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Subaru Forester 2.0 GX

Überall- Kommando

Subaru Forester 2.0 GX

Der Subaru Forester 2.0 GX ist ein Auto für alle Fälle. Mit Allradantrieb und hoch  gesetzter Kombi-Karosserie eignet er sich bei jedem Wetter auch ür Einsätze abseits befestigter Wege. Wie hält dieser japanische Allrounder den Belastungen von 100 000 Kilometer Dauertest stand?

30.12.1999 Thomas Fischer

In deutschen Landen ist ein Subaru fast so wertvoll wie ein Porsche – zumindest was den Seltenheitswert betrifft. Gerade mal 11 469 verkaufte Einheiten konnte der deutsche Subaru-Importeur im hessischen Friedberg von Januar bis Oktober dieses Jahres verbuchen. Ein Drittel davon entfiel auf den Forester, der Rest verteilte sich auf die drei anderen Subaru-Baureihen Justy , Impreza und Legacy .
Während der Marktanteil der auf allradgetriebene Autos spezialisierten japanischen Marke in Deutschland nur 0,36 Prozent beträgt, ist er in der bergigen Schweiz zehn Mal so hoch (3,6 Prozent). Alpen-Nähe kann aber kein alleiniges Kaufargument für einen Subaru sein, denn im nicht weniger schneereichen Österreich liegt der Verkaufsanteil auch nur bei 0,5 Prozent. Der Grund: Österreicher bevorzugen Diesel-Autos, aber die führt Subaru nicht in seinem Programm.
Der Forester , in der Klasse zwischen 40 000 und 50 000 Mark eine einzigartige Kreuzung zwischen Kombi und Geländewagen (siehe auch Lesererfahrungen ), kam im Oktober 1997 zunächst mit der von 80 Prozent aller Kunden bevorzugten und deshalb auch zum Langzeittest herangezogenen Basismotorisierung auf den Markt: mit zwei Liter großem Vierzylinder-Boxer und 122 PS. Ein Jahr später ergänzte eine 170 PS starke Turbo- Variante das Angebot. Der rote Dauertestwagen in der höherwertigen GX-Ausstattung, inklusive Extras 49 205 Mark teuer, startete am 27. Februar 1998 zum 100 000-Kilometer- Test. Die erste Dienstfahrt führte zum Automobilsalon nach Genf und zu ersten Bemerkungen in der Bordkarte: „Benzinuhr ungenau – wenn die Nadel leer signalisiert, sind noch zehn Liter im Tank.“
Die voreilende Tankanzeige begleitete die Forester-Fahrer über die gesamte Testdistanz, der ab Kilometerstand 7632 zeitweise auftretende Ölgeruch im Innenraum nur wenige Wo chen. Dann wurde die Ursache – ein undichter Getriebeölstopfen – erkannt. Nach dessen Austausch war die Luft wieder rein. Die folgenden 21 Monate zog der Forester, ganz im Sinne seiner Erfinder, als Allzweck- Auto kreuz und quer durch Europa seine Bahnen.

