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Opel Vectra 1.8 16V CD

Mitte mäßig

Opel Vectra 1.8

Die Qualitätskrise bei Opel ging auch am neuen Vectra nicht spurlos vorbei. Gegenüber früher zeigt sich die Opel-Mittelklasse zwar verbessert, aber der Gesamteindruck bleibt mittelmäßig.

11.12.1997 Thomas Fischer

Der Opel Vectra CD 1.8i-16V , der Mitte April 1996 zum Dauertest antrat, war nicht nur grün lackiert, sondern auch deshalb grün, weil er aus dem ersten Modelljahr stammte . Die Erfahrung lehrt, daß neu entwickelte Autos während der ersten zwölf Monate Bauzeit überdurchschnittlich häufig an Störungen leiden – auch Opel-Modelle wie der erste Astra , der Calibra oder der Omega zeigten in der Anlaufphase Kinderkrankheiten.
Der Vectra II, dessen Produktionsstart im Sommer 1995 intern als der beste in der Opel- Geschichte eingestuft wurde, macht da keine Ausnahme. Die Leserzuschriften, von denen übrigens keine einzige ohne Aufzählung schwerwiegender Mängel war, und die Dauertestbilanz untermauern das.
Bevor es aber ans Eingemachte geht, muß relativiert werden. Wie schon die Vergleichstabelle zeigt, rangiert der Dauertest-Vectra in puncto Störungsanfälligkeit in der besseren Hälfte der Statistik: nur knapp hinter dem Mercedes C 180 , sogar noch vor japanischen Konkurrenten wie dem Nissan Primera Traveller oder dem Mazda 626 – und auch ganz weit vor dem Vectra der ersten Generation, der 1990 seinen Dauerlauf beendete.

Der aktuelle Vectra blieb kein einziges Mal unterwegs liegen, seine Stufenheck-Karosserie neigte selbst nach 100 000 Kilometern nicht zum Klappern, der Metallic-Lack war kaum verblaßt, und die Sitze zeigten nach eineinhalbjähriger Beanspruchung durch mehr als 50 verschiedene Fahrer und Fahrerinnen, die mit dem Opel kreuz und quer durch Europa gereist waren, keine Abnutzungserscheinungen. Trotzdem regiert Mittelmaß die Opel-Mittelklasse. Nicht nur weil zwei außerplanmäßige längere Werkstattaufenthalte nötig waren, sondern vor allem wegen eines schwerwiegenden Getriebeschadens, permanenter Knackgeräusche in der Lenkung, eines arbeits- und kostenintensiven Austauschs des Luftverteilergehäuses der Klimaanlage sowie vieler kleiner Ärgernisse, die nicht ins Geld, aber an die Nerven gingen.
Der Dauertestwagen war erst zwei Tage im Haus, da fing es schon an. „Federn für Kofferraumdeckel-Arretierung sind zu schwach, Haube schlägt nach dem Öffnen zurück“, notierte Werner Schruf auf der Bordkarte. Dort heißt es weiter: „Fahrersitzlehne knackt, und Check-Kontrolle signalisiert nach schneller Fahrt grundlos Motorölmangel.“ Als dann wirklich Öl fehlte, jedoch im Getriebe, kam keine rechtzeitige Warnung, was Zähneknirschen zur Folge hatte. Die Innereien des Fünfgang- Schaltgetriebes – Synchronteile, Schiebemuffen, Lager und Dichtungen – mußten erneuert werden, weil sich wegen einer schlecht verlegten Dichtung zwischen Lagerschild und Getriebegehäuse das Öl nach und nach verdünnisiert hatte. Der Defekt trat bereits nach 8000 Kilometern auf und war kein Einzelfall.
Tausende von Astra-, Vectra- und Calibra-Modellen mit dem F 18-Getriebe und den Motorisierungen1.7 TDS, 1.8 16 V, 2.0 16 V und DI 16 V mußten per Rückruf in die Werkstätten beordert werden, um Leckagen oder deren Folgen zu beseitigen – allerdings erst im Januar 1997, also neun Monate nachdem die Panne beim Dauertestwagen aufgetreten war.
Ebenfalls keine schnelle Reaktion zeigte der Opel-Kundendienst beim zweiten weit verbreiteten Vectra-Phänomen: dem Lenkungsknacken. Das beim Einschlagen des Lenkrads auftretende Geräusch begleitete die Insassen ab Kilometerstand 29 845 ein ganzes Jahr, ohne daß die Werkstatt Abhilfe schaffen konnte. Mehrfache Reparaturversuche etwa das Nachziehen der Lenkspindelverschraubung oder der Austausch der Lenkungskupplung brachten keine dauerhafte Besserung. Erst als Opel im Juli 1997 eine konstruktive Änderung am Kreuzgelenk durchführte und ein entsprechendes Ersatzteil zur Verfügung stand, kehrte Ruhe ein. Aber da war der Dauertest schon fast gelaufen (Kilometerstand 89 814).

