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Mini Cooper S

S-Störung

Foto: Michael Heinz, Beate Jeske, Marcus Peters, Rainer Schubert, Oliver Wendnagel 5 Bilder

Einen Mini kauft man weniger, um anzukommen, sondern um Spaß zu haben. Der Cooper S, der 100.000 km in Redaktionsdiensten zurücklegte, bot dieses Vergnügen - aber eben nicht nur.

29.12.2005 Klaus Westrup

Es ist ein sehr teurer Mini, der da im Oktober 2003 mit gerade einmal 1935 Kilometern auf dem Zähler den Testwagen-Fuhrpark bereichert. Der Cooper S repräsentiert mit seinen zahlreichen teils nützlichen, teils entbehrlichen Zutaten eine Gesamtsumme von fast 30.000 Euro.

Der Mini Cooper S, ein teurer Spaß

Ein Leser, der ähnlich tief in die Extra- Kiste gelangt hat, findet das Auto „schweineteuer“. Nun wird das Spiel mit dem Zubehör überall gespielt. Der Test-Mini hat als teuerste Zutat ein Navigationsgerät namens Professional. 2.720 Euro kostete es vor zwei Jahren, jetzt ist es fast 400 Euro billiger. Auch Lederausstattung und Sitzheizung schlagen zu Buche und sind inzwischen ebenfalls billiger geworden (von 1.580 auf 1.300 Euro). Xenon-Licht wurde dagegen teurer (570 Euro statt 530), und auch die Klimaautomatik ist mit 1.250 Euro nicht günstig. Das Spiel mit den Extras kennt meist nur einen Gewinner: den Hersteller.

Der Dauertestwagen verdankt sein beachtliches Temperament noch dem alten 163-PS-Kompressortriebwerk. Wie schon im Einzeltest sind die Erwartungen hoch, und man nähert sich dem kleinen, aber mit 1.200 Kilogramm keineswegs leichten Auto mit Respekt. Doch die Alarmglocken schrillen umsonst. Der Cooper S läuft gut, und er ließ in den Fahrleistungen nur bei der Elastizität deutlich nach.

Er ist aber nicht das wilde Tier, das manche vermuten, vielleicht sogar ersehnen. Dass der subjektive Temperamentseindruck trotz der sechs Gänge eher enttäuschend ausfällt, liegt auch an der zu langen Gesamtübersetzung.

Beim Weiterverkauf spielt die oft gepriesene Vollausstattung nur eine jämmerliche Rolle. Insofern ist der nach zwei Jahren und 100.000 Kilometern erzielte Schätzpreis von 14.100 Euro sogar ein gutes Resultat. Es hätte schlimmer kommen können. Der Cooper S, der mit 27 Prozent Verkaufsanteil ein rundes Viertel der Mini-Palette ausmacht, ist mit 20.800 Euro in der Basis einen runden Tausender teurer geworden und um sieben PS kräftiger (alle Modelle ).

Der Motor: Durstig und spaßarm

BMW hat das inzwischen korrigiert (siehe Modellpflege). Der langhubige, von Chrysler stammende Vierzylinder liefert trotz Vierventil-Bauweise in keiner Drehzahlregion den wahren Kick und enttäuscht im Durchzugsvermögen. Das so genannte Motorvergnügen ist also trotz objektiv guter Fahrleistungen eher bescheiden. Man muss viel schalten, und da die Bedienungskräfte für Kupplung und Schaltung ungewöhnlich hoch sind, führt auch dies nicht zu Funktionslust.

Und der Motor braucht Drehzahlen, um zu wahren Kräften zu kommen. Immerhin hält der Vierzylinder anstandslos durch, behält bis zum Schluss sein ursprüngliches, beträchtliches Temperament (7,5 Sekunden von null auf 100 km/h) und zeigt auch gegen Dauertest-Ende nur minimalen Öldurst (Gesamtnachfüllmenge knapp zwei Liter). Dafür lässt er sich das Superbenzin gut schmecken. Im Testmittel sind es annähernd zwölf Liter auf 100 km - viel zu viel, selbst wenn man dem Cooper S zugute hält, dass er, sozusagen naturbedingt, überwiegend schnell gefahren wird.

Enttäuschend auch der Verbrauch bei zurückhaltender Fahrweise. Unter neun Liter kommt man nur mit Mühe. Die flotte Gangart, zu welcher der Mini auch wegen seiner kartähnlichen Kurvenagilität ermuntert, wirkt sich nicht nur auf den Verbrauch, sondern auch auf den Bremsbelag-Verschleiß aus.

Unterdurchschnittliche Traktion, gute Heizungsleistung

Wie die Störungsliste dokumentiert, ist der erste Belagwechsel vorne nach knapp 35.000 km fällig, gut 20.000 km später sind die hinteren Scheibenbrems-Beläge dran, weitere 10.000 km später müssen nicht nur die Beläge, sondern auch die Scheiben vorne ersetzt werden. Mit fast 300 Euro ist dies die teuerste Bremsreparatur während der gesamten Distanz. Den vier Scheibenbremsen mangelt es nicht an Wirksamkeit und Standfestigkeit, zu bemängeln ist allerdings ihr verzögertes Ansprechen unter winterlichen Streusalzbedingungen.

