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Mercedes SLK 350

Eiliges Dächle

Mercedes SLK 350

Ein wetterfestes, schnell öffnendes Variodach ist das Sahnehäubchen auf dem Mercedes SLK 350. Doch auf 100 000 Kilometern mit dem sportlichen Zweisitzer war nicht alles eitel Sonnenschein.

12.07.2007 Bernd Stegemann

Nur gut, dass sie bei Mercedes offenbar keinen blassen Schimmer haben, was ein Roadster ist. Denn wenn man diese Bezeichnung in Untertürkheim wirklich ernst nähme, hätte der SLK weit ausgeschnittene Türen, seitliche Steckscheiben und höchstens ein Notverdeck samt sichtbarem Gestänge. Er wäre leicht, hart und puristisch, sähe etwa so aus wie ein Morgan und wäre vermutlich ähnlich teuer und selten. 
Doch schon in seiner ersten Generation war der offene Zweisitzer nichts von alledem und gerade deshalb ungemein erfolgreich. Rund 315 000 Käufer erwärmten sich in knapp acht Jahren für den kompakten Sportler mit dem versenkbaren Hardtop, der Cabrio- Genuss ohne Risiken und Nebenwirkungen versprach. Ein Auto so sicher, zuverlässig und alltagstauglich wie ein Mercedes eben, aber jung, dynamisch und mit zwei Plätzen an der Sonne. Selbst 100 000 Kilometer in Redaktionsdiensten von auto motor und sport konnten nicht ernsthaft am glänzenden Lack des frühen SLK 230 Kompressor kratzen, obwohl einige Besitzer der ersten Stunde über schwankende Verarbeitungsgüte und diverse Detailmängel klagten. Vor allem die Materialqualität war weder der Preisklasse noch des Anspruchs der Marke würdig und wurde erst mit der Modellpflege 2000 auf ein akzeptables Niveau geliftet. Das viel bestaunte, komplexe Variodach blieb jedoch – abgesehen von seltenen Undichtigkeiten – von ernsthaften Störungen verschont. 
Auch beim R171, der ab März 2004 die Nachfolge der R170-Baureihe und am 12. Mai 2005 als V6-Variante SLK 350 zum Dauertest antrat, versah die nunmehr dreiteilige Blechmütze problemlos ihren Dienst. Immerhin verbürgt sich Mercedes mit 20 000 Testläufen für die fehlerfreie Funktion der elektrohydraulisch betätigten Mechanik, was die Besitzer durchaus bestätigen. Besonders die leichte, vollautomatische Bedienung und die windgeschützte Sitzposition tragen dazu bei, dass man jede Gelegenheit zum Offenfahren nutzt. 
Ganz ohne Nachteile ist das Dach allerdings nicht. Schon wegen der fehlenden Regenrinne dringt bisweilen Wasser in den Innenraum. Zudem geht die neue, stabile Gepäckabtrennung bei geschlossenem Dach zu Lasten des Stauraums, statt vorher 348 passen dann nur noch 300 Liter ins Heck. Offen sind es nun inklusive der Reserveradmulde brauchbare 208 Liter (plus 63), zumal vergleichbare Zweisitzer mit Stoffverdeck selten mehr bieten. Auch innen machen sich ein paar zusätzliche Zentimeter rundum positiv bemerkbar, nur an geräumigen Ablagen herrscht weiterhin Mangel. 

