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DTM Funk-Skandal

Wie geht es mit Audi weiter?

Pascal Wehrlein - DTM - Spielberg - 02.08.2015 Foto: Hoch Zwei 20 Bilder

Der Abschuss-Befehl von Audi-Motorsport-Chef Wolfgang Ullrich an Pilot Timo Scheider hat große Wellen geschlagen. Wir haben die Stimmen zum Spielberg-Skandal und erklären, wie es jetzt mit Audi weitergeht.

17.08.2015 Arno Wester

DTM-Fans trauten beim Rennen in Spielberg ihren Augen und Ohren nicht: Timo Scheider hatte in der letzten Runde des Sonntagsrennens von Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich den Funkspruch "Timo, schieb ihn raus!" erhalten, diesen aber angeblich nicht gehört. Fakt ist: Scheider prallte unmittelbar danach dem vor ihm fahrenden Mercedes von Robert Wickens aufs Heck. Wickens riss in einer Kettenreaktion auch noch seinen in diesem Moment die DTM-Tabelle anführenden Markenkollegen Pascal Wehrlein mit ins Aus.

Nach Auswertung der Fahrzeugdaten gab es für die Sportkommissare des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) keinen Zweifel: Scheider hat Wickens mit Absicht aus dem Weg räumen wollen. Dafür sprach gleich mehreres: Die Räder an Scheiders RS5 haben nicht blockiert. Er hat deutlich weniger stark gebremst, als es die betreffende Kurve erforderte, und er ist sogar von der Bremse runtergegangen! Auch Scheiders Einwand, Wickens habe zu früh gebremst, konnten die Stewards widerlegen.

Wieso Funkverkehr live im TV?

Als ARD-Experte Norbert Haug in der Schlussphase des Rennens ahnte, dass Wickens Rivale Scheider aufhalten könnte, damit Wehrlein davon profitiert, reagierte ARD-Redaktionsleiter Andreas Köstler sofort. Köstler, der an einem Mischpult sitzt, das ihn mit dem Funk zu allen 24 DTM-Autos verbindet, drückte die entsprechende Taste. Damit war Scheider live auf Sendung.

Was sagen die Verantwortlichen?

Dr. Wolfgang Ullrich mied nach dem Spielberg-Wochenende die Öffentlichkeit. Stattdessen äußerte sich Audi-Sport-Kommunikationschef Jürgen Pippig: "Der Vorfall kam für das gesamte Unternehmen überraschend. So etwas ist nicht im Sinne von Audi und entspricht nicht unserem Verständnis von fairem Motorsport."

"Dr. Ullrich hat sich entschuldigt und bedauert, dass es zu diesem Zwischenfall gekommen ist. Das ist auch ganz und gar nicht seine Art und sein Verständnis von Motorsport. Wer ihn kennt und in den letzten 23 Jahren als integeren Sportsmann erlebt hat, der wird das ganz sicher auch unterschreiben. Vor der endgültigen Klärung und der sportrechtlichen Bewertung der Umstände sollte niemand vorverurteilt werden."

Pippig betonte zudem, dass Ullrich bei der Audi AG nicht - wie von vielen Medien berichtet - zum Rapport bestellt wurde! Ullrich hätte bereits am Sonntagabend seinen direkten Vorgesetzten, Audi-Entwicklungsvorstand Dr. Ulrich Hackenberg, informiert und stünde mit diesem weiterhin im Dialog.

Mercedes-AMG DTM-Teamchef Ulrich Fritz sagte: "Es ist alles in Wort, Ton und Bild festgehalten. Es gibt einen klaren Funkspruch. Kurz danach sieht man zwei unserer Fahrzeuge im Kiesbett stehen. Da braucht man nicht viel zu sagen. Das sind Szenen, die wir im Sport nicht sehen wollen. Dass jemand absichtlich aus dem Rennen genommen wird, das darf nicht passieren."

"Wenn es dann noch der Meisterschaftsführende ist, dann hat das einen noch fahleren Beigeschmack. Das ist grob unsportlich. Nur Timo Scheider zu bestrafen, ist zu kurz gesprungen. Alles andere müssen wir aber den Profis (des DMSB-Sportgerichts, d. Red.) überlassen."

Für viel Wirbel sorgte auch die Aussage von Mercedes-Sportchef Toto Wolff direkt nach dem Rennen: "Wenn es den Funkspruch gab, dann sollte derjenige, der das gemacht hat, nie wieder auf eine Rennstrecke dürfen." Unsere Frage an Mercedes: Hätte Wolff sich auch so geäußert, wenn er gewusst hätte, dass der Funkspruch von seinem Audi-Pendant Dr. Ullrich stammte?

Antwort von Mercedes-Motorsport-Pressesprecher Oliver Kapffenstein: "Natürlich fiel die Aussage von Toto aus der ersten Emotionalität nach dem Rennen. Wir kennen Dr. Ullrich als einen integeren Sportsmann, der sich in seiner langen Karriere bisher nichts zuschulden kommen lassen hat. Ob und inwieweit er die Anweisung absichtlich gegeben hat, können wir nicht beurteilen. Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte würde Toto die Aussage sicher in dieser Schärfe nicht erneut tätigen. Ein Fehler sollte nicht eine ganze Karriere zerstören."

Warum hat Mercedes-Benz nach dem zweiten Spielberg-Rennen trotzdem mehrfach eine harte Strafe für Audi gefordert? Kapffenstein dazu: "Die Forderung nach harten Strafen hat nichts mit Audi zu tun und bezieht sich ausschließlich auf eine Sportstrafe. Im Sinne des Sports geht es uns darum, dass sich ein solches Vorgehen nicht lohnen darf und auch für die Zukunft sichergestellt werden muss, dass keine Anreize bestehen, über solche Aktionen nachzudenken. Zudem sollten wir keinen sportlichen Nachteil durch die Aktion haben. Es geht uns absolut nicht um Lizenzentzug, Geldstrafen oder Ähnliches."

Wie geht es jetzt weiter?

Harald Schmeyer, der Vorsitzende Richter des DMSB-Sportgerichts, hat das Verfahren am 6. August offiziell eröffnet. Timo Scheider (Audi-Werksfahrer), Ernst Moser (Teamchef des Audi Sport Teams Phoenix) und Volker Nossek (Projektleiter und Teamkoordinator Audi Sport) wurden um eine schriftliche Stellungnahme gebeten. Dafür haben sie 14 Tage ab Eingang des Einschreibens Zeit.

Sollte Audi Sport anschließend auf ihnen zustehende Fristen verzichten, könnte das DMSB-Sportgericht noch vor den nächsten beiden DTM-Rennen in Moskau (29./30.8.) tagen.

Warum ist Ullrich nicht geladen?

Nossek ist beim DMSB-Sportgericht vorgeladen, weil er und nicht Ullrich für die Einschreibung von Audi Sport in die Herstellerwertung der DTM 2015 zuständig ist.

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