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VW Polo 1.4

Grüner Bereich

VW Polo 1.4

Für manchen VW-Fahrer ist der Polo der wahre Volkswagen. 100 000 Kilometer mit dem VW Polo 1.4 zeigen, wie gut man mit einem modernen Kleinwagen unterwegs ist und was das kostet.

05.06.2004 Klaus Westrup

Fast zwei Jahre ist er in Diensten der Redaktion, ein metallicblauer Polo in Highline-Version und mit jenem 75 PS starken Konzern- Vierzylinder, der in der Ottomotoren- Hierarchie über den beiden Dreizylindern mit 55 und 65 PS liegt. Der optisch unauffällige Viertürer ist mit ein paar auch in Highline-Version nicht serienmäßigen Extras, wie CD-Wechsler, Radio-Navigation oder Tempomat, ein 20 000- Euro-Auto. Die Klimaanlage muss im Juli 2002 noch mit fast 1200 Euro extra bezahlt werden. Inzwischen gehört die einfache, Climatic genannte Anlage zum Serienumfang, die Climatronic kostet 280 Euro Aufpreis.

Erfreulicherweise ist der Testwagenpreis über die Jahre sogar gesunken. Das ändert nichts daran, dass ein besser ausgestatteter Polo teuer ist und, wie hier erlebt, mit rund 55 Prozent Wertverlust nach Ablauf der 100 000 Kilometer überdurchschnittlich an Wert einbüßt. Schätzpreis 9112 Euro – nebenbei wieder einmal ein Beweis dafür, dass sich hoher Ausstattungsumfang beim Wiederverkauf nicht lohnt.
Der Preis ist nicht kleinwagengemäß, da stellt sich natürlich die Frage, ob der neue Polo überhaupt ein Kleinwagen ist. Schon das Gewicht von fast 1,2 Tonnen gibt da eine andere Antwort. Hier steht, beinahe genauso groß wie einst der Golf II , ein vollwertiges Auto auf den Rädern, das schon dem Golf IV Konkurrenz in den eigenen Reihen beschert und gewiss den einen oder anderen auch vom aktuellen Golf weglocken wird.
Das Erwachsensein dokumentiert sich nicht nur in dem guten Raumangebot, sondern es zeigt sich auch in der Befindlichkeit der Karosse. Stünde da nicht bleich die Ziffer 104 750 auf dem Zähler, man könnte den Dauertest-Polo nach dem letzten Durchgang in der Schnellwäsche auch auf nur 27 000 Kilometer schätzen. Ein leichter Modergeruch ist das offensichtlichste Zeichen der Alterung – nichts klappert, nichts graunzt, die Standard gewordenen Kunststoff-Materialien im Interieur zeigen ihre gewohnte Gräue. An Ablagen herrscht kein Mangel, auch dies lernt man bei einer 100 000-Kilometer- Dienstreise zu schätzen. Zwar hat der Fahrersitz im Lauf der Zeit nachgegeben, doch dies ändert nichts am sehr guten Sitzkomfort und der ausgezeichneten Seitenführung.
Auch hier ist nichts kleinwagenhaftes zu erkennen, erst recht nicht beim überragenden Federungskomfort – mit der beste, den man in dieser Klasse einkaufen kann. Die komfortable Abstimmung der Polo-Federung ist es auch, die zusammen mit den guten Sitzen für aus geprägte Fernreise-Präferenz sorgt. Von Stuttgart nach Mailand, von Hamburg nach München, dies alles lässt sich ohne Strapazen erfahren.

