Opel Zafira 1.8: You flexy thing: Zweite Generation des Zafira

Mit bewährtem Siebensitzkonzept, aber gesteigerter Dynamik versucht der Opel Zafira 1.8 seinen erfolgreichen Vorgänger im Dauertest zu toppen. Der parkt auf Platz eins der klassenbezogenen Mängelindex-Charts.

Die erste Generation des Opel Zafira hatte es noch leicht - beackerte sie doch das Feld der Siebensitz-Kompaktvans ohne nennenswerte Konkurrenz. Im Gegensatz zu Nummer zwei mit bislang 670.000 Exemplaren - unter anderem bei auto motor und sport im Dauertest. Zwei Jahre wühlte sich ein 140 PS starker 1.8 Cosmo durch den Stuttgarter Stadtverkehr, erduldete Pendeleinsätze ins Umland oder trug Redakteure und Fotografen samt Material zu fernen Einsatzorten.

Ob es ins Opel-Feindesland Wolfsburg, zum Ferrari-Nabel Maranello oder an die Gestade von Rab und Castiglione del Lago ging - der Opel kehrte von seinen 100.080 Kilometern stets zuverlässig zurück. Womit er auf Platz eins der klassenbezogenen Mängelindex-Charts parkt - vor Toyota-Musterknabe Corolla Verso sowie dem Vorgänger Zafira A 1.8 16 V, vor sechs Jahren ebenfalls Spitzenreiter. Sollte der alte Werbespruch doch noch stimmen und sollten die Älteren von uns ihre "Opel der Zuverlässige"-Aufkleber wieder rauskramen? Im Prinzip schon, wenn nicht ein paar Kleinigkeiten der weißen Weste des in Metro-Metallic lackierten Kompaktvans einen Graustich verpassten.

Nur ein paar kleinere Mängel

Für den Marderschaden mit anschließendem Tausch der Lambdasonde kann er nichts, im Gegensatz zum Knarren in der Lenkung bei Kilometer 31.000, dem man durch Schmieren der Lenksäule beikommt. Rund 30.000 Kilometer später wird die Steckverbindung der hin und wieder schwächelnden Hupe im Rahmen der Inspektion nachgearbeitet. Kurz danach beginnt die Klimaanlage asthmatisch zu pfeifen, was eine Dichtheitsprüfung plus Ergänzung von Kühlmittel nach sich zieht. Dann ist Ruhe, bis die Chose bei Kilometer 82.500 von neuem losgeht und sich bis zum Ende des Tests hält.

Die Opel-Werkstatt prüft das Problem, ohne jedoch fündig zu werden. Dafür ersetzt man bei dieser Gelegenheit eine defekte Funktionstaste am Lenkrad. Beides Probleme, die auch in Kundenhand auftreten, wie Leserzuschriften und Foren-Einträge zeigen. Im Gegensatz zum Dauertest-Exemplar blieb es bei Kundenautos nicht bei einer Prüfung, hier musste ein neuer Klimakompressor her. So reichen die Urteile der Zafira-Fahrer von "Toll, würde ich sofort wieder nehmen" bis "würde ich nie wieder kaufen, Entschuldigung VW".Wären alle Zafira so zuverlässig wie das Dauertest-Exemplar von auto motor und sport, sähe die Sache wohl anders aus. Zumal Platzangebot und Variabilität grundsätzlich überzeugen. Etwa das Flex-7-Sitzkonzept, das Opel unverändert aus dem rund 1,4 Millionen Mal verkauften Vorgänger übernahm.

Im Gegensatz etwa zum VW Touran lassen sich seine Möbel nicht ausbauen, sondern lediglich klappen, falten und verschieben. Damit erspart man sich zwar Plackerei und herumstehendes Auto-Mobiliar in Garage und Keller, verschenkt aber Variabilitäts-Spielraum und ein Tick Ladevolumen. Mit Einschränkungen müssen auch die Passagiere der Plätze sechs und sieben leben. Zwar falten sich die Sitze ruckzuck aus dem Wagenboden und wieder zurück, doch bereits mittelgroße Gäste hoffen, das ihre Fahrt schnell beendet sein möge. Auf der verschiebbaren, lehnenverstellbaren Bank in Reihe zwei lassen sich längere Reisen dagegen problemlos überstehen, so der Tenor von Redakteuren wie Leserzuschriften.

