Häkkinen-Abschied: Verlust einer Galionsfigur

Mit Mika Häkkinen hat ein Weltstar seinen Abschied vom Rennsport verkündet. Die DTM muss künftig ohne den Publikumsliebling auskommen.

Auf der traditionellen "Stars & Cars" Saisonabschluss-Veranstaltung von Mercedes sagte der 39-jährige Finne: "Es ist an der Zeit, die DTM zu verlassen." Spekulationen, die sich aus diesem Satz ableiten ließen und etwa auf eine anderweitige Verpflichtung des Publikumslieblings deuten, schob Mercedes-Motorsport-Chef Norbert Haug einen Riegel vor: "Mika hat mir gesagt, dass er künftig nur noch einige kleinere Rennen und Rallyes fahren will." Etwa Eisrallyes nördlich des Polarkreises, wie er es in der Vergangenheit schon oft gemacht hatte.

Zugpferd & Galionsfigur

Mit Häkkinen verliert die DTM ihre Galionsfigur. Der sympathische Finne, der nach seinem Rücktritt aus der Formel 1 Ende 2001 nach dreijähriger Pause Anfang 2005 auf die Rennstrecken zurückgekehrte, sorgte für einen Popularitätsschub in Europas bekanntester Tourenwagenserie. Der einstige Formel 1-Superstar fügte sich in seine neue Rolle, und er akzeptierte ohne zu murren die geforderte Fan-Nähe. Manchmal konnte man sogar glauben, es habe ihm Spaß bereitet, wie er so mitten in den Fans stehend Autogramme schrieb und für Fotos posierte. Das hatte es in der Formel 1 in dieser Intensität nie gegeben.

Bereits in seinem dritten DTM-Rennen in Spa siegte Häkkinen von der Pole Position aus. Doch nach dem Sieg damals ließ die Erfolgsbilanz zu wünschen übrig. Wie kaum ein anderer Pilot zog Häkkinen das Pech an sich. Und immer trug er es mit Fassung. Kein Gejammere, keine Anschuldigungen. Außer Platz drei am Lausitzring und Platz zwei in Istanbul konnte er 2005 jedoch kaum weitere nennenswerte Ergebnisse verbuchen.

Im Jahr 2006 sah die Bilanz noch düsterer aus. Kein Sieg, dafür aber ein Siegesverzicht in Le Mans, als er seinen Teamkollege Bruno Spengler zum Erfolg geleitete. Mit drei Podestplätzen holte der ruhige Blondschopf Rang sechs in der Schlusstabelle. Lange stand nicht fest, ob er 2007 weitermachen wollte. Doch Häkkinen schöpfte über den Winter noch einmal neue Kraft und Motivation. "Ich habe vieles analysiert und kapiert. Dieses Jahr behebe ich meine Fehler", sagte er im Frühjahr.

Enttäuschendes Abschlussjahr

Was ihm letztlich den Nerv raubte, waren auch die Fehler anderer. Wieder wurde Häkkinen nicht laut, doch Fehlentscheidungen wie die der Rennleitung am Lausitzring sorgten bei ihm zunehmend für Unverständnis. Letztlich kumulierte sein Unmut durch der Entscheidung der Sportkommissare beim vorletzten DTM-Lauf in Barcelona: Häkkinen wagte ein durchaus riskantes Überholmanöver am führenden Audi von Martin Tomczyk. Obwohl er dem blauen Audi keinen Kratzer zufügte, wurde der Mercedes-Star mit 22.000 Euro Strafe belegt. Zusätzlich wurde er beim Finale in Hockenheim um zehn Startplätze nach hinten strafversetzt.

Eine Entscheidung, mit der Häkkinen nicht leben konnte. Selten sah man einen Top-Fahrer derart demotiviert. "Die Punktehalbierung nach meinem eindeutigen Sieg am Lausitzring war bereits sehr enttäuschend", meinte er in Hockenheim vor dem Finale. "Ich habe meine Leistung damals absolut maximiert. Und dann so was. Das demotiviert, weil man den Glauben an die Sache verliert." Doch weitaus schwerer wog das Urteil von Barcelona, das in seiner Härte auch intern beim Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) für Kritik gesorgt hatte. "Die Anschuldigungen nach dem Rennen in Barcelona waren für mich unhaltbar", betonte Häkkinen vor dem Finale. "Wenn ich so unfair gewesen wäre, wie mir vorgeworfen wurde, könnte ich heute nicht in den Spiegel schauen."

Entscheidung in Brasilien

"Mika trat anlässlich des Großen Preises von Brasilien am Freitag an mich heran und sagte: Norbert, wir müssen reden", meinte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Als er mir dann offenbarte, dass er vom Rennsport zurücktreten wird, habe ich für ungefähr eine Sekunde darüber nachgedacht, ihn umzustimmen."

Für Mercedes, mit denen Häkkinen rund 200 Rennen bestritten hatte, wird Häkkinen als Sonderbotschafter und Markenrepräsentant erhalten bleiben. Wer den "Fliegenden Finnen" im HWA-Team ersetzt steht noch nicht fest. Neben dem Tabellenzweiten Bruno Spengler sowie Bernd Schneider könnte Nachwuchsmann Paul di Resta in die erste Mercedes-DTM-Gilde aufrücken, während Ex-Meister Gary Paffetts Weg zurück ins Team nach seinen vorläufig gescheiterten Formel 1-Ambitionen ebenfalls realistisch erscheinen.

Nicht nur die vielen Fans, auch seine Konkurrenten werden Häkkinen vermissen. "Mika war manchmal sehr wild", meinte DTM-Champion Mattias Ekström. "In Brands Hatch in diesem Juni ist er zum Beispiel außen herum an mir vorbei. Wenn er so entschlossen fuhr, musste man aufpassen. Und so ein Manöver wie in Barcelona mit Martin Tomczyk ging schon einmal daneben, als er vor zwei Jahren am Nürburgring an mir vorbei wollte. Aber ich werde Mika vermissen. Es ist schade, dass wir uns auf der Piste nicht mehr duellieren können."

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Gregor Messer

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