Ohnehin offenbart die kalte Jahreszeit ein paar weitere Mini-Schwächen. Die Traktion bei Nässe und Schnee ist für ein Frontantriebs-Auto unterdurchschnittlich, das Frischluftgebläse geht seiner Arbeit recht lautstark nach, der Scheibenwaschbehälter ist klein und muss oft nachgefüllt werden. Positiv dagegen die in Sekundenschnelle ansprechende Heizung, deren Kapazität keine Minusgrade fürchten muss. Sommerlichen Temperaturen rückt die Klimaanlage wirksam, aber keineswegs zugfrei zuleibe.

Nicht unerwähnt bleiben soll in diesem Zusammenhang, dass die nostalgisch steil stehende Windschutzscheibe zwar steinschlagempfindlich ist, aber zusammen mit den kleinen Fensterflächen nur wenig Innenraumaufheizung bei Hitze zulässt.

Vier außerplanmäßige Werkstattaufenthalte

Der Reifenverschleiß hält sich trotz der hohen Motorleistung in Grenzen. Rund 40.000 Kilometer pro Satz sind drin, bescheiden sind ebenfalls die Kosten für Inspektionen. Sie finden nach Service-Intervall-Anzeige statt, und die Wartungstabelle zeigt ihre Fälligkeit nach jeweils 20.000 bis 25.000 Kilometern.

Für ein Auto, das vorwiegend im Langstrecken-Einsatz bewegt wird, sind die fälligen Ölwechsel-Intervalle nicht übermäßig lang, die Kosten bleiben im Rahmen. Die erste Kontrolle ist mit 153 Euro am billigsten, am meisten kostet die Wartung bei km-Stand 92.000, wobei auch Kerzen, Luftfilter und Keilriemen gewechselt werden (344 Euro). Vier außerplanmäßige Werkstatt- Besuche und ein Liegenbleiber zeigen, dass der Mini trotz Premiumpreis keinesfalls Premiumqualität bietet.

Die Erneuerung der Hutablage macht dabei die Ouvertüre, denn ihr Verzug lässt die Heckklappe nicht mehr richtig schließen. Ein Fensterheber bleibt ohne Funktion (km 41.968), der Kühlmittelbehälter reißt und muss ersetzt werden (km 72.417). Rund 10.000 km später sind die Kontakte der Kennzeichenbeleuchtung weggerostet. Die Griffleiste muss erneuert werden, doch der eigentliche Grund für den Werkstattbesuch ist ernsthafter. Die Lenksäule hat sich gelockert und muss erneuert werden. Kurz nach Ablauf des Dauertests tritt dasselbe Problem dann sogar noch einmal auf.

Doch damit ist die Leidensgeschichte noch nicht zu Ende, Der Mini bleibt auch noch liegen. Zuerst fällt auf der Autobahn die Servounterstützung der Lenkung aus, dann folgen andere Verbraucher wie Radio und Beleuchtung. Schuld ist die Sicherung 39: Die Lichtmaschine lädt nicht mehr, sendet aber kein Kontrollsignal. Ende einer Dienstfahrt - der Mini wird abgeschleppt. Es ist die größte Panne.

Der Austausch der Lenksäule, eine Garantieleistung, wäre mit 450 Euro der teuerste Defekt gewesen. Beide Ausfälle trüben die Bilanz noch mehr als die gnadenlose Härte des Fahrwerks. Die Karosserie hat sich trotz dieser Malträtierungen gut gehalten und ist auch am Ende des Dauertests frei von jenen Geräuschen, über die Mini-Fahrer in den Leserbriefen oft klagen.
Und die laufenden Kosten sind hoch, auch durch den hohen Verbrauch. Knapp 16 Cent pro Kilometer sind ein einsamer Gipfel inmitten der Kompaktwagen-Konkurrenz. Im auto motor und sport-Mängelindex rangiert der Mini dagegen ganz weit hinten.

In Sachen Zuverlässigkeit zeigt er jedenfalls keine Größe. Is it love, fragt die Mini-Werbung keck. Man kann es nur hoffen.

Vor- und Nachteile

  • sehr gute Fahreigenschaften
  • geringe Aufheizung im Sommer
  • wirksame Heizung
  • schwergängige Bedienung
  • verspielte Lenkstockhebel
  • schlecht nutzbare Ablagen
  • hoher Benzinverbrauch
  • geringe Reichweite trotz 50-Liter-Tank
  • zu straffe Abstimmung
  • Ruckelneigung beim Anfahren
  • Sicht auf Ampeln erschwert
  • Lenkung schwergängig
  • schlecht erreichbare Huptasten
Technische Daten
Mini Cooper S
Grundpreis21.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3655 x 1688 x 1416 mm
KofferraumvolumenVDA150 bis 670 L
Hubraum / Motor1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung125 kW / 170 PS (220 Nm)
Höchstgeschwindigkeit222 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h7,2 s
Verbrauch8,6 L/100 km
Testverbrauch1,0 L/100 km
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