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Opel Corsa 1.2 16V Sport

Opel End

Opel Corsa 1.2 16V Sport

100 000 Kilometer sind für einen Kleinwagen kein Pappenstiel. Der Opel Corsa 1.2 erledigte die Marathon-Distanz fast mit links. Eindrücke, Kosten und Kümmernisse einer langen Reise.

11.10.2003 Klaus Westrup

Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, dass der Dauertest-Corsa in Redaktionsdiensten steht. Unter der Motorhaube arbeitet ein Volumentriebwerk ohne viel Volumen, der vierventilige Zwölfhunderter mit 75 PS, der zusammen mit dem etwas kümmerlichen Dreizylinder die meisten Corsa-Versionen antreibt. In der Sport-Variante mit strafferem Fahrwerk kostet das Auto im Oktober 2001 exakt 13 300 Euro (heute 13 515).
Extras, welche die Redaktion teilweise auch deshalb bestellt, um deren Funktion und Haltbarkeit zu erleben, rücken den magmaroten Corsa in den Bereich um 19 000 Euro. Die automatische Klimaanlage schlägt hier kräftig zu Buch mit 1760 Euro (jetzt nur noch 1505), das Radio mit Navigationsgerät mit rund 2000 Euro und auch die Leichtmetallräder für 580 Euro.
Der erste Winter naht, er ist kalt, schneereich und schmuddelig. Negativ fällt die ungewöhnlich starke Verschmutzungsanfälligkeit der Heckpartie auf, positiv die leistungsfähige Heizung, die auch bei Minusgraden schnell für akzeptable Temperaturen im Innenraum sorgt. Mit den Pirelli SnowSport-Reifen der kräftigen Dimension 185/55 R 15 kennt der Corsa auch im tiefen Schnee keine Traktionsprobleme.

Mit allzuviel Drehmoment haben die Antriebsräder freilich nie zu kämpfen. Der kleine Vierzylinder, der da bestens zugänglich und ohne modisches Abdeckplastik unter der ausladenden Haube sitzt, ist nicht gerade das geworden, was im General Motors-Slang Low-End-Torque-Engine heißt. Man muss ihn schalten, um das wenige Feuer zu spüren, das im Verlauf des Dauertests auch etwas nachlässt. „Den Aichelberg hinauf zwischen Stuttgart und der Schwäbischen Alb", befindet Testfahrer Jürgen Schollenberger, „das ist voll beladen keine schöne Sache."
Die Ebene ist dem Corsa lieber, wie allen anderen, die etwas schwach auf der Brust sind. Um die Durchzugsschwäche zu mildern, haben die Opel-Techniker eine recht kurze Gesamtübersetzung vorgesehen. Auf der Autobahn sind deshalb 5000 Touren eher die Norm als die Ausnahme, und sobald es etwas besser läuft, geht die Drehzahlmesser-Nadel Richtung 6000.
Würde das rasende Hin und Her der kleinen Kölbchen nicht angezeigt, man ahnte es nicht. Die Laufruhe bei hohen Drehzahlen ist gut, der Reisekomfort von dieser Seite her kaum getrübt.
So schnürt der Corsa auch auf Langstrecken zügig dahin, ins Allgäu und nach Paris, fährt nach Südfrankreich, erkundet Ost-Deutschland und kämpft sich zäh den Brenner hinauf. Der Sommer kommt, und aus der guten Heizung wird eine wirksame Kühlung. Die Klimaanlage fordert ein paar PS, und dass sie bei voller Kühlleistung dem Vortrieb fehlen, entgeht der Besatzung nicht. Auch die immer wieder einmal im Fahrtenbuch monierte Anfahrschwäche wird stärker.
Der kleine Vierzylinder begeistert nicht, aber er tut brav seine Pflicht, für die er im Durchschnitt 7,7 Liter Super pro 100 km verlangt. Extrem sparsam ist das nicht, gerade auch für die strengen Opel Maßstäbe. Man kann zwar mit sechs Litern auskommen, aber meistens werden es doch sieben. Minimal der Ölverbrauch.

Über die gesamte Distanz müssen 2,7 Liter nachgefüllt werden, auch gegen Dauertest Ende ist keine steigende Tendenz zu erkennen. Mit 30 000 Kilometern sind die Wechselintervalle zeitgemäß lang, einen Zahnriemenwechsel gibt es nicht. Die Motorengeneration vertraut zwecks Nockenwellen Antrieb auf die gute alte Kette.
Brav der Motor, gerade was die Zuverlässigkeit angeht. Der alte Slogan von Opel, dem Zuverlässigen, klingt wieder in den Ohren, wenn man durch die Störungsliste geht. Kein Nichtanspringen, kein Ziegenbleiben, man kann sich verlassen auf diesen Motor und auch auf den Rest des Autos. Das Interieur mit den freudlos wirkenden Kunststoffverkleidungen ist nach Ablauf der Distanz nicht verwohnt, die Sitzpolster haben nicht gelitten, eher schon manche Benutzer, die die Sitzflächen als hart empfinden. Die Karosse, beim Vorgängermodell noch vielfach eine Quelle undefinierbarer Knarrgeräusche, gibt sich unbeeindruckt und auch auf schlechtem Pflaster geräuschlos.

