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Peugeot 807 2.2 16 V

Vive la Trance

Foto: Uli Jooß 11 Bilder

Der elegante Van aus Frankreich glänzte mit guten Fahreigenschaften und einer üppigen Komfort-Ausstattung, die jedoch während der 100.000-Kilometer-Testfahrt auch eine ganze Menge Verdruss verursachte.

09.12.2005 Franz-Peter Hudek

Die elektrischen Schiebetüren des Peugeot 807 sind zunächst einmal richtig praktisch. Man kennt ja den komplizierten Umgang mit handbetätigten Schiebetüren zur Genüge – das gut aufeinander abgestimmte Timing von Reißen, Schieben und Drücken, nicht zu zaghaft, nicht zu kraftvoll. Besonders Kinder und Senioren sind damit oft überfordert.
Beim großen Peugeot-Van öffnen und schließen sich dagegen die Wagenflanken per Knopfdruck. Ein Warnton – biep, biep, biep – begleitet akustisch den Vorgang, damit ihn auch jeder mitbekommt. Ferner kann der Fahrer beide Schiebetüren wie von Geisterhand über zwei Schalter am Dachhimmel oder über die Fernbedienung am Zündschlüssel in Bewegung setzen. Da staunt sogar der E-Klasse fahrende Nachbar und fügt sofort hinzu: „Bin ja gespannt, wie lange die funktionieren.“ Das war die Redaktion von auto motor und sport auch, als am 12. September 2003 Punkt zehn Uhr ein roséroter Peugeot 807 2.2 16 V Tendance mit 2158 bereits gefahrenen Kilometern seinen Dienst als Dauertestwagen antrat. Der 158 PS starke Vierzylinder- Benziner gefiel bei der Eingangsmessung mit munteren Fahrleistungen und einer respektablen Höchstgeschwindigkeit von knapp 200 km/h.

Noch mehr beeindruckte die aus aufpreispflichtigen Einzelposten zusammengestellte Komplettausstattung, welche den Testwagenpreis auf stattliche 39 050 Euro anhob. Dazu zählten neben den beiden E-Türen auch Ledersitze und ein Multimediabildschirm am Dachhimmel für die Fondpassagiere mitsamt DVD-Player, dessen Inbetriebnahme vor der Reise einige Minuten in Anspruch nahm.


Auch andere und wesentlich elementarere Bedienbereiche fanden wenig Beifall. Steckte der Zündschlüssel an der Lenksäule im Schloss, war dessen klobiges Gehäuse leicht mit dem unmittelbar davor angebrachten, optisch identischen Radio-Bedienhebel zu verwechseln, neben dem auch noch der Wischerhebel auf schlechtes Wetter wartet. Außerdem sind auf der eiförmigen Schlüsseleinheit die beiden Schiebetüren nicht sinnfällig mit rechts und links gekennzeichnet, so dass man manchmal die falsche, zur Straße hin sich öffnende Tür betätigt. Gelegentlich öffnete die Fernbedienung unbeabsichtigt alle vier Seitenfenster, was besonders im Winter nervte. Als Redakteur Christian Bangemann sich während eines heftigen Schneegestöbers dem geparkten Peugeot näherte, fuhren plötzlich wie von Geisterhand die Scheiben nach unten. Des Rätsels Lösung: Die von Bangemann in der Hosentasche getragene Fernbedienung veranlasste durch leichten, unbeabsichtigten Doppeldruck auf die Öffnungstaste der Zentralverriegelung die Schnellbelüftung.

Dass der Handbremshebel links vom Fahrersitz aus dem Boden ragt und dass die winzigen Drehregler für die Sitzheizung kaum ablesbar und nicht beleuchtet sind, darf man im Vergleich zum Freistilringen mit den herausnehmbaren Einzelsitzen als Peanuts bezeichnen. Dies gilt besonders im Vergleich zu vielen neuen Kompaktvans, bei denen sich nicht benötigtes Sitzmobiliar einfach im Fahrzeugboden verstauen lässt.
Nicht jedoch beim 807. Auch nach dem Studium der Gebrauchsanleitung verlangt die Rück-Montage der ausgebauten Sitze allergrößtes Geschick: Die gut 30 Kilogramm schweren, zusammengeklappten Sitzmöbel müssen, in einem bestimmten Winkel zur Hälfte angehoben, zentimetergenau in die Befestigungsschienen manövriert werden – ein kräftezehrendes Geduldsspiel, das sogar zu Beschädigungen an dem filigranen Sitzmechanismus und den windelweichen Bodenverkleidungen aus grauem Kunststoff führte. Waren jedoch alle Sitze und Passagiere wohlbehalten an Bord, zeigte der schicke Peugeot auch seine angenehmen Seiten. So lobte die Redaktions-Mannschaft die bequeme Bestuhlung, die gute Rundumsicht, den griffgünstig positionierten Schalthebel, das großzügige Platzangebot, das passend abgestimmte Getriebe sowie den kräftigen Motor. Bei einem Autobahn-Reisetempo von 160 km/h und schneller zog der Peugeot spurtreu und wankfrei seine Bahn. Das Geräuschniveau war hierbei für einen 1,85 breiten und 1,75 Meter hohen Fullsize-Van akzeptabel.

