VW Passat Variant: Dauerläufer im Auftrag der Redaktion

VW Passat Variant 2.0 TFSI

Auf 100.000 Kilometern überzeugte der VW Passat Variant 2.0 TFSI mit viel Platz, Komfort und hoher Zuverlässigkeit. Einmal spielte er seinem Fahrer jedoch einen bösen Streich.

Bei einer Dienstreise im Oktober 2007 trifft es Redakteur Alexander Bloch doppelt hart: Auf der A 9 kurz vor Berlin reißt bei Kilometerstand 61.400 eine Schweißnaht am Katalysator des Passat. Das Leck im Auspuff lässt den Vierzylinder markerschütternd dröhnen, sein Notlaufprogramm genehmigt zudem nur noch knapp über 80 km/h. Da sich Bloch in diesem Moment ganz auf die Anzeige im Fahrzeugdisplay konzentriert, erinnert ihn erst ein roter Blitz an das Tempo 60-Limit in der Baustelle.

Alles Routine

Zum Zeitverlust durch den fälligen Werkstattaufenthalt bleibt ein Punkt in der Verkehrssünderkartei als zweijähriges Andenken. Umso ärgerlicher, da er mit dem Passat Variant 2.0 TFSI eigentlich einen der zuverlässigsten Dauertest-Kandidaten der letzten Jahre erwischt hat. 100.000 Kilometer in der Redaktion machten nämlich nur noch einen weiteren außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt nötig: Buchstäblich auf der Zielgeraden bei 98.845 Kilometern wurden ein ausgefallenes Horn der Zweiklang-Fanfare sowie ein Temperaturfühler für die Klimaanlage ersetzt.

Ansonsten galt es lediglich Routine-Inspektionen durchzuführen: Bei rund 25.000 und 50.000 Kilometer gab es frisches Öl und neue Pollenfilter (je rund 240 Euro), bei knapp 78.000 Kilometer kamen Zündkerzen und Luftfilter hinzu (440 Euro). Mit einem Mängelindex von drei muss er sich damit lediglich seinem Konzernbruder Audi A4 geschlagen geben, der mit einem halben Pünktchen Vorsprung die Zuverlässigkeitswertung in der Mittelklasse anführt.

Ohne einen Blick auf den Kilometerzähler käme zudem niemand auf die Idee, dass der VW schon die Laufleistung von zweieinhalb Erdumrundungen auf dem Kombi-Buckel hat. Sein United-Grey-farbener Metallic-Lack glänzt bis auf winzige Steinschlag-Pickel auf der Nase wie zu Beginn, auch der Innenraum überstand die Ausflüge quer durch Europa ohne gravierende Alterserscheinungen. Neben dezenten Knarzgeräuschen aus dem Dachbereich verrät nur eine leichte Patina auf den hellgrauen Ledersesseln die ausgiebigen Reise-Aktivitäten.

Dafür wirkt selbst der Fahrersitz noch straff gepolstert und bequem. Aber nicht nur wegen seiner bequemen Sitze war der VW in der Redaktion beliebt. Mit der nahezu zugfrei kühlenden Klimaanlage sowie üppigem Raumangebot für Passagiere und Gepäck erwies er sich als idealer Langstrecken-Begleiter. Auch praxisgerechte Details wie die flaschentauglichen Türtaschen oder das große Ablagefach unter dem Kofferraumboden ließen manchen Van alt aussehen.

Straffe Federung

Eine Kombi-Quote von 80 Prozent kündet daher vom Pragmatismus der Passat-Käufer. Zwei Details störten allerdings die ansonsten vorbildlich einfache Bedienung: Vor allem der Zündschlüssel-Riegel, der zum Starten des Motors zuerst in einen Schlitz geschoben und dann gedrückt werden muss, zog den Zorn vieler Fahrer auf sich. Weil der Motor nicht immer auf Anhieb ansprang, galt es, die fummelige Prozedur mehrmals durchzuführen.

Einige Kollegen wünschten sich zudem eine klassische Handbremse zurück, da die elektrische Variante mit ihrer automatischen Haltefunktion vor allem am Berg kein geschmeidiges Rangieren zuließ. Auch die Fahrwerksabstimmung stieß nicht auf ungeteilte Begeisterung: Sein sicheres und dynamisches Handling erkauft sich der VW mit einer insgesamt straffen Federung, die ihn etwas steif über Querfugen und Kopfsteinpflaster stolpern lässt.

Bei Geschwindigkeiten über 170 km/h nervten zudem Windgeräusche um A-Säule und Rückspiegel. Lob erntete hingegen der kultiviert und leise laufende Vierzylinder-Turbo, der sich dank bulligem Durchzugsvermögen sehr schaltfaul fahren lässt. Trotz 280 Nm ging der Fronttriebler sparsam mit seinen Reifen um: So mussten nur ein Satz Sommer- sowie zwei Sätze Winterreifen nachgekauft werden. Auch die Bremsen kamen mit einem Belagwechsel (252 Euro) und den ersten Scheiben über die Distanz.

Hoher Wertverlust

Dass sich die Kilometerkosten dennoch auf dem Niveau eines Mercedes C 320 T einpendelten, liegt am hohen Verbrauch: Auf zügigen Autobahnetappen sprühte der Direkteinspritzer über 15 Liter Super Plus pro 100 Kilometer in die Brennräume, während Verbräuche um acht Liter einen äußerst leichten Gasfuß voraussetzten. Kein Wunder, dass vier von fünf Passat mit einem sparsamen TDI geordert werden.

Als Diesel wäre auch der Wertverlust geringer ausgefallen. Obwohl speziell die Kombis zu den beliebteren Gebrauchten zählen, verlor der Passat laut Dekra-Gutachten über die Hälfte seines Listenpreises. Ein Teil davon resultiert aus der üppigen Ausstattung, denn insgesamt 23 Extras trieben die Rechnung auf über 47.000 Euro. Darunter so entbehrliche Posten wie elektrische Sitzverstellung oder Solar-Schiebedach, die beim Verkauf kaum honoriert werden.

Da der VW den abschließenden Abgastest locker bestand, trüben im Wesentlichen also nur Spritverbrauch und Wertverlust eine ansonsten blitzsaubere Dauertest-Bilanz. Beim Thema Blitz fällt Kollege Bloch allerdings noch eine andere Geschichte ein.

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Dirk Gulde

Autor:

auto motor und sport, Heft 03 / 2009

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