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Opel Astra Caravan 1.9 CDTI

Astra-Logie

Opel Astra Caravan 1.9 CDTI

Die Sterne standen gut für den Opel Astra: Ohne große Dramen meisterte er die Dauertest-Distanz. Ein paar Wünsche bleiben trotzdem offen.

01.05.2007 Christian Steiger

Ungerechtes Leben: Nivea ist Creme und Tesa ein Klebefilm, egal welcher Produktname auf der Packung steht – aber Caravan ist irgendwas, meist ein Wohnanhänger. Dabei hat kein deutscher Hersteller eine traditionsreichere Kombi-Bezeichnung zu bieten als Opel . Die GM-Tochter verwendet sie seit 1953, um die konzeptionelle Mitte zwischen Car und Van zu betonen. Und vor allem: Der Name ist heute aktueller als je zuvor.
Zwei Dauertest-Jahre mit dem Opel Astra Caravan beweisen es. Wem ein Van zu viel Auto ist, der kann immer noch mit dem klassischen Kombi glücklich werden. Er kann flüssig um die Ecken kacheln und trotzdem Kühlschränke oder Kinderzimmerregale durch die Gegend karren. Besonders mit diesem Wesenszug machte sich der 150 PS starke Diesel-Kombi im Dauertest- Fuhrpark beliebt – auch bei Fahrern, die ihn bisher nicht auf der Rechnung hatten. Verblüffte Frage in der gelben Dauertest-Begleitkarte: „Warum kauft man sich eigentlich keinen Opel Astra Caravan?“
Mögliche Antwort: Weil er in der getesteten Verwöhn-Version kein allzu volkstümliches Auto mehr ist. Etwas mehr als 26 000 Euro kostet der Opel Astra 1.9 CDTi Caravan heute in der vornehmen Cosmo-Ausstattung, nochmal über 7000 Euro würden die Extras des Testwagens verschlingen. Auf einige kann man verzichten, der tägliche Umgang mit dem fast voll ausgestatteten Kombi zeigte es. So gab es selbst unter eiligen Astra-Fahrern kaum einen, der mehr als ein Mal die Sporttaste des optionalen IDS-Plus-Fahrwerks drückte. Im Dynamik-Programm sprechen Gas und Lenkung zwar zackiger an, aber die Federung wird so hart, dass einem auf schlechter Wegstrecke das Frühstück zwischen den Rippen zu tanzen scheint. Als Bestandteil des 1485 Euro teuren Performance-Pakets hat das IDS-Plus-Fahrwerk außerdem 17-Zoll-Räder, die dem Fahrkomfort nicht zuträglich sind.

Weitere Anwärter für das Streich-Konzert bei der Astra-Bestellung: Die optionale Handyhalterung ist dem Knie des Beifahrers im Weg. Und auch die Flex Organizer genannte Kofferraumaufteilung (125 Euro) erwies sich als Beigabe, für die es selten Verwendung gab. Dabei riss der Astra kaum eine Dienstfahrt ohne reichlich Gepäck ab. Klagen über zu knappes Ladevolumen wurden dabei niemals laut – wohl aber die Vermutung, dass die Bagage besser aufgehoben sein könnte als die Fahrgäste auf der Rückbank.
Tatsächlich geht es im Astra-Fond nicht großzügig zu. Für hoch gewachsene Passagiere ist die Beinfreiheit knapp, selbst Dreijährige monierten in ihren Kindersitzen den mangelnden Bewegungsraum, weil sie mit den Füßen gegen die Vordersitze stießen. Womöglich sind sie vom geräumigeren Golf V und der Weite moderner Minivans verwöhnt – richtig glücklich wurden sie besonders auf Langstrecken nicht.
Vorne lässt es sich kommoder reisen: „Äußerst bequeme Sitze“ und „sehr gute Verstellmöglichkeiten“ loben die Dauertest-Notizen – mit einer Einschränkung: Die Sitzposition ist zu hoch für 1,85-Meter-Passagiere, die gerne mehr als einen fingerbreiten Spalt Kopffreiheit hätten.

Es gab nicht vieles, was die Astra- Reisenden wirklich genervt hätte, aber einige Anmerkungen wiederholen sich fast so oft wie Tankstopps und Wagenwäschen. So wurden immer wieder die fummeligen Antipp-Blinker kritisiert. Nur wenige Opel-Benutzer hatten Verständnis für die viel zu niedrig platzierten Regler der Klimaanlage und die sparsam im Interieur verteilten Ablagemöglichkeiten. Mancher schimpfte bei der Innenraumreinigung über den Filzbelag des Gepäckraums, der Krümel und kleine Schmutzpartikel wie Klettband festhielt. Wie bei vielen Kompaktwagen war keiner mit der Rundumsicht zufrieden. Und einige, die im Astra durch die Hitze des Hochsommers fuhren, beklagten ein zeitweiliges Schwächeln des Kühlaggregats.
Bei Außentemperaturen über 30 Grad kam es öfter vor, dass die Klimaanlage nur noch warme Luft ins Innere blies. Das irritierte viele Astralogen schon deshalb, weil sich die Temperatur im Normalfall schnell und wirksam senken ließ. Tatsächlich handelte es sich nicht um einen Defekt, sondern offenbar um eine konstruktive Schwäche – eine von wenigen, die sich der Astra leistete.
Seine Störungsliste ist kurz, aber nicht völlig frei von Ärgernissen. Bis Tachostand 87 000 fiel er nur mit einzelnen Klein- Gebrechen auf, darunter eine eingerissene Laderaumabdeckung, die auf Garantie getauscht wurde und sich bald wieder zerlegte, weil eine Kunststoffschweißnaht offenbar zu schwach war.
Dann aber sprang im Schiebebetrieb häufig der vierte Gang heraus, ein neuer Radsatz im Getriebe wurde fällig – für deftige 1375 Euro. Opel übernahm die Rechnung auf Garantie, bei normalen Jahresfahrleistungen hätte der Kunde bezahlen müssen.
Immerhin ist der Defekt wohl keine typische Astra-Krankheit, die Leserzuschriften zeigen es . Plötzlicher Leistungsverlust beim Common-Rail-Diesel kommt jedoch öfter vor – auch beim Dauertest-Kombi. Der zog bei Kilometer 95 783 nicht mehr so entschieden wie gewohnt und blies Ladeluft ab. Die Ursache war banal: eine lose Schraubverbindung am Ladeluftkühler. Trotzdem half nur ein Werkstattbesuch, der bei einigen Leserautos auch nötig war, weil ein defekter Diesel-Partikelfilter den Astra lahmgelegt hatte.