Beim Brennholzsammeln im Wald prüfte auto motor und sport-Produktionschef Hans- Jürgen Kuntze die Offroad- Tauglichkeit. Mit einem vollgeladenen 1000-Kilogramm-Anhänger im Schlepp pflügte er mit dem Subaru durch ausgefahrene, verschlammte Forstwege.
Sein Kommentar: „Dank großer Bodenfreiheit setzt der Forester kaum einmal auf, Hängenbleiben ist wegen der guten Traktion kein Thema, nur die Geländereduktion müsste etwas kürzer übersetzt sein – bergab wird die Fuhre zu schnell.“ Der Zuschalthebel für die Getriebereduktion ist zudem ungünstig direkt neben dem Handbremshebel platziert. Es kam nicht selten vor, dass statt des Brems- der Reduktionshebel gezogen wurde – nur im Stand und deshalb ohne schädliche Nebenwirkungen. Überhaupt ist die Bedienung des Forester ein düsteres Kapitel – nicht nur der nächtens unzureichenden Innenraumbeleuchtung wegen. Es gibt nur eine Lampe, und die sitzt im Dachhimmel über dem Fond. Vorne bleibt es beim Öffnen der Türen zappenduster, wenn nicht von Hand die beiden Leseleuchten zugeschaltet werden.
Rätsel werfen nachts auch die vielen unbeleuchteten und verstreut angeordneten Schalter auf. Wer sich von der großen „Bright“-Taste im Cockpit Erhellung erhofft, wird enttäuscht: Damit lässt sich nur die außerhalb des Blickfelds am oberen Windschutzscheibenrahmen montierte Digitaluhr auf- und abblenden. Die Fernbedienung für die Zentralverriegelung ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss: Die beiden Druckknöpfe sind viel zu klein, und auch die Reichweite lässt zu wünschen übrig.
Unverständlich auch, warum ein Auto, das vornehmlich für den Wintereinsatz konstruiert ist, keine Außentemperaturanzeige besitzt und mit einer Heizung ausgerüstet ist, deren Wirkung stark von der Motordrehzahl abhängt. Die serienmäßige Sitzheizung kann auch nicht überzeugen. Stufe eins ist zu schwach, Stufe zwei hingegen würde sich zum Braten von Spiegeleiern eignen: Sie vermittelt das Gefühl, auf einer heißen Herdplatte zu sitzen. Aber auch im positiven Sinn ist der Forester ein heißer Stuhl. Wer einmal mit ihm tief verschneite Passstraßen bewältigt hat, versteht, warum die Schweizer so auf Subaru abfahren. Mit permanentem Allradantrieb und groß dimensionierten Rädern gämst der Forester die steilsten Anstiege hoch.
Doch Obacht in Kurven: Ein Gasstoß zuviel – das Heck bricht aus. Auch beim Bremsen ist der Allradler trotz serienmäßigem ABS mit Vorsicht zu genießen: Der Anhalteweg ist meist länger als erwartet. Das liegt in erster Linie an den Reifen. Die Allwetterpneus von Bridgestone (Dueler) und Goodyear (Eagle GA) bauen im Schnee, aber auch bei Nässe zu wenig Grip und Seitenführung auf. Abhilfe schaffen da nur echteWinterreifen, aber die sind für die rare Dimension 205/70 R 15 kaum zu bekommen.

Auf befestigten Straßen, aber auch auf Sand- und Schotterpisten hingegen sind die Allwetterreifen, mit denen der Forester sehr schonend umging, vollauf zufriedenstellend. auto motor und sport-Redakteur Burkhardt Hübner konnte sich davon auf einer 8000-Kilometer- Tour nach Marokko überzeugen. Sein Fazit: „Auch auf schlechten Pisten macht die Karosserie einen soliden Eindruck, die Innenraum-Belüftung ist auch ohne Zuschalten der serienmäßigen Klimaanlage erträglich, und die Sitze sehen zwar billig aus, bieten aber einen guten Langstreckenkomfort.“ Obwohl sich die Lehnen nach japanischer Unsitte nicht stufenlos, sondern nur grobrastig einstellen lassen, finden nahezu alle Staturen schnell eine optimale Sitzposition.
Die Rundumsicht ist dank der hohen Position, der eckigen Karosserie, der niedrigen Gürtellinie und der großen Außenspiegel so gut wie bei kaum einem anderen Auto. Das lässt den Forester handlicher erscheinen, als er in Wirklichkeit ist. Dagegen spricht schon der riesige Wendekreis von 11,90 Meter – viel Holz für ein nur 4,45 Meter langes Auto.
Hölzern auch die Federung. Sie sollte beim Überfahren von Unebenheiten etwas geschmeidiger ansprechen und bei hoher Zuladung die Karosserie weniger stark zum Wanken anregen. Von außen wirkt der Forester seiner stattlichen Statur wegen größer, als es drinnen aussieht. Im Innenraum herrscht zwar genügend Kopffreiheit, und es gibt auch genügend praktische Ablagefächer, aber im Fond mangelt es an Knieraum. Auch der knappe Gepäckraum stempelt den Subaru nicht gerade zum Familienauto. Wer hingegen zu zweit verreist, kann die Rücksitzlehnen einzeln umklappen. Das ergibt zwar keinen topfebenen Ladeboden, aber zumindest die Möglichkeit, sperrige Gegenstände zu verstauen. Zwei-Meter- Skier ragen dann aber bis zum Schalthebel vor.
Das herausragende Karosseriemerkmal des Forester ist die Höhe. Die erschwert zwar das Beladen des Kofferraums, erleichtert aber das Ein- und Aussteigen der Passagiere, die dabei nur darauf achten müssen, dass sie ihre Kleidung nicht schmutzig machen. Der Straßendreck setzt sich nämlich im Schwellerbereich fest, während die weit oben liegenden Fensterscheiben weitgehend verschmutzungsfrei bleiben. Für Schmuddelwetter ist der Subaru ohnehin gut gerüstet. Die Scheibenwischer funktionieren einwandfrei, Abblend- und Nebelscheinwerfer spenden gutes Licht. Nur das Fernlicht könnte besser sein. Es streut mehr in die Breite, als in die Tiefe zu leuchten.
Größter Schwachpunkt des Forester ist die Motor- und Getriebeeinheit. Der Zweiliter-Boxer läuft zwar vibrationsarm, aber ruckelig im Stop-and-Go- Verkehr und wird bei höheren Drehzahlen unangenehm laut. Drehen ist aber angesagt, weil der Vierzylinder unten heraus zu wenig Durchzugskraft bietet, um den 1380 Kilogramm schweren Subaru angemessen zu beschleunigen.
Auch die Übersetzung passt nicht richtig: Der Sprung zwischen zweitem und drittem Gang ist zu groß. Und die Schaltung ist eines japanischen Autos unwürdig: Speziell in kaltem Zustand lassen sich die Gänge nur zäh einlegen. Der Schalthebel fühlt sich dabei an, als stecke er in einem Eimer mit aushärtendem Mörtel.

