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Toyota Corolla Verso 2.0 D-4D

Grauer Star

Toyota Corolla Verso 2.0 D-4D

Mit bemerkenswerter Zuverlässigkeit absolvierte der optisch unspektakuläre fünfsitzige Kompaktvan mit 2.0-D-4D-Motor seinen zweijährigen Dienst in der Redaktion.

02.07.2004

Es hat nicht mehr ganz gelangt: Noch bevor der Corolla Verso Jahrgang 2002 den auto motor und sport-Dauertest hinter sich bringen konnte, war schon der Nachfolger auf dem Markt. Mit nur 28 Monaten währte die Markt-Präsenz der ersten Generation in Deutschland nicht viel länger als jene knapp zwei Jahre, die das mondsteingrau-metallicfarbene Exemplar in der Redaktion verbrachte.

Um es vorwegzunehmen: Der fünfsitzige Kompaktvan, irgendwo zwischen Opel Zafira , Renault Scénic und Citroën Picasso einzuordnen, erfüllt das Klischee vom zuverlässigen Japaner nahezu perfekt. Und setzt damit eine gute Tradition fort, denn bereits 1985 und 1989 bewiesen Corolla-Modelle bei auto motor und sport im 100 000- Kilometer-Marathon Ausdauer. Mit einem Mängelindex von 5,5 löst der Verso nun im klasseninternen Duell den bisherigen Spitzenreiter Opel Zafira (Heft 1/2002 ) ab. Zicken-, allüren- und leider auch rußfilterfrei dieselt der 90 PS starke Verso D-4D quer durch Europa, sieht Rom und Cortina, erklimmt den Gotthard, sprintet nach Wolfsburg, Zossen und zum Sachsenring. Er speditiert Kinderwagen, Gleitschirme und Dachboxen, bewährt sich als Assistent bei Fotoproduktionen, profiliert sich dank einklapp- und demontierbaren Rücksitzen als Umzugshilfe und Transportkapazität. Beim Verladen größerer Posten im zwischen 417 und 1760 Liter fassenden Gepäckraum vermisst man bisweilen jedoch ein sicherndes Trenn-Netz. Uneingeschränkten Zuspruch bekommen hingegen das Platzangebot vorn und hinten sowie die praxisgerechten Ablagen. Ein Beispiel für japanischen Pragmatismus: Aussparungen im Armaturenbrett als Cupholder statt aufwendiger, sich kunstvoll entfaltender Mechaniken.

Kritik kassiert die kutschbockartige Sitzposition: Das nur in der Neigung einstellbare Lenkrad steht sehr flach, und die Position des Gaspedals erweist sich auf langen Törns we- gen der erzwungenen Fußstellung als unangenehm. Die Übersichtlichkeit profitiert hingegen von der hohen Warte: Niedrige Gürtellinie und große Glasflächen machen den Verso- Innenraum hell und luftig. Vanüblich stört aber die A-Säule die Sicht nach schräg vorn

Umständlich fällt das Handling der beiden Glasdächer aus: Das vordere ist nur manuell aufzustellen, das hintere öffnet sich elektrisch, jedoch ausschließlich mit einem Knopf in der Dachmitte – vom Fahrerplatz nur mit Verrenkungen zu erreichen. Immerhin bringen die beiden Luken eine Extra-Portion Licht und Luft ins Innere, ohne im geschlossenen Zustand akustisch auffällig zu werden. Für akustische Auffälligkeit ist der Zweiliter-Diesel zuständig. Er legt während des Testzeitraumes an Leistung zu, wie die deutlich verbesserten Fahrleistungen am Testende belegen. Mit einer Beschleunigung von null auf 100 in 12,7 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 174 km/h kann der D-4D aktuellen Power- Selbstzündern dennoch nicht die Stirn bieten.

Auch muss er mit einer immerhin exakten Fünfgangbox auskommen – die bleibt der zweiten Verso-Generation mit 116 PS erhalten. Die 90 PS und 215 Newtonmeter Drehmoment von Nummer eins entfalten sich nach einer kleinen Anfahrschwäche eher gemütlich – obwohl der Turbolader besonders bei kaltem Motor pfeift wie ein Großer.

