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Toyota Prius Hybrid im Dauertest

Stromspar-Modell

Toyota Prius Hybrid 11 Bilder

Wie es um die Zuverlässigkeit der komplexen Hybridtechnik im Alltag bestellt ist, und wieviel Benzin man damit tatsächlich sparen kann, musste ab Dezember 2004 ein Prius der zweiten Generation über 100.000 Kilometer beweisen.

22.02.2007 Hermann-Josef Stappen

Ein Argument für den Toyota Prius mit seinem einzigartigen Hybridantrieb haben die Marketing- Strategen des japanischen Herstellers komplett übersehen: Der Prius ist das ideale Auto für Musikliebhaber wie Armin Kaiser aus Gerlingen. Der ist seit zwei Jahren überzeugter Prius- Fahrer, weil das Hybridsystem im Stau, an der Ampel und beim langsamen Dahinrollen den Motor abstellt und dann keine störenden Geräusche den Hörgenuss trüben.

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Toyota Prius Hybrid im Dauertest Stromsparmodell
auto motor und sport 04/2007
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Prius fährt auf Platz 2 der Zuverlässigkeits-Statistik

Doch Werbung wird nur für die Technik und das Sparpotenzial gemacht. Wie es um die Zuverlässigkeit der komplexen Hybridtechnik im Alltag bestellt ist und wieviel Benzin man damit tatsächlich sparen kann, musste ab Dezember 2004 ein Prius der zweiten Generation über 100.000 Kilometer beweisen. Es handelte sich um einen Prius Executive, der inklusive silberner Metallic-Lackierung für 28.200 Euro in der Preisliste stand.

Das Ergebnis des Dauertests ist bemerkenswert: In puncto Zuverlässigkeit lässt der Prius bis auf den VW Golf alle anderen Konkurrenten in der Kompaktklasse mit konventioneller und damit vermeintlich ausgereifter Technik hinter sich. Dennoch gibt es auch Kritik an Details – die haben jedoch nicht direkt mit dem Antriebskonzept zu tun. Kurz gesagt, ein Auto mit wenig Mängeln, aber einigen Macken speziell im Bereich der Bedienung, das stilistisch polarisiert. Von „modern und schnittig“ bis zu „hässlich und unförmig“ reichen die Kommentare, die man als Prius- Fahrer zu hören bekommt.

Auffallen tut man in jedem Fall. Die Mängel sind schnell aufgezählt: eine defekte Lambda-Sonde, eine lose Sonnenblende, ein verschlissener Bezug der Mittelarmlehne und ein Wackelkontakt im Schaltkreis des Bremslichtschalters. Mithin keine Fehler aus dem Bereich des Hybrid-Systems. Immerhin kann Toyota auf zehn Jahre Hybrid-Erfahrung zurückblicken. Denn die erste Generation des Prius ging bereits 1997 als weltweit erstes Hybrid-Serienmodell in Japan an den Start, im Jahr 2000 kam sie nach Europa.

Der technische Aufwand ist immens

Ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 78 PS und ein 50 kW (68 PS) starker Elektromotor treiben den Prius entweder gemeinsam oder einzeln an – je nachdem, was unter den jeweiligen Fahrbedingungen den besten Wirkungsgrad verspricht.

Die Hybrid-Komponenten, zu denen auch ein Generator gehört, sind untereinander und mit den Antriebsrädern über ein Planetengetriebe mechanisch gekoppelt. Das ermöglicht eine stufenlose Übersetzungsänderung. Der Prius ist prinzipbedingt also ein Automatik-Modell. Doch keines im herkömmlichen Sinne. Das beginnt bereits bei der Startprozedur, an die sich viele Redaktionsmitglieder zunächst gewöhnen mussten. Denn mit dem Drücken der Start-Taste wird lediglich das System in Bereitschaft versetzt, der Motor startet erst nach dem Losfahren. Die ersten Meter werden rein elektrisch und damit nahezu lautlos zurückgelegt.

Motor Klassik-Chef Malte Jürgens stellte so fest, dass „Fußgänger zu Tode erschrecken“, wenn der Prius sich ohne Vorwarnung von hinten nähert. Erst bei einem gewissen Tempo oder wenn ein durchgedrücktes Gaspedal flotte Beschleunigung anfordert, wirft der Generator beinahe unmerklich über das Planetengetriebe den Vierzylinder an.

Zusätzlich kann der Prius per Knopfdruck auf reinen Elektrobetrieb umgeschaltet werden – kürzere Strecken lassen sich so mit bis zu 40 km/h abgas- und lärmfrei zurücklegen. Etwa in Parkhäusern oder in Wohngebieten ein Vorteil. Trotzdem kann der Prius laut sein. Bemerkungen über den vor allem beim starken Beschleunigen lärmenden Verbrennungsmotor ziehen sich wie ein roter Faden durch die Bordkarten. Denn kräftiges Gasgeben wird mit sofortigem Aufheulen des Benziners und Verharren nahe der Höchstdrehzahl quittiert. Diese Unart hat indes ökologische Vorteile.

