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Rennanalyse DTM Barcelona

Scheider auf dem Weg zur Titelverteidigung

DTM Barcelona 2009 Foto: Wolfgang Wilhelm 31 Bilder

Dank eines Raketenstarts in Barcelona stellte Audi-Pilot Timo Scheider die Weichen auf Titelverteidigung. In unserer Analyse blicken wir noch einmal auf die Gründe für den Audi-Dreifach-Triumph. Dabei fiel die Entscheidung schon nach wenigen Metern.

21.09.2009

Wie gelang Timo Scheider dieser fabelhafte Raketenstart?

Das Rennen um den Sieg dauerte eigentlich nur einen Kilometer. Dann hatte Timo Scheider den wichtigsten Teil seines 59 Runden umfassenden Tagwerkes geschafft - von Startplatz fünf auf Rang eins nach vorne zu fahren. Vorbei an den verdutzten Gegnern von Mercedes und auch an zwei Teamkollegen Tom Kristensen und Martin Tomczyk. Was danach folgte, war Routine: Im Stile eines großen Champions verwaltete Scheider die Führung, ohne Risiken einzugehen.

Scheider wunderte sich selbst ein wenig über seinen Katapultstart: "Keine Ahnung, warum ich so gut wegkam. Ich habe halt alles richtig gemacht." Doch es gibt auch eine technische Erklärung: Am Abend vor dem Rennen wechselten die Abt-Mechaniker Kupplung und Getriebe am Scheider-A4. Offenbar eine gute Entscheidung von Scheider und seinem Renningenieur Armin Plietsch.

Teamkollege Martin Tomczyk staunte: "Ich habe zuerst gar nicht mitgekommen, dass Timo vorne liegt, weil ich so mit Tom und den anderen beschäftigt war. Als ich in der zweiten Runde in Startkurve eingebogen bin habe ich gesehen: Hoppla, da ist ja ein schwarzes Autos schon in Kurve drei." Von da an war Tomczyk klar: "Heute können wir es easy nehmen."

Warum musste Mercedes eine solch derbe Schlappe einstecken?

Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der so oft unter Zuhilfenahme von Abschnittszeiten und Ähnlichem artistische Zahlenakrobatik betreibt, kam nach dem Rennen ohne Umschweife zu Sache: "Wir waren zu langsam."

Dies war eine üble Überraschung, denn am Samstag hatte man sich bei Mercedes für das Rennen gute Chancen ausgerechnet - trotz der siebten Audi-Trainingsbestzeit des Jahres. Nur 64 Tausendstelsekunden hatte Paul di Resta auf den Trainingsschnellsten Tom Kristensen eingebüßt, obwohl die Mercedes regelbedingt mit zehn Kilo mehr an Bord rennen mussten als die Audi A4. Dies bedeutet rechnerisch einen Nachteil von 15 Hundertstelsekunden.

Doch im Rennen um die Podiumsplätze konnten die Mercedes-Männer nicht mitmischen. "Der Speed war nicht gut genug", klagte Gary Paffett, der Vierte. "Die Balance hat nicht gestimmt", klagte di Resta. Bei Fragen nach dem Warum gab es zunächst keine sachdienlichen Hinweise. Doch jeder im DTM-Fahrerlager weiß, dass Winzigkeiten bei der Fahrwerkseinstellung gewaltige Auswirkungen haben können. Ein Millimeter mehr oder weniger bei der Bodenfreiheit an der Vorderachse macht oft den Unterschied aus zwischen einem perfekt liegenden Rennauto und einem bockigen Gefährt, dessen Vorderteil beim harten Bremsen aufgeregt auf und ab hüpft und den Fahrer beim Einlenken mit zeitraubendem Untersteuern nervt.

Mit einer riskanten Boxenstopp-Strategie versuchte der Mercedes-Kommandostand zu retten, was zu retten ist. In der Hoffnung auf eine Safetycar-Phase wurden Paffett und di Resta extrem früh zum Reifenwechsel an die Box beordert. Doch man hasardierte vergeblich. Andererseits hatten die beiden Briten aber auch keinen Nachteil, obwohl sie extrem lange - mehr als die Hälfte des Rennens - Schlussturns fahren mussten. Vielmehr gelang des Paffett sogar, beim Kampf um Platz vier die wütenden Attacken Ekströms abzuwehren. Lachender Dritter bei diesem Scharmützel war am Ende Spengler: Der Kanadier schlüpfte an Ekström vorbei, als der Schwede bei einem frechen Angriff auf der Außenbahn allzu weit von der Ideallinie entfernt war.

Machte Scheider in Spanien bereits sein Meisterstück?

Mit seinem zweiten Saisonsieg machte Timo Scheider große Fortschritte in Bezug auf die erfolgreiche Titelverteidigung. Auf seinen Audi-Markenkollegen Mattias Ekström besitzt der Deutsche bei zwei noch ausstehenden Rennen und maximal 20 zu erobernden Punkten einen Vorsprung von zwölf Zählern. Sogar 14 Punkte beträgt das Polster, das Scheider auf den Besten aus dem Mercedes-Lager hat, den Briten Gary Paffett.

War der Triumph von Barcelona bereits der entscheidende Schritt zum Titel? "Ganz sicher ist die Meisterschaft noch nicht eingefahren", warnt Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich, auch wenn es kaum noch Zweifel geben kann, dass der Fahrertitel zum dritten Mal in Folge an einen A4-Piloten gehen wird. Mercedes-Sportchef Norbert Haug glaubt: "Der Meisterschaft ist nur noch ab Platz zwei ziemlich offen. Timo hat 14 Punkte Vorsprung auf uns. Da kann er es schon geruhsam angehen lassen." Mit einem verschmitzen Lächeln fügte Haug hinzu: "Es sind aber auch schon Meisterschaften verloren worden, wo es großen Vorsprung gab." Ganz offensichtlich kam ihm da das dramatische Formel 1-Finale des Jahres 2007 in den Sinn, als Lewis Hamilton kurz vor Schluss noch abgefangen wurde.

Timo Scheider selbst stellt demonstrativ breitbeinigen Optimismus zur Schau: "Das nächste Rennen ist in Dijon. Da war ich beim Test vor der Saison der Schnellste." Sportchef Ullrich gibt aber zu bedenken: "Seither wurden die Randsteine in Sinne der verbesserten Sicherheit abgesenkt. Deswegen weiß keiner, wo man wirklich steht."

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