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Opel Meriva 1.8

Blaues Wunder

Opel Meriva 1.8
10 Bilder

Der Opel Meriva 1.8 interpretiert den Begriff des blauen Wunders im auto motor und sport-Dauertest auf positive Art.

06.04.2006

Ausgerechnet bei auto motor und sport-Online-Mann Holger Wittich ging der Opel Meriva offline: Eine defekte Batterie nahm den kleinen Dauertest-Van bei Kilometerstand 84.507 kurzfristig vom Netz. Wittich hatte das Glück, in der Nähe einen neuen Akku besorgen zu können, erledigte das Malheur auf eigene Faust und konnte seine Fahrt fortsetzen. Was nichts daran ändert, dass dieser Fauxpas, obwohl er noch in der Garantiezeit geschah, als Ausfall mit zehn Minuspunkten zu Buche schlägt. Ohne diesen Liegenbleiber hätte der Meriva Opel alle Ehre gemacht und sogar den Musterknaben Toyota Corolla Verso 2.0 D-4D in Sachen Zuverlässigkeit vom Thron gekippt.


Um diesen allerdings auf dem Beifahrer-Platz zu befördern, muss man – da sich der Beifahrerairbag nicht manuell deaktivieren lässt – sowohl einen Opel-Kindersitz mit Transponder kaufen, als auch bereits beim Ausfüllen des Kaufvertrages sein Kreuzchen an der richtigen Stelle machen: nämlich bei der Sitzbelegungserkennung Beifahrer (60 Euro, inklusive Isofix 80 Euro).

So aber wirft ihn die malade Batterie für 76 Euro auf Rang sechs in der klassenbezogenen auto motor und sport-Bestenliste zurück. Dabei spulte der Meriva sein Pensum bis zum Kilometerstand 82.578 mit fast uhrwerkartiger Präzision ab. Abgesehen vom Knarren des Kupplungspedals, das nach rund 33.000 Kilometern eine Schmierung verlangte, absolvierte der Meriva mit seinem 1,8-Liter-Benziner zuverlässig Nah- und Fernverkehr. Entdeckte etwa die Schönheit Apuliens, kurvte über Ischia, durch Foggia und Neapel oder zu diversen Rennstrecken. Dabei schulterte er klaglos Gepäck en masse, ganze Reifenladungen oder Fotografenausrüstungen.

FlexSpace erlaubt viele Variationen des Innenraums

Kein Wunder, denn die drei einzeln umlegbaren hinteren Sitze ermöglichen ein Ladevolumen auf Kleintransporter-Niveau, während die große Heckklappe mit niedriger Ladekante das Be- und Entladen erleichtert. Überhaupt offeriert das FlexSpace genannte Konzept eine Vielzahl von Variationsmöglichkeiten: Die äußeren Rücksitze lassen sich längs-, quer-, und neigungsverstellen, der mittlere Notplatz ist versenkbar. Zudem offeriert der Meriva voll reisetaugliche Platzverhältnisse auf den Sitzen im Fond. Praktisch für Familien mit Kind: Wer einen der hinteren Außensitze aufstellt, um dort den Kindersitz zu befestigen (Isofix-Adapter Serie), den Rest hingegen flachlegt, erhält genug Platz selbst für sperrige Jogging-Kinderwagen, Laufräder und Co. Hoch bauende Karosserie und weit öffnende Türen erleichtern das Angurten des Nachwuchses.

Um diesen allerdings auf dem Beifahrer-Platz zu befördern, muss man - da sich der Beifahrerairbag nicht manuell deaktivieren lässt - sowohl einen Opel-Kindersitz mit Transponder kaufen, als auch bereits beim Ausfüllen des Kaufvertrages sein Kreuzchen an der richtigen Stelle machen: nämlich bei der Sitzbelegungserkennung Beifahrer (60 Euro, inklusive Isofix 80 Euro). Darauf kam es beim Dauertestwagen ohnehin nicht mehr an. Die Vollausstattung inklusive Xenonlicht, Klimaautomatik, Navigationssystem und dem von Kindern geliebten DVD-Entertainment- Paket mit Bildschirm im Dachhimmel katapultierte den Grundpreis der Cosmo-Version von 16.250 Euro auf 26.330 Euro, aktuell wären es sogar über 28.000 Euro.

Sparsamer und kräftiger Motor

Dafür spielt der Meriva abseits familiärer Aufgaben aber auch den talentierten Reisewagen für Paare - oder zügige Alleinfahrer, wie Sportredakteur Gregor Messer beweist. Messer, der hin und wieder zügig zu Rennterminen eilen muss, fand für den 1,8 Liter großen, 125 PS starken Benziner lobende Worte: "Kräftiger Durchzug, gutes Ansprechverhalten, ausreichend Tempo selbst auf langen Autobahnetappen."

