Opel Zafira 1.8 17 Bilder Zoom

Opel Zafira 1.8 16V: Sieben in einem Reich

Über 100 000 Kilometer musste der Opel Zafira 1.8 16 V beweisen, ob er mehr zu bieten hat als ein pfiffiges Raumkonzept. Bei Modellen der Marke Opel steht nach schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit besonders die Qualität auf dem Prüfstand.

Die heile Welt unter deutschen Dächern ist selten geworden. Doch im Opel Zafira existiert noch eine Familienidylle, von der nicht einmal mehr die Kirchen zu träumen wagen: Fast alle Besitzer des geräumigen Kompaktvans sind verheiratet, mehr als die Hälfte davon hat mindestens zwei Kinder. Der Zafira , ein Synonym für jene geordneten Verhältnisse also, die auch im Innenraum des Familientransporters herrschen: Auf der verlängerten Astra-Plattform finden hier dank einem ausgeklügelten Sitzsystem bis zu sieben Personen Platz.

Der Erfolg gibt der Idee Recht: Seit der Markteinführung 1999 wurden vom Zafira über 500 000 Einheiten (Westeuropa) abgesetzt, allein im Jahr 2000 wurden über 200 000 Modelle verkauft. Und die Konkurrenz? Die sieht alt aus. Während der Opel bereits am 4. April 2000 zum 100 000-Kilometer-Dauertest in die Redaktion rollte, werden bei Ford und VW bis heute noch gar keine Bestellungen angenommen. Der siebensitzige Golf Minivan lässt bis Ende 2002 auf sich warten, der vergleichbare Focus bis 2003. Den Ford gibt es jedoch nur als Fünfsitzer, weil man dort nach langer und reiflicher Überlegung der Meinung ist, dass dem Kunden diese Sitzkonfiguration genügen würde.

Dabei ist es gerade das Flex7 genannte Sitzkonzept, das Zafira-Fahrer neben dem Design als wichtigsten Kaufgrund angeben. Mehr als die Hälfte von ihnen nutzt die dritte Sitzreihe schließlich mehrmals im Monat zum Transport von Kindern und auch Erwachsenen.

Dass groß gewachsene Erdenbürger keine Angst davor haben müssen, in der letzten Reihe Platz zu nehmen, hat der 100 000-Kilometer- Test mit dem Zafira 1.8 16 V nachhaltig bewiesen. Keiner hat die Flucht nach vorne angetreten, keiner hat vom Fahrer das Ende der Dienstreise gefordert, und niemand musste sich mit Anfällen von akuter Klaustrophobie auseinander setzen.

Ein Grund dafür ist sicher auch, dass die Reise von Stuttgart nach Berlin, Südfrankreich oder Italien nie mit sieben Personen angetreten wurde. Wenn die volle Kapazität ausgenutzt wurde, dann ging es meist übers Wochenende in den Schwarzwald oder auf die Schwäbische Alb, und bei solchen Touren hält es selbst ein 1,80-Meter-Mann hinten aus. Wenn die zwei hinteren Sitze im Wagenboden versenkt werden, dann wird aus dem 150-Liter-Kofferraum im Minibar-Format ein respektables Gepäckabteil, das auf 600 Liter Volumen Raum lässt für große Gemälde, die Grafiker Matthias Blank von der Provence nach Deutschland transportierte, oder für all die Lichtschranken, Kabeltrommeln und Rallye-Schilder, die Redakteur Peter Göbel zur Silvretta-Klassik in die österreichischen Alpen mitnahm.

Der Zafira ist für jede Schandtat zu haben, doch der Einsatz hat seinen Preis: Die Kunststoffmaterialien speziell im Bereich des Kofferraumes, aber auch rund um Zündschloss und Türinnenverkleidung sind zum Teil völlig zerkratzt - ein Phänomen, das auch manche Leser beklagen. Zusammen mit der billig wirkenden, schlecht zu arretierenden Gepäckraumabdeckung, die bisweilen sogar während der Fahrt aus der Verankerung schnalzte, ergibt sich hier ein trauriges Bild. Doch das gilt längst nicht in jeder Hinsicht für den Zafira.

Unter qualitativen Aspekten hat Opel hier nach dem Durchhänger Mitte der neunziger Jahre zweifellos einen großen Schritt nach vorne gemacht. Bis auf die beschriebenen Punkte steht der Zafira nach 100 000 Kilometern immer noch gut da, mit zufrieden stellender Lackqualität, nicht eben hochwertigen, aber immerhin soliden Materialien im Cockpit und nach wie vor bequemen Sitzen, die keinen Verschleiß aufweisen. Manchem Langstreckenpiloten war nur die Sitzfläche etwas zu hart gepolstert.

Wer nach Ende des Dauertests durch die Bordprotokolle blättert, der findet viel Lob für die agilen Fahreigenschaften, die gute Sitzposition, die präzise Lenkung und den ordentlichen Federungskomfort. Es gibt aber keinen einzigen Hinweis auf Motor- oder Getriebeprobleme oder sogar Totalausfälle. Der Zafira absolvierte den Langstrecken-Marathon mit Bravour, ohne ein einziges Mal liegen zu bleiben und mit gerade mal zwei außerplanmäßigen Werkstattaufenthalten. Ein so gutes Ergebnis hat es - speziell bei Produkten aus dem Hause Opel - schon lange nicht mehr gegeben.