Kindersitze nicht ganz unproblematisch

Der Transport von Kindern gestaltet sich schon schwieriger: Um die Rückbank zu verschieben, müssen jedesmal die Kindersitze demontiert werden. Und auf der Beifahrerseite setzt Opel statt auf eine Deaktivierung des Airbags mit Schloss oder Schalter auf eine Lösung per Sitzbelegungserkennung und Transponder. Das ist nicht nur aufpreispflichtig, sondern verlangt auch einen speziellen Opel-Kindersitz. Blöd, wenn man bereits ein anderes Modell besitzt oder einen Gebraucht-Zafira ohne Sitzbelegungserkennung kauft. Umrüstung? Unmöglich oder illegal.

Zwiespältig fällt auch das Urteil über die Vordersitze aus: Die einen loben sie als angenehm straff und langstreckentauglich, andere empfinden sie als hart, unbequem, mit zu kurzen Sitzflächen. Fakt ist, dass die Möbel wie der Rest der Interieurs kaum unter der 100.000-Kilometer-Strapaze litten. Ein gewisser Grauschleier gehört bei Opel scheinbar dazu, aber dafür sieht alles nach zwei Jahren noch so aus wie zu Beginn. Oberflächen, Schalter und Regler greifen sich satt, drehen solide, rasten definiert.

Bis auf abgelatschte Pedale und einige Kratzwunden an den Kunststoffverkleidungen zeigt der Kompaktvan kaum Abnutzung, verkneift sich Zirp- oder Klappergeräusche. Auch sein Wertverlust hält sich mit 47 Prozent im Rahmen: Von 31.140 Euro für den Cosmo mit großem Navigationssystem, Xenon mit Kurvenlicht sowie 17- Zoll-Rädern sind nach zwei Jahren noch 16.450 Euro zu erwarten. Viel beständiger ist sein Temperament.

Zafira: Solide und zuverlässig

Der 140 PS starke 1,8-Liter-Benziner - mit einem Drittel Verkaufsanteil beliebteste Zafira-Motorisierung - gönnt sich eine spürbare Anfahrschwäche sowie leicht verzögertes Ansprechverhalten, verzichtet auf stämmiges Durchziehen wie auf gieriges Ausdrehen. Durch seine gleichmäßige, kultivierte Art erzieht er aber selbst Heißsporne zu Cruisern. Mit positiven Folgen für den Verbrauch, der im Schnitt 9,6 Liter/100 km beträgt. Wer will, kann durchaus mit weniger als sieben Litern auskommen. Und das trotz der relativ kurzen Übersetzung des exakt schaltbaren Fünfganggetriebes, das auf der Autobahn für ein erhöhtes Drehzahl- und Innengeräusch-Niveau sorgt. Was den Reisequalitäten des Zafira kaum schadet.

Wohl auch, weil die sichtbehindernden A-Säulen auf der Autobahn weniger stören als im Stadtverkehr. Dort nervt zudem der Parkpiepser, der nach vorn warnt, obwohl der Wagen bereits zurücksetzt. Als Entschädigung hält der auf der Astra-Plattform basierende Zafira Straßenunebenheiten talentiert von den Passagieren fern. Auch das Handling und die homogene, ausreichend präzise Lenkung kann - nach Van-Maßstäben - überzeugen. Und die zeitweise schwer dosierbare, bissige Bremse zeigt sich nach dem turnusmäßigen Wechsel von Scheiben und Belägen bei Kilometer 91.020 weitgehend kuriert. Damit erweist sich der Opel Zafira im Dauertest nicht nur als solide und zuverlässig, sondern durch moderate Inspektionskosten sowie den sparsamen Umgang mit Verschleißteilen und Reifen als budgetschonend. Wenn das kein Grund ist, wieder die Opel-Fahne rauszuhängen.

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Jörn Thomas

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