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Opel Vectra 2.2 16V

Mittlerer Dienst

Foto: Foto: Beate Jeske 4 Bilder

Das Image von Opel ist derzeit angeschlagen. Gelingt es der Vectra Limousine im Dauertest über 100.000 Kilometer, das Bild der Marke wieder in ein besseres Licht zu rücken?

12.02.2005 Hermann-Josef Stappen

eim Stichwort Opel denkt man in diesen Tagen weniger an Autos, sondern in erster Linie an Lohnkürzungen, an Massenentlassungen und an Werksschließungen. Nicht von der Diskussion verschont bleibt auch das Stammwerk in Rüsselsheim, in dem das derzeitige Opel-Flaggschiff, der Vectra, gebaut wird.
Von dessen Bändern lief Anfang 2003 auch jener Stufenheck- Vectra in elegantem Prestigeblau, der am 28. Februar 2003 seinen Dienst als Dauertestwagen in der auto motor und sport-Redaktion antrat. Zum Grundpreis von 24 100 Euro für den Viertürer mit 147 PS starkem 2,2-Liter-Benziner in der Elegance-Ausführung addierte sich Zusatzausstattung im Wert von 8640 Euro.
Darunter große Posten wie die Lederausstattung für 1800 Euro und das Radio-Navigation- Telefon-System für 2575 Euro (siehe Seite 54). Als lohnenswerte Investitionen haben sich im Laufe der 100 000 Kilometer auch die 900 Euro für das sehr gute Xenonlicht und der Aufpreis von 305 Euro für die Klimaautomatik an Stelle der serienmäßigen manuellen Klimaanlage erwiesen. Einmal eingestellt, sorgt sie für ein konstantes Wohlfühl-Ambiente ohne Temperatur-Schwankungen und störende Zugluft.

Viel Kritik gibt es hingegen für die Betätigung des Blinkers. Eigentlich soll die Mimik den Bedienkomfort verbessern: Leichtes Antippen zum dreimaligen Blinken beim Spurwechsel, den Hebel über den Druckpunkt hinausdrücken für Dauerblinklicht. Doch grau ist alle Theorie.
Bereits der Kraftaufwand für die erste Stufe ist so hoch, dass man ungewollt die zweite Stufe zündet. Beim Versuch, den Blinker wieder auszuschalten, blinkt man dann zur anderen Seite – und so weiter. Erst als die komplette Schaltereinheit wegen eines defekten Zündschlosses ausgetauscht wurde, stellte sich als willkommener Nebeneffekt eine leichte Besserung ein. Denn die Schalter wurden zwischenzeitlich in der Serie modifiziert und verfügen nun über klarer definierte Druckpunkte. Wie ein roter Faden ziehen sich Bemerkungen über die teils unlogische, teils unpraktische Bedienung durch die Bordkarten. Das gilt auch für den Wischerhebel und den Tempomat oben im Blinkerhebel, der nur mit spitzen Fingern treffsicher zu aktivieren ist. Und beim Versuch, die Spiegel einzustellen, klappen beide an.
Die Spiegelverstellung ist zudem in einem Monstrum von Schalterblock in der Fahrertür untergebracht, der mit Funktionen vollkommen überfrachtet ist. Und welchen Sinn soll es machen, erst mit einem Schiebeschalter wählen zu müssen, ob man mit den beiden Fensterheber- Schaltern die vorderen oder hinteren Fensterheber betätigen möchte, anstatt gleich extra Schalter für vorne und hinten zu installieren? Hier drängt sich der Verdacht auf, dass Opel beim Vectra einfach nur anders sein wollte.
Für viel Verdruss sorgt auch die Zentralverriegelung, die auf einmaligen Druck nur die Fahrertür öffnet. Außerdem muss der Kofferraum ebenfalls separat entriegelt werden. Bei den Modellen ab Anfang 2004 kann der Fahrer die Zentralverriegelung jedoch selbst leicht auf Ein-Klick-Bedienung umprogrammieren. Doch jetzt genug genörgelt, kommen wir zu den positiven Seiten des Vectra. In der Redaktion gilt die Limousine als angenehmer Reisewagen, denn die Kombination aus einem laufruhigen Motor, geräumiger Karosserie und insgesamt gutem Federungskomfort überzeugt besonders auf langen Strecken. Dazu kommt der bequeme Einstieg in den Fond dank großer Türausschnitte, der heute bei vielen Limousinen nicht mehr selbstverständlich ist. Wenn auch die sehr konservative Gestaltung der Karosserie kein Highlight darstellt, hier zeigen sich deren Vorteile. Auch an Kopffreiheit mangelt es in der zweiten Reihe nicht. Für zwei Personen ist zudem die Breite üppig bemessen, zu dritt wird es etwas enger. Allerdings könnte der Knieraum großzügiger sein.

