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DTM Oschersleben - Rennanalyse

Audi hat die Meisterschaft verspielt

DTM Oschersleben 2010 Spengler Scheider Foto: xpb 30 Bilder

In unserer DTM-Rennanalyse klären wir alle Fragen nach dem Rennen in Oschersleben. Warum platzte bei Timo Scheider der Reifen? Wer behält im Mercedes-Duell die Oberhand? Und was war eigentlich mit Mattias Ekström los?

20.09.2010 Claus Mühlberger

Hätte Audi gewinnen können?

Im frühen Stadium des DTM-Rennens war Oschersleben beinahe eine exakte Kopie des Brands Hatch-DTM-Gastspiels von vor 14 Tagen. Mercedes-Fahrer di Resta machte sich aus dem Staub, dahinter bemühten sich Bruno Spengler (Mercedes) und Audi-Mann Timo Scheider, den Anschluss zu halten.

Doch der etwas missratene Boxenstopp von Paul di Resta in der 21. Runde, der rund sechs statt normalerweise drei Sekunden dauerte, weil die hintere rechte Radmutter klemmte, würfelte das DTM-Klassement ordentlich durcheinander. Plötzlich führte Bruno Spengler, der seinen ersten Stopp bereits neun Runden früher absolviert hatte, und zwar ohne unliebsame Zwischenfälle.
 
Scheiders Audi-Crew griff nun tief in die Taktik-Trickkiste: Die beorderte den DTM-Titelverteidiger in den Runden 21 und 25 an die Boxen. Der Kampf um den Sieg wurde so zum spannenden Fernduell zwischen dem führenden di Resta, der aber noch einen Stopp absolvieren musste und dem entfesselt auftrumpfenden Scheider auf Platz fünf. Der zweite Audi-Sieg des Jahres schien im Bereich des Möglichen.
 
Doch in der 34. Runde fand das Duell ein jähes Ende: "Platter hinten rechts", meldete Scheider per Funk, als er gerade an der Boxeneinfahrt vorbei gefahren war. Die Untersuchung des DTM-Pneus bei Dunlop zeigte einen Steinabdruck auf der beschädigten Lauffläche. Wahrscheinlich hatte ein allzu harter Ritt über Kerbs das Schicksal von Scheiders Reifen besiegelt.
 
Platz elf und null Punkte standen am Ende für den zweifachen DTM-Champion Scheider zu Buche. "So nah am Sieg waren wir seit fünf Rennen nicht mehr", klagte Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich. Es fand sich keiner, der ihm widersprochen hätte.

Was war mit Mattias Ekström los?

Anders als Scheider vermochte DTM-Pilot Mattias Ekström keine Aufsehen erregende Rolle zu spielen, rettete aber immerhin den dritten Platz. "Ich habe schnell realisiert, das ich heute kein Setup hatte mit dem man gewinnen kann", resümierte der Schwede. "Ich musste teilweise verrückte Linien fahren auf der Suche nach Grip. Ich bin aber insofern zufrieden, dass ich es geschafft habe, Gary Paffett hinter mit zu halten."
 
Ekströms launiges Fazit: "Man kann nicht immer gewinnen. Das ist in der Liebe so, und auch im Sport."

Wer behält die Oberhand im Mercedes-Bruderduell?

Bei drei noch ausstehenden DTM-Rennen gewinnt das markeninterne Duell um den DTM-Titel zwischen Bruno Spengler (60 Punkte) und seinem hartnäckigsten Paul di Resta (53 Punkte) an Dynamik. Der Dritte im Bunde der Mercedes-Titelaspiranten, Gary Paffett hat mit 44 Zählern wohl nur noch theoretische Chancen auf die DTM-Krone. Eine alte Rennsport-Weisheit besagt: Der Jäger hat es leichter als der Gejagte, nach dem Motto: Ich habe ja eigentlich nichts mehr zu verlieren, aber alles zu gewinnen.
 
Di Resta weiß einen großen Vorteile auf seiner Seite: Der Schotte war bei den letzten DTM-Rennen in puncto Speed absolut unantastbar. Keiner bekam die Fahrwerksabstimmung so gut hin wie di Resta und sein Ingenieur Axel Randolph. Daraus erwächst ein gesundes Selbstbewusstein. "Paul hat jetzt den rechten Schwung", sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug.
 
Drei DTM-Rennen gewann der Schotte in diesem Jahr bereits. Es hätten vier Triumphe sein können, doch auf dem Lausitzring kostete ihn  ein verpatzter Boxenstopp den DTM-Sieg. Es gewann - ausgerechnet sein Erzrivale Bruno Spengler, der damit so genannte Big Points einsammeln konnte. Per Saldo waren es vier Punkte, zugunsten des Kanadiers.
 
Doch aus eigener Kraft kann di Resta den DTM-Titel nicht gewinnen, selbst wenn er dreimal siegt. Denn drei zweite Plätze würden Spengler schon zum Gesamtsieg mit einem Zähler Vorsprung genügen. Zugegeben, dies es ist ein eher unwahrscheinliches Szenerio. Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der nach drei Jahren DTM-Titel-Dürre wohl endlich wieder einen Fahrertitel für sein Team verbuchen kann, lehnt sich entspannt zurück: "Ich habe keinen Lieblingsfahrer. Das wird auf der Strecke entschieden. Wir wollen das nicht mit irgendwelchen Regieanweisungen hinter uns bringen."

Wie lange fährt di Resta noch in der DTM?

Paul di Resta ist in der glücklichen Lage, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. In der DTM ist dem schnellen Schotte nach drei Saisonsiegen sein Cockpit wohl beinahe bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag sicher. Doch möglicherweise öffnet sich für di Resta schon bald ein Türchen in Richtung Formel 1.  "Er hat gute Chancen", orakelt Haug, ohne aber Details zu verraten. "Ich wünsche mir, dass Paul bei uns bleibt aber wenn er die Chance hat, muss er sie wahrnehmen. Das spricht auch für DTM, wenn man diesen Aufstieg schafft. Am letzten Freitag ist er in Monza Formel 1 gefahren. Es ist ganz offensichtlich so, dass ihn dies nicht ablenkt. Im Gegenteil es wirkt wohl eher beflügelnd."

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