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Porsche Boxster S

Schön, aber nicht ganz unkapriziös

Porsche Boxster S

Die Erwartungen an den Porsche Boxster S sind mindestens so hoch wie sein Preis. Doch neben verführerischen Reizen offenbarte der Roadster im Alltagsbetrieb über 100 000 Kilometer auch viele Schwachpunkte und hohe Wartungskosten.

22.09.2001

Vielleicht das schönste aller schönen Gefühle, die der eigene Porsche vermittelt, ist jenes, schon am Ziel angekommen zu sein, ohne einen einzigen Kilometer zurückgelegt zu haben. Einmal im Leben einen Sportwagen aus Zuffenhausen zu besitzen gehört zu den Jugendträumen, die auch in reiferen Jahren nichts von ihrer Faszination verlieren. Und seit selbst der Einstiegs-Porsche ein Vollwert-Porsche ist, wird der Traum immer öfter wahr.


Gut 25 000 Käufer fand der Boxster im vergangenen Jahr, und für den gerade genesenden Hersteller war er schon deshalb ein Gewinn, weil es keiner beim Grundpreis (derzeit 82 356 Mark) beließ. Denn wie üblich praktiziert Porsche eine dreiste Aufpreispolitk, die für vieles, was in dieser Klasse zum Standard gehört, gesalzene Zuschläge fordert. Klimaanlage und Lederpolster werden ebenso extra berechnet wie ESP oder ein Windschott, selbst für ein Radio oder eine Sitzheizung muss der Kunde bluten.


Als Schnäppchen geht der Zweisitzer also höchstens im Vergleich zum 911 durch. Genau 65 793 Mark beträgt die Differenz beim Boxster S gegenüber dem Carrera Cabrio eine Ausgabe, die trotz der jüngst erfolgten optischen und technischen Aufwertung des Klassikers auch wohlhabenderen Porsche-Kunden schwer fallen dürfte.

Denn eines stand schon nach dem ersten Doppeltest gegen den potenteren BMW M Roadster  fest: Der Boxster ist ein waschechter Sportwagen, der in der S-Version bei Handling, Bremsen und Laufkultur Maßstäbe setzt und erheblich an Durchzugskraft gewonnen hat. Man ehrt ihn und hat einfach Spaß daran. Ob er dieses Versprechen auch auf Dauer hält, überprüfte auto motor und sport im Langzeittest über 100 000 Kilometer.


Das „Fahren in seiner schönsten Form" (Werbeslogan) begann im Juli 1999 mit einer Dienstreise nach Maranello und endete im vergangenen Mai auf einem Trip nach Mannheim. Dazwischen lagen genau 100 292 Kilometer und sieben außerplanmäßige Werkstatt-Termine sowie insgesamt 19 Tage in deren Obhut - eine erschreckende Bilanz für einen Hersteller mit Premium-Anspruch und -Preisen. Einziger Trost: Weder die sehr schwergängige Kupplung noch ein defekter Luftmassenmesser, quietschende Bremsen oder Mahlgeräusche vom Radlager hinten links führten zu einem Totalausfall.


Redakteurin Birgit Priemer registrierte schon bei der Jungfernfahrt die Vorzüge der beiden reisetauglichen Kofferräume mit je 130 Liter Volumen, aber zugleich die starke Aufheizung des flachen hinteren Abteils. Für Abkühlung im Innenraum sorgte die Klimaanlage, auf die schon deshalb niemand verzichten mochte, weil die Scheiben unter der eng geschnittenen Kapuze schnell beschlagen und das Kunststoff-Heckfenster nichtheizbar ist.


Ansonsten zeigte sich das Stoffverdeck von der angenehmen Seite. Es bläht sich kaum auf, verursacht wenig Windgeräusche und lässt sich in gerade zwölf Sekunden elektrisch öffnen oder schließen. Die Montage einer Persenning entfällt, womit sich die Handarbeit auf das Ver- und Entriegeln des Daches reduziert. Das Windschott kann dabei stets unauffällig in Position bleiben und sorgt auch bei Tempo 200 dafür, dass der Wind nur sanft am Scheitel zupft.


