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Opel Corsa Swing 1.4i

Der kleine Freund

Opel Corsa 1.4i

Opels kleinstes Modell, der Corsa, ist ein Renner in der Zulassungsstatistik, auch dreieinhalb Jahre nach seinem Debüt. Doch ist das, was sich gut verkauft, auch qualitativ in Ordnung? 100 000 Kilometer mit einem Corsa Swing geben ein klare Antwort.

19.08.1996 Klaus Westrup

Über 13 000 Corsa-Verkäufe in Deutschland im Mai 1995, dasselbe nochmal ein Jahr später, wo auch der neue Polo mit Erfolg auf den Plan getreten ist – Opel hat mit dem Corsa B, der den schütter wirkenden Corsa A 1993 ablöste, so etwas wie einen Coup gelandet. Der nur wenig über 3,70 Meter messende Kleinwagen verbreitete sich geradezu hemmungslos im Straßenverkehr und wirft, oftmals von weiblicher Hand chauffiert, die Frage nach den Ursachen für einen solchen Dauererfolg auf.
Das Wissen, daß Autos zu einem großen Teil einfach über das Auge gekauft werden, scheint sich hier in geradezu klassischer Weise zu bestätigen. Opels Entwurf, von einem japanischen Stylisten stammend, hat den Corsa-Boom wohl entscheidend ausgelöst. Auch die Car Check-Untersuchung, die auto motor und sport in Heft 15/96 veröffentlichte, spricht hier eine klare Sprache: Sozusagen als Abfallprodukt dieses Qualitätsreports läßt sich beim Corsa unter dem am besten bewerteten Kriterium die Gestaltung der äußeren Form ablesen. Man kann es auch einfacher ausdrücken: Corsas formaler Auftritt kommt gut an – besonders bei Frauen, die im Segment der sogenannten A Null-Klasse von entscheidender Marktbedeutung sind.
Ein Frauenliebling zu sein, zahlt sich also auch für die meist von Männerhand geschaffenen Automobile aus. Gleichzeitig beweist der hohe Frauenanteil am Corsa-Verkauf, daß es eines speziellen Frauenautos natürlich nicht bedarf. Formen und Farben mögen da vielleicht eine größere Rolle spielen, aber auch Männer gehen bekanntlich nicht emotionslos auf das Stylingprodukt namens Auto zu.

Bleibt im Falle des Corsa ein gerne im weiblichen Zusammenhang erwähntes Argument, nämlich die Wirtschaftlichkeit. Sie zu untersuchen war die eigentliche Aufgabe während der zurückliegenden 100 000 Kilometer im Corsa. Gut aussehen tut er ja, wie seine Käufer festgestellt haben, aber ist er auch gut?
Im Winter 1994 trat ein blauer Corsa Swing mit 1,4 Liter-Motor an, diese Frage als Einzelstück zu beantworten. Als Sonderausstattung hatte der Viertürer Antiblockiersystem, Fahrer-Airbag, zwei elektrisch verstellbare Außenspiegel, das sogenannte Elektrokomfortpaket mit Zentralverriegelung und elektrisch betätigten Fensterhebern vorne, Schiebedach, Servolenkung und hintere Kopfstützen aufzuweisen – ein Gesamtpaket, das den Preis weit über Kleinwagen-Niveau hochhievte. Fast 27 000 Mark kostete der einst neue Corsa, zu dessen ersten Amtshandlungen etwas sehr Unangenehmes zählte, nämlich ein beißender Geruch im Innenraum.
So notierte der Tester schon nach seiner ersten längeren Begegnung mit dem Rüsselsheimer Neuling, genau gesagt bei km-Stand 3839: „Auto riecht nach Zwiebeln.“ Das war nüchtern formuliert und nicht die ganze Geruchswahrheit. Erst der Austausch diverser Nasenproben zeigte das wahre Ausmaß: Der Dauertest-Corsa roch wie eine Kebabstation, die bekanntlich auch nicht jedermanns Geschmack ist. Abhilfe erfolgte rund 7000 durchstunkene Kilometer später durch Austausch aller Sitzbezüge. Der stechende Geruch war, wie auch Opel einräumte, bei der Erstserie des Corsa kein Einzelfall. Nach eingehenden Untersuchungen von Opel und BASF lag die Ursache an einer chemischen Reaktion zwischen einem Kunstleder-Stabilisator an den Rückenlehnen und einer Komponente des Polyurethanschaums im Polster, die bei Wärme scharf riechende Ausdünstungen freisetzte.