Im oberen Drehzahlbereich tendiert der Vierventiler zwar zur Brummigkeit, dafür schiebt er untenrum bereits so kräftig an, dass sich sogar Dieselfreunde für ihn erwärmen. Apropos Erwärmen: Benzinertypisch spricht die Heizung selbst an kalten Tagen schnell an, die Klimaautomatik hält die gewählte Temperatur winters wie sommers konstant und arbeitet zugfrei. Leistungsmäßig legte der Motor im Lauf der Testdistanz sogar noch eine Schippe nach.
Ein Indiz für seine mechanische Gesundheit, die durch den zu vernachlässigenden Ölverbrauch - Nachfüllmenge ein Liter - unterstrichen wird.

Überdies begnügt sich der Motor mit günstigem Öl für 7,40 Euro pro Liter. Ein Aspekt, der gemeinsam mit der moderaten Wechselmenge von 12,9 Litern auf 100.000 Kilometer zur erfreulichen Kostenbilanz beiträgt. Hinzu kommen neben dem ausgesprochen geringen Verschleiß an Bremsbelägen und Reifen die langen Inspektionsintervalle von rund 30.000 Kilometern, je nach Nutzung von der Intervallanzeige vorgegeben. So sah der Meriva bei Kilometer 35.838 zum ersten Mal eine Werkstatt von innen und durfte sie für 132,68 Euro wieder verlassen.
Der zweite Boxenstopp war bei 69.032 km fällig. Inspektion mit Ölwechsel, Tausch von Luft- und Kraftstofffilter sowie Zündkerzen: 283,05 Euro. Spürbar teurer (425,99 Euro) fiel der letzte Service bei Kilometerstand 102.284 aus, da hier auch Zahnriemen und Spannrolle erneuert wurden.

Drei Mal außerplanmäßig in der Werkstatt

Zwischendurch waren noch zwei außerplanmäßige Stopps nötig. Nach 82.759 Kilometern musste der defekte Klimakompressor ersetzt werden, die mit 859,33 Euro kostenintensivste Reparatur. Als Garantiefall innerhalb von zwei Jahren bleibt sie allerdings ohne Folgen für die Kostenbilanz. Rund 9.000 Kilometer später ließ sich der zweite Gang nur noch schwer einlegen, das Schaltgestänge hatte sich verdreht. Kosten des Gestänge-Tausches: 190,83 Euro.

Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch beläuft sich immerhin auf 9,2 Liter Super, was auch auf die hoch bauende Karosserie und das stattliche Leergewicht von 1.372 Kilogramm zurückzuführen ist. Bei verhaltener Fahrweise gibt sich der Meriva mit sieben Liter zufrieden, für den Maximalverbrauch von 11,8 Litern braucht es Bleifuß- Akrobaten. Die haderten mit der pessimistischen Tankanzeige, die bereits Reserve anzeigt, wenn noch nahezu zehn Liter im Tank schwappen.

Das straff abgestimmte Fahrwerk verbindet selbst bei voller Zuladung hohe Fahrsicherheit mit insgesamt zufriedenstellendem Komfort. ESP, beim Testwagen aufpreispflichtig, ist inzwischen Serie. Obwohl die Van-Karosserie dem Wind viel Angriffsfläche bietet - und wegen der konzeptbedingt breiten A-Säulen den Blick nach schräg vorn massiv erschwert -, halten sich Geräusche und Seitenwindempfindlichkeit in unauffälligen Grenzen.

Vollkommene Ruhe herrscht hingegen an der Klapperfront: Kein Knistern und kein Knarzen trübt den Qualitätseindruck der Kunststoffteile. Zwar setzt der Meriva nicht unbedingt die Spaltmaß-Benchmark, Verkleidungsteile und Oberflächen im Innenraum wirken jedoch auch nach 100.000 Kilometern noch solide und appetitlich, der Metallic-Lack glänzend.

Selbst dem Fahrersitz sind die Strapazen nicht anzumerken: Polster und Bezug geben sich am Ende noch fast so straff und unverbraucht wie am ersten Tag. Damit hat sich der Dauertest-Meriva den Titel des blauen Wunders redlich verdient.

Vor- und Nachteile

  • guter Federungskomfort
  • sicheres Fahrverhalten
  • präzises, agiles Handling
  • durchzugsstarker Motor
  • solide, klapperfreie Verarbeitung
  • angemessener Verbrauch
  • variables, leicht bedienbares Sitzkonzept
  • gutes Platzangebot
  • einfache Bedienung
  • wirksame Klimatisierung
  • helles Xenonlicht
  • lange Inspektionsintervalle
  • stark eingeschränkte Sicht nach schräg vorn (A-Säulen)
  • im oberen Drehzahlbereich brummiger Motor
  • kurze Sitzflächen vorn
  • ungenaue Tankanzeige
  • unpraktische optionale Mittelarmlehne
Technische Daten
Opel Meriva 1.8
Grundpreis18.640 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4042 x 1694 x 1624 mm
KofferraumvolumenVDA350 bis 1410 L
Hubraum / Motor1796 cm³ / 4-Zylinder
Leistung92 kW / 125 PS (165 Nm)
Höchstgeschwindigkeit190 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,3 s
Verbrauch7,9 L/100 km
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