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Peugeot 206 1.4 Style

Unterwegs mit einem großen Kleinen

Peugeot 206 1.4 Style

Er lernt die Welt kennen im Verlauf der 100 000-Dauertest-Kilometer, ist in Monza und Le Mans, in Nizza und Amsterdam, in La Spezia und Mülheim an der Ruhr. Und die Redaktion lernt ihn ausgiebig kennen, den Peugeot 206.

02.12.2001 Klaus Westrup

Peugeot ist froh an ihm. Der 206 ist der Renner im Verkaufsprogramm, er erreicht allein auf dem deutschen Markt fast 33 000 Verkäufe von Januar bis August. In der Kleinwagen-Verkaufsstatistik hält der späte Nachfolger des nicht minder erfolgreichen 205 den vierten Rang hinter Corsa, Polo und Punto. Es ist nicht nur das Aussehen, das offensichtlich ankommt, sondern auch das Format. Der 206 gehört zu der sich vermehrenden Gruppe erwachsener Kleinwagen, mit der Autos der größeren Golf-Klasse meist ohne große Abstriche substituiert werden können. Auch der Dauerläufer, der seine 100 000 Kilometer im Verlauf von gut zwei Jahren sammelt, zeigt das.
Im Fahrtenbuch der Style-Version, die mit Glasschiebedach und Navigationsgerät zu Beginn des Dauertests 32 000 Mark kostet, findet sich kein einziger Hinweis auf Raumnöte. Mit dem, was die Peugeot-Techniker bei dem kompakten Längenmaß von 3,82 Metern hingekriegt haben, kann man leben, eingeschlossen das nicht gerade üppige, allerdings ausreichende Kofferraumvolumen von 249 Litern.
Mehr Auto wird selten gebraucht, aber man hätte nichts dagegen, wenn manches ein bisschen freundlicher und perfekter gelöst worden wäre. Die Innenanmutung zum Beispiel, die unnötig billig wirkt, oder die Sitzposition am Lenkrad, die man trotz ausreichender Verstellmöglichkeit des Sitzes nicht zur Perfektion entwickeln kann. Die Bedienung ist vorbildlich einfach, die Instrumente sind gut ablesbar. Nur der Regensensor spinnt zuweilen, lässt heftig wischen, wenn es nichts zu wischen gibt.

Bis auf einen kurz vor Dauertest-Ende wackelnden Fahrersitz und ein ermüdetes Türhalteband hat im klapperfreien Interieur alles gehalten.
Der typische Muff-Geruch älterer Gebrauchtwagen ist eingezogen, gut, dass es das große Glasschiebedach gibt.
Optisch stellt es nicht gerade eine Bereicherung dar, auch nicht wegen der Windgeräusche, die es in geschlossenem Zustand verursacht. Doch seine Öffnung ist ansehnlich, und bei schönem Wetter kommt per Tastendruck ein Hauch von Cabrio ins 206Interieur, angenehm zugfrei und mit einem schönen Stück blauen Himmels. Dass der Karosse ein Stück tragendes Element fehlt, wird mitunter ebenfalls deutlich. Bei starken Verwindungen meldet sich das Dach mit Knackgeräuschen.
Doch die positiven Effekte überwiegen und betonen den Reise-Charakter des 206. Die Federung erweist sich in ihrer Güte als besonders fernreisetauglich, die Sitze dagegen tun es weniger. Auch ihr Bezug, der sich im Sommer als schweißtreibend herausstellt, ist eher kontraproduktiv. Hier fehlt es an Wohlfühl-Effekt, den die Federung sehr wohl und dauerhaft zu erzeugen vermag.
Gerade auf Langstrecken hat das Triebwerk ja ein wichtiges Wort in solchen Regel kreisen mitzureden, und das tut der 1,4 Liter große Vierzylinder mit seinen 75 PS auch. Er tut es aber eher durch Lautstärke als durch besondere Leistungsfähigkeit. Auffällig ist die Durchzugsschwäche des Zweiventilers aus der von Citroön ebenfalls verwendeten TU-Motorengeneration, doch es gibt auch Positives zu berichten. Kein einziger Betriebsausfall während der gesamten Laufzeit, kein Ziegenbleiben, nur ein Neuprogrammieren des Steuergeräts mit Erneuerung des Leerlaufregelventils bei 68 020 Kilometern, nachdem der Motor im Leerlauf abstirbt.

