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Ibiza GLX 1.8i

Golf und Silber

Seat Ibiza

Wie gut ein Seat über 100 000 Kilometer kommt, das stand bisher in den Sternen. Mit dem Seat Ibiza, unter dessen von Giugiaro gestylter Hülle sich Polo-Bodengruppe und Golf-Antrieb vereinen, schien die Aussicht auf einen glatten Ablauf groß.

04.08.1996

Die Behauptung, daß ein Name nur Schall und Rauch sei, widerlegt der Seat Ibiza in aller Gründlichkeit. Immer wieder ließen sich Passanten angesichts des auto motor und sport-Dauertestwagens über den Typ und die Ausführung informieren, doch bei der Nennung des Namens Seat Ibiza rutschten in manchen Fällen die Mundwinkel bedenklich nach unten.
Die Ursache läßt sich in den Leserbriefen der Seat-Besitzer erkennen: Manche Ibiza-Fahrer notierten ihre Erfahrungen für die Redaktion (siehe Lesererfahrungen), obwohl sie noch das alte Modell besitzen, das mit einem von Porsche konstruierten Motor ausgestattet war und das im Jahr 1993 durch den neuen Seat Ibiza abgelöst wurde. Die Schreiben dieser Seat-Fahrer sind lang; sie berichten von mannigfaltigen Knarr- und Klappergeräuschen, Defekten an den Radlagern, schief abgefahrenen Reifen. Auch frühzeitig verrottete Auspuffanlagen und wiederkehrende Bremsdefekte sind beim alten Modell offensichtlich an der Tagesordnung.
Sicher war es ein grober Fehler, dem 1993 vorgestellten Seat Ibiza den gleichen Namen mit auf den Weg zu geben wie dem reichlich unzuverlässigen Vorgänger. Dabei war der Neue, entwickelt unter der Federführung des ehemaligen VW-Forschungschefs Peter Walzer, von unten bis oben fast ein echter VW : Die Bodengruppe ist identisch mit der des VW Polo , der ein Jahr später auf den Markt kam. Motoren und Getriebe stammen mit wenigen Änderungen von Polo und Golf. Für die Karosserieform war der italienische Designer Giorgetto Giugiaro zuständig. Seinem Team gelang eine kompakte Karosserie mit vielen funktionellen Details. Die äußerst eigenwilligen Schalter und Armaturen, die noch im Vorgängermodell mehr für Verwirrung als für funktionale Übersicht gesorgt hatten, gehörten endlich der Vergangenheit an.

Überhaupt erinnerte der neue Ibiza beim Fahren an den artverwandten Golf – mit ein paar wesentlichen Unterschieden: Der Seat ist kleiner, leichter, wendiger und bei gleicher Motorisierung deutlich lebendiger als der aktuelle Golf III. Er bereitet somit all jenen Fahrern besonderes Vergnügen, die sich mit einiger Wehmut an die Kompaktheit des ersten Golf erinnern, der immerhin beinahe 400 Kilogramm leichter und fast 30 Zentimeter kürzer war als heute.

Dabei ist der Seat Ibiza zumindest auf den Vordersitzen so geräumig, daß er selbst von ausgesprochen großgewachsenen Fahrern als angenehmes Langstreckenfahrzeug empfunden wird. Auch der 1,90 Meter große Sportredakteur Guido Stalmann, der häufig mit dem Seat Ibiza zu Rennläufen in ganz Europa aufbrach, machte zwischen den Renneinsätzen von Mugello bis Diepholz und von Brünn bis Le Mans meist gute Erfahrungen: Rund um den höhenverstellbaren Fahrersitz paßte von der großzügigen Verstellmöglichkeit bis hin zur langstreckentauglichen Polsterung beinahe alles.

Auf den Rücksitzen dagegen geht es im Ibiza deutlich enger zu als im aktuellen Golf (Knieraum 63 anstatt 68 Zentimeter). Allerdings ist der aktuelle Golf ein beinahe ungerechter Vergleichspartner, denn er stellt bei näherem Hinsehen sogar einen ganzen Zentimeter mehr Fondraum zur Verfügung als der Taxi-Liebling Mercedes C-Klasse.

An der kompakten Bauform und am niedrigen Gewicht liegt es natürlich auch, daß der Ibiza schon mit bescheidener Motorleistung für flotte Fahrleistungen sorgt. Dabei war im Lauf der 100 000 Kilometer-Distanz sogar eine deutliche Steigerung feststellbar. Offensichtlich gut eingefahren, beschleunigte der Seat Ibiza mit dem 90 PS starken 1,8 Liter-Motor am Ende der Testdistanz um gut eine Sekunde schneller aus dem Stand auf 100 km/h (10,9 statt 11,8 Sekunden). Tempo 160 erreichte der Dauertestwagen stolze zehn Sekunden früher als im Neuzustand (35,0 statt 45,4 Sekunden), und die Höchstgeschwindigkeit stieg von 184 auf 187 km/h. Diese Steigerung kommt daher, daß die innere Reibung der Motoren durch Politur der Lagerstellen und Laufbahnen bei steigender Laufzeit immer mehr abnimmt.