In Verbindung mit den präsenten Nagel- und Brummgeräuschen ist der Diesel etwas für Leute, die gern über das Bauprinzip ihres Motors informiert sind. Und für solche, die das Gaspedal gern ans Bodenblech heften. Erstens ist dies dank der überschaubaren Leistung des Öfteren möglich und nötig, zweitens ist es dank erträglicher Verbrauchswerte bezahlbar. Trotz reichlichen Vollgasanteils beträgt der Durchschnittsverbrauch 7,6 Liter auf 100 Kilometer. Dies deckt sich mit den Lesererfahrungen. Zurückhaltende Piloten schaffen die Fünf vor dem Komma, selbst Hasardeure scheitern an der Zehn-Liter- Marke.

Auffällig hoch fällt der Ölbedarf des Vierventil-Motors aus. Nicht, dass er den Schmierstoff über Gebühr verbrennen würde, es sind vielmehr die kurzen 15 000-Kilometer-Wechselintervalle sowie üppige 6,2 Liter Wechselmenge, die sich in der Kostenbilanz negativ niederschlagen. Zumal die Werkstatt dem Turbodiesel teuren vollsynthetischen Schmierstoff verabreichte (zum Werkstätten-Test ) Doch nicht nur das: Auch aus Umweltgründen ist es fragwürdig, eine derart große Ölmenge nach kurzen Distanzen zu wechseln. So kommt es, dass sich die Inspektionskosten mit Beträgen zwischen 207 und 356 Euro für einen 90-PS-Kompaktvan auf recht hohem Niveau bewegen. Und das, obwohl der kostenintensive Zahnriemenwechsel erst bei 105 000 Kilometern ansteht.

Dafür wechselte man zwei Mal turnusgemäß die Kühlflüssigkeit, deren Wechselintervalle mittlerweile jedoch verlängert sind. Gemeinsam mit dem turbodieseltypisch erhöhten Reifenverschleiß – ein Satz hielt rund 38 000 Kilometer bis zur Restprofiltiefe von fünf Millimetern – fällt die Gesamtbilanz daher ungünstiger aus als nötig. Dennoch: Abzüglich Kraftstoff, Öl und Reifen liegt sie mit 1,2 Cent pro Kilometer gerade einmal auf dem Niveau eines 75 PS starken VW Polo. Nicht in die Kostenbilanz geht der Wechsel der vorderen Bremsscheiben und -beläge bei Kilometerstand 40 243 ein. Schabende Geräusche beim Bremsen legten den vorsorglichen Tausch auf Garantie nahe. Bei dieser Gelegenheit wurden die Halteklammern der Laderaumabdeckung gleich mit ersetzt. Diese zeigten sich labil und in der Folge als zerbrechlich. Ein Manko, das über den gesamten Testzeitraum erhalten bleibt. Ein mehrfacher Tausch der Plastik-Clipse brachte keine Besserung: Die Abdeckung hing stets ein wenig halblebig im Heck herum.

Beim Verso fällt dieser Konstruktionsfehler schon deshalb auf, weil sich der Rest picobello präsentiert. Für die Dellen in der Karosserie kann er nichts, sie beruhen auf menschlichem Versagen. Lack und Innenraum zeigen sich weit gehend unbeeindruckt von den Strapazen – sowohl optisch als auch haptisch. Lediglich einige Kratzer an Verkleidungsteilen aus Hartplastik, etwa an der Innenseite der Heckklappe und den Abdeckungen der Sitzscharniere, künden von intensiver Nutzung, ebenso wie das abgegriffen glänzende Lederlenkrad. Sauber verriegelnde Deckel von Ablagefächern, satt drehende Rändelräder, tadellose Oberflächen, wackel- und klapperfreie Verkleidungen bis zu immer noch stramm sitzenden Armlehnen halten selbst einem intensiven Check stand und künden von einer effektiven Qualitätskontrolle bei Toyota . Der offizielle Schätzpreis des inklusive Metallic-Lack (380 Euro), Doppel-Glasdach, Navigationssystem und Heckkamera (als Paket 3640 Euro) ursprünglich 25 970 Euro teuren Corolla Verso Linea Sol beträgt am Testende 13 675 Euro.