Gut für Gebrauchtkauf: 8 Jahre Garantie – Batterien eingeschlossen

Viele verzichten darauf, das Beschleunigungspotenzial voll auszunutzen. Textchef Bernd Stegemann nach einer Fahrt ins Ruhrgebiet: „Wer sich darauf einlässt, fährt sehr entspannt und flüssig.“ „Angenehmer Reisewagen“ urteilt auch Redakteur Bruno Heil nach einer Tour in die südliche Steiermark stellvertretend für viele Kollegen, selbst wenn der Federungskomfort meist als dürftig und vor allem bei kurzen Bodenwellen als holperig empfunden wurde.

Der Antrieb vermittelt nicht die Souveränität und den Fahrspaß eines bulligen Dieselmotors. Vor allem dann nicht, wenn die Unterstützung durch den Elektromotor wegen unzureichender Ladung der Hybrid-Batterie zurückgenommen wird, die übrigens während der gesamten Distanz keine Probleme bereitete. Doch selbst wenn das der Fall gewesen wäre, schließt die achtjährige Garantie auf alle Hybrid-Komponenten auch die Hybrid-Batterie mit ein. Wer sich also für eines der 200 gebrauchten Prius-Exemplare, die in einschlägigen Internet-Börsen angeboten werden, entscheidet, geht in dieser Hinsicht kein Risiko ein.

Animiert zum Spritsparen

Bei Reisen in Länder, in denen auf der Autobahn ein Tempolimit gilt, pendelt sich der Verbrauch bei unter sechs Liter je 100 Kilometer ein. auto motor und sport Reporter Thomas Fischer gelang es auf der Fahrt zum Genfer Salon sogar, den Konsum auf 5,4 L/100 km zu drücken. Solche Werte liegen auf dem Niveau sparsamer Diesel. Entsprechend üppig fällt die Reichweite aus.

Bei über 800 Kilometern hätte es Fischer von Stuttgart aus sogar bis weit hinter Lyon schaffen können. Dass sich der Durchschnitt über die gesamte Dauertest-Distanz bei 6,8 Liter je 100 Kilometer eingependelt hat, liegt an den vielen Dienstreisen bei höherem Autobahntempo. Doch selbst dann lag der Verbrauch mit rund acht bis neun Litern je 100 Kilometer auf einem für einen Benziner akzeptablen Niveau. Beim Prius trägt eben nicht nur das Hybridsystem zur Verbrauchsminderung bei, sondern auch die spezielle Aerodynamik und der optimierte Benzinmotor. Minimalverbräuche mit einer Vier vor dem Komma schafft der Prius vor allem im Stadtverkehr, wo das Hybridsystem beim Stop-and-go seine Stärken voll ausspielen kann.

Hilfreich ist dabei die Energiefluss- und Verbrauchsanzeige auf dem Bordmonitor, die zum Sparen animiert. Unter ambitionierten Prius-Fahrern kommt es dabei durchaus zum Wettstreit, wer am wenigsten verbraucht und die meisten kleinen grünen Autos auf dem Bildschirm sammelt. Sie zeigen, wieviel Energie beim Fahren und Bremsen zurückgewonnen wurde – fast wie Credits in einem Computerspiel.

Ähnlich entkoppelt vom Geschehen wie bei einem Computerspiel fühlten sich viele Fahrer beim Tritt auf die Bremse. Von einem „synthetischen Pedalgefühl“, „schlechter Dosierbarkeit“ und „giftigem Ansprechen“ ist in den Bordkarten die Rede. Denn das Pedal gibt nur elektrische Impulse weiter, der Bremsdruck wird von einer Pumpe samt Druckspeicher erzeugt. Der Bremsenverschleiß hielt sich indes in Grenzen. Scheiben und Beläge mussten innerhalb der Dauertest-Distanz nur je einmal erneuert werden.

Fairer Preis, großzügiges Platzangebot

Auch wenn der Toyota nur wenige Mängel hatte, war er ein häufiger Gast in der Werkstatt. Inspektions- und Ölwechsel-Intervalle von nur 15.000 Kilometer sind heute nicht mehr zeitgemäß. Die hohe Zahl an Werkstattbesuchen ist dafür verantwortlich, dass die Unterhaltskosten trotz günstigem Steuersatz, niedrigem Verbrauch und geringem Reifenverschleiß insgesamt nur im Mittelfeld rangieren. In Sachen Gewicht steht der Prius im Klassenvergleich trotz Hybridantrieb und Batterien ganz gut da. Mit 1.337 kg ist er deutlich leichter als der 1.455 kg schwere VW Golf 2.0 TDI -Dauertestwagen.

Preislich ist der Toyota zwar kein Leichtgewicht, doch mit 28.200 Euro für ein Auto mit DVD-Navigation, kompletter JBL-Audioanlage, Automatikgetriebe, Metallic- Lackierung, Smart-Key-System und Klimaautomatik bleibt der Hybrid im klassenüblichen Rahmen. Dabei ist er seinem Segment mit einer Länge von 4,45 Meter schon fast entwachsen.