Eine andere Spielart der Leistungsverweigerung hielt der Redaktions- Astra mehrere 100 Kilometer nach Testende bereit – sie geht deshalb nicht in die offizielle Bilanz ein: Dieses letzte Mal lief er nicht richtig, weil das Ansaugrohr wegen einer fehlerhaften Ein lassregelung ausgetauscht werden musste. Rechnungsbetrag: 850 Euro.
Wenn alles glatt läuft, steht der Kompakt- Opel nur selten länger beim Händler. Ganze zwei Inspektionen waren während der 100 000-Kilometer-Distanz nötig, sie kosteten zusammen 645 Euro. Damit gehört der Astra zu den anspruchslosen Typen seiner Klasse. Nach nur 9,6 Liter Öl verlangte er in seiner Dienstzeit, lediglich ein Mal mussten die vorderen Bremsbeläge getauscht werden. Bis zum Schluss verzögerte er mit der ersten Garnitur Bremsscheiben und hatte unterm Strich Wartungskosten von einem halben Cent pro gefahrenem Kilometer verursacht. Die Bilanz zeigt, dass Astra-Fahren trotz der exklusiven Ausstattung kein übermäßig teurer Spaß ist. Zwar hat er nach 100 000 Kilometern fast die Hälfte seines Listen-Neupreises verloren, aber dieses Schicksal teilt er selbst mit dem Klassenprimus und Dauertest-Tabellenführer VW Golf 2.0 TDI . Überhaupt liegen die Kontrahenten auf vergleichbarem Kostenniveau: Sogar der Verbrauchsschnitt von 7,6 Liter Diesel auf 100 Kilometer ist der gleiche, und bei den Kilometerkosten gelingt es dem Astra, den Golf knapp zu unterbieten. Auch das war eine überraschende Entdeckung vieler Astra-Fahrer: Noch nie gab es einen Opel, der dem Golf so nah auf die Pelle gerückt wäre. „Ausgezeichneter Qualitätseindruck, praktisch Gleichstand mit Golf V“, steht in der gelben Dauertest-Karte – vor allem wirkt der Astra auch mit sechsstelligem Tachostand noch verwindungssteif und unverschlissen.
Viele Fahrer, denen der Pumpe- Düse-Motor des Golf zu vernehmlich hämmerte, lobten beim Umsteigen zudem die gepflegtere Laufkultur des Opel-Triebwerks. Dass der 150-PS-Diesel des Astra im unteren Drehzahlbereich weniger rabiat anreißt als der VWMotor, galt unter den Opel-Benutzern als okay, weil es insgesamt ja keineswegs an Durchzug fehlt.

Der lange sechste Gang konnte auch bei schnellen Autobahnetappen meist eingespannt bleiben, noch bei 200 km/h Dauertempo auf freier Strecke wirkte der 150-PS-Astra nicht angestrengt. Das galt selbst für seine Fahrer, die sich über das sportliche Handling freuten. Auch ohne Sport-Programm gefiel ihnen die Feinfühligkeit seiner Lenkung, die lang anhaltende Neutralität und geringe Karosseriebewegung in Kurven, das griffige Pedalgefühl beim Bremsen und die präzise Schaltung. Häufigstes Problem auf schnellen Dienstreisen: Viele Linksfahrer rechneten nicht mit einem Opel Astra , der im Rückspiegel so schnell größer wird.
Sie unterschätzen ihn. Ungerechtes Leben: Denn wahrscheinlich ist er der gelungenste Caravan, den Opel seit 1953 baute.   

Vor- und Nachteile

  • Saubere Verarbeitung
  • Großer Gepäckraum
  • Kultivierter, kraftvoller Motor
  • Agiles Handling
  • Guter Gesamtkomfort
  • Präzise Schaltung
  • Griffige Bremsen
  • Bequeme Sitze vorn
  • Niedriger Verbrauch
  • Gutes Fern- und Abblendlicht
  • Lange Inspektionsintervalle
  • Niedrige Wartungskosten
  • Wenig Platz im Fond
  • Zu hohe Sitzposition vorn
  • Ruppiges Abrollen (17-Zoll-Räder)
  • Anfahrschwäche
  • Teilweise unpraktische Bedienung
  • Nach hinten unübersichtlich
  • Fehlende Ablagemöglichkeiten
  • Deutliche Windgeräusche
  • Schwankende Wirkung der Klimaanlage bei sehr großer Hitze
Technische Daten
Opel Astra 1.9 CDTI
Grundpreis25.810 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4249 x 1753 x 1460 mm
KofferraumvolumenVDA380 bis 1300 L
Hubraum / Motor1910 cm³ / 4-Zylinder
Leistung110 kW / 150 PS (320 Nm)
Höchstgeschwindigkeit208 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,9 s
Verbrauch5,8 L/100 km
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