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DTM Lausitz 2012 (Analyse)

BMW lässt Konkurrenz alt aussehen

DTM Lausitzing 2012 Parc Ferme Foto: Wilhelm 24 Bilder

Mit dem ersten Sieg gelang BMW in der Lausitz der ganz große Coup. Im Audi-Lager herrscht dagegen Katerstimmung. In unserer Analyse sagen wir Ihnen, wie es zu dem überraschenden Ergebnis gekommen ist.

07.05.2012 Claus Mühlberger

BMW-Sportchef Jens Marquardt war völlig aus dem Häuschen. "Der absolute Wahnsinn!", rief er aus im Überschwang der Gefühle. "Es war super eng. Ein Wahnsinns Rennen. Ich bin so stolz auf die Mannschaft. Das ist ... ein Wahnsinn!" Wer es schafft, bereits beim zweiten Rennen im DTM-Teich die Rolle des Hechts zu schlüpfen, der allen Grund zu feiern.

DTM Lausitzring 2012: Rennen 4:24 Min.

BMW hatte bereits eine Woche zuvor in Hockenheim sein Potential angedeutet. Wegen einiger Rempeleien, bei denen die M3-Fahrer überwiegend schuldlos waren, wurde dies aber nicht mit Zählbarem belohnt. Ein sechster Rang für Andy Priaulx und eine Menge Schrott, das war die Bilanz von BMW beim Saisonauftakt.

"Am Montag nach Hockenheim hatte ich einige Zweifel, ob wir wirklich alle Autos für den Lausitzring wieder rechtzeitig hinbekommen", verriet Marquardt in der Lausitz. "Teilemäßig waren wir praktisch komplett ausverkauft." Doch die BMW-Techniker gewannen das Wettrennen gegen die Zeit. Im Qualifying bedankten sich Bruno Spengler und Augusto Farfus auf ihre Weise bei den Mechanikern - mit den Startplätzen eins und zwei.

Mercedes mit wenig Abtrieb unterwegs

Ein Inspektionsgang durch die Startaufstellung brachte am Euro-Speedway interessante Erkenntnisse: Obwohl es eigentlich verboten ist, mühten sich schwarz gekleidete Mechaniker des HWA-Teams nach Kräften, ungebetenen Kiebitzen den Blick auf den Heckflügel der C-Coupés von Gary Paffett und Jamie Green zu versperren. Doch wer genau hinsah konnte es dennoch erkennen: Die Mercedes starten mit deutlich flacherem Heckflügel als die beiden BMW M3 in der ersten Reihe.

Das daraus resultierende Plus an Höchstgeschwindigkeit zeigte sich schnell: Auf den Geraden zoomte sich Gary Paffett immer wieder extrem nah ans Heck des Spengler-M3 heran. Jamie Green seinerseits studierte das Hinterteil des Farfus-BMW aus nächster Nähe. Doch so sehr sich die beiden Briten in Mercedes-Sold auch mühten - eine erfolgversprechende Attacke auf den Vordermann konnte weder der eine noch der andere reiten.

"Wenn man nah am Vordermann ist, verliert man den Abtrieb", klagte Paffett. "Keine Chance." Zudem bewiesen die BMW-Fahrer starke Nerven. Weder Spengler noch Farfus erlaubte sich die auch nur die geringste Unkonzentriertheit.

Beide Mercedes büßten im Mittelteil der Strecke immer wieder Zehntelsekunden ein, wohl eine Folge des flachen Heckflügels. Da nutzen auch die Ratschläge nichts, die Technikchef Gerhard Ungar an Paffett übermittelte: "Gary, fahr im Infield eine engere Linie. Wir verlieren dort zwei Zehntel. Probier mal was anderes aus."

BMW macht keine Fehler

Der dritte Grund für den BMW-Sieg lag in der Routine der Mechaniker: Auch als es wirklich eng wurde, ließen sich die Schnitzer-Männer nicht aus der sprichwörtlichen bayerischen Bierruhe bringen. Sie fertigten Spengler zweimal fehlerfrei ab. 4,0 und 3,7 Sekunden für das Wechseln der vier Reifen, das kann sich im Konkurrenzumfeld wirklich sehen lassen. Die Zeiten der HWA-Boxencrews reichten von 3,3 Sekunden (zweiter Stopp von Paffett) bis 7,1 Sekunden bei Greens erstem Boxenbesuch.

Die Brechstange packte Paffett nicht aus. Der Brite beherrscht natürlich auch die Punkte-Arithmetik der DTM: Er verzichtete auf allzu energische Attacken und ergriff statt dessen die günstige Gelegenheit, nach seinem Sieg von Hockenheim mit den 18 Punkten für Platz zwei seine Tabellenführung deutlich auszubauen. Das Risiko, nach einem misslungenen Angriff kläglich zu scheitern und eine Nullrunde zu schreiben, nimmt kein cleverer Meisterschafts-Aspirant in Kauf.

Audi-Pleite in der Lausitz

Bereits in Runde acht zeichnete sich ab, dass Audi in der Lausitz ein Debakel erleben könnte. Da musste sich Edoardo Mortara dem anstürmenden Jamie Green im Kampf um Platz vier beugen. Der Italiener verlor den Mercedes des Briten beängstigend schnell aus den Augen. "Kein Grip", klagte Mortara. Am Ende war Mattias Ekström der Beste aus dem Vier-Ringe-Lager, als Fünfter mit ernüchternden 21 Sekunden Rückstand auf den Sieger.

"Natürlich können wir mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein, denn wir haben auch dieses Mal die Reifen an unseren Autos im Rennen nicht richtig zum Arbeiten gebracht", grantelte Sportchef Wolfgang Ullrich: "Mattias Ekström und Timo Scheider haben heute das Beste aus ihren nicht optimalen Startpositionen gemacht und sich um mehrere Plätze verbessert - und zwar mit phasenweise sehr guten Rundenzeiten. Trotzdem müssen wir unseren A5 besser verstehen und das volle Potenzial ausschöpfen. Daran werden wir hart arbeiten."

Die Pleite von der Lausitz zeigte, dass der mangelnde Speed der Audi wohl nichts mit dem Wetter zu tun hat: "In Hockenheim war es warm, hier war es kalt", stellte Ekström fest. "Also muss das Problem wohl woanders liegen." Sein Chef versprach: "Die Jungs sind voll motiviert und sie wollen wieder vorne mitmischen, so wie wir das früher immer gemacht haben in der DTM. Wir haben ganz einfach noch kein Setup für das Rennen gefunden."

BMW-Chef warnt vor DTM-Neuland

BMW-Sportchef Marquardt genoss den Triumph vom Lausitzring in vollen Zügen. Aber er mahnte auch: "Wir sind gut beraten, mit beiden Füßen auf dem Boden zu bleiben. Der Start in unsere Comeback-Saison ist ganz sicher nahezu perfekt verlaufen. Uns erwarten jedoch noch viele Rennen auf Strecken, auf denen wir keinen einzigen Testkilometer gefahren sind."

Die Strecke von Brands Hatch, die als dritte Veranstaltung der Saison (20.5.) auf dem Programm steht, ist so ein Beispiel. "Das ist Neuland für uns", sagte Marquardt. "Deshalb ist es möglich, dass die Dinge schnell auch wieder in eine andere Richtung laufen können."

Die besten Fotos des Rennens in der Lausitz finden Sie in unserer Bildergalerie.

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