Dabei notiert Redakteur Hermann-Josef Stappen bereits 50 Kilometer nach Dauertest- Start die erste Störung: „Motorkontrollleuchte ist ständig an.“ Schon in der ersten Nacht, die der Zafira in Händen der Redaktion verbrachte, hat sich ein Marder über den Motorraum hergemacht und in ein Kabel am Luftmassenmesser gebissen. Ein Defekt, der schnell zu beheben war.

Die zeitweise aufleuchtende Warnlampe für den Ölstand war hingegen längst nicht so leicht zu beruhigen. Zwei Mal wurde der entsprechende Sensor ausgetauscht, jedes Mal ohne nachhaltigen Erfolg. Der Grund: Das Bauteil ist nicht kaputt, es ist einfach viel zu sensibel ausgelegt und verursacht deshalb unnötige Warnmeldungen. Die zwei außerplanmäßigen Werkstattaufenthalte gehen auf das Konto von Undichtigkeiten im Bereich der Auspuffanlage, die durch neue Dichtungen und - in einem Fall - durch einen neuen Abgaskrümmer behoben wurden.

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Der alte wies bei Kilometer 83 184 leichte Risse auf und wurde etwas später - der Händler hatte nicht sofort das Ersatzteil parat - gegen knapp 500 Mark Eigenanteil (192 Mark übernahm der Händler im Zuge der Kulanz) durch einen neuen ersetzt. Damit ist die Liste der Störungen weitgehend abgearbeitet - sieht man einmal davon ab, dass drei Mal das Abblendlicht nicht mehr funktionierte, und im Zuge der großen 60 000-Kilometer-Inspektion Schalthebelgestänge und Sitzschienen gefettet sowie die Bezüge der Sitze befestigt werden mussten.

Punktabzug unter Qualitätsaspekten gibt es auch noch für die Armlehne des Fahrersitzes, die zum einen sowieso immer im Weg ist, wenn man schalten will, und zum anderen irgendwann kopfüber herunterbaumelte. 222 Mark kostete der Austausch dieses Extras, auf das man am besten ganz verzichten sollte, das aber Bestandteil des ansonsten empfehlenswerten Comfort-Paketes ist.

Schließlich gibt es hier für rund 3000 Mark Aufpreis sinnvolle Extras wie Dachreling, elektrische Fensterheber vorn, eine Laderaumabdeckung, die höhen- und längseinstellbare Lenksäule sowie Sitze mit einstellbarer Lendenwirbelstütze. Außerdem ist ein zusätzliches Ablagefach unter dem Beifahrersitz dabei, das angesichts der schmalen Türablagen und des kleinen Handschuhfachs dazu beiträgt, Ordnung zu halten. Für Vortrieb sorgte im Dauertest-Zafira der 115 PS starke 1,8-Liter-Vierventiler, dessen Leistung mittlerweile auf 125 PS angehoben wurde - ein drehfreudiges Triebwerk mit guter Elastizität, das aber bei hohen Drehzahlen laut wird und beim Anfahren auch wegen der schwer zu dosierenden Kupplung zum Ruckeln neigt.

Die Motor-Getriebe-Einheit kann auch deshalb nicht ganz überzeugen, weil die Schaltung schwergängig ist und lange Wege aufweist. Dafür zeigt sich der Zafira vergleichsweise sparsam: Der 1,8-Liter begnügt sich mit weniger als zehn Liter pro 100 km. In Verbindung mit dem 58- Liter-Tank ergibt sich so eine absolut reisetaugliche Reichweite von fast 600 Kilometer.

Wer sich für ein Leben mit dem Opel entscheidet, kann sich generell auf akzeptable Unterhaltskosten einstellen. Die Inspektionen sind mit Preisen zwischen 200 und 547 Mark günstig, die Kosten für Ersatzteile liegen im Rahmen des Üblichen. Da der Zafira darüber hinaus bei Bremsen und Reifen nur geringen Verschlei ß zeigt, und kaum Öl verbraucht, ergibt sich ein günstiger Kilometerpreis.

Der erste Satz Reifen (Michelin Energy) brachte es auf eine Laufleistung von fast 50 000 Kilometer. Er wurde im Winter durch den Nokian Hakkapeliitta ersetzt, der den Abroll- und Federungskomfort des generell etwas querfugenempfindlichen Zafira allerdings deutlich einschränkte.

Traktionsprobleme in engen Kehren und bei Nässe weist der Zafira jedoch mit Sommer- wie Winterreifen auf. Nach Ende des strapaziösen 100 000-Kilometerlaufs wartete noch der Prüfstand des TÜV auf den Zafira, um die Abgaswerte zu überpüfen. Bei diesen besonders aufwendigen Untersuchungen wies der Zafira stark erhöhte Stickoxid- (NOX-)Werte auf, die vermutlich durch einen mit normalen Werkstattmitteln nicht feststellbaren Fehler im Abgasrückführungssystem ausgelöst wurden. Bei einer Kontrolle in der Werkstatt konnte kein Defekt festgestellt werden.

Insgesamt also keine ganz makellose Bilanz, aber die Erkenntnis, dass Opel auf dem richtigen Weg ist. Dafür spricht auch der erste Platz im auto motor und sport-Mängelindex vor Renault Espace , Chrysler Voyager , Mercedes V-Klasse und den VW -Produkten Sharan und Caravelle. Der hohe Wertverlust belegt aber, dass die Kundschaft dem Frieden noch nicht recht traut, und so hat Opel-Qualitätschef Reinald Hoben durchaus Recht, wenn er sagt: „Wir sind besser als unser Ruf.“ 

Birgit Priemer

Datum

1. Januar 2002
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