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DTM Analyse: Brands Hatch 2010

Meisterschaft für Mercedes entschieden?

Brands Hatch 2010 Foto: xpb 21 Bilder

In unserer Analyse klären wir alle Fragen, die nach dem DTM-Rennen von Brands Hatch noch offen geblieben sind. Warum war Paul di Resta unschlagbar? Warum machten so viele Aufhängungen schlapp? Und welcher Mercedes-Pilot schnappt sich nun den Titel?

06.09.2010 Claus Mühlberger

Wie legte Paul di Resta den Grundstein für den Sieg?

Paul di Resta ist ein Brands Hatch-Spezialist. 2009 siegte der Mercedes-Fahrer noch denkbar knapp vor dem späteren Champion Timo Scheider im Audi. Diesmal demütigte der Schotte bei seiner Triumphfahrt seine Gegner, sowohl diejenigen aus dem eigenen Lager wie auch die Abordnung von Audi.

Worin liegt di Restas Erfolgsgeheimnis? "Dieser Kurs scheint maßgeschneidert für Paul zu sein", vermutete Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Der 24-Jährige schaffte es wie kein Zweiter, die verzwickten Geheimnisse der Startkurve namens Paddock Hill Bend zu entschlüsseln. Hier gewann di Resta im Qualifikationstraining die entscheidenden Zehntelsekunden. Im Stile eines fehlerfrei arbeitenden Rennroboters fuhr der Schotte in sämtlichen Trainingsabschnitten bis auf fünf Hunderstelsekunden stets die gleiche Zeit - und zwar die Bestzeit. Im vierten Abschnitt rutschte er in der Zielkurve neben die Piste. Doch sein Vorsprung war so groß, dass es für die Pole-Position langte.

"Das Rennen war für mich nicht besonders schwer", erzählte di Resta nach dem vierten DTM-Sieg seiner Karriere frohgemut. Anfangs fuhr er pro Runde durchschnittlich fünf Zehntelsekunden schneller als seine Verfolger. "Paul war so weit weg, dass ich ihn schon gar nicht mehr gesehen habe", meinte Timo Scheider auf Platz drei. In der zweiten Rennhälfte machte es di Resta gnädiger und begnügte sich damit, sein Auto sicher als Erster ins Ziel zu bringen.

Hat Mercedes nach sechs Siegen in sieben Rennen den Titel schon sicher?

Gefühlte 99 Prozent der DTM-Fahrerlager-Belegschaft waren sich nach dem England-Gastspiel sicher: 2010 wird wieder ein Mercedes-Fahrer den Titel holen - erstmals seit 2006, als der schon längst zurückgetretene Bernd Schneider für die Stuttgarter in der Endabrechnung triumphierte. Bruno Spengler (52 Punkte), Paul di Resta (43 Punkte) und Gary Paffett (39 Punkte) werden das Titel-Match 2010 unter sich ausmachen. Mit 23 beziehungsweise 24 Punkten Rückstand auf Spengler haben die Audi-Fahrer Timo Scheider und Mattias Ekström bei vier noch ausstehenden Rennen allenfalls noch theoretische Chancen in diesen Dreikampf einzugreifen.

Die beiden Sportchefs von Mercedes und Audi sehen die Dinge etwas differenzierter. Norbert Haug ist nur verhalten optimistisch und verweist darauf, was an Ungemach noch so alles passieren könnte. Und Wolfgang Ullrich will die Seinen psychologisch aufrichten, wenn er ihnen zuruft: "Noch ist nichts verloren."

Bleibt also die Frage: Welcher Mercedes-Fahrer wird Nachfolger von Champion Timo Scheider. Geht es nach Norbert Haug, ist alles offen: "Ich habe keinen Lieblingsfahrer", beteuert er. "Es wird auf der Strecke ausgefahren. Wer die meisten Punkte gesammelt hat der hat es verdient. Ganz ehrlich." Favorit Nummer eins ist natürlich der Tabellenführer Bruno Spengler. Wen er mehr fürchte, Paul oder Gary?, wurde der Kanadier gefragt. Die freche Antwort: "Es ist mit egal wer hinter mir liegt. Ich schau nicht in den Spiegel, ich schaue nach vorne."

Wie kam Rookie Miguel Molina auf Platz vier nach vorne?

In Runde 65 schrieb Miguel Molina ein kleines Kapitel DTM-Geschichte. Der Spanier, der einen 2008er Audi im Abt-Rookie-Team fährt, markierte die schnellste Runde des Rennens. Unbekümmert trumpfte der 21-Jährige in Brands Hatch auf. Nicht selbstverständlich, denn beim Start hatte Molina zunächst zwei Plätze verloren. Er fiel von Rang acht auf Platz zehn zurück. Doch seine Taktik mit extrem langem ersten Stint zahlte sich aus.

Die Dunlop-Reifen bauten keineswegs ab. Doch das war eigentlich schon nach den Longruns im Training bekannt. So kam Molina per Boxenstrategie an namhaften Gegnern wie zum Beispiel den Mercedes-Meisterschaftskandidaten Gary Paffett vorbei. "Schon im Warm-up haben wir gesehen, dass unser Tempo sehr gut war", freute sich Molina. "Das konnten wir im Rennen wiederholen. Das Tempo war fantastisch, das Auto wirklich gut. So kamen wir nach vorn. Ich bin sehr glücklich. Jetzt habe ich weitere Punkte gesammelt. Perfekt, wenn man bedenkt, dass es mein erstes Jahr in der DTM ist."

Wieso fielen gleich vier Autos mit defekten Radaufhängungen aus?

Vier Autos kamen in Brands Hatch nicht ins Ziel, und die Ursache war immer die gleiche: Schäden an der Radaufhängung. Mattias Ekström, Susie Stoddart, Ralf Schumacher und Markus Winkelhock hatten deswegen vorzeitig Feierabend. Diese Bilanz des Brands Hatch-Rennens mag betrüblich sein. Doch überraschend ist sie nicht. Die Radaufhängungen der DTM-Autos sind sehr fragil. Das gilt insbesondere für die Uniball-Gelenke. Selbst eher leichte Berührungen nehmen sie schnell krumm, oder sie brechen entzwei. "Was Ralf am Start gemacht hat, war absolut unnötig", ärgerte sich Mattias Ekström über seinen Kollisions-Partner. "Mit stabileren Autos wäre es ja ok, aber mit den rundenzeitoptimierten DTM-Autos kann man das nicht machen."

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