Keine wahren Probleme also mit diesem Motor, der wie ein braver Angestellter wirkt, den der Chef weder entlassen noch befördern will. Seine Verbrauchswerte sind überwiegend günstig (sechs Liter pro 100 km bei zurückhaltender Fahrweise), im forciert gefahrenen Mittel sind es 7,7 Liter. Erfreulich auch die langen Ölwechsel- und Inspektionsintervalle, nämlich nur alle 30 000 respektive 60 000 Kilometer. Die selten erforderlichen Wartungseingriffe lassen die Kosten deutlich absinken, geben aber auch den Blick frei auf jene Werkstattaufenthalte, die unumgänglich waren.
Dabei entpuppen sich die Knarrgeräusche im Bereich des Vorderwagens, die bei Lastwechseln auftreten, noch als harmlos. Der Kühlmittelbehälter hat sich gelöst und Töne von sich gegeben. Bei knapp 43 000 Kilometern erzwingt Wasser in den Heckleuchten einen neuen Werkstattbesuch, sie müssen erst bestellt und dann getauscht werden. Nichts Dramatisches, ebenso wenig wie der Bremsbelagwechsel vorne kurz vor Erreichen der halben Dauertest-Distanz. Doch dann wird es ernster. Die Getriebegeräusche im fünften Gang verstärken sich.
Termin in der Werkstatt bei 52 000 Kilometern, das Getriebe soll teilrepariert werden. Ein späterer Check durch die Testabteilung zeigt über das gekennzeichnete Gehäuse, dass die Werkstatt das ganze Getriebe gewechselt hat, eine Garantieleistung, die sonst mit fast 3500 Mark zu Buche geschlagen hätte.

Nun ist Ruhe, bis neue und doch wieder alte Töne Anlass zur Sorge geben. Es sind die schon bekannten Knackgeräusche bei Lastwechseln, die endgültig eine Erneuerung des Motorlagers nach sich ziehen. Was noch folgt, sind Kleinigkeiten, auch Nacharbeiten des Sitzgestells. Der Zahnriemen des Motors bleibt drin. Auch das hält die Kostenbilanz günstig, wobei der geringe Reifenverschleiß ebenfalls eine Rolle spielt.
Der zunächst verwendete Michelin Energy weist nach 30 000 Kilometern noch eine Restprofiltiefe von vier Millimetern auf, mit den Winterreifen Semperit Top Grip und Firestone FW 930 zeigt der Peugeot auf schneeglatter Bahn gute Traktion. Allerdings könnte es innen ruhig ein bisschen wärmer werden. Die Heizung spricht spät an und hat Schwierigkeiten, den Fußraum zu temperieren.
Kein wahrer Qualitätswagen also in der Bilanz, aber ein Auto mit Qualitäten. Mit Kilometerkosten von nur 1,3 Pfennig ohne Benzin, Öl und Reifen entpuppt sich der 206 als besonders kostengünstig, wobei sich auch der Wertverlust mit rund 54 Prozent in Grenzen hält. Er hat nicht entzückt, aber auch nicht enttäuscht.
Ganz gut gebrüllt, Löwe, auch wenn es zwischendurch mal krächzt.
 

Vor- und Nachteile

  • Gute Raumverhältnisse, variabler Kofferraum
  • Einfache Bedienung, übersichtliche Armaturen
  • Gutes Licht, wirksame Lüftung
  • Gute Zuverlässigkeit
  • Lange Inspektionsintervalle (60 000 km)
  • Geringer Bremsenverschleiß
  • Glasschiebedach mit großer Öffnung
  • Gutes Handling, geringe Bedienungskräfte
  • Geringer Reifenverschleiß
  • Motor bei Autobahnfahrt recht laut
  • Lenkrad nicht optimal einstellbar
  • Schwache Heizleistung im Fußraum
  • Kunststoff-Oberflächen unschön
  • Starke Windgeräusche
  • Regensensor arbeitet nicht richtig
  • Vierter und fünfter Gang sehr lang übersetzt
  • Kleiner Kofferraum
Technische Daten
Peugeot 206 1.4
Grundpreis13.505 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3822 x 1673 x 1435 mm
KofferraumvolumenVDA245 bis 1130 L
Hubraum / Motor1360 cm³ / 4-Zylinder
Leistung55 kW / 75 PS (111 Nm)
Höchstgeschwindigkeit170 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h13,2 s
Verbrauch6,6 L/100 km
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