Da alle Reparaturen und auch alle fruchtlosen Versuche über Garantie- beziehungsweise Kulanzfälle abgewickelt wurden, fielen keine Kosten an. Allein das Beheben der Lenkungsprobleme hätte sonst 740 Mark gekostet. Für das Großreinemachen im Getriebe wären 1415 Mark fällig gewesen. Noch kostspieliger (3825 Mark) wäre nach Ablauf der Garantiezeit – wer fährt schon 38 000 Kilometer im Jahr – der Austausch des Luftverteilerkastens der Klimaanlage (totaler Ausfall der Windschutzscheiben-Defrostung) gekommen. Schließlich muß dafür das komplette Armaturenbrett demontiert und anschließend wieder zusammengebaut werden, was schon den Arbeitslohn in astronomische Höhen schraubt.
Für einen Vectra, der im Falle des Testwagens in CD-Ausstattung plus Extras wie Klimaautomatik, Tempomat, Leichtmetallräder mit Niederquerschnittreifen (195/65-15), Metallic-Lackierung und Schiebedach einen Neuwert von 45 970 Mark repräsentiert – am Ende blieb ein Wiederverkaufspreis von geschätzten 22 400 Mark –, keine stolze Bilanz. Zudem ärgerten einige schon seit Jahren bei Opel zu beobachtende Unzulänglichkeiten noch zusätzlich.
Daß die Clipse der Fußmatten schon nach kurzer Zeit ausreißen, kennen wir bereits vom Omega. Probleme mit der Zentralverriegelung, die nicht mehr alle Türen öffnen wollte, sind ebenfalls seit Jahren bekannt – diesmal war der Sender der Fernbedienung schuld. Daß die Check-Kontrolle per Monitor durch häufige Fehlmeldungen (Ölstand, Datum, Waschwasser, Außentemperatur, Uhrzeit) die Besatzung verrückt macht, und die Tankuhr gelegentlich spinnt, ist alles wohlbekannt. Und daß ein Dachhaltegriff bei Benutzung aus der Verankerung reißt, ist auch keine Seltenheit bei Opel. Bleibt wieder einmal die Frage: Wann wird Opel diese leidigen Probleme endlich abstellen? Die neue Parole lautet: Beim neuen Astra wird im Frühjahr 1998 alles gut.
Zum letzten Schliff fehlt dem Vectra wirklich ein deutlicher Qualitätsfortschritt, ansonsten sind die Anlagen, die der Mittelklasse-Opel mitbringt, blitzsauber. Überzeugend vor allem das sogenannte Package, das die Relation zwischen Außen- und Innenabmessungen vorgibt. Die mit 4,48 Meter noch recht kompakte und übersichtliche Stufenheck-Karosserie bietet einen 500 Liter großen und variablen Kofferraum sowie im Innenraum genügend Bewegungsfreiheit für vier Personen. Auf der Rückbank wird es für drei Erwachsene wie in den meisten anderen Autos allerdings eng. Die Sitze sind bequem, aber mit einem schweißtreibenden Polsterstoff bezogen. Der Fahrer thront ein wenig zu hoch, selbst in der untersten Stufe der Sitzhöhenverstellung. Weitere Korrekturmöglichkeiten an der Sitzposition gibt es nicht, da sich das Lenkrad weder axial noch vertikal verstellen läßt.
Trotzdem fährt sich der frontgetriebene Vectra sehr handlich, mit geringen Bedienkräften und einem sehr geschmeidigen Federungskomfort, der auch durch hohe Zuladung von fast 500 Kilogramm kaum beeinträchtigt wird. Abgerundet werden die sympathischen Fahreigenschaften von einem fast neutralen Kurvenverhalten ohne tückische Lastwechselreaktionen und den standfesten Bremsen.

