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Toyota Yaris Verso 1.3 Linea Luna

Yaris-Bericht. 100 000 Kilometer zwischen Last und Lust

Toyota Yaris Verso 1.3 Linea Luna

Richtig leer war sein Laderaum fast nie. Der Toyota Yaris Verso  erwärmte die Herzen der Lade-Meister, die ihn mit reichlich Ballast an Bord durch halb Europa scheuchten. Viel Platz auf kleinem Raum - dieser Vorzug ließ selbst Komfort- und Qualitätsmängel verblassen.

17.04.2002 Christian Steiger

Er schluckte auch mal zwei Fahrräder, „unzerlegt“, wie auto motor und sport- Produktions-Chefin Christine Oehling mit Ausrufezeichen in der gelben Dauertestkarte festhielt. Selbst zwei 50er-Motorroller passten hinein, ein hölzernes Gründerzeit-Küchenbüffet oder zehn Zwölferkisten Rotwein plus Dienstreise- Gepäck für zwei. „Ein halber Supermarkt“ verschwand ebenso problemlos hinter seiner Hecktür wie ein Kühlschrank oder eine Sammlung Foto-Koffer nebst zerlegter Profi-Lichtanlage. „Man lädt und lädt und lädt“, notierte Redakteur Marcus Peters, „und hinterher ist er nicht einmal halb voll.“
Speziell mit der ungewöhnlich großzügigen Höhe seines Laderaums machte sich der Toyota Yaris Verso in der Redaktion beliebt, obwohl er weder zu den glamourösen noch zu den üppig motorisierten Automobilen des Dauertest- Fuhrparks zählte. Dafür ist keine Transport-Aufgabe überliefert, welcher er im Ablauf der knapp 20 Monate währenden 100 000-Kilometer- Distanz nicht gewachsen gewesen wäre.
Ganz ohne Komplikationen freilich absolvierte der dunkelblaue Toyota den Dauerlauf nicht. Den Führungsplatz im auto motor und sport- Mängelindex etwa vereitelte ein Totalausfall bei Kilometerstand 55 019, als sein Schalthebel keinen Widerstand mehr leistete: Der Schaltzug hatte sich ausgehängt und erzwang einen außerplanmäßigen Werkstatt-Termin. Kurz zuvor, bei Tachostand 40 403, war der Auspuffkrümmer gerissen - ein Garantieschaden, wenn auch keiner der billigen Art: Kostenpunkt 270 Euro.

Zwei weitere Fahrten auf die Hebebühne waren dem japanischen Hochdach-Kombi nicht unmittelbar anzukreiden: Ein Marder hatte sich in den Kühlwasserschläuchen und einer Leitung der Klimaanlage verbissen - die Werkstatt hatte anfangs allerdings nur den ersten Defekt erkannt.
Der schleichende Verlust von Kältemittel machte das Nachbessern nötig: Wenigstens bewies der Ausfall des Kühlaggregats mitten im Hochsommer, dass die Klimaanlage zu den empfehlenswerten Positionen auf der Mehrpreis- Liste des Yaris zählt. Einzige Einschränkung: Sie könnte den großen Innenraum durchaus etwas entschiedener temperieren.
Für eisige Kommentare sorgten jedoch die Sitze des Toyota: Einer seiner Fahrer verglich ihre weiche Polsterung mit der Konsistenz von Marshmallows, einige klagten nach langen Strecken über Kreuzschmerzen. Und fast alle Yaris-Benutzer hätten sich eine etwas größere Sitzfläche ebenso gewünscht wie besseren Seitenhalt. Als angenehm erwies sich hingegen die Sitzposition des Klein-Kombis - und genügend Beinfreiheit fand sich nicht nur für die vorderen Passagiere, sondern auch im Fond.
Dort gibt es zwar drei Sitze, aber nur zwei Automatikgurte - das schmale mittlere Sesselchen mit seinem Beckengurt taugt allenfalls für Kinder. Zahlreiche Yaris-Nutzer ließen es deshalb auf längeren Strecken in der Garage und nutzten die entstandene Lücke als Stauraum für längeres Ladegut.
Dass sich die äußeren Sitze bei Bedarf mit wenigen Handgriffen in den Fahrzeugboden falten lassen, fand einstimmigen Zuspruch - wie zahlreiche clevere Yaris-Details. Zu ihnen gehören die vielen großen, gut platzierten Ablagen des Klein-Transporters oder die Beleuchtung des Gepäckraums, die sich herausnehmen und als Handlampe verwenden lässt.
Auf der Minus-Seite steht hingegen die rechts angeschlagene Hecktür des Toyota: Sie ist beim Beladen am Straßenrand eigentlich ständig im Weg. Auch die zu grob gerasterte Verstellung der vorderen Sitze störte viele Benutzer. Und dass sich die Außenspiegel nicht von innen verstellen lassen, empfanden sie einstimmig als Rückfall in die Null- Komfort-Zeitrechnung der frühen siebziger Jahre. Denn immerhin zählt der Yaris nicht zu den Billig-Angeboten unter den kleinen Raumgleitern: Mit seinem Grundpreis von 14 025 Euro liegt er deutlich über Mitbewerbern wie Renault Kangoo (12 850 Euro) und Fiat Doblò (12 420 Euro), die freilich etwas milder motorisiert sind.

