Skoda Superb 1.9 TDI Greenline im Jahrestest

60.000 Kilometer mit dem großen Tschechen

Nach gut einem Jahr und 60.000 Kilometern fällt die Dauertest-Bilanz des geräumigen Skoda Superb TDI Greenline fast makellos aus. Und dabei verspricht die zweite Superb-Generation mit ihrem günstigen Einstiegspreis viel Auto fürs Geld.

Der Blick in die Superb-Preisliste verrät gleich zweierlei über das Topmodell von Skoda. Am oberen Ende bietet die Limousine Allradantrieb und 260 PS aus 3,6 Liter Hubraum, verteilt auf sechs Zylinder - solche Eckdaten demonstrieren das gewachsene Selbstbewusstsein der Tschechen und deuten Ambitionen Richtung Oberklasse an.

Viel Auto fürs Geld

Dagegen macht der günstige Einstieg bei 23.250 Euro deutlich, dass man die preisbewusste Stammkundschaft nicht aus den Augen verloren hat. So oder so: Die zweite, 4,84 Meter lange Superb-Generation verspricht viel Auto fürs Geld.

Die Greenline Version soll den Verbrauch um 0,8l auf 100km senken

Für den Jahrestest entschied sich die Redaktion für ein bodenständig-vernünftiges Modell mit dem leistungsschwächsten Diesel und kombinierte das im VW-Konzern altbekannte, 105 PS starke Pumpe-Düse-Triebwerk mit der auf niedrigen Verbrauch getrimmten Greenline-Version. Deren Änderungen beschränken sich auf aerodynamisches Feintuning in Form einer Spoilerlippe am Heck und einer geringfügig tiefergelegten Karosserie. Zudem ist der Reifendruck der 16-Zoll-Aluräder um 0,3 bar erhöht und das Fünfganggetriebe in den oberen drei Gängen länger übersetzt. Eine optimierte Motorsteuerung und eine Schaltanzeige im Cockpit runden das Paket ab. Selbst ohne Start-Stopp-Technik oder Bremsenergie-Rückgewinnung soll der Verbrauch so um 0,8 Liter pro 100 Kilometer sinken.

Eine Sitzheizung ist für den Greenline nicht zu haben

Zurückhaltung übte die Redaktion auch bei der Wahl der zusätzlichen Optionen. Ein Tempomat ist bereits im Greenline-Aufpreis von 740 Euro enthalten. Ansonsten wurden angekreuzt: Parksensoren (330 Euro) am unübersichtlichen Heck, Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht (110 Euro), Scheinwerferreinigung (140 Euro), Berganfahrassistent (130 Euro), Freisprecheinrichtung "Premium" (850 Euro) und das mittlerweile serienmäßige Musiksystem "Swing" (430 Euro). Aus diesem Grund wäre der Testwagen heute mit 26.780 Euro sogar um 100 Euro günstiger als bei der Bestellung Ende 2008, obwohl sich der Basispreis seitdem um 300 auf 25.190 Euro erhöht hat. Eine Sitzheizung wäre noch wünschenswert gewesen, ist aber für den Greenline ebenso wenig zu haben wie etwa ein Glasschiebedach.

Die Normangabe von 5,1 L/100 km ließ sich mehrfach unterbieten

Die anfängliche Skepsis, ob der in aufpreisfreiem Candyweiß lackierte Superb wegen seiner puristischen Ausrichtung im Redaktionsalltag auf wenig Gegenliebe stoßen würde, erwies sich als völlig unbegründet. Kein Eintrag im Jahrestest-Begleitbuch beklagte auch mangelndes Temperament der leer immerhin 1,5 Tonnen schweren Limousine; ebenso wenig gab die längere Greenline-Getriebeübersetzung Anlass zur Kritik. Ganz im Gegenteil: Antritts- und Durchzugsstärke des Turbodiesels wurden als völlig ausreichend betrachtet. Mancher wünschte sich gar einen sechsten Gang, um den ohnehin günstigen Verbrauch auf langen Autobahnetappen noch weiter zu senken.