Einschränkungen bezüglich des Komforts gibt es aber wegen des wenig geschmeidigen Abrollens auf rauen Straßenbelägen und des poltrigen Ansprechens auf kurzen Unebenheiten. Dadurch entsteht der Eindruck von übertriebener Härte, obwohl das Schluckvermögen der Federung in weiten Bereichen sehr ordentlich ist. Allenfalls noch auf sehr langen Wellen auf der Autobahn erscheint die Dämpfung etwas zu lasch, was zu unangenehmen Vertikalbewegungen führt. Bis zum Schluss nicht dauerhaft behoben werden konnten die Knarzgeräusche bei starkem Ein- und Ausfedern, etwa beim Überrollen von Fahrbahnschwellen vor Tempo-30- Zonen.
Ohne akustische Auffälligkeiten verrichtet indes der Motor seinen Dienst. Über den gesamten Drehzahlbereich läuft der Vierzylinder kultiviert und ohne zu brummen. Er entfaltet seine Leistung gleichmäßig und unaufgeregt. Dabei bietet er objektiv betrachtet durchaus temperamentvolle Fahrleistungen, die bei der Abschlussmessung sogar noch besser waren als zu Dauertest-Beginn. Unterstützt wird das Triebwerk von einem passend abgestuften Fünfgang- Getriebe.

Angesichts der gebotenen Fahrleistungen ist der Durchschnittsverbrauch mit 10,6 Liter je 100 Kilometer akzeptabel. Allerdings ist die Spanne recht groß und stark vom Gasfuß abhängig. Zwischen rund siebeneinhalb bei gemütlichem Dahingleiten und knapp 15 Liter Super bei hohem Dauertempo genehmigt sich der 2,2-Liter mit Saugrohreinspritzung. Zumindest auf den Motor trifft der aus den fünfziger Jahren stammende Slogan „Opel – der Zuverlässige“ voll zu. Für das Chassis gilt er nur eingeschränkt. Zwei der vier außerplanmäßigen Werkstattaufenthalte entfallen auf diesen Bereich: das defekte Radlager und der undichte Stoßdämpfer. Beide Mängel wurden auf Garantie behoben, die bei Opel noch eine echte Zwei-Jahres-Garantie ist. Da die Fehler aber erst jenseits der 80 000-Kilometer- Marke aufgetreten sind, wären Normalfahrer ohne hohe jährliche Kilometerleistung für die Reparaturen wohl zur Kasse gebeten worden.
So aber steht der Vectra bei den Betriebskosten recht gut da. Lange Wartungsintervalle, niedrige Inspektionskosten ohne teure Spezialöle und der geringe Reifenverschleiß schonen den Geldbeutel. Nur der hohe Wertverlust verhagelt die Bilanz am Ende.
Apropos Reifen: Als gute Wahl erwies sich der zweite Sommerreifensatz vom Typ Nokian NRVi. Die finnischen Pneus bieten gute Allroundeigenschaften und hohe Laufleistung zu einem günstigen Preis. Und wie steht es um die Langzeit-Qualität im Innenraum? Durchwachsen. Nichts klappert oder knarzt, und auch die Sitzpolster zeigen keine Anzeichen von Ermüdung. Aber am Türgriff blättert der Softlack ab, die Fußmatten sind lose, weil die Befestigungen ausgerissen sind, und der Lederbezug der Fahrersitz-Rückenlehne löst sich immer wieder unten am Sitzgestell.
Ähnlich zwiespältig fällt das Fazit aus. Der Vectra ist zwar im Grunde ein solides Auto, vom Qualitätsniveau und der Anmutung eines Audi ist er aber noch weit entfernt. Auch in puncto Zuverlässigkeit rangiert die Limousine aus Rüsselsheim nur im Mittelfeld.
Gelegenheit zu Verbesserungen bietet das Vectra-Facelift im kommenden Herbst. Bleibt zu hoffen, dass man sich bei Opel dann wieder voll auf die Autos konzentrieren kann, um auch die vielen kleinen, aber ärgerlichen Bedienmängel endlich auszuräumen 

Vor- und Nachteile

  • Gutes Platzangebot
  • Sichere Fahreigenschaften
  • Laufruhiger Vierzylinder
  • Geringe Windgeräusche
  • Solide Karosserie
  • Großer Kofferraum
  • Gut abgestuftes Getriebe
  • Überwiegend gute Verarbeitung
  • Gutes Handling
  • Günstige Inspektionskosten
  • Gute Fahrleistungen
  • Hoher Klimakomfort
  • Mängel bei der Bedienung
  • Wenig Ablagemöglichkeiten
  • Hoher Wertverlust
  • Eingeschränkter Federungskomfort auf kurzen Wellen
  • Geringe Reichweite
  • Raues Abrollverhalten
Technische Daten
Opel Vectra 2.2
Grundpreis24.545 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4596 x 1798 x 1460 mm
KofferraumvolumenVDA500 L
Hubraum / Motor2198 cm³ / 4-Zylinder
Leistung108 kW / 147 PS (203 Nm)
Höchstgeschwindigkeit216 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,2 s
Verbrauch8,6 L/100 km
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