Daß sich über 100 00 Kilometer nicht viel mehr ereignete, als daß der Seat immer flotter wurde, beweist die Störungsliste , in der praktisch nur Kleinigkeiten vermerkt sind. Etliche ließen sich im Zuge der nächsten anstehenden Inspektion erledigen, doch wegen der großen Wartungsintervalle (alle 15 000 Kilometer) mußte der Seat dennoch fünfmal außer Plan in die Fachwerkstatt. Die einzige Panne, die den Ibiza vorübergehend stillegte, war auf den Appetit eines Marders zurückzuführen, der sich ausgerechnet das Kabel zur Lambdasonde des Katalysators schmecken ließ – ein Schaden, den der herbeigerufene ADAC-Pannendienst durch Anlöten des Kabels innerhalb weniger Minuten beheben konnte.

Die Tankuhr dagegen narrte über 80 000 Kilometer immer wieder die Ibiza-Fahrer, indem sie nach dem Volltanken einen nur reichlich halbvollen Tank meldete. Gleich mehrere Versuche, den Fehler durch Austauschen der Tankbelüftungsleitung und Reparaturen an Geber und Kabelanschluß der Tankuhr zu beheben, schlugen fehl. Die Reparaturversuche am Kabelanschluß der Tankuhr führten schließlich sogar zu einem Defekt am Kombi-Instrument, das fortan wohl korrekten Benzinstand, dazu jedoch bei eingeschaltetem Licht erhöhte Wassertemperaturen meldete. Ein Austausch des Instruments bei Kilometerstand 81 521 beseitigte das neue Übel gründlich: Die Anzeige der Wassertemperatur lag wieder auf normalem Niveau, und die Tankuhr arbeitete endlich ohne ihren Hang zur Untertreibung. Auch die anderen Reparaturen hatten triviale Hintergründe: Das Kupplungspedal knarrte zu Anfang des Dauertests so lange nervtötend, bis eine ungeschmierte Pedalwelle als Ursache festgestellt war. Die alarmierenden Anzeichen bei Kilometerstand 28 781, als die Öldruckkontrolle verrückt spielte und mit sinkendem Öldruck einen bevorstehenden Motorschaden vorgaukelte, entpuppten sich als schlichter Schalterdefekt.
Freilich war zum Austausch der zwei verschiedenen Öldruckschalter wieder ein Besuch in der Werkstatt fällig Der Austausch der verschlissenen Wischerblätter bei Kilometerstand 46 096 war dagegen ebenso Routine wie die neuen Scheibenbremsbeläge für die Vorderachse, die bei der 60 000 Kilometer-Inspektion fällig wurden. Nur 10 000 Kilometer später verstärkte der austauschreife Pollenfilter im Frischlufteinlaß die Beschlagneigung der Windschutzscheibe. Beim fälligen Filteraustausch wurde auch gleich die Zentralverriegelung instand gesetzt, die sich seit kurzer Zeit weigerte, die Beifahrertür ordnungsgemäß zu verriegeln.

Das schwirrende Geräusch aus dem Bereich der Auspuffanlage bei Kilometerstand 72 263 ließ sich dadurch beseitigen, daß das Abschirmblech des Katalysators geschweißt wurde. Diese Reparatur kostete knapp 100 Mark, weil dazu extra der Auspuffkrümmer demontiert werden mußte. Es war gleichzeitig eine der wenigen Reparaturen, die außerplanmäßige Kosten verursachten. Weiterhin erforderte das klaffende Fenster in der Beifahrertür, als die Scheibe bei Kilometerstand 82 058 plötzlich polternd in der Tür verschwand, einen außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt. Doch von ein paar Glühbirnchen abgesehen, verursachte nur noch der immer schwächer arbeitende Aufrollmechanismus des Sicherheitsgurts auf der Fahrerseite kritische Eintragungen ins Fahrtenbuch. Er wurde bei Testende ausgewechselt.

Obwohl der Seat Ibiza mit reichlich 100 000 Kilometern auf der Uhr immer noch mit den ersten Stoßdämpfern unterwegs ist, hat das Fahrverhalten darunter nicht gelitten. Der Seat liegt und federt so komfortabel, wie man das von seinen engsten Verwandten aus dem Hause VW gewöhnt ist. In flott gefahrenen Kurven zeigt er einen leichten Hang zum harmlosen Untersteuern, wie er in dieser Klasse zum guten Ton gehört.

Die Veranlagung zu tückischen Lastwechselreaktionen ist ihm fremd, auch wenn der Fahrer mit vollbeladenem Auto in flotten Kurven plötzlich vom Gas muß. Und damit gehören die Fahreigenschaften des Seat Ibiza zum Besten, was heute geboten wird.