Mit freien Nasen setzten die Redaktionsmitglieder den Kilometermarathon fort, nachdem zuvor noch schlechte Übergänge und schwache Motorleistung eine Korrektur der Zündeinstellung notwendig gemacht hatten (km 5595). Diese Einstellarbeit war einer von sechs außerplanmäßigen Werkstattaufenthalten, wie aus der Reparaturliste hervorgeht. Langstreckenfahrten gehörten mit zum Programm. Mit den 60 PS aus 1,4 Liter Hubraum ist der Corsa recht erwachsen motorisiert und Redakteur Frank Janßen notierte bei einer fast 4000 Kilometer langen England-Tour: „Der Corsa zeigt, welche Fortschritte bei Kleinwagen gemacht wurden. Er bietet zügiges Vorankommen mit angenehmem Komfort, auch durch das niedrige Geräuschniveau.“
Diesem Statement läßt sich auch nach Ablauf der Dauertest- Distanz nicht viel hinzufügen. Von den anfänglichen Übergangsschwierigkeiten einmal abgesehen, machte der Vierzylinder nicht den geringsten Kummer, sprang stets spontan an und versagte nie den Dienst. Vor allem auf langen Strecken zeigte sich das Triebwerk von seiner besten, nämlich einer komfortbetonten Seite, die gut mit dem schluckfreudigen Fahrwerk harmonierte. Auch die gemessenen Phonwerte belegen dies; 75 dB(A) bei 140 km/h im fünften Gang sind ein Wert, der Mittelklasse- Format hat.
Die recht lange Übersetzung hat daran natürlich teil. Ihr Nachteil sind die bescheidenen Elastizitätswerte – hinzu kommt die Eigencharakteristik dieses braven Zweiventilers, hohe Drehzahlen lieber meiden zu wollen. Die mittleren Regionen sind besonders erwünscht. Dann zeigt der Corsa jenen motorischen Auftritt, mit dem man in der kleinen Klasse ein zufriedener Mensch wird.
Ein sehr zuverlässiges und alltagstaugliches Triebwerk also, das sich mit zunehmender Kilometerzahl offensichtlich von belastender Reibleistung befreite und temperamentvoller wurde (siehe Tabelle ). Der Ölverbrauch – Gesamtnachfüllmenge über 100 000 km nur fünf Liter – tendierte pro 1000 Kilometer fast gegen Null, im Verbrauch zeigten sich stark fahrerabhängige Schwankungen. Für die leichten Gasfüße war es nie ein Problem, mit gut sechs Litern 100 Kilometer weit zu kommen. Doch auch neun Liter kamen vor – im Mittel über die gesamte Distanz ergaben sich acht Liter/100 km, nach heutigen Maßstäben nicht so schrecklich sparsam. Keine Motorprobleme also, wohl aber Kümmernisse mit der Schaltung. Ihre Unexaktheit veranlaßte Redakteur Thomas Fischer zu der Bemerkung, sie sei keine Schaltung, sondern eine Biegung. So mußten bei knapp 30 000 Kilometern die Schalthebelbuchsen erneuert werden, nachdem die Schaltführung zunehmend unexakter geworden war. Eine grundlegende Besserung trat nicht ein – immerhin verharrten die Eigenschaften der Corsa-Schaltung bis zum Ende des Dauertests auf diesem Niveau, ohne schlechter zu werden.
Der Verschleiß der gesamten Karosserie hielt sich in Grenzen. Die Türen zeigten schon zu Anfang ein blechernes Schließgeräusch, aber sie klangen zum Schluß auch nicht anders, noch hingen sie durch. Knarr- und Quietschgeräusche kamen – wie auch die Leserzuschriften belegen – immer wieder vor, mal aus dem Bereich der Vorderachse (km 16 580), mal von den Vordersitzlehnen (km 7291), nach rund 70 000 Kilometern ertönten Schleifgeräusche aus dem Bereich des rechten Hinterrades. Doch die Untersuchung zeigte, daß der Patient gesund war – ohne Befund.
Die Sitze trugen zum guten Gesamtkomfort entscheidend bei, Polsterung und Bezüge hielten ohne nennenswerten Verschleiß durch. Die Plastikmaterialien im Interieur konnten ihre offensichtliche Billigkeit immer weniger verbergen und blickten ihre Besatzung zunehmend verwohnter an. Mit dem Lack gab es, im Gegensatz zum Dauertest-Omega , keine Probleme. Nach einer abschließenden Grundreinigung wirkte der kleine Opel äußerlich so, als habe er das Band noch nicht allzu lange verlassen.