Der Vierzylinder mit seinen vier Ventilen pro Zylinder ist auch im Komfortsinn eine adäquate Antriebsquelle, unaufdringlich im Geräusch, schwingungsarm, leistungsmäßig allerdings nicht gerade ein Reißer. Aber er hängt gut am Gas und ist drehfreudig. Man kommt zusammen mit dem gut gestuften Fünfganggetriebe zügig voran und, wie die Störungsliste zeigt, auch immer ans Ziel. Ein einziges Mal wird die Sache mit dem Ankommen allerdings eng. Rund dreiviertel der Distanz sind schon zurückgelegt, da meldet sich der Motor zusammen mit der schrillen Motorwarnleuchte nach dem Kaltstart morgens nur mit wenigen Zylindern. Die VW-Werkstatt in Essen liegt lediglich einen Kilometer entfernt und kann noch mit eigener, geschmälerter Kraft angelaufen werden. Eine defekte Zündspule ist die Ursache – ohne sofortige Hilfe wäre der Polo wohl auf der Strecke geblieben.
Es ist nicht der einzige außerplanmäßige Werkstatt- Aufenthalt. Schon bei knapp 13 000 Kilometern muss ein Fensterheber erneuert werden, bei 19 700 wird den Wassereinbrüchen ins Interieur auf den Grund gegangen. Das Abdichten der Karosserie im Kotflügelbereich ist mit 618 Euro der dickste Posten bei den Reparaturkosten, wäre er nicht auf Garantie gegangen. Das gelegentliche Aufleuchten der Motorwarnlampe am Armaturenbrett ist bis zum Zündspulen-Defekt nur adrenalintreibend, aber in Wahrheit ohne Belang. Zwei Mal fallen Glühlampen aus – Zehn-Euro-Rechnungen. Doch dann, gegen Ende der Distanz, wieder etwas Ernstes. Der Anlasser macht unpassende Geräusche und wird, vorsichtshalber und ohne wirklich zu versagen, ausgetauscht.
Die Störungsliste liest sich gleichwohl undramatisch. Nicht alle Volkswagen , die den Dauertest absolvieren, kommen so gut weg. Der Polo beweist, was auch Opel mit dem Corsa immer bewiesen hat, nämlich dass die kleinsten Modelle meist die zuverlässigsten sind. Da ist man nicht gram, wenn zum Schluss noch der Schalthebel getauscht wird, zum Preis von 61 Euro. Er ist nicht zerbrochen, sondern in seiner Einfassung immer scharfkantiger geworden und beginnt, Hände aufzuschlitzen. Auch die Kupplung hat gehalten, trotz einer Eigenart, die nicht nur dem Fahrer, sondern auch ihr selbst das Leben schwer macht. Das Zusammenspiel zwischen Gasgeben und Einkuppeln erfordert Aufmerksamkeit. Oft wird beim Anfahren unnötig viel Gas gegeben und damit Verschleiß gefördert. Ende der Mängelliste und Rügen, Katastrophen fehlen.

Die insgesamt befriedigende Zuverlässigkeit wird wirkungsvoll ergänzt durch eine einfache Bedienung und eine effektive Heizung und Klimaanlage. Wie üblich bei nicht allzu kraftvoll motorisierten Autos spürt man ihr Agieren. Bei vollem Kühleinsatz geht der Motor schwerer – im Übrigen hat er, wie die Leistungsmessungen zu Beginn und am Ende beweisen, an Spurtkraft noch etwas zugelegt. Mit 14 Sekunden von null auf 100 km/h kann man gut leben, ein Durchzugswunder ist der kleine Vierventiler dagegen nicht. Wie üblich setzen hier die Diesel die Maßstäbe. Knapp acht Liter Superbenzin sind es pro 100 Kilometer im Test, aber es können mit zurückhaltendem Gasfuß auch nur sechseinhalb sein. Mit rund dreieinhalb Litern ist die Ölnachfüllmenge vernachlässigbar gering, und nicht besonders hoch liegen auch die Kosten für die alle 30 000 Kilometer fälligen Inspektionen, jeweils einen Ölwechsel eingeschlossen. Beim ersten Service sind es 241 Euro, beim letzten (km-Stand 90 685) 317 Euro. Erfreulicherweise findet sich der Posten für einen Zahnriemenwechsel nicht in der Kosten-Aufstellung. VW schreibt bei diesem Triebwerk nur eine Sichtkontrolle bei 90 000 Kilometern vor, aber keinen Wechsel.
Die Reifen halten überdurchschnittlich lange. Mit den Dunlop SP Sport der Erstausrüstung läuft der Polo über 50 000 Kilometer. Nur ein Mal werden Bremsbeläge und Scheiben vorn erneuert (km 60 469). Die Gesamkosten liegen im Rahmen und betragen gut zehn Cent pro Kilometer. Herausragend wirtschaftlich ist der Polo nicht, aber er hat auch nicht enttäuscht, schon gar nicht mit seinen Reisequalitäten, die Mittelklasse-Format haben. „Der Polo ist ein echter Golf“, notiert einer seiner Benutzer ins Fahrtenbuch. Kompliment.   

Vor- und Nachteile

  • Sehr guter Federungskomfort
  • Gutes Raumangebot
  • Viele praktische Ablagen
  • Wenig Windgeräusche
  • Guter Qualitätseindruck
  • Sehr einfache Bedienung
  • Wirksame Klimaanlage
  • Sehr gute Sitze
  • Vibrationsarmer Motor
  • Gut ablesbare Instrumente
  • Sichere Fahreigenschaften
  • Geringer Ölverbrauch
  • Kleines Handschuhfach
  • Tempomat schlecht zu bedienen
  • Kupplung schlecht zu dosieren
  • Ablagefächer in Türen zu niedrig
Technische Daten
VW Polo 1.4 16V
Grundpreis17.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3743 x 1632 x 1418 mm
KofferraumvolumenVDA245 bis 975 L
Hubraum / Motor1390 cm³ / 4-Zylinder
Leistung55 kW / 75 PS (126 Nm)
Höchstgeschwindigkeit168 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h14,5 s
Verbrauch7,5 L/100 km
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