Nicht zuviel für ein mit elektrischen Fensterhebern, Klimaautomatik und Stereoanlage komplett ausgestattetes Familienauto. Stichwort Klimaanlage: Kühlen kann sie prima, aber an kalten Tagen dauert es sehr lange, bis es mollig wird, und selbst danach bleibt es bei einer spürbaren Drehzahlabhängigkeit. Auch die Vordersitze könnten Feinschliff vertragen: Obwohl sie ihre Form bis zum Schluss beibehielten, wäre aus orthopädischer Sicht mehr Profil wünschenswert. Es fehlt im untereren Rückenbereich an einer wirksamen Lordosenunterstützung. Unterstützung für Familien bietet der Fond. Gleich zwei integrierte Kindersitze (zum Kindersitz-Crashtest ) in Form von hochschwenkbaren Sitzflächen machen den Transfer von Steppkes zwischen 15 und 36 Kilogramm zur leichten Übung. Die großen, weit öffnenden Türen erleichtern zudem das Einsteigen oder Einladen, Isofix- Befestigungen das fachgerechte Verzurren ganz kleiner Mitfahrer samt ihrer Sitzschalen. Die Sicherheitsausstattung wird durch Front- und Seitenairbags vorn ergänzt. Ein elektronisches Stabilitätsprogramm war für die erste Corolla Verso- Generation nicht erhältlich, beim Nachfolger ist es serienmäßig.

Der Neue ist im Gegensatz zum fünfsitzigen Vorgänger auch mit sieben Sitzen erhältlich. Zu den Besonderheiten des Dauertest-Verso zählt die Rückfahrkamera. Zum Ärger einiger Hektiker, denen der Monitor beim Zurücksetzen „Systemstörung“ anzeigte, statt ihnen beim Rangieren zu helfen. Kein Defekt, sondern nur die Folge einer zu kurzen Pause zwischen dem Einlegen des Rückwärtsgangs und dem Losfahren.

Wer sich allerdings mit der Technik anfreundet, dem gelingt das Bugsieren dank scharfem Farbbild und farbig eingeblendeten Manövrierempfehlungen besser als zuvor. Übersehene, niedrige Hindernisse im toten Winkel unterhalb der Heckscheibe sind ebenfalls kein Thema mehr.

Große Außenspiegel hat er überdies. Mit ihnen ist der Blick zurück ebenso ungetrübt wie der auf die vergangenen 100 000 Kilometer mit dem Verso. 

Vor- und Nachteile

  • guter Federungskomfort
  • gutes Raumangebot
  • viele praktische Ablagen
  • sichere Fahreigenschaften
  • hohe Variabilität durch verschieb- und ausbaubare Sitze
  • guter Qualitätseindruck
  • problemlose Bedienung
  • integrierte Kindersitze
  • DVD-Navigation mit großem Farbbildschirm
  • gute Übersichtlichkeit
  • unkultivierter Motor
  • spürbare Anfahrschwäche
  • labile Laderaumabdeckung
  • wird bei hohem Tempo laut
  • Sitze mit zu wenig Rückenunterstützung
  • langsam ansprechende, mäßig dosierbare Heizung
  • kutschbockartige Sitzposition
  • kein ESP erhältlich
Technische Daten
Toyota Corolla Verso 2.0 D-4D
Grundpreis21.950 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4240 x 1705 x 1610 mm
KofferraumvolumenVDA417 bis 1760 L
Hubraum / Motor1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung66 kW / 90 PS (215 Nm)
Höchstgeschwindigkeit170 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h13,5 s
Verbrauch6,3 L/100 km
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