Daß dies doch eine ganze Zeit und vor allem viele Kilometer zurücklag, dokumentierten in erster Linie die notwendigen Wartungsarbeiten und die turnusmäßigen, auch von den Betriebsbedingungen abhängigen Bremsbelag- und Reifenwechsel. Mit einem zweimaligen Belagwechsel jeweils an den vorderen Scheibenbremsen (km 47 323 und 89 498) kam der Corsa, überwiegend zügig bewegt, über die Runden. Mit gut 200 Mark war der letzte Belagwechsel gleichzeitig die teuerste Reparatur überhaupt – ein kleiner Vorgeschmack auf das durchweg erfreulich niedrige Kostenniveau.
Der Reifenverschleiß hielt sich ebenfalls in Grenzen. Vom Fahrwerkscharakter her ist der Corsa nicht reifenempfindlich, gleichwohl stellte sich der Michelin MXT in Sachen Rundlauf, Geräusch und Komfort als überzeugende Wahl heraus.
Nach 25 000 Kilometern wies er vorne noch 4,5, hinten fünf Millimeter Restprofiltiefe auf. Der Bridgestone B 320 war vom Abrollkomfort her schlechter, in der Laufleistung kann man mit ähnlichen Ergebnissen wie beim Michelin rechnen. Mit Winterreifen (Fulda Kristall 4 und Michelin XM+S Alpin) kennt der an den Antriebsrädern gut belastete Fronttriebler selbst bei widridem Ende der Distanz entgegenmarschierte, weil die Stuttgarter Opel-Niederlassung Automobilforum vergessen hatte, den Zahnriemen zum Nockenwellenantrieb routinemäßig bei km-Stand 60 000 zu erneuern. Er hielt, wie das ganze Auto. Daß die Kostenbilanz ohne gravierende Schäden, wenn auch mit vielen kleinen Unstimmigkeiten, günstig sein würde, überraschte dann nicht weiter. Opel-Autos gelten als billig in den Werkstattkosten, wobei der im 15 000er- Rhythmus zum Service eilende Dauertestwagen dieses Bild bestätigte. Die teuerste Inspektion überhaupt war die 60 000er, mit bescheidenen 300 Mark. Da soll man nicht klagen.
DerWiederverkaufswert lag nach Ablauf des Dauertests noch bei 11 100 Mark – auch diese Summe ein neuerlicher Beweis, daß teure Extras, nachdem sie getragen sind, kaum noch einen Gegenwert erbringen. Die Gesamtkosten abzüglich Benzin, Öl und Reifen betrugen gerade 2,2 Pfennig pro Kilometer – der Dauertest- Twingo lag gut einen Pfennig darüber.
Opel der Zuverlässige? Kann man so sagen. Und Opel der Billige.

Technische Daten
Opel Corsa Swing 1.4i
Grundpreis10.793 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3729 x 1608 x 1420 mm
KofferraumvolumenVDA260 bis 650 L
Hubraum / Motor1388 cm³ / 4-Zylinder
Leistung44 kW / 60 PS (103 Nm)
Höchstgeschwindigkeit155 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h15,0 s
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