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DTM Spielberg 2012 (Analyse)

Premierensieg mit Hindernissen

DTM Spielberg 2012 Mortara Tomczyk Paffett Foto: xpb 16 Bilder

Edoardo Mortara feierte in Spielberg seinen ersten DTM-Sieg. Die Analyse zeigt allerdings, dass für den Audi-Piloten längst nicht alles perfekt lief. Weder die Konkurrenz noch sein eigenes Team machten es dem Premierensieger leicht.

04.06.2012 Claus Mühlberger

Der Sieg von Edoardo Mortara wirkte souverän - er hing aber gleich mehrmals am seidenen Faden. Denn, erstens, hatte der Italiener im Audi A5 von der Pole-Position aus einen bestenfalls mittelprächtigen Start. Zweitens waren die Boxenstopps seines Rosberg-Teams zwar gut, aber keinesfalls überragend.

Drittens konnte Mortara von Glück reden, dass ihn die Sportkommissare sein Manöver in der 30. Runde, als er den angreifenden Gary Paffett bei der Anfahrt zur langsamen und spitzen Remus-Kurve in die Wiese abdrängte, nicht bestraften. Und viertens war es eine günstige Fügung des Schicksals für Mortara, dass eine allzu flott vorgetragene Attacke von Martin Tomczyk nicht in eine unfreiwillige Pirouette des Audi mündete.

DTM Spielberg 2012: Das Rennen 4:01 Min.

Probleme für Mortara schon am Start

Doch der Reihe nach: Es hätte nicht viel gefehlt, und der schwarz-rote Audi wäre am Start stehen schlicht geblieben. "Ums Haar hätte ich den Motor sogar ganz abgewürgt. Ich muss mir mal auf der Datenaufzeichnung genau anschauen, wie tief die Drehzahl in den Keller fiel", meinte ein entspannter Mortara nach dem Rennen. Die Erklärung lieferte er gleich nach: "Ich bin mit neuen Reifen ins Rennen gegangen und ich habe offenbar den Grip etwas unterschätzt."

Während Mortara förmlich auf der Linie klebte, sprinteten Paffett und vor allem auch Mattias Ekström deutlich hurtiger los. Der Schwede sah sich in seinem Vorwärtsdrang etwas von dem Briten im Mercedes eingebremst - ein Glücksfall für Mortara, der so trotz Schneckenstarts als Erster in die erste Kurve einbiegen konnte. Mortara konnte sich das Beinahe-Malheur nicht recht erklären: "Normalerweise  bin ich sehr gut, wenn ich unter Druck stehe."

Mercedes-Schrauber schneller als Audi

Danach konnte sich Mortara erst einmal ein einer relativ komfortablen Führung erfreuen. Mehr als zwei Sekunden entwischte er den Verfolgern jedoch nicht. Derart geringe Zeitabstände setzen natürlich auch die Boxencrews unter Druck. Bei den beiden Reifenwechseln liegt es den Mechanikern, das Erreichte zu verteidigen. Die Schrauber in Mortaras Rosberg-Team blieben cool. 44,022 Sekunden war die offiziell ermittelte, kumulierte Zeit für die zwei Stopps.

Nicht schlecht, aber die Jungs von Paffetts HWA-Mannschaft arbeiteten nochmals um 1,6 Sekunden flotter. Beinahe ein rennentscheidender Vorteil. Nach dem zweiten Boxenstopp wurde es richtig eng für Mortara, als es Paffett gelang, sich mit seinem Mercedes neben den Audi zu setzen. Der Audi zuckte kurz nach rechts, der Mercedes geriet mit zwei Rädern aufs Gras. Während Paffett sich später öffentlich nicht beschwerte, konnte es sich Mercedes-Sportchef Norbert Haug ein paar Sticheleien nicht verkneifen.

Harte Duelle mit Paffett und Tomczyk

Auch die Sportkommissare diskutierten das Manöver. Wie man hörte, verlief die Debatte durchaus kontrovers. Doch am Ende beschloss man: Dies ging in Ordnung - gerade noch. "Es war ein knappes Manöver, hart an der Grenze", urteilte Rennleiter Sven Stoppe. "Mortara hat seine Position verteidigt, ohne die mehrfach die Linie zu wechseln."

"Die Sache mit Gary war mein Fehler", räumte Mortara nachher ein. "Ich wusste zwar wo er war, aber in den DTM-Autos ist die Sicht wirklich schlecht. Man sitzt sehr tief und in den Spiegeln sieht man kaum was, weil sie extrem stark vibrieren. Es ist also immer auch ein Ratespiel, wo der Gegner sich gerade befindet."

Wenige Sekunden nach dem Rendezvous mit Paffett gab´s gleich die nächste Aufregung: Plötzlich klopfte Martin Tomczyk mit seinem BMW in der Schlossgold-Kurve am rechten hinteren Seitenteil des Mortara-Audi an. Mit knapper Not gelang es dem Italiener jedoch, die Attacke abzuwehren. "Kein Problem, aber bei dieser Geschichte war es Martin, der den Fehler machte", meinte Mortara. "Er war auf neuen Reifen wohl etwas zu optimistisch unterwegs."

Paffett schon Halbzeit-Meister

Der vierte Lauf der DTM 2012 bot gute Action, einige flotte Überholmanöver und auch allerlei wilde Szenen, etwa als im Mittelfeld bis zu vier Fahrer nebeneinander fahrend versuchten, sich das Leben sauer zu machen. Mit Edoardo Mortara gab es einen Premierensieger. Und Gary Paffett kann jetzt schon die Halbzeit-Meisterschaft feiern. Denn der Brite hat bei den ersten vier Rennen 83 von 100 möglichen Punkten erobert. Sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten Mattias Ekström beträgt bereits satte 36 Punkte. Da für einen Sieg 25 Punkte vergeben werden, können die Verfolger diese Kluft für die Verfolger also frühestens beim übernächsten Rennen zuschütten, Mitte August, auf dem Nürburgring.

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