Der 90 PS-Motor sorgte speziell gegen Ende des Dauertests für Fahrleistungen, die beinahe denen eines 115 PS starken Golf GTI entsprechen, liegt doch der Beschleunigungswert für den Sprint von null auf 100 km/h bei knapp elf Sekunden. Ansonsten macht es der 1,8 Liter-Motor vom VW-Baumuster 827 leicht, trotz schaltfauler Fahrweise zügig durch die Lande zu kommen, so kräftig schiebt der Zweiventiler schon bei niedrigen Drehzahlen an. Einziger Ansatz zur Kritik: Bei hohen Drehzahlen tönt das Triebwerk allzu kernig. Im fünften Gang dröhnt der Motor ab Tempo 130 derart nervtötend, daß man das Radio kaum noch hört.

Wegen seiner hohen Verdichtung von 10,0:1 muß der Vierzylinder mit Super bleifrei gefahren werden, doch er geht damit nicht sehr knauserig um: Im Lauf der überwiegend zügig abgewickelten 100 000 Kilometer- Distanz begnügte er sich selten einmal mit weniger als sieben Litern pro 100 Kilometer. Der Maximalverbrauch von 11,3 Litern auf 100 Kilometer stellte sich dagegen als das Endprodukt einer äußerst zügig zurückgelegten Autobahnetappe dar. Insgesamt errechnet sich ein Durchschnittsverbrauch von 8,7 Litern pro 100 Kilometer. Immerhin verbraucht der Seat Ibiza damit gerade einen Liter mehr als der Renault Twingo, der den Dauertest bei auto motor und sport annähernd zur gleichen Zeit absolvierte. Inklusive Reparaturen, Ölwechsel, Wartung, Kraftstoff und Reifen verursachte der Seat Ibiza über die gesamte Distanz von 100 000 Kilometern exakt die gleichen Kosten wie der Renault Twingo (15 563 Mark).

In den reinen Wartungs- und Reparaturkosten schlägt er den deutlich kleineren Twingo dagegen klar: Gerade 1,3 Pfennig pro Kilometer kostet der Seat Ibiza, immerhin zwei Pfennig weniger als der kompakte Twingo.

Braucht man Winterreifen? Gewiß, denn erst mit griffigem Profil wird der leichte Seat zum talentierten Winterauto. Bestens bewährten sich die Continental Winter Contact TS 750. Als Sommerreifen empfiehlt sich die Erstausstattung mit Michelin MXV 2, die mit reichlich 30 000 Kilometern auch die beste Laufleistung bieten konnten. Zweifellos wird die Dauertestbilanz dadurch geschönt, daß großzügig Kulanz gewährt wurde: Bis bei einem normal genutzten Auto nach 100 000 Kilometern etwa der Gurtmechanismus lahm wird oder die Zentralschließanlage nach 80 000 Kilometern ausfällt, dürften in der Regel deutlich mehr als fünf Jahre vergehen, und dann ist von Entgegenkommen seitens des Herstellers sicher keine Rede mehr.

Nicht ganz so günstig schließt der Seat im Kapitel Wiederverkaufswert ab. Vom ursprünglichen Neupreis, der sich im Herbst 1993 einschließlich Extras auf 25 110 Mark errechnete, ließ das Gutachten nach Ende der 100 000 Kilometer-Distanz gerade noch 10 200 Mark als Restwert gelten. Dabei wurden mehrere kleine Beulen in den Kotflügeln und Türen sowie ein kleinerer Steinschlag in der Frontscheibe als geringfügige Wertminderung einbezogen, doch solche Spuren dürften nach 100 000 Kilometern unumgänglich sein.

Die abschließende Untersuchung auf dem Abgasprüfstand des TÜV Bayern in München offenbarte auch einen Katalysator, an dem die lange Strecke nicht spurlos vorübergegangen ist. Der Seat schafft die alten Grenzwerte nicht mehr, allerdings muß man dabei berücksichtigen, daß diese Werte in Deutschland immer nur für Neuwagen gegolten haben. Immerhin läßt die Grenzwertüberschreitung auf einen nachlassenden Wirkungsgrad der Kat- Anlage schließen, und damit steht der Seat Ibiza deutlich schlechter da als etwa der Peugeot 106, der die gleiche Distanz vor einiger Zeit absolvierte, ohne die strengeren Euro II-Limits zu überschreiten. Bis der Kat so weit nachgelassen hat, daß der Seat bei einer AU unangenehm auffällt, können aber noch einmal 100 000 Kilometer vergehen. So überstand der Ibiza den Dauertest bei auto motor und sport mit nur wenigen Flecken auf der ansonsten sauberen Weste. Der Seat war ein angenehmes Auto, gleichzeitig in hohem Maße familienprotestsicher und langstreckentauglich. Die geringen Reparaturkosten stempeln ihn zum Top- Angebot für alle, die vom kleinen Auto große Leistungen erwarten. So gesehen waren die 100 000 Kilometer nur ein kleiner Schritt für den Dauertest- Ibiza, doch ein großer Schritt für die VW-Tochter Seat.

Technische Daten
Seat Ibiza GLX 1.8i
Grundpreis13.150 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3813 x 1640 x 1408 mm
KofferraumvolumenVDA270 bis 580 L
Hubraum / Motor1781 cm³ / 4-Zylinder
Leistung66 kW / 90 PS (145 Nm)
Höchstgeschwindigkeit181 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,4 s
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