In der Minderheit waren zudem jene Yaris-Piloten, die sich an das Zentralinstrument mit seiner 3D-Optik gewöhnen konnten: Der Blick auf den mittigen Tacho lenkte sie ab; manche Beifahrer beklagten den Umstand, dass sie das nach links geneigte Instrument nicht ablesen konnten. Die Temperatur-Anzeige ist zu klein, die Warnlampe der Tankanzeige leicht zu übersehen - zudem blinkt sie schon auf, wenn noch mehr als zehn Liter Kraftstoff im Tank sind. Auch die Wahl der Innenraum- Materialien und ihre Verarbeitung sorgte öfter für hochgezogene Augenbrauen. „Er macht einen billigen Eindruck „, monierte einer der Yaris-Fahrer, die sich an den knallharten, teilweise kratzempfindlichen Kunststoffen des Armaturenbretts und der Türverkleidungen störten.
Völlig toyotauntypisch fiel der blaue Kombi mit Klappergeräuschen auf: Die hintere Laderaum-Abdeckung, bestehend aus zwei herausnehmbaren Aluminium-Streben und einer eingeclipsten Plastik- Hutablage, stellte ein entnervter Redakteur mit Zwischenlagen aus Tempo-Taschentüchern ruhig. Auch das Gehäuse der dritten Bremsleuchte entpuppte sich auf welliger Piste als Unruhestifter. Details wie eine Handschuhfach- Klappe, die sich nicht mehr schließen ließ, abbrechende Verschlussdeckel des doppelten Bodens im Fond und lockere Konsolen der elektrischen Fensterheber- Betätigung hinterließen ebenfalls einen befremdlichen Qualitäts-Eindruck. Ein Einzelfall scheint der Dauertest- Verso nicht zu sein: Auch auto motor und sport-Leser beklagen sich über Knarz- und Knistergeräusche ihrer zum Teil gerade eingefahrenen Yaris-Exemplare. Fast alle loben sie dagegen die fahrdynamischen Talente des Kasten-Kombis - ebenso wie die Dauertest-Chauffeure. Dass der Yaris Verso seinem zulässigen Gesamtgewicht von 1500 Kilogramm nur 86 PS aus 1,3 Liter Hubraum entgegensetzt, fiel keinem von ihnen störend auf: Sein Motor wirkt - auch bei voll beladenem Wagen - ausreichend durchzugsstark und gefällt mit kultiviertem Laufgeräusch. Selbst Vollgasetappen erweisen sich - trotz deutlicher Windgeräusche - nicht als akustische Folter; das komfortable Langstrecken-Tempo pendelt meist im Bereich zwischen 140 und 150 km/h. Von der Standfestigkeit des Yaris-Triebwerks berichtet die Messung zum Ende des Dauertests: Nach 100 000 Kilometern war der Microvan noch etwas temperamentvoller als zu Beginn.

