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VW Multivan 2.5 TDI Trendline

Der Platz-Hirsch. Ein Erfolgstransporter und seine Gebrechen

VW Multivan 2.5 TDI Trendline

"Das Ende der Kompromisse" - so wirbt VW für den Multivan. Tatsächlich bewies der schnelle Raumgleiter während der 100 000-Kilometer-Distanz ordentliche Langzeit-Qualitäten. Im krassen Kontrast dazu: die Erfahrungen vieler auto motor und sport-Leser.

26.01.2004

VW Bus-Fahrer haben sich viel zu sagen. Im Internet etwa, unter der Adresse www.t4-forum.de : Da schwärmen sie vom generösen Raumangebot ihrer Transporter, die im VW-Jargon den Beinamen T4 tragen, und vom Büffel- Charakter der TDI-Motoren, für die sich über 90 Prozent aller Käufer entscheiden. Das Lieblingsthema der Bus-Gemeinde aber ist ein anderes: Über 2000 Mal kommt in ihrem Online-Chat der Begriff „Zahnriemen“ vor. Fast immer ist dann von brechenden Spannrollen die Rede und, meist im gleichen Absatz, von frühzeitig verendeten 2,5-Liter-TDI-Motoren.
„Ich wäre gerne bereit, eine Zahnriemenversicherung abzuschließen“, schreibt einer der VW Bus-Chatter. Ein anderer beklagt nach 147 000 Kilometern den dritten Triebwerks- GAU. Und das VW-Nutzfahrzeugzentrum Braunschweig bietet einen Sondertarif für all jene VW Bus-Fahrer an, die den Zahnriemen wechseln wollen, bevor es der VW-Wartungsplan bei 120 000 Kilometern vorschreibt. Der Hersteller selbst hat seine Werkstätten zur peniblen Sichtprüfung des Zahnriemens bei den 60 000- und 90 000- Kilometer-Inspektionen angewiesen.
Aber: “Die Erfahrung zeigt, dass nicht alle Werkstätten diese Kontrolle vornehmen“, sagt ein VW-Sprecher.
Die Erfahrungen der auto motor und sport-Leser zeigen noch ganz andere Abgründe : Sie beklagen eine Vielzahl von Mängeln - nicht nur kollabierende Motoren, sondern auch Rostbildung an der Karosserie, defekte Luftmassenmesser, Wasserpumpen oder schwächelnde Klimaanlagen-Steuergeräte. Andere Bus-Besitzer hatten wiederum Glück: Sie gerieten an völlig mängelfreie Exemplare.
Auch der Dauertest-Multivan, der am 17. Juli 2000 zum ersten Mal in der Redaktions- Tiefgarage parkte, entpuppte sich - bis auf die hellgelbe Lackierung - als eher unauffälliger Typ. Komplette Arbeitsverweigerung blieb ihm ebenso fremd wie mehrseitige Reparaturrechnungen. Im auto motor und sport-Mängelindex belegt er deshalb den zweiten Platz seiner Klasse hinter dem Opel Zafira , aber vor dem VW Caravelle 2.5 , den im acht Jahre zurückliegenden Dauertest ein Ehrenplatz auf dem Pannenstreifen blockierte.

Der gelbe Multivan fiel bei Tachostand 14 168 zum ersten Mal auf, als die Anzeigen für ABS und ESP aufflackerten. Als Ursache ermittelte die Werkstatt das bei Geradeausfahrt etwas schief stehende Lenkrad - ein Fehler, der den Lenkwinkel-Sensor verwirrte.
Gleichzeitig ließ sich der Motor erst nach mehreren Versuchen starten: Schuld daran war das defekte Steuergerät der Wegfahrsperre. Den zweiten Werkstatt- Stopp erknabberte nach 48 161 Kilometern ein Marder, der über die Kabel des Motorraums hergefallen war.
Das neuerliche Aufleuchten der ABS- und ESP-Warnlampen ging dagegen wieder auf das Konto eines defekten Steuergeräts. Zudem musste die ausgefallene Tankanzeige repariert und die seitliche Schiebetür entklappert werden: Hier hatte sich ein Scharnier gelöst. Und weil der Bus schon mal da war, lackierte die VW-Werkstatt auch gleich die beiden Außenspiegel, deren Farbschicht sich gelöst hatte.
Neue Bremsbeläge waren bei Tachostand 51 790 fällig - ein Routine-Termin außerhalb der langen Inspektionsintervalle: Der Dauertest-Multivan zählte zu den ersten, die VW nur noch alle 30 000 Kilometer zur Durchsicht bittet. Einen vierten Werkstatt-Aufenthalt erforderte schließlich die streikende Zentralverriegelung der Schiebetür - ein Defekt, den zahlreiche Multivan-Besitzer bemängeln, ebenso wie Probleme mit dem Luftmassenmesser, der im Fall des Dauertest - Exemplars für Leistungsverlust und eine 300-Euro- Reparatur sorgte. Ein Musterzögling war der Multivan damit nicht. Aber immerhin erwies er sich als Automobil, das die 100 000- Kilometer-Distanz in guter Verfassung überstand: Das zeigt die Geräuschfreiheit seiner Karosserie, das unverschlissene Interieur - und die Schlussmessung des Dauertests: Sie ergab bessere Fahrleistungen als zu Beginn.
Dabei war es schon anfangs das Temperament des 150-PS-Diesel, das viele Bus- Fahrer begeisterte: Souverän rissen sie mit ihm Langstrecken ab, freuten sich an seiner Art, Hügel flachzubügeln und in den Rückspiegeln gestandener Limousinen
gröfler zu werden. Etwas unangenehm berührte viele Multivan- Benutzer dagegen die schwarze, TDI-typische Volllast-Wolke aus dem Auspuff.
Er raucht gern, wie viele starke Ölbrenner: Die Werkstatt ermittelte nach zweimaliger Prüfung keinen außergewöhnlichen Befund. Bei der Abgas-Messung fiel der 2,5-Liter-Diesel aber durch einen unziemlich hohen Ausstoß von Rußpartikeln auf. Zu den angenehmen Überraschungen, die der Gelb-Transporter bereithielt, zählt hingegen sein Verbrauch: Er pendelte sich im Testschnitt bei 9,9 Litern ein, obwohl das üppige Drehmoment viele Benutzer zu forcierter Gangart animierte. Ebenso zurückhaltend blieb der Appetit des Multivan nach Schmierstoffen, was die -Nachfüllmenge von 4,5 Litern belegt. Dafür gruben sich die Reifen tief ins Bus-Budget ein: Ein Satz Dunlop-Pneus der Größe 225/60-16 kostet wegen ihrer hohen Traglast fast 600 Euro - kein kleiner Posten in der Bilanz eines Familien-Automobils, zumal er etwa alle 40 000 Kilometer wiederkehrt.

