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Mitsubishi Carisma GDI

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Mitsubishi Carisma GDI

Die Werbung verspricht deutliche Verbrauchsvorteile für den Mitsubishi Carisma GDI, das erste Auto mit Benzin- Direkteinspritzung in Deutschland. Eine Bilanz über 100 000 Kilometer.

29.09.1999 Hermann-Josef Stappen

Unspektakulärer als im Mitsubishi Carisma kann die Ottomotoren-Technik für das 21. Jahrhundert wohl kaum verpackt werden. Denn dass unter der Motorhaube des unscheinbaren Mittelklassemodells der erste in Serie gebaute direkteinspritzende Benzinmotor arbeitet, ist lediglich am Schriftzug GDI zu erkennen. GDI steht für Gasoline Direct Injection, Benzin-Direkteinspritzung (Technik erklärt: GDI-Motor ). Dabei sollen sich durch die direkte Einspritzung des Benzins in den Brennraum – und nicht wie bisher üblich in das Saugrohr – Verbrauchsvorteile bis zu 20 Prozent ergeben. Die Fragen nach dem Verbrauchspotenzial und der Zuverlässigkeit der technischen Pionierleistung im Alltagsbetrieb machen einen Dauertest über 100 000 Kilometer besonders interessant. Auch die konzeptbedingt noch problembehaftete Abgasentgiftung per Katalysator sollte über die lange Distanz beobachtet werden (siehe NOX-Kat ).
Deshalb verstärkte im Dezember 1997, nur zwei Monate nach seinem Debüt auf dem deutschen Markt, ein Carisma mit dem 125 PS starken 1,8-Liter- GDI-Motor den auto motor und sport-Dauertestfuhrpark. Dass der GDI-Motor im Carisma durchaus sparsam sein kann, bewies er auf Urlaubsfahrten in Ländern mit tempobegrenzten Autobahnen wie Italien und Schweden. Grafikerin Sabina Vogel gebührt die Ehre, auf einer Reise nach Sardinien mit 6,2 Liter/100 km den Minimalverbrauch erzielt zu haben.
Dem gegenüber steht mit 11,4 L/100 km ein um 84 Prozent höherer Maximalverbrauch. Dieser stellt sich ein, wenn dem Triebwerk häufig hohe Leistung abverlangt wird. Auch Leser Rudolf Kutscher aus Meddersheim hat die Erfahrung gemacht, dass der Verbrauch stark vom Gasfuß abhängt (siehe Leserzuschriften ).

auto motor und sport erreichte zwar nicht Kutschers Durchschnittsverbrauch von 7,5 Liter/ 100 km, aber trotzdem fällt die Bilanz nach 100 000 Kilometern mit einem Testverbrauch von 8,8 L/100 km im Vergleich zu anderen Mittelklasse-Dauertestwagen positiv aus. Die Differenz zwischen Minimal- und Maximalverbrauch ist im Konzept der Benzin-Direkteinspritzung begründet, wie sie heute technisch realisierbar ist. Denn nur in einem kleinen Bereich – unter 3400/min und bei maximal einem Drittel der Voll-Last – arbeitet der Mitsubishi - GDI-Motor nach dem Sprit sparenden Schichtladungsprinzip mit hohem Luftüberschuss und ohne Drosselung des Ansaugquerschnitts durch die Drosselklappe.
Sensible Fahrer bemerken ein leichtes Ruckeln, wenn die Motorsteuerung mit steigender Last und Drehzahl zunächst auf magerere, homogenere Verbrennung und ab Halblast auf konventionelle Lambda-1-Verbrennung umschaltet. Aber bei Voll-Last wird auch der GDI-Motor mit einem fetteren Gemisch betrieben. Da sind rasch alle Sparbemühungen fast wieder zunichte, wenn dieser Bereich zu häufig aufgesucht wird. Zu den ebenfalls in Dauertests ermittelten Maximalverbräuchen eines Audi A4 1.8 mit 125 PS (13 L/100 km) und eines Volvo V40 2.0 mit 136 PS (14,9 L/100 km) hält der Carisma trotzdem einen respektablen Abstand.
Zwischenzeitlich hat sich der sparsame GDI zum absoluten Renner im Carisma-Programm entwickelt. Nachdem im vergangenen Jahr bereits über 60 Prozent der Baureihe als GDI ausgeliefert wurden, stieg der Anteil im ersten Halbjahr 1999 auf 79 Prozent.
Erst seit Ende letzten Jahres baut Volvo den Mitsubishi-GDI-Motor in die Modelle S40 und V40 ein, die im selben Werk im niederländischen Born auf der gleichen Plattform produziert werden wie der Carisma.
Allerdings ist die GDI Nachfrage bei Volvo deutlich geringer. Nur neun Prozent der S/V40-Kunden entscheiden sich für den Direkteinspritzer. Der zahme Sparmotor verwandelt sich im Carisma beim Tritt auf das Gaspedal in ein temperamentvolles Aggregat, das auch höheren Ansprüchen nach sportlichen Fahrleistungen – diese ließen gegen Ende des Dauertests etwas nach – gerecht wird.
Ähnliches gilt für die äußerlich konservativ und unscheinbar daherkommende Stufenhecklimousine, die beim Fahren durch sportlich-agiles Handling überrascht. Großen Anteil daran hat die nicht besonders leichtgängige, dafür aber exakte Lenkung.
Negativ fielen dagegen die Bremsen auf. Ab Kilometerstand 12 500 tauchen immer wieder Eintragungen wie „weiche Bremse“, „Bremse rubbelt“ und „Bremsvermögen ungenügend“ in den Bordkarten auf. Bei Kilometer 24 495 wurden daraufhin die vorderen Bremsscheiben samt Belägen auf Garantie erneuert.

