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Renault Mégane 2.0 16V

Heck-Meck

Foto: ams 6 Bilder

Nach diesem Hinterteil schauen sich viele um. Aber ist so ein Typ wie der Renault Mégane auch der richtige Partner für eine längere Bindung? Durchaus, aber auf ein paar Macken muss man schon gefasst sein.

27.12.2005

Die Auto-Waschanlage, die den keck ausgestreckten Heckbürzel des Renault Mégane bis in den letzten Winkel sauber macht, muss wohl erst noch erfunden werden. Und das ist nicht der einzige Preis, der für die Portion Extravaganz in der ansonsten so angepassten Kompaktklasse zu zahlen ist, wie die Erfahrungen der auto motor und sport-Redaktion über 100 000 Kilometer zeigen.

Apropos Preis: 25 210 Euro kostete der Viertürer in der üppig ausgestatteten Luxe Privilège-Ausführung mit 135 PS starkem Zweiliter-Benzinmotor, als er im August 2003 seinen Dienst antrat. Davon entfielen rund 4500 Euro auf Extras wie das Panorama-Glasschiebedach, die Metallic-Lackierung in Limettengrün, die Navi- und Audio- Anlage sowie die Xenonscheinwerfer. Das Reifendruck-Kontrollsystem für 200 Euro ist zwar grundsätzlich eine gute Sache, nervte aber häufig mit Fehlalarmen.

Dazu müssen bei jedem Wechsel von Sommer- auf Winterräder oder von vorne nach hinten die in die Ventile integrierten Drucksensoren auf ihrer neuen Position eingelesen werden. Das geht nur in der Renault-Werkstatt und kostet über 20 Euro. Auch mit dem ansonsten sehr guten Xenonlicht und dem riesigen Glas-Panormadach hat man sich teure Extras eingekauft, die öfter Kummer bereitet haben. So quittierte die bei Xenon-Scheinwerfern vorgeschriebene automatische Leuchtweiten-Regulierung zwei Mal den Dienst.

Mit dem Ergebnis, dass die Straße nur wenige Meter vor dem Auto ausgeleuchtet wurde. Das bis über die Köpfe der Fond- Passagiere reichende zweiteilige Glasdach lässt zwar sehr viel Licht in den Innenraum, verursacht aber so störende Windgeräusche, dass Fotograf Reinhard Schmid auf einer längeren Dienstreise den Spalt an der Schiebedach- Vorderkante vorübergehend mit Klebeband aerodynamisch optimierte.

Nicht so leicht zu beheben war das Pfeifen des Fahrtwindes im Bereich zwischen rechter A-Säule und Beifahrertür. Erst mehrfaches Justieren der Tür brachte dauerhaft Ruhe. Kein Einzelfall, wie die Zuschriften der Leser Faber und Hübsch zeigen.

Überwiegend positiv in der Handhabung beurteilt wird hingegen das als „Handsfree Entry & Drive“ bezeichnete, bei der Luxe-Ausstattung serienmäßige schlüssellose Zugangssystem. Damit kann die – etwas sperrige – Chipkarte zum Ent- und Verriegeln sowie zum Starten per Anlass-Knopf einfach in der Hosentasche bleiben.

Beim Testwagen versagte ab Kilometerstand 90 000 jedoch die Verriegelung per Druck auf die Tasten in den Türgriffen, worauf alle vier Griffe ausgetauscht wurden. Außerhalb der zweijährigen Garantiezeit – bei Normalfahrern und dieser Laufleistung wahrscheinlich – hätte das über 500 Euro gekostet. Dagegen sind durchgebrannte Glühlampen eine Kleinigkeit – sollte man meinen.

Doch wenn Renault zum Lampenwechsel jedes Mal in die Werkstatt bittet, ist das nicht nur lästig, sondern geht auf Dauer auch richtig ins Geld. So schlägt der mehrfach erforderliche Austausch von Standlichtoder Blinkerlampen jedes Mal mit knapp 20 Euro zu Buche.

Auch aus Gründen der Verkehrssicherheit sollten Lampenwechsel vom Fahrer erledigt werden können. Bleiben wir beim Thema Elektrik. Acht von insgesamt neun außerplanmäßigen Werkstattaufenthalten sowie der einzige Totalausfall gingen auf das Konto von Defekten in diesem Bereich.

Bereits bei Kilometerstand 17 620 blieben Startversuche aufgrund einer entladenen Batterie erfolglos. Ein Fehler im Bordnetz lag aber nicht vor, der neue Akku lieferte fortan immer genügend Strom. Sehr unzuverlässig arbeitet der Regensensor. Wenn überhaupt, aktiviert er die Wischer erst, wenn die Sicht bereits nahezu auf Null ist, oder er wischt über die trockene Scheibe. Einen Fehler fand die Werkstatt jedoch nicht.