Es handelt sich freilich nicht um die Basis-Bereifung, sondern um die breiteren Gummis des Sportfahrwerks, das VW gegen Mehrpreis anbietet. Die etwas straffere, aber nicht unkomfortable Abstimmung passt jedoch gut zum Charakter des Eil-Transporters: Seine Federung verliert nur beim Parieren kurzer, böser Bodenwellen ihre Contenance. Ohnehin gehört es zu den Wesenszügen des Multivan, dass er zwar nach Nutzfahrzeug aussieht, sich aber nicht unhandlicher fährt als ein Mittelklasse- Kombi. Die Übersichtlichkeit seiner Karosserie fand ebenso viel Beifall wie die großen Außenspiegel und die gute Sitzposition. ‹ber den Dächern der anderen stellt sich ein Gefühl der Erhabenheit ein: Viele Dauertest-Piloten schätzten den Fernblick auf das Geschehen der Straße.
 
Überhaupt: die Höhe des Innenraums und seine fast unendliche Weite. Redakteurs- Kindern blieb sie so unvergesslich wie ihren Vätern, die auf Dienstreisen mitunter im Bus kampierten; eine Nutzungsmöglichkeit, die der Multivan mit seiner ausklappbaren Liegefläche erlaubt. Er ist das populärste Modell der T4-Reihe und ein gefragter Gebrauchtwagen: Sein Wertverlust von nur 42 Prozent zählt zu den Rekordwerten seiner Klasse. Er tröstet zumindest teilweise über die hohe Grundinvestition von rund 34 000 Euro hinweg.
Der Gegenwert, auch das zeigte das Leben mit dem Dauertest-Bus, liegt zwar in einer außergewöhnlich soliden Material-Anmutung, nicht aber im Funktionsschliff, wie ihn neuzeitliche Vans bieten. So macht das Gewicht der hinteren Sitze ihren Ausbau zum Kraftakt. Das Schließen der Heckklappe verbuchten zierliche  Naturen als persönliche Heldentat, und mit dem nächtlichen Zuwerfen der Schiebetür lassen sich - wie beim VW Bus der Sechziger - Wohnstraßen aufwecken.
Auch das harte Nageln, mit dem der kalte Diesel seine Passagiere beschallt, passt eher in die Vergangenheit. Aber bald ist der T4 ja wirklich von gestern: Sein Nachfolger erscheint im Herbst. Viele seiner Freunde hoffen, dass sich VW am Riemen reißt - und Qualität nicht, wie bisher, Zufall bleibt.

Vor- und Nachteile

  • Ausgezeichnetes Raumangebot,sehr variabler
  • Innenraum
  • Durchzugsstarker Motor
  • Niedriger Verbrauch
  • Günstige Getriebeabstufung
  • Gut abgestimmtes Fahrwerk
  • Präzise Lenkung
  • In Anbetracht der Fahrzeuggröße agiles Handling
  • Übersichtliche Karosserie
  • Sehr gute Sitzposition
  • Hochwertige Materialanmutung
  • Hohe Anhängelast, sehr gute Eignung als Zugfahrzeug
  • Geringer Wertverlust
  • Geringer Ölverbrauch
  • Lange Wartungsintervalle
  • Hoher Grundpreis
  • Zum Teil hohe Aufpreise
  • Hoher Reifenverschleiß
  • Teure Inspektionen
  • Lauter Motor
  • Zu schwere hintere Sitze
  • Schwer schließbare Heckklappe
  • Keine dynamische Routenführung bei der Navigation
  • Zu leise Navigationsstimme
Technische Daten
VW Multivan 2.5 TDI syncro
Grundpreis35.038 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4789 x 1840 x 1920 mm
Hubraum / Motor2461 cm³ / 5-Zylinder
Leistung75 kW / 102 PS (250 Nm)
Höchstgeschwindigkeit155 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h18,4 s
Verbrauch10,3 L/100 km
Testverbrauch1,0 L/100 km
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