Weniger überzeugend ist das Hardtop, das jeweils für die Wintersaison montiert wurde. Farbe und Passform stimmten nicht exakt, so dass vor allem bei Minusgraden und auf welligen Pisten nervtötende Knister- und Klappergeräusche zur ständigen Begleitmusik gehörten. Dagegen machte die Karosserie selbst einen sehr soliden, steifen Eindruck. Einzige Mängel waren defekte Glühlampen, zitternde Scheinwerfer und schmierende Scheibenwischer.

Störender erscheinen im Vergleich die geringe Zahl der Ablagen im Innenraum, die unpraktische Intervallschaltung der Wischer mittels separatem Drehknopf und die der Preisklasse unangemessene Materialanmutung. Selbst mit der teuren Vollleder-Ausstattung entsteht kein sonderlich hochwertiger Eindruck.


Auch die mit grauem Raffleder bezogenen Sitze zeigen schon früh Gebrauchsspuren und sind auf Dauer kein Quell ungetrübter Freude. Vermisst werden besonders auf langen Strecken mehr Seitenhalt, Atmungsfähigkeit und Komfort, während Größe und Verstellung (elektrisch als Option) stimmen. Obwohl sich das Lenkrad nur axial justieren lässt, findet jeder Fahrer genügend Bewegungsfreiheit und eine passende Sitzposition.


Die braucht man schließlich zum wahren Boxster-Genuss, der mit dem Wort Wendigkeit allzu oberflächlich umschrieben wäre. Seine Mittelmotor-Konfiguration möchte ihre Vorteile so oft wie möglich ausspielen und treibt den Fahrer immer wieder auf kurvige Landstraßen, wo höchstens ein nasser Belag oder purer Übermut die Grenzen des Fahrwerks aufzeigen. Gerade dessen Qualitäten unterscheiden den Boxster von Limousinen-Derivaten wie Audi TT, BMW Z3 und Mercedes SLK.


Sportlichkeit ist bei ihm nicht zuerst ein Produkt aus Leistung und Design, sondern das Ergebnis einer auf optimale Präzision ausgelegten Gesamtabstimmung. Schaltung, Bremsen, Kupplung und Lenkung sind von einer fast gnadenlosen Direktheit, die sich dem Fahrer nahezu ungefiltert mitteilt. Die Krönung von Handling und Optik bilden 18Zoll-Optionsreifen auf Alufelgen im Turbo-Look.


Allerdings schlagen sie nicht nur auf den Federungskomfort, sondern auch auf den Geradeauslauf durch. Damit ausgerüstet läuft der Boxster jeder Spurrille nach und reicht selbst kleine Unebenheiten als Stöße ans Lenkrad weiter. Zudem geht die Mischbereifung (hinten breiter als vorn) kräftig ins Geld, weil es zur Erhaltung sicherer Fahreigenschaften unbedingt ratsam ist, alle Pneus gleichzeitig auszutauschen, obwohl die vorderen länger halten als die hinteren.
Im Schnitt wurde ein neuer Satz schon nach 15 000 Kilometern fällig, wobei der komfortablere, weniger nässeempfindliche Continental Sport Contact mehr Abrieb aufwies als der sportlichere, aber straffe Pirelli Asimmetrico. Die Winterreifen vom gleichen Hersteller verbanden zufrieden stellendes Trocken- und Nassverhalten mit lauten Abrollgeräuschen. Bei gefühlvollem Leistungseinsatz sorgten sie jedoch selbst auf Schnee für sicheres Fortkommen.

