testwagen in letzter Zeit hinterlassen haben: Es geht wieder aufwärts bei der Qualität. Das fängt in diesem Fall schon beim Motor an: Das Sechszylindertriebwerk mit 218 PS, das in diesen Tagen vom neuen Dreiliter-Vierventiler (C 280 ) abgelöst wird, tritt in Kombination mit der ausgezeichneten Fünfgangautomatik ungleich souveräner auf als der Vierzylinder-Kompressor.

Es verwöhnt seinen Piloten mit angenehmer Laufkultur bei gleichzeitig hoher Durchzugskraft und viel Drehfreude. Mit dem C 320 kann man richtig schnell unterwegs sein, wenngleich der kleine 62-Liter-Tank in Kombination mit dem hohen Testverbrauch von 12,2 Litern den guten Schnitt wieder schmälert.

Nach 458 Kilometern der erste Tankstopp

Wer nach 458 Kilometern nachts auf dem Rückweg vom Genfer Auto-Salon kurz vor den Redaktionstoren in Stuttgart noch einmal tanken muss, ist schlicht und ergreifend genervt. Die schneereiche Fahrt auf dem Weg zur Frühlingsmesse bringt noch eine andere Erkenntnis: Wer viel in der weißen Pracht unterwegs ist, sollte Allradantrieb wählen. Es bedarf schließlich eines sehr gefühlvollen Gasfußes und gelegentlich heftiger Gegenlenkbewegungen, um die heckgetriebene Fuhre hier in der Spur zu halten. Ansonsten überzeugt die C-Klasse mit hervorragenden Fahreigenschaften: handlich, wendig, übersichtlich und mit einem angenehmen Federungskomfort gesegnet, der die hohen Reisequalitäten ein weiteres Mal unterstreicht. Trotzdem wird niemandem in diesem Auto richtig warm ums Herz.

Der Grund: ein ständiges Kältegefühl vor allem im Fußraum und Seitenscheibenbereich. Um Missverständnissen vorzubeugen: Hier frösteln keinesfalls hypersensible Damen. Auch gestandene Tester in Form von Chefreporter Thomas Fischer notieren bei Kilometerstand 14 994, dass die „Heizung erst bei Vorwahl von 27 Grad Celsius angenehm warm“ wird. Auf dem Weg dahin hilft immerhin die hervorragende Sitzheizung, eingefrorene Gliedmaßen aufzutauen. Der Seele schmeicheln auch die eingesetzten Materialien im Innenraum wenig. Sie wirken trist und können im Bereich des Multifunktionslenkrades abblättern, was für ein Auto der 58 000-Euro-Liga nicht stan- Zuverdesgemäß ist.


Das Stöbern in den unterschiedlichen Menüebenen über die Bedientasten im Lenkrad erfordert eine kleine Eingewöhnungszeit, funktioniert dann aber problemlos. Nur an den fehlenden Ölmessstab wollte sich keiner gewöhnen. Statt eines automatischen Kontrollvorgangs, vor dem Anlassen des Motors zu starten, wollten alle lieber selbst Hand anlegen, zumal die Kontroll- Leuchte gelegentlich einen zu hohen Ölstand signalisierte, was de facto nicht der Fall war. Man darf viel erwarten von der C-Klasse – nur nicht die Funktion eines Raumwagens. Drei Personen im Fond müssen unwillkürlich auf Tuchfühlung gehen, und der 470-Liter-Kofferraum stößt wegen des nach hinten stark abfallenden Daches schnell an seine Grenzen. Der gesamte Umklappmechanismus funktioniert aber hervorragend und gibt den Weg frei zu einer ebenen Ladefläche.

Immerhin: Datenbank-Chef Edwin Meister hat einen ganzen Motorrad-Seitenwagen untergebracht, während Redakteur Hermann-Josef Stappen zwei Fahrräder nur auf dem Dach stehend transportieren konnte. Unbestritten dagegen ist die Fähigkeit als kräftiger Zugwagen. Die Störungsliste ist im Vergleich zum Vorgänger äußerst überschaubar, nennenswerte Elektronikprobleme traten nur in Form des immer wieder aufpiepsenden Signaltons zum Anlegen des Sicherheitsgurtes auf der Beifahrerseite auf, selbst wenn nur eine leichte Tasche darauf deponiert wurde. Die Kontaktmatte für die Sitzbelegungserkennung wurde neu positioniert, doch gegen Ende trat das Problem erneut auf. Zum Beinahe-Liegenbleiber kam es bei Kilometerstand 76 528 in der Schweiz, als das Automatikgetriebe nicht mehr schaltete. Eine langsame Fahrt zur Werkstatt im Notprogramm war aber möglich. Dort wurden im Rahmen der Garantie die hydraulische Steuereinheit und das Steuergerät im Automatikgetriebe ersetzt, wobei hier mehr an den Havaristen gedacht wurde als beim ersten Auto in Spanien. Kollege Stappen blieb mit einem zur Verfügung gestellten Ersatzwagen mobil.


Nicht neu ist die Erkenntnis, dass Mercedes-Fahrer gut bei Kasse sein müssen: Das Dauertestauto hatte Extras im Wert von knapp 20.000 Euro an Bord, was dem Gegenwert von zwei Smart Fortwo oder einem BMW Einser entspricht. Dabei sind es die Kleinigkeiten, die den Betrachter aus der Fassung bringen: 191,40 Euro für die Beheizung der Scheibenwaschanlage sind genauso wenig tolerierbar wie der Umstand, dass die Isofix-Befestigung im Fond für die sichere Arretierung von Kindersitzen mit 50 Euro extra berechnet werden. Und das ausgerechnet bei einem so sicherheitsorientierten Unternehmen wie dem Haus Mercedes. Mit 17,7 Cent liegt auch der Kilometerpreis ungewöhnlich hoch - auf dem Niveau eines Jaguar X-Types 3.0 V6 . Dazu tragen die Kraftstoffkosten genauso bei wie die teuren häufigen Inspektionen mit ungewöhnlich großen Ölwechselmengen. Ansonsten erwies sich die C-Klasse aber als verschleißarm, sparsam im Umgang mit Reifen und – man höre und staune – sehr zuverlässig mit nur zwei außerplanmäßigen Werkstattbesuchen. Rang drei im auto motor und sport-Mängelindex – vielleicht ein Signal, dass Mercedes-Chef Cordes in puncto Qualität nicht noch ein Mal so zu Kreuze kriechen muss wie weiland in Detroit 2005.

Vor- und Nachteile

  • Sehr guter Motor
  • Gute Fünfgangautomatik
  • Sichere Fahreigenschaften
  • Gute Übersicht
  • Sehr gute Sitzheizung
  • Gute Freisprecheinrichtung
  • Leichte Bedienung
  • Leicht umklappbar (Fondbank)
  • Souveräner Zugwagen
  • Guter Federungskomfort
  • Bequeme Sitze
  • Kein Ölmessstab vorhanden
  • Schlecht dosierbare Heizung
  • Hoher Verbrauch
  • Geringe Reichweite
  • Hohe Preise für Extras
  • Kleiner Kofferraum
  • Dürftige Materialanmutung
  • Kurze Wartungsintervalle
Technische Daten
Mercedes C 320 T
Grundpreis42.468 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4541 x 1728 x 1466 mm
KofferraumvolumenVDA470 bis 1384 L
Hubraum / Motor3199 cm³ / 6-Zylinder
Leistung160 kW / 218 PS (310 Nm)
Höchstgeschwindigkeit242 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,1 s
Verbrauch11,3 L/100 km
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