Für ein Cabrio wirkt die Karosserie erstaunlich steif und leise, wenngleich die Windgeräusche bei hohem Tempo deutlich steigen und es auf schlechten Straßen schon mal im Gebälk knistert. Im Laufe des Dauertests verstärkte sich dieser Eindruck, und zumindest im Innenraum hinterließen die 100 000 Kilometer sichtbare Spuren. Die durchaus hochwertigen, genarbten Kunststoffe zeigten früh Kratzspuren und ließen sich schlecht reinigen. Der Lederbezug des Fahrersitzes war sogar schon nach 70 000 Kilometern verschlissen und musste ersetzt werden. 
Mit der elektrischen Sitz- und Lenkradverstellung (Aufpreis inklusive Memory 952 Euro) fanden selbst größere Insassen eine passende Position. Auf längeren Etappen wurden jedoch eine Lordosenstütze und eine Sitzbelüftung vermisst, denn bei sommerlichen Temperaturen bewahrt die Klimaautomatik (643 Euro) nicht vor schweißnassen Rücken. Bisweilen übrigens auch nicht vor mangelndem Durchblick: Mehrmals beschlug die Frontscheibe aus heiterem Himmel, so dass erst ein Druck auf die Defroster-Taste nach einigen Sekunden wieder für freie Sicht sorgte. Überhaupt gelang die optimale Temperierung des relativ kleinen Innenraums selten auf Anhieb. Bei großer Hitze reichte die Kühlleistung kaum aus, in anderen Situationen strömte kalte Zugluft an die Füße. Im Gegenzug machte sich die anfangs belächelte, bisher einzigartige Nackenheizung (470 Euro extra, nur mit Lederpolsterung und Sitzheizung) schnell Freunde. Die dreistufig regulierbare Warmluft aus den Kopfstützen verwandelt selbst kühle Herbstabende in laue Sommernächte und wird von fröstelnden Beifahrerinnen auch bei geschlossenem Dach gern als Zusatzheizung genutzt. 
Für ein anderes Komfort-Extra des Testwagens konnten sich indes nicht alle Redaktionsmitglieder erwärmen. Während Christian Bangemann die Siebenstufen- Automatik passend fand und keine Handschaltung vermisste, stört sie für Marcus Peters empfindlich den Sportwagen-Charakter. „Für komfortables Gleiten ist sie gut geeignet, aber beim Passfahren und Überholen muss man stets manuell eingreifen“, lautet nicht nur sein Fazit. Auch die beiden Automatik-Schaltprogramme stellen nicht rundum zufrieden: Im C-Modus werden die Gänge zu träge gewechselt, in S zu ruppig. Vor allem die harten Schaltrucke bei Kälte und beim Anbremsen vor Kurven trüben den insgesamt positiven Gesamteindruck. 

Einhelliges Lob gibt es hingegen für den 3,5-Liter-V6, der den 1500 Kilogramm schweren Zweisitzer (leer) durchaus sportlich motorisiert. Der 272 PS starke Vierventiler klingt und geht gut, ist kultiviert und obendrein genügsam. Im Testmittel liegt der Verbrauch bei 11,4 Liter pro 100 Kilometer, doch selbst ohne große Zurückhaltung kommt man mit weniger als zehn Liter aus. In Verbindung mit dem 70-Liter-Tank sind lange Strecken ohne Stopp kein Problem, zumal auch von der Federung kaum Einschränkungen drohen. 
Einen „guten Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort“ attestiert etwa Redakteur Alexander Bloch dem SLK-Fahrwerk, obwohl speziell kurze Bodenwellen nicht eben geschmeidig überrollt werden. Als Entschädigung winken eine ausgeprägte Handlichkeit und Agilität, die anders als beim BMW Z4 ohne übertriebene Härte auskommt. Als Schwachpunkt entpuppt sich freilich die schlechte Traktion auf Schnee, Eis und Matsch, denn dann regelt das ESP schon bei leichten Steigungen so stark, dass man stehen bleibt. 
Folglich unterliegen die Winterreifen bei insgesamt gutem Grip erhöhtem Verschleiß, der naturgemäß an der angetriebenen Hinterachse nochmals stärker ausfällt. Auch die serienmäßige Mischbereifung (außer SLK 200 ) geht ins Geld – so wie die kurzen Wartungsintervalle (25 000 Kilometer) und die stattlichen Inspektionskosten. Immerhin sind die Versicherungseinstufungen und die Wiederverkaufschancen recht gut, wenngleich das Vierzylinder-Basismodell schon als Neuwagen deutlich gefragter ist (in Deutschland rund zwei Drittel Marktanteil). 