Tatsächlich wirkte er für viele seiner Benutzer agiler, als es die Papierform vermuten lässt. Anteil daran haben die leichtgängige, präzise Schaltung des Toyota, seine exakte Servolenkung und die gut ansprechenden Bremsen. Seine Federung hingegen tut sich etwas schwer mit dem Absorbieren kurzer Bodenwellen und fällt auch mit ihrer ausgeprägten Stuckerneigung auf.
Zu den unangenehmen Eigenschaften des Yaris zählt zudem die Seitenwind-Empfindlichkeit - ein typischer Makel kleiner Vans mit hohem Aufbau und schmaler Spur.
Ebenso gehört es zur Natur der kleinen Raum-Wagen mit ihren großen Stirnflächen, dass an der Zapfsäule keine Wunder geschehen: Der Toyota verbrauchte im Durchschnitt 8,1 Liter Superbenzin - zahlreiche Dienstreisen ließen ihn allerdings auch häufig am Limit seiner erlaubten Zuladung von 445 Kilogramm unterwegs sein.
Mit Schmierstoffen ging er dabei sparsam um - nur 1,5 Liter Öl mussten nachgefüllt werden -, und zudem neigte er nicht zum übermäßigen Reifenverschleiß. Ein Satz Sommerreifen (Bridgestone B 391) etwa hielt rund 60 000 Kilometer lang.
Dafür schlagen die kurzen Inspektions-Intervalle zu Buche: Alle 15 000 Kilometer ist ein Werkstattbesuch fällig. Die Toyota-Schrauber hatten somit gleich sechs Mal die Gelegenheit, zum vornehmen Vollsynthetik- Öl zu greifen - Literpreis: rund 15 Euro.
Es ist der gute Wiederverkaufswert, der die finale Kosten-Nutzen-Rechnung aufhellt: Der kleine Toyota profitiert vom Run auf gebrauchte Raum-Fahrzeuge und erzielt trotz der hohen Laufleistung noch 51 Prozent seines Neupreises. Ein guter Yaris-Ausklang: Er ist hoch - und deshalb willkommen.  

Vor- und Nachteile

  • Ausgezeichnetes Raumangebot, sehr gute Innenraum-Variabilität
  • Kultivierter, drehfreudiger Motor
  • Präzise und leichtgängige Lenkung
  • Gut gestuftes und exakt schaltbares Getriebe
  • Griffige Bremsen
  • Gute Handlichkeit
  • Angenehme Sitzposition
  • Geringer Ölverbrauch
  • Wenig Reifenverschleiß
  • Niedriger Wertverlust
  • Befriedigende Zuverlässigkeit
  • Zum Teil mäßige Verarbeitung, billige Innenraum-Anmutung
  • Unkomfortable Sitze
  • Funktionalitätsmängel
  • Eingeschränkter Federungskomfort auf kurzen Wellen
  • Störende Windgeräusche
  • Zu geringe Kühlleistung der Klimaanlage (Aufpreis)
  • Hohe Inspektionskosten, kurze Wartungsintervalle
  • Ungenaue Tankanzeige
Technische Daten
Toyota Yaris 1.3
Grundpreis12.715 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3615 x 1660 x 1500 mm
KofferraumvolumenVDA305 bis 950 L
Hubraum / Motor1299 cm³ / 4-Zylinder
Leistung63 kW / 86 PS (124 Nm)
Höchstgeschwindigkeit175 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h12,1 s
Verbrauch6,0 L/100 km
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