Wüsste man nicht den Kilometerstand und von den abgetretenen Pedalgummis an Bremse und Kupplung, das Auro mit dem Kennzeichen GG - ZN 751 würde nach einem Besuch in der Schnellwäsche auch für nur 28 000 Kilometer ohne weiteres durchgehen.
Die Störungsliste ist erfreulich kurz und ohne Dramatik. Ein Türgrifff vorne löst sich kurz vor Halbzeit, das Bremspedal knarrt bei Betätigung, verlangt nach Schmierung. Es gibt sicherheitshalber neue Radbremszylinder hinten auf Garantie, für das Erneuern einer Glühlampe verlangt die Werkstatt satte 52 Euro (km 70 527). Das nächste Mal macht man so etwas dann selber, Kosten 13,90. Dann klappert der Auspuff, aber es geht mit knapp über 80 000 Kilometern schon dem Ende entgegen. Da repariert wieder die Werkstatt, ersetzt bei nahezu 90 000 Kilometern den Auspuffschalldämpfer, Bremsscheiben und Bremsbeläge vorn und die Bremsbacken hinten. Es ist der mit rund 600Euro dickste Posten in einer dünnen Liste.
Es bleiben die kleinen Unvollkommenheiten in einem langen Auto-Alltag, die allesamt nichts mit Abnutzung oder Alterung zu tun haben. Die elektrisch unterstützte Servolenkung, im Zuge des Facelifts 2003 verbessert, ist um die Mittellage nicht besonders exakt, die Zentralverriegelung, die anstandslos durchhält, nervt mit ihrer Doppelschließung, das Lenkrad ist auch bei den besseren Versionen nur horizontal und nicht axial verstellbar, das Abblendlicht schwach.
Dann die Huptasten im Lenkrad. Man findet sie garantiert nicht im Fall der Not und des Erschreckens. So hupt man nur in Ruhe und besonnen, hat aber wenig Freude an dem Ton.
Das Reifen-Kapitel ist noch kürzer als die Störungsliste. Der Corsa geht mit allen Verschleißteilen sorgsam um, sogar mit den Pneus. Sie haben es zugegeben nicht allzu schwer in einem relativ leichten und eher mager motorisierten Auto, aber dennoch sind die Laufleistungen beachtlich.
Der Michelin Energy der Erst-Ausrüstung hat nach 65 000 Kilometern noch ausreichend Profiltiefe. Auch der geringe Reifenverschleiß macht sich in der Kostenbilanz positiv bemerkbar. Ein Übriges tun die geringen Wartungskosten, die auch mit den langen Service-Intervallen zu tun haben (alle 30 000 und 60 000 km). Repariert werden musste kaum, die Gesamtkosten liegen abzüglich Benzin, Öl und Reifen bei nur 1,2 Cent pro Kilometer. Der Wertverlust ist mit 53 Prozent allerdings relativ hoch.
Außer Spesen wirklich wenig gewesen. Opel hat mit dem Corsa gezeigt, dass Zuverlässigkeit nicht nur Firmen-Nostalgie ist, sondern wieder ganz frisch eingekauft werden kann.

Vor- und Nachteile

  • kultivierter Motorlauf
  • gut gestuftes Getriebe
  • wirksame Klimaautomatik
  • gut ablesbare Instrumente
  • guter Gesamtkomfort
  • gutes Raumangebot
  • steife Karosse
  • sichere Fahreigenschaften
  • Navigation führt präzise
  • strapazierfähige Materialien
  • befriedigende Reichweite
  • mäßiger Sitzkomfort
  • drehmomentschwacher Motor
  • schlecht erreichbare Huptaste
  • leichte Anfahrschwäche
  • Servolenkung etwas gefühllos
  • Verschmutzungsneigung der Heckpartie
  • schwaches Abblendlicht
  • Hebel für Sitzverstellungen leicht verwechselbar
Technische Daten
Opel Corsa 1.2 16V
Grundpreis12.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3817 x 1646 x 1440 mm
KofferraumvolumenVDA260 bis 1060 L
Hubraum / Motor1199 cm³ / 4-Zylinder
Leistung55 kW / 75 PS (110 Nm)
Höchstgeschwindigkeit170 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h13,0 s
Verbrauch6,3 L/100 km
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