Sehr manierlich auch der Motor, ein 1,8 Liter-Vierzylinder mit Vierventiltechnik und 115 PS, der sich bis auf leichte Vibrationen vom Auspuff bei etwa 2800/min laufruhig verhält und auch im Benzinverbrauch Zurückhaltung übt. Der Durchschnittsverbrauch betrug 9,1 Liter/100 km – wer es gemütlich angehen ließ, kam auch mit sechs bis acht Litern über die Runden. Das bedeutet einen respektablen Aktionsradius von 600 bis 700 Kilometern. Die Fahrleistungen des Vectra 1.8 sind vom Gefühl her zwar nicht berauschend – vor allem der lang übersetzte fünfte Gang des etwas teigig zu schaltenden Getriebes und das schwergängige Gaspedal dämpfen das Temperament –, aber absolut betrachtet doch wacker: von null auf 100 km/h in 10,3 Sekunden, 205 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die Meßwerte verbesserten sich mit zunehmender Kilometerleistung sogar noch.
Allerdings neigte der Vierventiler im Lauf des Dauertests zu immer höherem Ölkonsum. Immer öfter mußten zwischen den vorgeschriebenen Ölwechseln (alle 15 000 Kilometer) 0,5 oder ein Liter Motoröl nachgefüllt werden, vor allem, wenn die Maschine auf schnellen Autobahnetappen gefordert wurde. Am Ende summierte sich das Nachfüllen auf einen Gesamtkonsum von 0,125 L/1000 km. Ein Achtelliter mag zwar immer noch sehr wenig erscheinen, aber es gibt heutzutage auch Motoren, bei denen überhaupt kein Ölverbrauch mehr feststellbar ist.
Die Betriebskosten hat der Ölkonsum allerdings nicht dramatisch nach oben getrieben – ebensowenig wie die Wartungskosten, die nach guter Opel -Sitte am unteren Ende der üblichen Skala (knapp 200 Mark für einen kleinen Service, rund 400 für eine große Inspektion) liegen. Allerdings kommen beim 60 000 km-Kundendienst noch 240 Mark für den vorgeschriebenen Austausch des Zahnriemens hinzu.
Auch mit Verschleißteilen ging der Vectra sparsam um: Die Bremsscheiben vorn hielten 100 000 Kilometer, die Beläge waren insgesamt dreimal fällig (einmal vorzeitig wegen Verölung durch das Getriebeleck getauscht). Ein Satz Sommerreifen (Pirelli P 6000) hielt knapp 50 000 Kilometer; der danach aufgezogene Pneumant PN 550 mißfiel durch schlechten Rundlauf und aufdringliche Abrollgeräusche, die an alte Winterreifen erinnerten. Der Pneumant-Pneu war jedenfalls lauter als der moderne Conti TS 760 Winter, der unter allen Witterungsbedingungen nie Grund zu Klagen gab. Wäre der Vectra doch nur auch immer so rund gelaufen.

Technische Daten
Opel Vectra 1.8 16V
Grundpreis20.477 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4477 x 1707 x 1428 mm
KofferraumvolumenVDA500 bis 790 L
Hubraum / Motor1799 cm³ / 4-Zylinder
Leistung85 kW / 115 PS (170 Nm)
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h12,5 s
Verbrauch9,1 L/100 km
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