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Subaru Legacy 2.5 GX

Gold-Reserven

Subaru Legacy 2.5 GX

Spektakulär war nur sein Ende: Orkantief Lothar und eine morsche Buche verwandelten den Subaru Legacy 2.5 GX nach 80 000 Kilometern in einen Totalschaden. Im Testalltag fiel der Allrad-Kombi speziell dadurch auf, dass er nicht auffiel - erst recht nicht mit mangelnder Verlässlichkeit.

06.03.2000

Sein Leben war kurz, aber intensiv. Als Foto-Auto begleitete er die Mille Miglia und schnürte kurz darauf quer durch Schottland, als Zugwagen fuhr er an die Cote d’Azur und als schleifchengeschmücktes Mitglied einer Hochzeitsgesellschaft durch den frisch verschneiten Schwarzwald. Am Ende hätte er gern noch etwas länger bleiben können: Nur etwa 18 000 Kilometer hätten dafür schon gereicht.
Das wäre der Weg bis zum Abschluss der Dauertest-Distanz gewesen, als der Legacy am zweiten Weihnachtsfeiertag von einer entwurzelten Buche erschlagen wurde.
Zwei Parkplätze weiter rechts, und er hätte auf der sicheren Seite gestanden - und später wohl auch auf den besseren Rängen der auto motor und sport-Mängelstatistik. Dass er das Talent dazu mitbrachte, hatte der goldene Kombi in den 13 Monaten zuvor bewiesen.
Nur einen Tag lang war er außerhalb der Inspektionen in der Werkstatt , wo nach 47 769 Kilometern die Bremsanlage entlüftet und ein Reifenventil erneuert wurde. Anlass zur Kritik gaben zwar die knappen Wartungsintervalle von nur 12 500 Kilometern, nicht aber seine kurze Störungsliste: Sie berichtet lediglich von einem hakenden hinteren Gurtschloss, schmierenden Wischerblättern und ausgetauschten Glühlampen. Außerdem wurden während einer Inspektion bei Tachostand 36 720 die vorderen Bremsscheiben und -beläge ausgetauscht.
Ansonsten waren weder hoher Reifenverschleiß noch ein ungebührlicher Umgang mit Schmierstoff zu verzeichnen: Innerhalb der rund 82 000 Kilometer musste nur ein halber Liter Öl nachgefüllt werden.

Aufenthalte auf der Standspur gab es während der Testdistanz ebenso wenig zu beklagen wie sichtbare Spuren des Alterns: Bis sich Orkantief Lothar in die gelbe Dauertest-Karte eintrug, empfing der Kombi seine Fahrgäste mit steifer Karosserie, jugendfrischem Fahrwerk und straffen Ledersitzen. Nur seinem glattgegriffenen Lenkradkranz war die erste Patina anzusehen.
Strikte Unauffälligkeit war - trotz des außergewöhnlichen Goldmetallic-Tons - ein Prinzip des Nischenmodells, das es im vergangenen Jahr auf 4405 deutsche Kaufverträge brachte. Mit seinem etwas verkniffenen Scheinwerfer-Blick und einem nüchternen Design, das Subaru galant als evolutionär umschreibt, scheint der Legacy mit Pragmatikern ins Geschäft kommen zu wollen, die sich selbst einen Luxus-Kombi so sachlich und klassenlos wünschen wie das Formular ihrer Steuererklärung.
Auch das Interieur des Subaru ist nicht angetan, das Herz von Gestaltungs-Gourmets zu erwärmen. Die grauen Plastikflächen wirken zwar akkurat verarbeitet, aber auch so trist, dass sich selbst die Intarsien aus Holzimitat und die im Preis inbegriffenen Lederpolster schwer tun, einen Hauch von Verwöhnaroma zu verbreiten.
Selbst die serienmäßige Komplettausstattung macht nur so lange Eindruck, wie der Subaru-Interessent keinen Blick auf die Preisliste wirft. Sie taxiert den Legacy 2.5 GX Kombi auf stolze 63 790 Mark - wenn auch inklusive der sehr wirksamen Klima-Automatik, zweier elektrisch betätigter Glasdächer, Automatik-Getriebe, Fahrdynamik-Regelung, Tempomat, Sitzheizung, vier elektrischen Fensterhebern und Alufelgen.
Trotz dieses Rundumglücklich-Pakets liegt sein Preis aber noch 450 Mark über seinem Hauptkonkurrenten, dem VW Passat Variant V5 4motion mit vergleichbarer Ausstattung. Und der hat dem Subaru nicht nur den geringeren Wertverlust voraus, sondern auch den gediegeneren Funktionsschliff, den Legacy-Fahrer im Alltag öfter vermissen.
Das beginnt, wenn der Pilot vergeblich nach der passenden Sitzeinstellung angelt und auf eine viel zu grob gerasterte Lehnen-Verstellung trifft, und es endet beim Verriegeln, wenn ihn die Funk-Fernbedienung über ihr Tun im Unklaren lässt. Denn das Schließen der Türen bestätigt nur ein leises Klicken, aber kein kurzes Blink- oder Hupsignal.
Die Finger anderer Fahrer zeigten auf die „viel zu fummelige Bedienung der Scheibenwischer am unübersichtlichen Multifunktionshebel" (Bordkarten-Eintrag), auf die unpraktisch platzierten Tasten der Sitzheizung in der Mittelkonsole („Man schaltet sie oft aus Versehen mit dem Ellbogen ein"), auf das empfangsschwache Philips-Radio und den ungenauen Tachometer („fast 15 Prozent Voreilung").