Die Normangabe von 5,1 L/100 km (seit Oktober 2009 nur noch 4,9 Liter) ließ sich mehrfach unterbieten. Selbst bei ungünstigsten Bedingungen flossen selten mehr als acht Liter durch die Pumpe-Düse-Elemente. Über die 60.000 Kilometer Gesamtdistanz pendelte sich der Verbrauch bei 6,3 L/100 km ein - angesichts des gebotenen Fahr- und Raumkomforts äußerst respektabel.

Fürstliche Beinfreiheit im Skoda-Fond

Sobald es darum ging, eine längere Etappe mit mehr als zwei Erwachsenen anzugehen, war der Superb erste Wahl. Selbst Kollegen, die sonst auf den Platz hinter dem Lenkrad beharren, ließen sich nur allzu gerne im überaus geräumigen Skoda-Fond chauffieren. Kein Wunder bei der fürstlichen Beinfreiheit, die sogar die einer Mercedes E-Klasse übertrifft. Im Begleitbuch wurde die deutlich teurere Limousine mit dem Stern auch in anderen Bereichen als Vergleichsmaßstab herangezogen - das spricht für die hohe Wertschätzung, die sich der Superb im Dauertest-Alltag erarbeitet hat. Mühelose Bedienung, agiles Handling und eine tadellose Verarbeitung des zurückhaltend und hochwertig gestalteten Interieurs finden lobende Worte.

Wenig Anlass zur Klage

Sitze und Federungskomfort überzeugen auch auf langen Strecken, sieht man von der gelegentlich auftretenden Stuckerneigung an der Vorderachse ab. Der brummige Vierzylinder stört nur bei kräftiger Beschleunigung, auf der Autobahn beeinträchtigt er die angenehme Geräuschkulisse kaum. Bis Ende des Jahres ersetzt Skoda - wie bereits in den anderen Baureihen geschehen - das Pumpe-Düse-Aggregat durch einen gleich starken 1,6-Liter-Common-Rail-Diesel. Die Eigenschaften des großen Tschechen geben also wenig Anlass zur Klage, aber wie sieht es mit der Zuverlässigkeit aus?

Bis auf ein paar Kleinigkeiten alles bestens

Bis auf ein paar Kleinigkeiten alles bestens. Lediglich ein defekter Geber für die Abgastemperatur musste außerhalb der beiden Inspektionstermine auf Garantie gewechselt werden. Ansonsten beschränkten sich die Probleme auf den Ausfall einer Scheinwerferbirne und einer Kennzeichenleuchte, die ohne Schwierigkeiten in Eigenleistung ausgetauscht werden konnten. Im Rahmen einer Serviceaktion rief Skoda den Superb in die Werkstatt, wo beide Nebelscheinwerfer ersetzt und das Unterteil des Heckklappenschlosses neu fixiert wurde, obwohl beides im Testwagen keine Auffälligkeiten zeigte. Ebenfalls ohne Probleme funktionierte die Twin-Door genannte Kofferraumklappe, die trotz Stufenheck-Silhouette bei Bedarf einen großen Zugang zum Ladeabteil ermöglicht, im Normalfall aber nur eine kleine Öffnung preisgibt.

Der Kombi kostet lediglich 700 Euro mehr

Ungeduldige Nutzer bemängeln den geringen, jedoch merklichen Zeitverzug, den der zuverlässig arbeitende Mechanismus benötigt, um den kleinen Deckel mit der Heckscheibe zur großen Klappe zusammenzuspannen. Mit 1.670 Liter Maximalvolumen stellt die Limousine so manchen Mittelklasse-Kombi in den Schatten. Wer die große Klappe bevorzugt, hat jedoch mittlerweile eine attraktive Alternative. Als eleganter Kombi kostet der Skoda lediglich 700 Euro mehr als die Limousine und wartet mit einem noch größeren Gepäckraum auf. Damit dürfte sich der Superb endgültig in der von Kombis dominierten Mittelklasse etablieren.

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Peter Wolkenstein

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