Das spiegelt sich im hohen Wertverlust des V6-Typs wider, der beim gut ausgestatteten, rund 60 000 Euro teuren Testwagen stramme 51,4 Prozent beträgt. Beim Vorgänger waren es noch 30 Prozent, was allerdings nicht zuletzt an den damaligen Lieferfristen für Neuwagen und der extrem großen Nachfrage lag. Dass dieser aber auch beim Mängelindex (3,5) besser abschneidet als der aktuelle SLK (7,5), spricht nicht gerade für die viel beschworene Qualitätsoffensive von Mercedes. 
Denn obwohl der Zweisitzer keine ernsthaften technischen Probleme hatte oder gar liegenblieb, wurde schon bei Kilometerstand 4040 ein außerplanmäßiger Werkstattbesuch fällig. Der Innengriff der Fahrertür war ausgehängt, so dass sie nur noch von aßen geöffnet werden konnte. Ähnlich lapidar die Ursache für Kratzgeräusche von der Hinterachse, die in unregelmäßigen Abständen auftraten: Erst hatten die Bremsankerbleche zu wenig Abstand zur Scheibe und mussten gerichtet werden. Dann machte es ein gelockerter Stabilisator nötig, diverse Schrauben nachzuziehen. 
Als diese und weitere Geräusche im Innenraum abgestellt waren, fing der Motor an zu quietschen. Abhilfe schaffte der Austausch von Riemenspanner und Umlenkrollen, der im Rahmen einer Inspektion auf Garantie durchgeführt wurde. Bis auf den Wechsel des Lederbezugs und den zweifachen Check der Klimaanlage blieb die Störungsliste ansonsten erfreulich kurz, beim normalen Wartungsaufwand fielen nur die früh verschlissenen Bremsscheiben aus dem Rahmen. Die Kosten pro Kilometer lagen jedenfalls beim vergleichbaren Porsche Boxster S schon vor sechs Jahren um einiges höher. 

Trotzdem: Zum Jubeln besteht wenig Anlass. Denn obwohl der Testwagen nach der Dauertest-Distanz noch proper dasteht und praktisch die gleichen Fahrleistungen wie zu Beginn bringt, hat er mit der Zeit an Solidität und Steifigkeit eingebüßt. Auch die schwankende Verarbeitungsgüte, die aus vielen Leserbriefen hervorgeht, zeigt deutlich, dass Premium- Preise bei Mercedes nicht immer Premium-Qualität bedeuten. Wie so oft folgte vor allem bei SLK-Käufern der ersten Stunde Ernüchterung auf die anfängliche Begeisterung. 
Da kann Mercedes nur hoffen, dass viele Sportwagenfahrer auch die Probleme und Schwierigkeiten beim SLK sportlich sehen.  

Vor- und Nachteile

  • praktisches, funktionssicheres Variodach
  • reisetauglicher Kofferraum
  • gutes Soundsystem
  • wirksame Nackenheizung
  • gelungener Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit
  • ausgeprägte Handlichkeit
  • kultivierter, kräftiger und wohlklingender V6-Motor
  • bei zurückhaltender Fahrweise sparsam
  • ordentliche Reichweite
  • gut abgestimmte Automatik
  • Schaltrucke beim Zurückschalten
  • Federungsschwächen auf kurzen Bodenwellen
  • mäßige Traktion auf Schnee
  • schmutz- und kratzempfindliche Materialien innen
  • wenig Ablagen im Innenraum
  • Schwächen bei Bedienung und Funktion der Klimaanlage
  • launischer Regensensor
  • fummeliges Windschott
  • teure Mischbereifung
  • kurze Inspektionsintervalle
Technische Daten
Mercedes SLK 350
Grundpreis48.481 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4082 x 1788 x 1298 mm
KofferraumvolumenVDA300 L
Hubraum / Motor3498 cm³ / 6-Zylinder
Leistung200 kW / 272 PS (350 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,5 s
Verbrauch10,2 L/100 km
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