Als unpraktisch entlarvten Langstrecken-Fahrer auch die dritte Kopfstütze der hinteren Sitzbank, die sie beim Blick in den Rückspiegel ebenso störte wie beim Rangieren - und selbst dann noch, wenn sie aus der Lehne gepflückt wurde: Weil sie sich nicht im flachen GX61a-raun uiiuci uci Lautfläche verstauen ließ, wanderte sie oft wochenlang in den Fußräumen umher.
Zu den ebenfalls gut gemeinten, aber nicht zu Ende gedachten Goodies rechneten Kritiker die beiden Glasdächer. „Eine Fehlkonstruktion", zürnte etwa Redakteur Heinrich Lingner: „Sie sind beide zu klein, und das vordere lässt sich nur einen Spalt weit aufklappen." Subaru, darüber herrschte Einigkeit unter den LegacyFahrern, sollte am besten die große Dachluke des günstigeren Forester implantieren.
An Bord bleiben sollte dagegen der durchzugsstarke 2,5 Liter-Boxermotor mit 156 PS. Speziell sein ungewöhnliches Geräusch, das bauartbedingt kernige Grummeln, gefiel den meisten Fahrern so gut wie sein kraftvoller Durchzug und der vibrationsarme Lauf.
Weniger zeitgemäß wirkt dagegen der Verbrauch des Vierzylinders: Bei schneller Autobahnfahrt überschritt er mehrmals ungeniert die 15-Liter-Grenze, und selbst sein Durchschnittskonsum pendelte sich auf kaum noch akzeptable 11,9 Liter ein. Dabei liegt das Legacy-Leergewicht mit 1510 Kilogramm nicht auffallend hoch, und auch die erlaubte Zuladung von 475 Kilogramm wurde nur auf wenigen Autobahn-Törns genutzt.
Dennoch zog sich ein zweiter Dauer-Kritikpunkt durch das Leben des Legacy: die Wirkung seiner Bremsen, die vielen Fahrern zu schwammig vorkamen. Sie vermissten einen exakten Druckpunkt und kritisierten die hohen Pedalkräfte. Tatsächlich neigten die Bremsscheiben und -beläge zu schnellem Verschleiß, doch auch nach ihrem Erneuern riss die Kette der Klagen nicht ab.

Größeren Zuspruch fand das Wirken des serienmäßigen Viergang-Automatikgetriebes. Es tat sich mit sanften Gangwechseln und mit adäquaten Schaltpunkten hervor: Nur sehr eilige Fahrer spürten bisweilen das Bedürfnis, den Wählhebel beim Beschleunigen in die dritte Stufe zurückzuziehen.
Selbst sie schätzten aber die gelungene Federungs-Abstimmung, die ihre straffe Note mit einer angenehmen Komfort-Nuance verband, die direkte Lenkung und die gutmütigen Fahreigenschaften des Subaru. Seinen hohen Grenzbereich kündigte er in schnellen Kurven mit einem dezenten Untersteuern an. Relativ früh und deutlich spürbar schaltete sich die serienmäßige Fahrdynamik-Regelung VDC (Vehicle Dynamic Control) ein und bremste die kurvenäußeren Räder ab.
Zum Erstaunen vieler Fahrer, die den Allrad-Kombi zum ersten Mal bewegten, vermittelte der Legacy ein Gefühl von sportlicher Leichtfüßigkeit und weckte den Appetit auf kleine, kurvige Landstraßen. Wenn er sie - speziell im Winter - gelegentlich verließ und auf kleine Nebenwege abbog, dann halfen ihm die serienmäßige Niveauregulierung und sein permanenter Allradantrieb: In verschneiten Seitentälern des Montafons und der Vogesen machte er seine Benutzer zu Eis-Prinzen mit breit grinsenden Gesichtern.
Einigen von ihnen gefror das Lächeln am zweiten Weihnachts-Feiertag: Sie hatten das Nischenauto Legacy als verlässlichen und komfortablen Reisebegleiter kennen gelernt, der sich jedem Image-Urteil entzog. Trotz aller Kritik waren sie sich am Ende einig: Sein Leben war intensiv, aber auch zu kurz.

Vor- und Nachteile

  • Hohe Zuverlässigkeit
  • Sichere Fahreigenschaften
  • Durchzugsstarker Motor
  • Direkte Lenkung
  • Ausreichendes Platzangebot
  • Solide Verarbeitung
  • Wirksame Klimaanlage und Heizung
  • Geringer Reifenverschleiß
  • Hohe Anhängelast von 1800 kg
  • Drei Jahre oder 100 000 Kilometer Garantie
  • Hoher Verbrauch
  • Schwammiges Bremsgefühl/ schneller Bremsen-Verschleiß
  • Ungünstige Kasko-Einstufung Teilweise eingeschränkte Funktionalität
  • Zum Teil billig wirkende Materialien
  • Hohe Wartungskosten durch kurze Inspektions-Intervalle
Technische Daten
Subaru Legacy 2.5
Grundpreis28.740 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4605 x 1695 x 1415 mm
KofferraumvolumenVDA455 L
Hubraum / Motor2457 cm³ / 4-Zylinder
Leistung115 kW / 156 PS (223 Nm)
Höchstgeschwindigkeit208 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,0 s
Verbrauch9,3 L/100 km
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