Bremsscheiben und -beläge überstanden die überwiegend flotte Fahrweise besser als die Kupplung. Seit Testbeginn ließ sie sich immer schwerer trennen, auch nach ihrem Austausch quietschte eine Ausrückfeder munter weiter. Der Luftmengenmesser war gleich drei Mal defekt und zwang das Motormanagement ins Notprogramm - offenbar ein konstruktives Problem, das Porsche bis zum Ende des Dauertests nicht in den Griff bekam. Die Folgen: schwankender Leerlauf, ungleichmäßige Leistungsabgabe und Ausfall der Traktionskontrolle. Der Boxermotor hingegen blieb bis zum Schluss, was er von Anfang an war: ein unermüdlicher Freudenspender, der klaglos den tristen Alltagsbetrieb absolviert, aber nur darauf wartet, dass ihm jemand die Sporen gibt. Er giert förmlich nach Drehzahl, und der Sound zündet bei verführerischen 4000/min, dort wo auch die Kraft wohnt. Dann steigt der Verbrauch auf bis zu 17 L/ 100 km, während er sich bei verhaltener Fahrweise mit unter zehn Liter zufrieden gibt.


Es sind vor allem die hohen Wartungskosten, die Porsche-Fahren zu einem teuren Vergnügen machen. Dafür darf man allerdings mit Fug und Recht eine bessere Qualität erwarten, denn mit Zweijahres-Garantie und großzügiger Kulanz lassen sich zwar viele kleine Mängel beheben, aber nicht der Zeit- und Vertrauensverlust.


Der letzte Platz im auto motor und Sport-Mängelindex zeigt, dass der Sportwagenhersteller bei der Dauerhaltbarkeit klar hinter der Konkurrenz herhinkt. Solange das Auto in der Werkstatt steht, ist nicht nur der Kunde ein gutes Stück vom Ziel entfernt, sondern vor allem Porsche.

55.832 km
Wegen Verschmutzung und ein-dringender Feuchtigkeit legte der Heißfilm-Luftmassenmesser insgesamt drei Mal das Motormanagement lahm und musste ausgetauscht werden. ,,. Weil die Elektronik dabei zur Sicherheit ins Notlaufprogramm wechselte, war die Traktionskontrolle zeitweise ohne Funktion

72.451 km
Etwa zur Mitte der Laufzeit traten Mahl- und Poltergeräusche sowie eine Unruhe im Fahrwerk auf. Als Ursache wurde das hintere linke Radlager festgestellt und auf Garantie ersetzt. Außerhalb der Zweijahres-Frist wären mehr als 450 EUR für die Reparatur angefallen

91.866 km
Schon bei knapp 89.000 Kilometern machte der Anlasser erstmals mit schabenden Geräuschen während des Startvorgangs auf sich aufmerksam. Als dieses Phänomen immer häufiger auftrat, wurde er schließlich auf Garantie erneuert, um einem Totalausfall vorzubeugen

Vor- und Nachteile

  • kultivierter, sehr drehfreudiger Boxermotor
  • sehr gute Fahrleistungen
  • gut abgestuftes Sechsganggetriebe
  • hervorragende Bremsen
  • sicheres Kurvenverhalten
  • ausgeprägte Handlichkeit
  • hohe Karosseriesteifigkeit
  • reichlich Innen- und Kofferraum für zwei Personen
  • einfache und schnelle Verdeckbetätigung
  • sparsam bei normaler Reisegeschwindigkeit
  • mäßige Fahreigenschaften und Traktion bei Nässe
  • viele Knistergeräusche mit Hardtop
  • billige Innenraumanmutung
  • unbequeme Seriensitze
  • Leder mit starken Gebrauchsspuren
  • quietschende Wischer
  • stößige Lenkung
  • schlechter Langsamfahrkomfort (18-Zoll-Räder)
  • teure Aufpreispolitik
  • hohe Unterhaltskasten
Technische Daten
Porsche Boxster S
Grundpreis49.764 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4315 x 1780 x 1290 mm
KofferraumvolumenVDA260 L
Hubraum / Motor3179 cm³ / 6-Zylinder
Leistung185 kW / 252 PS (305 Nm)
Höchstgeschwindigkeit260 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,9 s
Verbrauch10,8 L/100 km
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