Die zentrale Anordnung der weit entfernt unter der Windschutzscheibe positionierten Instrumente empfanden jedoch einige Fahrer und Fahrerinnen als gewöhnungsbedürftig, zumal die Optik von Tachometer (links) und Drehzahlmesser (rechts) mit Ausnahme der Zahlenwerte völlig identisch ist, was die Orientierung weiter erschwert. Die blassgrüne, inzwischen in Orange abgeänderte Farbgebung der beiden Instrumente wirkte zudem so belebend wie lauwarmer Pfefferminztee. Immerhin: Der zwischen Tacho und Drehzahlmesser direkt unterhalb der Windschutzscheibe platzierte Navigations- Bildschirm liegt beispielhaft gut im Blickfeld des Fahrers.
Beispielhaft gut überstand auch der Motor den 100 000-Kilometer-Trip. Die Fahrleistungen verbesserten sich am Ende des Dauertests sogar geringfügig. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h blieb mit 11,2 Sekunden jedoch immer noch um eine halbe Sekunde über den Werksangaben. Der Testverbrauch in Höhe von 12,2 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer ist sicher nicht super, aber in Hinblick auf die Fahrleistungen und das Fahrzeugformat akzeptabel. Auch das Getriebe machte keine Zicken, wenngleich die Schaltung am Testende sehr teigig und unpräzise zu handhaben war und mit einer kleinen Teufelei aufwartete: Der Schalthebel-Ring für die Rückwärtsgangsperre springt nicht mehr zurück, sondern muss jedes Mal von Hand nach unten geschoben werden.
Zurück zu unserem E-Klasse fahrenden Nachbarn. Die elektrischen Türen liefen fast problemfrei, ihre Mechanik zumindest bereitete keinerlei Probleme. Der Rest der elektrischen Systeme gebärdete sich jedoch wie eine Folge der chaotischen Comedy-Kultserie Klimbim und führte deshalb mehrmals zu außerplanmäßigen Werkstattbesuchen. So ließ sich zeitweise das Fahrzeug über die Zentralverriegelung nicht mehr abschließen, oder – noch schlimmer – der Wagen öffnete, anstatt abzuschließen, Tür und Tor.

Bei Kälte streikte die rechte Schiebetür sowie das geöffnete Fahrerfenster. Die Reifendruckkontrolle und später die ASR/ESP-Anzeige gaben einzelne Fehlwarnungen. Auch die Warnleuchte für Airbags signalisierte bei Kilometer 87 155 kurzfristig eine Fehlfunktion, die im Zusammenhang mit dem bei Kilometer 93 638 durchnässsten Fahrerfußraum stand. Das Fußraum- Hochwasser war kein Einzelfall und zog deshalb Ende 2004 eine Rückruf- Aktion für alle von Juni 2002 bis November 2004 produzierten Euro- Vans nach sich, also auch für die Peugeot-Schwestermodelle Citroën C8 , Fiat Ulysse , und Lancia Phedra : Durch den Verschluss des Kondenswasserablaufs der Klimaanlage konnte Wasser in den Innenraum und – was viel schwerer wiegt – an das Airbag-Steuergerät gelangen. In Folge leuchtet die Airbagwarnanzeige auf, und im Extremfall wird sogar der Airbag ausgelöst. Gleichzeitig modifizierten die Werkstätten die Befestigung der unteren Motorabdeckung, die bei den Dieselmodellen oft das Weite suchte.


Dass sich trotz insgesamt fünf unfreiwilliger Werkstattbesuche die Kosten im Rahmen hielten, verdankt der 807 vor allem dem klaglos arbeitenden Vierzylinder mitsamt Getriebe und akzeptablen Wartungskosten. Auch der Reifenverschleiß des Fronttrieblers hielt sich in Grenzen. Die Michelin-Sommerreifen der Erstausrüstung waren nach knapp 40 000 Kilometern noch nicht zur Hälfte abgefahren. So ist es allein der artbedingte, hohe Verbrauch des Motors, der die Betriebskosten auf 16,1 Cent pro Kilometer klettern lässt.
Der Peugeot 807, der im nordfranzösischen Sevelnord bei Valencienne zusammen mit seinen Brüdern von Citroën , Fiat und Lancia vom Band rollt und mit diesen auch seine Stärken und Schwächen teilt, hinterlässt nach 100 000 Kilometern sehr gemischte Gefühle. Leider sind es nicht allein die Elektrikprobleme, die ein trübes Licht auf den von der Konzeption, vom Stil und der Antriebstechnik her überzeugenden Van werfen, sondern auch das am Testende ziemlich verbraucht wirkende Interieur: zerknautschte Sitzmöbel, lose Verkleidungsteile und eine klappernde Karosserie.
Wenn die für das Modelljahr 2006 vorgenommenen Verbesserungen nicht nur Instrumente, Sitzbezüge und Audio- Anlage betreffen, sondern auch die Bord-Elektrik, ginge das landestypische Kompliment leichter von den Lippen: Vive la France. Dann wird aus dem großen Filou vielleicht doch noch ein würdiger, gesetzter Maître.   

Vor- und Nachteile

  • kräftiger Motor
  • gut abgestimmtes Getriebe
  • bequeme Sitze
  • viele Ablagen
  • gutes Platzangebot
  • elektrische Schiebetüren
  • straffe und dennoch komfortable Federung
  • sehr gutes Fern- und Abblendlicht
  • anfällige Elektronik mit vielen Fehlmeldungen
  • unpräzise Schaltung
  • zum Teil umständliche Bedienung
  • Sitze lassen sich nur mühsamaus- und einbauen
  • schlechte Menüführung des Navigationssystems
  • zentrale Instrumente sind schlecht ablesbar
Technische Daten
Peugeot 807 160
Grundpreis28.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4727 x 1854 x 1752 mm
KofferraumvolumenVDA324 bis 2948 L
Hubraum / Motor2230 cm³ / 4-Zylinder
Leistung116 kW / 158 PS (217 Nm)
Höchstgeschwindigkeit196 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,7 s
Verbrauch9,7 L/100 km
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