Störend ist auch, dass der linke Wischer lautstark an der A-Säule anschlägt, in der schnellen Stufe sogar darüber hinaus wischt. Und wenn man nach einer Regenfahrt etwas aus dem Kofferraum holt, tropft einem auch noch Schmutzwasser aus der Heckklappe in den Kragen. Probleme scheint Renault zudem mit der dauerhaften Befestigung von Kunststoffteilen zu haben.

So lösten sich mit der Zeit diverse Verkleidungen im Innenraum, und man darf nur ganz sachte am Fensterheberschalter ziehen, um nicht die Schalterkonsole aus der Türverkleidung zu reißen. Der etwas erhöhte Kraftbedarf zum Öffnen der Tankklappe führte gegen Ende des Dauerlaufs außerdem dazu, dass die Haltenasen der lackierten Kunststoffabdeckung nachgaben.

Seitdem fährt der Deckel im Auto mit, damit er nicht während der Fahrt verloren geht.

Wenig gelitten haben dagegen die straffen Polster und die Stoff-Leder-Bezüge der gut konturierten, von den meisten Fahrern als bequem empfundenen Vordersitze. Die Softlackschicht an den inneren Türgriffen beginnt zwar leicht abzublättern, zeigt aber deutlich weniger Auflösungserscheinungen, als dies etwa beim Ford Mondeo nach der gleichen Distanz der Fall war.

Trotzdem wirkt der Innenraum insgesamt verwohnt und schmuddelig. Das liegt zum einen an den schmutzempfindlichen hellen Oberflächen, andererseits an den wenig robusten und arg ramponierten Original-Fußmatten. Aber die sind ja leicht auszutauschen. Vergleichsweise früh getauscht werden mussten die vorderen Bremsbeläge. Nach jeweils nur rund 30 000 Kilometern war Ersatz fällig.

Außerdem machten die Bremsen – auch im Neuzustand – immer wieder mit schabenden und quietschenden Geräuschen auf sich aufmerksam – ein Phänomen, das die ganze Baureihe betraf und das im Rahmen einer Service-Aktion erst kurz vor Erreichen der halben Dauertest- Distanz dauerhaft abgestellt werden konnte. Der Handbremshebel in Form eines Schubhebels ist ein Design-Gag und bringt funktionale Nachteile, da die Hand unnatürlich verdreht werden muss. Insgesamt ist Funktionalität keine Stärke des Mégane: Gas- und Bremspedal liegen zu dicht beieinander.

Der Tacho mit typisch französischer Skalierung ist schlecht abzulesen. Verschiedene Schalter werden vom Lenkrad verdeckt. Gesamt- und Tageskilometer werden nicht permanent angezeigt. Für die nur einstufige Sitzheizung gibt es keine Kontrollleuchte im Cockpit. Und Tankuhr sowie Restreichweiten-Anzeige sind ungenau. Trotzdem macht das Fahren immer wieder Spaß.

Das fängt bei der entspannt- sportlichen Sitzposition an. Der laufruhige Zweiliter-Benziner tritt zudem bei niedrigen Drehzahlen ordentlich an, lässt sich schaltfaul fahren und ermöglicht flotte Fahrleistungen. Daran gemessen gibt es am Testverbrauch nichts auszusetzen. Auch die Reichweite ist – zumal für einen Benziner – vollkommen ausreichend. Bei hohen Drehzahlen wird der Vierzylinder jedoch laut und brummig.

Das für ein französisches Auto untypisch straff abgestimmte Fahrwerk sorgt für agile Fahreigenschaften. Allerdings stuckert und poltert die Vorderachse auf kurzen Bodenwellen und Querfugen. Außerdem ist die elektrische Servolenkung etwas gefühllos und stößig. Platzangebot und Kofferraum sind allenfalls durchschnittlich.

Beim Beladen durch die relativ enge Öffnung ist zudem Vorsicht geboten, damit man sich an der vorspringenden Heckpartie nicht die Hosenbeine schmutzig macht. Mit knackigem Design und einer guten Portion Fahrvergnügen kann der Mégane zwar auch nach 100 000 Kilometern noch gefallen, auf den ganzen Heck-Meck in Form der vielen Mängel könnte man aber gut verzichten.

Vor- und Nachteile

  • kultivierter Motor
  • passende Getriebeabstufung
  • umfangreiche Serien- und Sicherheitsausstattung
  • langstreckentaugliche Vordersitze
  • gute Fahrleistungen
  • angemessener Verbrauch
  • wirksame Klimaautomatik
  • sichere und handliche Fahreigenschaften
  • knappes Innenraumangebot
  • mäßige Verarbeitungsqualität
  • Funktionalitäts- und Bedienungsmängel
  • stößige Lenkung
  • unzuverlässiger Regensensor
  • diverse Elektrik- und Elektronikmängel
  • Vorderachse poltert
Technische Daten
Renault Mégane 2.0 16V
Grundpreis19.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4209 x 1777 x 1458 mm
KofferraumvolumenVDA330 bis 1190 L
Hubraum / Motor1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung99 kW / 135 PS (191 Nm)
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,2 s
Verbrauch8,1 L/100 km
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