Kurz darauf, bei Kilometerstand 30 572, mussten die hinteren Bremsen überprüft und gereinigt werden. Mehrfach war ein Überbremsen der Hinterräder festgestellt worden, was bei Vollbremsungen zu Instabilitäten führen kann.
Starke Riefenbildung machte rund 50 000 Kilometer später einen neuerlichen Austausch der vorderen Bremsscheiben inklusive der Bremsbeläge notwendig. Auch diesmal erfolgte die Reparatur auf Garantie. Ebenfalls kostenlos war 5000 Kilometer danach der Einbau von Kunststoff- und Gummiringen zwischen erster und zweiter Windung der Vorderachsfedern sowie zwischen Feder und unterem Federteller.
Diese Maßnahme war nötig, da nicht nur beim Dauertestwagen zunehmend Poltergeräusche von der Vorderachse bemängelt wurden. Die Änderungen sind mittlerweile Serienstandard. Nicht nur die Fahrwerksgeräusche minderten den Komfort, sondern auch die zum Stuckern neigende Federung der Vorderachse. Außerdem traten – verstärkt gegen Ende des Dauertests – bereits mit nur drei Passagieren auf langen Bodenwellen heftige Vertikalbewegungen des Hecks auf. Als weiterer Schwachpunkt erwies sich die immer wieder kritisierte Heizungs- und Klimaanlage. Erstens reicht die Heizleistung nicht aus, zweitens ist sie stark geschwindigkeitsabhängig. Als Ursache für die schwache Heizung hat Mitsubishi den Temperatursensor ausgemacht, der zu nah am Radio platziert ist und von dessen Wärmeabstrahlung irritiert wird.
Inklusive aufpreispflichtigem Schiebedach (1300 Mark) betrug der Testwagenpreis für die Stufenheck-Variante in der Topausstattung LS 40 590 Mark. Der Ausstattungsumfang mit Front- und Seitenairbags, serienmäßiger Klimaautomatik, vier elektrischen Fensterhebern, Nebelscheinwerfern und weiteren Zutaten lässt in dieser Klasse zwar kaum Wünsche offen, wohl aber die Anmutung des in tristem Grau gehaltenen Innenraums.
Kommentar in der Bordkarte zu diesem Thema: „Selten so ein billig wirkendes Lenkrad in der Hand gehabt.“ Andere Einträge bemängeln das altmodische Muster der Sitzpolster. Neben solch subjektiven Empfindungen wurde aber auch sachliche Kritik geübt. So bezeichnete ein Tester die auf Textilflusen anziehend wirkenden Veloursbezüge der Sitze als „Sonderprüfung für jeden Staubsauger“. Außerdem wurden die Sitzbezüge in der warmen Jahreszeit wegen ihrer schweißtreibenden Wirkung gerügt.