Die Fahrleistungen leiden unter der Drehmomentschwäche des Motors und der schlechten Aerodynamik der ebenso kantigen wie hoch aufragenden Karosserie. Das Einzige, was beim Gasgeben richtig hochschnellt, ist der Verbrauch: Durchschnittlich 11,2 L/100 km sind für ein Auto dieser Größenordnung zuviel. Vergleichsweise teuer deshalb auch die Unterhaltskosten, die zusätzlich durch unzeitgemäß kurze (12 500 km) Wartungsintervalle in die Höhe getrieben werden. Die großen Inspektionen schlagen mit 737 bis 1045 Mark zu Buche. Da sind auch drei Jahre Garantie kein Trostpflaster. Zumal kaum etwas kaputtzugehen scheint. Die Störungstabelle liest sich erfreulich kurz.
Getauscht werden mussten ein Motorsteuergerät, eine Kupplungsscheibe, zwei Radlager und die elektrische Radio- Antenne. Keine blütenweiße Weste zwar (drei außerplanmäßige Werkstatt-Aufenthalte), aber ein akzeptables Ergebnis für ein hart strapaziertes Auto. Dem waren die 100 000 Kilometer am Ende nicht anzumerken. Der freudlos gestaltete Innenraum – das Ambiente erinnert an die achtziger Jahre – hat keine Macken davongetragen. Die Karosserie klappert ebenso wenig wie am ersten Tag, die Sitze sind nicht durch gesessen. Und auch der Wertverlust (rund 48 Prozent) hält sich in Grenzen.
Der Forester ist – im Gegensatz zu vielen deutschen Konkurrenten in diesem Preissegment – kein vordergründig glänzendes Auto, sondern eine ehrliche Haut, die viele Rollen spielen kann: Waldmeister, Wüstenschiff oder Snowmaster. Seine inneren Werte wissen nicht nur alpenländische Autofahrer zu schätzen, sondern auch die in Süddeutschland häufig vorkommenden Steinmarder. Sie fanden am Forester soviel Geschmack, dass sie gleich vier Mal die Zündkabel anknabberten und die Dämmmatte im Motorraum zernagten.       

Vor- und Nachteile

  • Sehr gute Traktion
  • Übersichtliche Karosserie
  • Hohe Zuverlässigkeit
  • Gute Sitzposition
  • Große Bodenfreiheit
  • Geringer Reifen- und Bremsenverschleiß
  • Wenig Platz im Fond
  • Kleiner Gepäckraum
  • Hoher Benzinverbrauch
  • Kurze Serviceintervalle und hohe Wartungskosten
  • Geschwindigkeitsabhängige Heizung
  • Unpraktische Bedienung
  • Hakelige und schwergängige Schaltung
  • Durchzugsschwacher, ruckeliger Motor
  • Rupfende Kupplung
  • Ungenaue Tankuhr
Technische Daten
Subaru Forester
Grundpreis23.514 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4450 x 1735 x 1595 mm
KofferraumvolumenVDA406 bis 1528 L
Hubraum / Motor1994 cm³ / 4-Zylinder
Leistung90 kW / 122 PS (176 Nm)
Höchstgeschwindigkeit178 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,8 s
Verbrauch9,2 L/100 km
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