Der Schrägheck-Limousine wird deshalb auf ihren Dienstreisen nach Süd-Italien, Österreich, Tschechien und der Schweiz sowie kreuz und quer durch Deutschland häufig ein luftiges Raumgefühl und üppige Platzverhältnisse vor allem hinten attestiert. Allerdings klagen nicht nur Fahrer über 1,80 Meter, dass sie auf den recht klein geratenen Vordersitzen viel zu hoch sitzen und dass das Lenkrad trotz Höhenverstellung zu niedrig positioniert ist.

Überraschend ist, dass der Kofferraum trotz der darunter platzierten Hybrid-Batterie über 400 Liter fasst. Unter dem glattflächigen Boden ist sogar noch Platz für ein großes Extrafach. Die Rückenlehnen der Fondsitze lassen sich zudem vorklappen, so dass eine ebene Ladefläche entsteht. Praktisch ist auch die weit öffnende Heckklappe.

Summa summarum: Gut gemacht, Toyota

Zu den Nachteilen der besonderen Karosserieform zählt die schlechte Übersicht nach vorne. Außerdem wird die Sicht nach hinten durch das extrem schräg stehende Heckfenster mit starken Verzerrungen eingeschränkt. Auch die schmale zweite Scheibe unter dem angedeuteten Spoiler nutzt wenig, da sie wie die Seitenscheiben bei schlechtem Wetter sehr schnell verschmutzt.

So fortschrittlich Toyota bei der Hybrid- Technik auch sein mag – bei der Bedienung ist es der japanische Hersteller nicht: Bis auf Lichtschalter und Wischerhebel geben alle anderen Funktionen schon bei Tageslicht Rätsel auf, im Dunkeln ist der Fahrer völlig aufgeschmissen. Manche Schalter sind gar nicht beleuchtet, und die vielen im Lenkrad nur so schwach, dass die Symbole kaum erkennbar sind. Ein grüner Lichtschein vom Display des Digitaltachos spiegelt sich zudem extrem störend in der Windschutzscheibe.

Ebenfalls Raum für Verbesserungen lässt die nur mäßige Traktion auf verschneiter Fahrbahn, wie Redakteur Jens Katemann bei der Produktion einer Reisegeschichte im winterlichen Schladming feststellen musste. Für den Winterurlaub in den Bergen ist der Prius trotz guter Heizung und griffiger Winterreifen deshalb nicht die erste Wahl. Wohl aber für all jene, die ein sparsames und sauberes Auto mit modernster, gleichwohl zuverlässiger Technik und einem gewissen Schuss Extravaganz suchen. Glückwunsch Toyota – nicht nur zum zehnjährigen Hybrid-Jubiläum, sondern auch zum gelungenen Prius-Dauertest.

Abgastest: Sauber wie am ersten Tag

Die obligatorische Abgasmessung auf dem Prüfstand des TÜV Süd in Böblingen nach dem 100 000-Kilometer-Dauerlauf absolvierte der Prius vorbildlich. Er unterbietet alle Grenzwerte deutlich. Hervorzuheben ist außerdem, dass sein Benzinmotor im Vergleich zu einem Diesel-Triebwerk praktisch keine Stickoxide und keine Partikel ausstößt.

Mängel

Bis auf den Musterknaben VW Golf lässt das Hybridmodell Toyota Prius in puncto Zuverlässigkeit alle anderen Kompaktwagen mit konventioneller Technik hinter sich. Der Verbrauch liegt auf dem Niveau der Diesel in dieser Klasse. Auch Anschaffungspreis, Betriebskosten und Wertverlust für den technischen Exoten fallen nicht aus dem klassenüblichen Rahmen.

Vor- und Nachteile

  • Geringer Kraftstoffverbrauch
  • Hohe Zuverlässigkeit
  • Geräumige Karosserie
  • Luftiges Raumgefühl
  • Gute Klimatisierung
  • Große Reichweite
  • Ordentlicher Kofferraum
  • Sichere Fahreigenschaften
  • Umfangreiche Serienausstattung
  • Verwirrende Bedienung
  • Eingeschränkter Federungskomfort
  • Gefühllose Lenkung
  • Schlechte Traktion im Winter
  • Bei hohem Tempo lauter Motor
  • Schlecht dosierbare Bremse
  • Kurze Service-Intervalle
  • Schlecht ablesbares Tacho-Display
  • Eingeschränkte Übersichtlichkeit
  • Unbequeme Sitzposition
  • Kratzempfindliche Kunststoff
  • Mäßiger Qualitätseindruck
  • Unpraktische Fußfeststellbremse
Technische Daten
Toyota Prius
Grundpreis29.150 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4450 x 1725 x 1490 mm
KofferraumvolumenVDA408 bis 1210 L
Hubraum / Motor1497 cm³ / 4-Zylinder
Leistung57 kW / 78 PS (115 Nm)
Höchstgeschwindigkeit170 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,9 s
Verbrauch4,5 L/100 km
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