Am Ende des Dauertests wirkte der gesamte Innenraum verwohnt, das Lenkrad war abgegriffen, der Schaltknauf glänzte speckig, und die Fahrerfußmatte zeigte deutliche Auflösungserscheinungen. Trotz dieser Verschleißerscheinungen ist die Qualität insgesamt betrachtet ausreichend: Weder waren die Sitzpolster durchgesessen, noch drangen Klappergeräusche vom Armaturenbrett zu den Passagieren. Wohl aber Windgeräusche vom linken vorderen Seitenfenster, die sich bei Geschwindigkeiten jenseits von 180 km/h zu einem nervtötenden Heulen auswuchsen. Der erste Eintrag diesbezüglich wurde bereits bei Kilometerstand 5300 gemacht. Bis zum Ende gelang es der Werkstatt nicht, die unerwünschte Begleitmusik abzustellen.
Zusätzlich sorgten Störungen wie die klemmende Tankklappe, ein schwergängiges Gaspedal, der zu große Hebelweg der Handbremse und fehlender Druck bei der Scheibenwaschanlage dafür, dass der Carisma am Ende nicht mit der sonst von japanischen Dauertestwagen gewohnten weißen Weste dasteht.
Da der Mitsubishi seine Fahrer aber trotzdem nie im Stich gelassen hat, rangiert er im auto motor und sport-Mängelindex sehr weit vorne. Die gilt aber auch bei der Höhe des Wertverlusts. Dem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis bei der Anschaffung steht ein relativ hoher Preisverfall beim Verkauf des gebrauchten Carisma gegenüber. Wertmindernd dürfte sich beim Privatverkauf außerdem der stumpf gewordene Lack auswirken.
Die Kilometerkosten rangieren mit 17,8 Pfennig inklusive Kraftstoff-, Öl- und Reifenkosten am unteren Ende der Skala in der Mittelklasse. Das verdankt der Carisma in erster Linie dem niedrigen Verbrauch und dem schonenden Umgang mit seinen Reifen.
So erreichten zum Beispiel die von Formel 1-Berichterstatter Michael Schmidt wegen ihres guten Grips auf geschlossener Schneedecke gelobten Pirelli-Winterreifen (Winter 190 Performance) eine Laufleistung von knapp 50 000 Kilometern. Sein Fazit zum Carisma GDI deckt sich weitgehend mit den Aussagen der meisten Fahrer : „Der Mitsubishi ist ein angenehmer, unauffälliger Reisewagen mit guten Fahrleistungen und einem gutmütigen, sicheren Fahrverhalten.“
Unauffälligkeit bezeichnet auch am besten die Dauertesterfahrungen mit dem Mitsubishi-GDI-Aggregat. Bis auf die überhöhten Abgaswerte erwies sich die neue Technik als problemlos und alltagstauglich. Der mit etwas Zurückhaltung im Gasfuß erzielbare Verbrauchsvorteil zeigt, dass die Benzin-Direkteinspritzung der richtige Weg zu noch besseren Verbrauchewerten beim Ottomotor ist. VW schließt sich dieser Meinung an und präsentiert als erste deutsche Marke auf der IAA in Frankfurt den Lupo FSI mit Benzin-Direkteinspritzung. 

Vor- und Nachteile

  • Niedriger Verbrauch
  • Gutmütige Fahreigenschaften
  • Geringer Reifenverschleiß
  • Exakte Schaltung
  • Gutes Platzangebot
  • Schlechte Abgaswerte
  • Billig wirkendes Interieur
  • Starke Windgeräusche
  • Verschleißanfällige Bremsen
  • Hoher Wertverlust
  • Heizung und Klimaanlage schlecht regulierbar
  • Eingeschränkter Federungskomfort
Technische Daten
Mitsubishi Carisma GDI
Grundpreis20.958 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4435 x 1710 x 1405 mm
KofferraumvolumenVDA480 L
Hubraum / Motor1834 cm³ / 4-Zylinder
Leistung92 kW / 125 PS (174 Nm)
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,0 s
Verbrauch6,4 L/100 km
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